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Spezifische Immuntherapie Geschichte

Prof. Oliver Pfaar: 110 Jahre Spezifische Immuntherapie - Wie kam es dazu?

Spezifische Immuntherapie: Wie kam es dazu?

Die Spezifische Immuntherapie (SIT) oder Hyposensibilisierung gilt als einzig ursächliche Therapie bei vielen Allergien. Wie aber kam es dazu? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Oliver Pfaar, Sektion Rhinologie und Allergologie, Klinik für HNO-Heilkunde, Universitätsklinikum Marburg, über die Geschichte der SIT im 110. Jahr ihres Bestehens.

Herr Prof. Pfaar, wann nimmt die Geschichte der spezifischen Immuntherapie ihren Anfang?

Als Pioniere der spezifischen Immuntherapie gelten Leonard Noon und John Freeman – beide waren am St. Mary's Hospital des Imperial Colleges in London tätig. Sie waren die ersten, die ihren Patienten subkutane Gräserpollenextrakte applizierten. Dabei konnten sie bei ihren Patienten beobachten, dass die Symptome nach erfolgter Hyposensibilisierung viel später einsetzten und dass die Patienten auch höhere Allergendosen an der Bindehaut tolerierten.

In den 50er Jahren begann dann der später berühmte Allergologe William Frankland seine Tätigkeit am St. Mary's Hospital als Forschungsassistent bei John Freeman. Auch William Frankland prägte die Forschung an der Spezifischen Immuntherapie über einen sehr langen Zeitraum. In den 50er Jahren bekam die Evidenz in der Medizin einen immer höheren Stellenwert. Damit einher ging der Fokus auf placebokontrollierte Studien. Frankland hat für einen weiteren Meilenstein in der Immuntherapie gesorgt, indem er die erste placebokontrollierte Studie zur subkutanen Hyposensibilisierung durchführte, die er dann 1954 publizierte.

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Zum Nachweis der Effektivität der spezifischen Immuntherapie ist eine plazebokontrollierte Studie erforderlich, warum ist das so?

Wie in anderen Gebieten der Medizin ist auch bei der SIT der Plazeboeffekt relativ hoch, dies gilt für beide Applikationsformen dieser Therapie, also Spritzen- bzw.Tropfen/Tablettentherapie. Also empfiehlt sich eine Spezifische Immuntherapie erst, wenn ein SIT-Produkt zur Anwendung kommt, das auch wirkt! Die Therapie ist kostenintensiv und mit einer Therapiedauer von drei Jahren auch ausgesprochen langwierig. Die Patienten müssen sich über diesen langen Zeitraum für die subkutane Immuntherapie regelmäßig ihrem Arzt vorstellen oder täglich selbst die sublinguale Therapie durchführen. Zudem ist die Hyposensibilisierung auch nicht frei von Nebenwirkungen. Deshalb sollte die Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie auch in placebokontrollierten Studien, die den heutigen methodischen Standards genügen, bewiesen worden sein.

Wie ging es weiter mit der Entwicklung der spezifischen Immuntherapie?

Als nächsten großen Meilenstein in der Geschichte der AIT würde ich die erste placebokontrollierte Studie zur sublingualen Immuntherapie, das heißt, der Hyposensibilisierung mit Tabletten oder Tropfen, bezeichnen, die Glennis Scadding 1986 publiziert hat. Dieser Ansatz Arbeit wurde zu Beginn wissenschaftlich kontrovers diskutiert, aber tatsächlich hat diese Studie die Tür für viele Innovationen in Richtung alternativer Applikationsform der Spezifischen Immuntherapie geöffnet. In den letzten zwanzig Jahren wurden zahlreiche Studienergebnisse publiziert, die die Wirksamkeit auch dieser SIT gut belegt haben.