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Ambrosia Symptome Diagnose Therapie

Dr. Zieglmayer zum Thema: Allergie auf Ambrosia: Symptome, Diagnose Therapie! Bildquelle: P. Zieglmayer

Allergie auf Ambrosia: Symptome, Diagnose, Therapie

Die Ambrosia Allergie ist hierzulande relativ neu. Was bedeutet es für Allergiker, auf Ambrosia allergisch zu reagieren? Gibt es Kreuzallergien? Was ist schwierig bei der Diagnose? Wie behandelt man diese Pollenallergie, auch mit neuen Methoden? MeinAllergiePortal sprach mit Priv. Doz. Dr. Petra Zieglmayer, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, Allergologin und Arbeitsmedizinerin in Wien und Dozentin an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems.

Autor: Sabine Jossé M.A. 

Interviewpartner: Priv-Doz. Dr. med. Petra Zieglmayer

Frau Privatdozentin Zieglmayer, was für eine Pflanze ist die Ambrosie?

Die beifußblättrige Ambrosie (auch Ambrosia, Traubenkraut, oder auf Englisch “Ragweed”), ist eigentlich ein Neophyt. Das heißt, die Ambrosie ist keine heimische, sondern eine eingewanderte Pflanze. Sie hat sich bei uns in den letzten 20 Jahren mehr und mehr von Süden aus in Richtung Norden entlang der Verkehrsadern verbreitet. Ob sie an Autoreifen haftet und entlang der zentralen Verkehrswege oder durch Zutaten im Vogelfutter eingeschleppt wird, steht nicht mit Sicherheit fest.

Wann fliegen die Pollen der Ambrosie?

Die Pollen der Ambrosie fliegen sehr lange. Der Pollenflug der Ambrosia startet regional unterschiedlich in der zweiten Julihälfte und erstreckt sich bis weit in den Oktober hinein. Hinzu kommt, dass die Ambrosie enorme Pollenmengen produziert. Ambrosien-Pollen enthalten ein relativ aggressives Allergen, Amb a 1, das den Patienten durchaus Probleme bereitet.

Außerdem ist die Ambrosie in hohem Maße kreuzreaktiv mit Beifuß, denn beide Pflanzen gehören zur Familie der Korbblütler, der Asteraceae. Das hat zur Folge, dass Personen beim Allergietest zu einem sehr, sehr hohen Prozentsatz positiv auf beides reagieren.

Was bedeutet eine Ambrosia-Allergie für Allergiker?

Für Allergiker bedeutet die Ambrosia-Allergie, dass sich die Zeit mit Heuschnupfensymptomen möglicherweise länger hinzieht. Besteht eine Kreuzallergie auf Beifußpollen, könnte es sein, dass sie vom Frühsommer bis zum Spätherbst Allergiesymptome haben. Erste Heuschnupfen-Symptome können aufgrund der Kreuzallergie bereits mit Blühbeginn der Beifußpflanze im Juli auftreten. Wenn dann Ende Juli die Blütezeit der Ambrosia beginnt, gehen die Symptome nahtlos über und können bis Oktober andauern. Natürlich hängen diese Blütezeiten auch von der geographischen Lage ab.

Wie häufig ist die Ambrosia-Allergie?

In Europa haben sich die Sensibilisierungsraten auf Ambrosie bei ungefähr 12 bis 15 Prozent eingependelt. Im nordamerikanischen Raum liegen die Werte deutlich höher.

Welche Art von Allergie löst Ambrosie aus?

Die Ambrosia-Allergie ist eine typische Atemwegs- (Inhalations-) allergie. Deshalb haben die Patienten üblicherweise Heuschnupfen- Symptome, oft begleitet von einer allergischen Bindehautentzündung. Außerdem löst die Ambrosie bei asthmatischen Patienten ebenfalls Beschwerden aus.

Warum gilt die Ambrosie als besonderes Allergen und warum ist das wichtig für Allergiker?

Die Ambrosie ist deswegen besonders relevant für Allergiker, weil sie eine hohe Allergenität besitzt. Sie kann auch ganz außerordentlich hohe Pollenmengen freisetzen. Dass diese hohen Pollenmengen bei Ambrosia-Allergikern zu besonders schweren Heuschnupfensymptomen führen, darauf gibt es bisher allerdings keine Hinweise. Wir wissen aber, dass das beispielsweise bei der Allergie auf Birkenpollen so ist. Generell stehen wir bei der Ambrosie noch relativ am Anfang mit unseren Erfahrungen. Deshalb wird besonders argwöhnisch beobachtet, dass sie sich so schnell ausbreitet. Und: Bei einer Ambrosia-Allergie kann es bei Asthmatikern zu sehr lästigen Beschwerden kommen. Eine Beifuß-Allergie hingegen führt eher zu den typischen Heuschnupfensymptomen und eher selten zu Asthma.

Welche Symptome hat man bei der Ambrosia-Allergie?

Die Symptome der Ambrosien-Allergie sind die gleichen wie bei anderen Pollenallergien, Sie führt zu:

  • Laufender Nase oder verstopfter Nase
  • Juck- und Niesreiz
  • Roten, tränenden, juckenden Augen (allergische Bindehautentzündung bzw.
    allergische Konjunktivitis)
  • Konzentrationsproblemen
  • Müdigkeit

Bleibt der Heuschnupfen auf Traubenkraut unbehandelt oder wird er nicht ausreichend behandelt, kann sich ein vorbestehendes Asthma bronchiale verschlechtern mit Atembeschwerden, Husten oder gar Atemnot.

Theoretisch könnte es durch die hohe Pollenbelastung bei Neurodermitis-Patienten auch zu einem Ekzemschub kommen. Dazu gibt es aber nur wenige Daten.

Gibt es bei der Allergie auf Ambrosie, abgesehen vom Beifuß, auch Kreuzallergien auf andere Pollen?

Es kann auch bei allen anderen Arten von Korbblütlern zu Kreuzallergien kommen, wenn man eine Ambrosien-Allergie hat, zum Beispiel auf:

  • Kamille
  • Goldrute
  • Margariten
  • Gänseblümchen
  • Sonnenhut
  • Dahlien
  • Topinambur
  • Astern
  • Ringelblume
  • Zinnien

Kamille könnte für Ambrosia-Allergiker ein Thema sein. Schließlich wird Kamille als Tee von vielen Menschen getrunken und kann auch in Hautcreme enthalten sein. Das ist aber nur bedingt allergologisch relevant.

Gibt es bei der Allergie auf Ambrosie auch Kreuzallergien auf Nahrungsmittel?

Zu Kreuzallergien auf Nahrungsmittel kommt es bei der Allergie auf Ambrosie weniger. Das ist eher bei der Beifuß-Allergie der Fall.

Wie erfolgt die Diagnose einer Allergie auf Ambrosie?

Bei einer Allergie auf Ambrosie muss die Diagnose sehr sorgfältig gestellt werden. Das ist wichtig, um zu entscheiden, welche Therapie die beste ist. Die Frage lautet dann: Welches Allergen ist tatsächlich die Ursache der Pollenallergie-Symptome, Ambrosia oder Beifuß?

Grundsätzlich ist auch bei der Diagnose des Heuschnupfens auf Ambrosie die Anamnese das A und O. Dabei ist auch wichtig zu erfragen, wann der Patient Beschwerden hat. Um die Allergie auf Ambrosia von anderen Allergien abzugrenzen, muss überprüft werden, ob auch eine Beifußallergie vorliegen könnte. Das könnte dann der Fall sein, wenn die Symptome schon im Juni einsetzen.

Der nächste Schritt wäre die Hauttestung. Im Hauttest sieht man nur sehr selten eine isolierte Positivität auf Ambrosie, sondern in der Regel eine Doppel-Positivität auf Ambrosie und Beifuß. Dann muss man mit einem Allergie-Bluttest abklären, welches die primäre Allergie ist, denn nur auf das Hauptallergen kann eine erfolgreiche Therapie aufsetzen.

Kommt es im Spätsommer zu Symptomen, könnte auch Schimmelpilze, Alternaria, ein Thema sein. Der saisonale Peak der Schimmelpilze überschneidet sich teilweise mit dem Pollenflug der Ambrosie. Für die korrekte Allergie Diagnose könnte es aber auch eine Rolle spielen, aus welchem Land der Patient kommt.

Wie behandelt man die Ambrosia-Allergie?

Auch bei der Allergie auf Ambrosie lautet die Empfehlung Nummer eins, das Allergen zu meiden. Das ist natürlich meist nicht möglich. Die Heuschnupfen-Symptome kann man bei der Ambrosia-Allergie mit Allergie-Tabletten, Antihistaminika oder Kortison-Nasensprays behandeln. Ursächlich therapieren lässt sich diese Pollenallergie mit einer Hyposensibilisierung. Man kann aber viel zu einer Reduktion der Allergiesymptome beitragen, indem man die physikalische Barriere der Nasenschleimhaut stärkt, die Epithelbarriere.

Welche Rolle spielt die Epithel-Barriere der Haut bei der Therapie einer Allergie?

Die Epithel-Barriere ist bei Allergien ein ganz wichtiges Thema. Gemeint sind damit alle inneren und äußeren Oberflächen des Körpers, die eine Art Schutzschild vor äußeren Einflüssen bilden.

Die Epithel-Barriere umfasst unter anderem:

  • die äußere Haut
  • die Oberflächen des Verdauungstraktes
  • die Nasenschleimhaut

Wenn beim Patienten ein Barriereproblem besteht, wird die Epithelbarriere durchlässig. Dann können zum Beispiel Allergene, die das Epithel normalerweise nicht durchdringen können, ungehindert hindurchkommen.

Bezogen auf Pollenallergien kann man sagen: Es spielt für den Schweregrad der Symptome und das Gelingen der Therapie eine große Rolle, in welchem Zustand die Nasenschleimhaut ist.

Wann kann die Epithelbarriere der Nase, bzw. die Nasenschleimhaut, geschädigt sein?

Die Nasenschleimhaut kann aufgrund einer akuten Entzündung geschädigt sein, zum Beispiel durch einen viralen Infekt. Aber auch andere schädigende Substanzen, wie Feinstaub, Ozon oder Chemikalien können die Schleimhaut der Nase reizen. Das kann die Epithelbarriere schädigen und sie wird “löchrig”. Dadurch kann sich die Sensibilität der Patienten für allergische Reaktionen deutlich erhöhen. Umgekehrt kann man sagen, Patienten, die eine intakte Epithelbarriere haben, reagieren weniger empfindlich auf Pollen, als Patienten mit einer irritierten Epithelbarriere.

Wie ist die Epithelbarriere der Nase bzw. die Nasenschleimhaut aufgebaut?

Die Nasenschleimhaut ähnelt im ersten Schritt der Haut. Sie besteht aus aneinander gereihten Schleimhautzellen, verbunden durch die sogenannten Tight Junctions. Das sind Strukturen zwischen den einzelnen Mukosazellen der Nasenschleimhaut. Sie sind damit Teil der Epithelbarriere der Nase. Darüber liegt in der Nasenschleimhaut eine feuchte Mucusschicht. Das ist eine Art Oberflächenschutz und darin enthalten ist auch das Mikrobiom der Nase. Studien haben gezeigt, dass die Diversität des Nasenmikrobioms bei Pollenallergikern in der Pollensaison deutlich zurückgeht. Das schwächt die Immunabwehr in der Nase und die Patienten werden deutlich anfälliger für jede Art von schädigenden Stoffen aus der Umwelt. Diese Nasenschleimhaut-Barriere aufrecht zu erhalten, ist bei der Therapie von Pollenallergien deshalb von essentieller Bedeutung.

Wie stärkt man die Nasenschleimhaut gegen Ambrosia Pollen, gibt es auch sanfte Alternativen zu pharmakologischen Therapien?

Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, bei Heuschnupfen die Nasenschleimhaut gegen Pollen zu stärken.

Sehr wirksam für zu Hause sind Luftreiniger, die einen HEPA-Filter haben. Sie filtern kleinste Partikel aus der Luft, egal ob Feinstaub oder Pollen. Der Nasenschleimhaut tut diese gereinigte Luft sehr gut.

Aber auch Nasenspülungen mit salinischen Lösungen, mit Salzwasser, stärken die Epithel-Barriere der Nase. Man kann dazu entsprechende Nasensprays benutzen oder eine Nasendusche mit speziellem Salzzusatz. Man hat dann einen Reinigungseffekt, löst die Pollen von der Schleimhaut und spült sie weg. Das hält die Schleimhaut feucht und stärkt sie.

Interessant sind auch thixotrope Lösungen. Das sind Lösungen die sich durch schütteln verflüssigen lassen und auf die Schleimhaut der Nase aufgebracht werden. Sie bilden dann einen schützenden Gelfilm auf der Nasenschleimhaut. Hierfür stehen mehrere Substanzen zur Verfügung, zum Beispiel Bentonit-haltige Sprühlösungen, die auch das Nasenmikrobiom stärken.

Studien haben gezeigt, dass sich durch Bentonit-Lösungen tatsächlich ein Film auf der Nasenschleimhaut bildet. Damit wird die Barrierefunktion gestärkt, was erwiesenermaßen auch bei der Prophylaxe und Abwehr hilfreich ist, zum Beispiel während der Erkältungszeit. Es gibt Studien, die dies belegen.

Was genau ist Bentonit und wie wirkt es bei Heuschnupfen?

Bentonit ist ein Gemisch aus Tonerde. Es bindet Viren und andere elektrisch geladene Partikel. So verstärkt es die Widerstandskraft der Schleimhautoberfläche der Nase auf mehreren Ebenen. Einerseits hält Bentonit die Schleimhaut intakt und vor allen Dingen feucht. Andererseits wird verhindert, dass Umweltstoffe die Nasenschleimhaut durchdringen können. Eine Gelschicht auf der Schleimhaut fängt die schädlichen Stoffe ab, so dass sie erst gar nicht mit der Epithelschicht in Berührung kommen können.

Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Ambrosiapollen, andere Pollen, andere Allergene, Krankheitserreger oder chemische Substanzen handelt. Durch den Schutzfilm können sie das darunter liegende Epithel überhaupt nicht erreichen und eine allergische Reaktion auslösen. Dann setzt die Selbstreinigungskraft der Nasenschleimhaut ein und die Flimmerhärchen transportieren alle Fremdkörper in Richtung Rachen, worüber sie eliminiert werden.

Was ist der Unterschied bei der Wirkung von Bentonit Nasenspray und pharmakologischen Mitteln?

Bentonit gelangt nicht in den Stoffwechsel. Es kommt also nicht zu pharmakologischen oder immunologischen Wechselwirkungen. Bentonit Nasenspray hat ein hohes Sicherheitsprofil und keine Nebenwirkungen. Damit ist Nasenspray mit Bentonit eine wichtige Alternative für vulnerable Patientengruppen. Es eignet sich gut für Patienten, die einer Pharmakotherapie nicht zugänglich sind. Entweder weil sie einfach keine Medikamente nehmen wollen, zum Beispiel während der Schwangerschaft oder bei kleinen Kindern. Zudem ist es in Apotheken frei erhältlich.

Herzlichen Dank, Frau Privatdozentin Zieglmayer, für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

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