Nasenpolypen
Bei Nasenpolypen, oder medizinisch Polyposis nasi, handelt es sich um eine chronische Erkrankung. Genau gesagt, um eine chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP). Die Lebensqualität der Betroffenen ist stark eingeschränkt und sehr oft lassen sich die Symptome nicht vollständig kontrollieren. Was sollten Betroffene wissen? Grundlegende und für Patienten wichtige Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und neuen Therapien.
Erstellt: 5.5.2026
Autor: Prof. Dr. med. Ludger Klimek ist Leiter des Allergiezentrums in Wiesbaden. Er unterrichtet Studenten an der Universität Heidelberg, Fakultät Mannheim und ist Spezialist der Allergologie und klinischen Immunologie. Mit Vortragstätigkeiten & eigenen Kongressen im In- und Ausland, zählt er zu den Führungspersönlichkeiten in der modernen Allergologie und klinischen Immunologie. Zudem ist er Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (AeDA) , Dr. med Anna Eger
Nasenpolypen: Die wichtigsten Fakten!
▶Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen, die 2 bis 4 Prozent der Bevölkerung betreffen.
▶Nasenpolypen können zusammen mit Asthma und Aspirin-Unverträglichkeit auftreten.
▶Typische Beschwerden bei Nasenpolypen sind Geruchsverlust, verstopfte Nase und Druckgefühl im Gesicht.
▶Die Diagnosestellung von Nasenpolypen erfolgt durch Nasenendoskopie und einem CT der Nasennebenhöhlen.
▶Behandelt werden Nasenpolypen mit Kortison-Nasenspray, sowie gegebenenfalls Biologika oder Operation.
▶Biologika eröffnen neue Therapieoptionen bei Nasenpolypen und verändern die Behandlung nachhaltig.
Nasenpolypen – was bedeutet das?
Nasenpolypen sind Wucherungen der Schleimhaut in der Nase und auch in den Nasennebenhöhlen, der medizinische Fachbegriff lautet Polyposis nasi. Die veränderte Schleimhaut kann sich breitflächig oder auch schmal und gestielt in die Nase vorwölben.
Wichtig ist: Nasenpolypen sind nicht zu verwechseln mit den „Polypen“, die bei Kindern die Atemwege verengen und häufig operiert werden. Bei dieser Art „Polypen“ handelt es sich um Lymphgewebswucherungen im Bereich des Nasenrachens.
Wie häufig kommen Nasenpolypen vor?
Man geht in Deutschland und Europa von einer Erkrankungsrate von etwa 2 bis 4 Prozent aus, wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Jedoch haben 7 bis 12 Prozent im Europäischen Raum eine chronische Sinusitis, die als Ursache der Nasenpolypen angenommen wird. Möglicherweise nimmt das Erkrankungsrisiko mit fortschreitendem Alter zu. Besonders häufig treten Nasenpolypen ab dem 40. bis 50. Lebensjahr auf.
Wo sitzen die Nasenpolypen?
Nasenpolypen wachsen hauptsächlich an den Eingängen der Nasennebenhöhlen (NNH) und in den NNH selbst.
Es gibt mehrere Nasennebenhöhlen, dazu gehören die:
- Stirnhöhlen
- Kieferhöhlen
- Keilbeinhöhlen
- Siebbeinzellen zwischen den Augenhöhlen
An den jeweiligen Eingängen zu allen Nasennebenhöhlen können sich Nasenpolypen unterschiedlicher Größen ansiedeln. Diese Eingänge zu den Nasennebenhöhlen liegen weit oben in der Nase, sodass man die Nasenpolypen normalerweise nicht von außen sieht. Es kann aber, wenn auch sehr selten, vorkommen, dass extrem große Nasenpolypen so weit in der Nase nach unten wachsen, dass sie durch die Nasenlöcher zu sehen sind.
Meistens sind beide Nasenseiten betroffen und für gewöhnlich finden sich mehrere Nasenpolypen pro Seite.
Was sind die Ursachen von Nasenpolypen?
Nasenpolypen werden durch chronische Entzündungen der Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen ausgelöst. Man spricht dann von einer chronischen Rhinosinusitis, einer sehr häufig auftretenden Erkrankung.
Etwa 20 bis 30 Prozent der Patienten mit einer chronischen Entzündung der Nasenschleimhaut - einer chronischen Rhinosinusitis und der Nasennebenhöhlen entwickeln zusätzlich Nasenpolypen. Warum das so ist, ist aktuell noch nicht bekannt. Man weiß jedoch, dass bestimmte Entzündungsmechanismen eine zentrale Rolle spielen. Dabei sind Botenstoffe wir Interleukin-4, Interleukin-5 und IgE beteiligt, die auch bei Allergien und Asthma eine Rolle spielen.
Trotz dieser Häufigkeit werden Nasenpolypen oft übersehen. Ein Grund hierfür ist, dass die für Polyposis nasi typischen Symptome, wie permanentes Naselaufen und Kopfschmerzen, auch bei anderen Krankheiten vorkommen können.
Nasenpolypen & Aspirin-Unverträglichkeit oder ASS-Intoleranz: Hängt das zusammen?
Bei einer Unverträglichkeit von Aspirin, auch ASS-Unverträglichkeit oder ASS-Intoleranz genannt, reagieren die Patienten auf bestimmte Medikamente mit Unverträglichkeitssymptomen. Zu diesen Medikamenten gehören zum Beispiel Arzneien, die Acetylsalizylsäure enthalten, wie Aspirin, aber auch nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID).
Diese Unverträglichkeiten können eng mit Nasenpolypen zusammenhängen. Dieses Krankheitsbild bezeichnet man heute meist als Aspirin-Exacerbated Respiratory Disease (AERD) oder NSAID-Exacerbated Respiratory Disease (NERD).
Von einem ASS-Intoleranz-Syndrom spricht man dann, wenn eine Unverträglichkeit auf Salicylate mit Asthma und Nasenpolypen einhergeht. Dabei scheint die ASS-Intoleranz das Entstehen von Nasenpolypen zu begünstigen.
Die Kombination von Nasenpolypen, Asthma und ASS-Unverträglichkeit hat viele Namen, zum Beispiel:
- ASS-Intoleranz-Syndrom
- Morbus Samter
- Morbus Widal
- Samter Trias
- Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease (AERD)/NSAID-Exacerbated Respiratory Disease (NERD)
Dabei ist immer die gleiche Erkrankung gemeint.
Mögliche Symptome beim ASS-Intoleranz Syndrom sind unter anderem:
- Laufende Nase oder verstopfte Nase nach Einnahme bestimmter Medikamente
- Wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen
- Asthma-Anfälle oder Verschlechterung eines Asthmas
- Hautausschläge (Urtikaria)
- Schwellungen der Schleimhäute
- Schwellungen an der Haut (Angioödeme)
- Darmkrämpfe
- Durchfall
Symptome bei Nasenpolypen – welche Anzeichen gibt es?
Nasenpolypen werden meist durch eine chronische Rhinosinusitis (CRS) ausgelöst. Man geht davon aus, dass eine akute Entzündung, die nach sechs Wochen nicht geheilt ist, chronisch wird.
Von einer chronischen Rhinosinusitis spricht man, wenn folgende Symptome länger als 12 Wochen und ohne Unterbrechung auftreten:
- Dauerhaft verstopfte Nase
- Erschwerte Nasenatmung
- Eingeschränkter Geruchssinn, Leitsymptom
- Eingeschränkter Geschmackssinn, als Folge des gestörten Geruchssinns
- Sekretion aus der Nase, klar oder eitrig
- Gesichtsschmerzen, Druckgefühl im Gesicht
- Kopfschmerzen, oft verstärkt beim Vornüberbeugen
Oft berichten die Patienten, dass diese Beschwerden die Lebensqualität erheblich einschränken. Es dauert meist mehrere Wochen, bis eine chronische Nasennebenhöhleninfektion ausgeheilt ist.
Wie sehen die typischen Symptome bei Nasenpolypen aus?
Die Symptome bei Menschen mit Nasenpolypen, in der Medizin sagt man auch CRSwNP (Chronic Rhino Sinusitis with Nasal Polyps) können relativ unspezifisch sein und ähneln denen der akuten Rhinosinusitis.
Bei einer chronischen Rhinosinusitus mit Nasenpolypen sind folgende Anzeichen möglich:
- Dauerhaft Verstopfte Nase
- Andauerndes Sekret aus der Nase
- Sekret, das aus der Nase in den Rachenraum läuft, postnasaler Tropf
- Verschleimung oder häufiges Räuspern
- Geschichtsschmerz
- Kopfschmerz, der sich beim Vornüberbeugen verstärkt
- Druckgefühl im Gesicht, insbesondere an den Nasennebenhöhlen
- Riechstörung
- Sichtbare Nasenpolypen bei ärztlicher Untersuchung
- eingeschränktes Geschmackserleben
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Näselnde Sprache, Sprechen „durch die Nase“
Wie sieht die Symptomatik von Nasenpolypen bei Kindern aus?
Nasenpolypen bei Kindern sind deutlich seltener als bei Erwachsenen. Wenn sie auftreten, sind sie häufig mit chronischen Entzündungen oder Grunderkrankungen wir Mukoviszidose oder primärer Ziliendyskinesie verbunden. Die Symptome können sich von denen Erwachsener unterscheiden und wirken sich oft direkt auf die Entwicklung aus.
Bei Kindern mit Nasenpolypen sehen die Symptome wie folgt aus:
- Ständig verstopfte Nase
- Oft offener Mund, atmen durch den Mund bei reduzierter Nasenatmung
- Häufige Erkältungskrankheiten
- Nächtliches Schnarchen oder unruhiger Schlaf
- Oft begleitet von Hörstörungen
- Sprachentwicklungsverzögerung
Nasenpolypen oder „Polypen“ bzw. Nasen-Rachenmandeln bei Kindern: Was ist der Unterschied?
Bei Nasenpolypen und Nasenrachenmandeln handelt es sich um völlig verschiedene Phänomene. Bei vergrößerten Nasenrachenmandeln oder Adenoide, die im Volksmund auch als „Polypen“ bezeichnet werden, handelt es sich um Wucherungen, des Lymphgewebes. Das heißt, das reguläre Tonsillengewebe, das an dieser Stelle auch ganz normal ist, ist einfach nur vergrößert.
Dahingegen sind Nasenpolypen oder Polyposis nasi, krankhafte Wucherungen in der Nase, die dort nicht hingehören.
Nasenpolypen: Besteht ein Risiko für weitere Erkrankungen?
Bei chronischen Erkrankungen kann es auch zu weiteren Erkrankungen kommen. Besonders häufig sind Erkrankungen, die mit einer Typ-2-Entzündung zusammenhängen. Dazu zählen vor allem:
- Allergischer Schnupfen/Allergische Rhinitis
- Asthma bronchiale
- Aspirin-Exacerbated Respiratory Disease - AERD/NERD, Samter-Trias
Darüber hinaus zeigen Studien, dass bei Patienten mit Polyposis nasi häufiger auch systemische Begleiterkrankungen zeigen:
- Hoher Blutdruck - Hypertonie
- Zucker-Krankheit - Diabetes mellitus
- Störung des Fettstoffwechsels - Hyperlipidämie
- Erkrankung der Herzkranzgefäße - Ischämische Herzerkrankung
- Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns - Zerebrovaskuläre Krankheiten
- Chronische Nierenerkrankung
- COPD - chronisch obstruktive Lungenerkrankung
- Chronische Lebererkrankungen
- Depressionen
Dabei sind nicht alle dieser Erkrankungen direkte Folgen der Nasenpolypen. Vielmehr handelt es sich um häufige Begleiterkrankungen, die bei Betroffenen öfter vorkommen und die Behandlung komplexer machen können.
Kann es bei Nasenpolypen zu Komplikationen kommen?
Sowohl durch die Erkrankung selbst als auch durch die Behandlung können bei Nasenpolypen durchaus Komplikationen auftreten.
Mögliche Komplikationen bei Nasenpolypen sind:
- Wiederkehrende Polypen, auch nach Operation
- Chronische Beschwerden
- Asthma-Verschlechterung
- Infektionen, wie chronische Nasennebenhöhlenentzündung
- Schlafprobleme mit Schnarchen und Schlafapnoe
- Komplikationen durch Operationen, wie Blutungen, Infektionen oder Verletzungen angrenzender Strukturen
- Psychische Belastung bis zu Depression und Angststörung
Können Nasenpolypen bösartig werden?
Nasenpolypen selbst sind gutartige Schleimhautwucherungen und werden nicht als Krebsvorstufe angesehen. Sie werden also nicht direkt bösartig. Jedoch gibt es Tumoren, die ähnliche Beschwerden wie Nasenpolypen verursachen können und bösartig sind, aber das ist selten. Deshalb ist eine ärztliche Untersuchung notwendig, um Polypen sicher von einer seltenen bösartigen Erkrankung abzugrenzen.
Besteht die Möglichkeit, dass sich Nasenpolypen von selbst zurückbilden?
Nasenpolypen bilden sich in der Regel nicht selbst zurück. Sie sind Ausdruck einer chronischen Entzündung der Nasenschleimhaut und bleiben bestehen, solange die Entzündung aktiv ist. Sehr kleine Polypen können unter manchmal vorübergehend kleiner werden. Ein dauerhaftes spontanes Verschwinden ist jedoch nicht zu erwarten.
Woran erkennt man, dass Nasenpolypen bösartig werden?
Nasenpolypen selbst werden nicht bösartig. Dennoch sind Differentialdiagnosen von Krebs wichtig und auszuschließen. Generell verursachen Tumoren der Nasennebenhöhle ähnliche Beschwerden wie Polypen. Deshalb sollte man bei bestimmten Warnzeichen besonders aufmerksam sein.
Warnzeichen für mögliche bosartige Veränderungen in der Nase sind:
- Einseitige Polypen - Polypen treten normalerweise beidseitig auf
- Blutungen aus der Nase, die nicht durch Infekte erklärbar sind
- Starke Schmerzen
- Schnelles Wachstum oder ungewöhnliche Form der Schleimhautveränderung
- Neurologische Symptome wie Sehstörungen oder Taubheitsgefühl im Gesicht
Polyposis nasi-Diagnose: Wie werden Nasenpolypen diagnostiziert?
Zunächst wird sich der Arzt im Zuge der Anamnese genau über die Symptome informieren und den Patienten klinisch untersuchen, also zum Beispiel prüfen, ob ein Klopfschmerz im Gesicht, speziell im Bereich der Stirn besteht.
Mit den folgenden Untersuchungen kann man Nasenpolypen feststellen:
- Endoskopische Untersuchung der Nase
- Röntgen der Nasennebenhöhlen
- Computertomographie (CT) der Nase und Nebenhöhlen
Welche Ärzte behandeln Nasenpolypen?
Nasenpolypen werden in erster Linie von Fachärzten für Hals-Nase-Ohrenheilkunde behandelt. HNO-Ärzte sind die erste Anlaufstelle und Spezialisten für Diagnose, medikamentöse Therapie und operative Verfahren. Jedoch können auch Hausärzte, Allergologen und Pulmologen involviert sein.
Es gibt auch Spezialkliniken zur Behandlung von Nasenpolypen, die besonders komplexe Fälle behandeln. Universitätskliniken und Zentren für Rhinologie bieten Zugang zu modernen Therapien und führen klinische Studien durch.
Wie sieht die Therapie von Nasenpolypen aus?
Es ist theoretisch möglich, dass sich Nasenpolypen ohne Behandlung von selbst zurückbilden. Darauf sollte man aber nicht hoffen, da das nur sehr selten der Fall ist.
Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Nasenpolypen zu behandeln. Aber: Nicht immer lassen sich die Symptome so auch zum Verschwinden bringen.
Es gibt kein Zaubermittel, das Polypen einfach verschwinden lässt. Aber die moderne Medizin hat heute sehr wirksame Therapien, die Beschwerden deutlich lindern und die Lebensqualität verbessern können. Wer nach einem „Wundermittel“ sucht, sollte wissen: Das eigentliche „Wunder“ sind die Fortschritte der modernen Medikamente, die gezielt die Entzündung bremsen.
Therapie von Nasenpolypen mit Kortison-Nasensprays
Für eine Behandlung von Nasenpolypen sind topische Glukokortikosteroide, d.h. Nasensprays mit Kortison zugelassen. Sie gelten als erste Wahl in der medikamentösen Therapie. Leider ist der Effekt dieser Medikation eher gering und sehr individuell. Die Wucherungen in der Nase werden meist nicht ausreichend verringert oder eliminiert. Nasensprays erreichen nur schwer die Polypen und haben daher einen geringen antientzündlichen Effekt.
Die medikamentöse Therapie mit Kortison als Tabletten stellt einen weiteren Therapieansatz dar. Allerdings ist die orale Gabe von Kortison über einen längeren Zeitraum aufgrund der Nebenwirkungen nicht unproblematisch.
Antibiotika sind für die meisten Patienten nicht zu empfehlen und Antimykotika helfen nachweislich nicht.
Sind Nasensprays gegen Nasenpolypen rezeptfrei? Was ist das beste Nasenspray gegen Nasenpolypen?
Kortison-Nasensprays gegen Nasenpolypen sind in Deutschland grundsätzlich verschreibungspflichtig – rezeptfreie Präparate gibt es nicht. Typische Wirkstoffe sind Mometason oder Fluticason. Rezeptfreie Nasensprays enthalten meist Kochsalzlösung, Meerwasser oder abschwellende Wirkstoffe. Diese lindern zwar Symptome kurzfristig, helfen aber nicht gegen Polypen.Online-Apotheken werben teils mit „rezeptfrei“, tatsächlich handelt es sich dabei um unseriöse Angebote oder Präparate, die nicht für Polypen zugelassen sind. Eine ärztliche Verordnung ist notwendig.
Nasenpolypen: Helfen Hausmittel?
Hausmittel können bei Nasenpolypen zwar keine Heilung bewirken, aber sie können die Beschwerden etwas lindern und die Schleimhautpflege unterstützen. Wichtig ist, dass Patienten verstehen: Hausmittel ersetzen keine medizinische Therapie mit Kortison-Nasensprays, Biologika oder gegebenenfalls einer Operation.
Sinnvolle unterstützende Maßnahmen als Hausmittel sind:
- Nasenduschen mit Kochsalzlösung spülen Schleim, Allergene und Krankheitserreger aus, befeuchten die Schleimhaut und können die Wirkung von Kortison-Nasenspray verbessern.
- Inhalationen mit Wasserdampf oder Kochsalz befeuchten die Schleimhäute und erleichtern das Abfließen von Sekret.
- Befeuchten der Raumluft und regelmäßiges Lüften verhindert Austrocknung der Schleimhäute.
- Vermeidung von Allergenen und Reizstoffen verhindert eine zusätzliche Schleimhautreizung und Verstärkung der Symptome.
Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass Globuli, Schüssler Salze oder Homöopathie Nasenpolypen verkleinern oder die Entzündung beeinflussen.
Wann macht man bei Nasenpolypen eine Operation?
Wenn all diese Maßnahmen nicht greifen, stellt sich für die Patienten die Frage: Wann muss man die Nasenpolypen mit einer Operation entfernen?
Eine Operation bei Nasenpolypen wird dann erwogen, wenn konservative Maßnahmen wie Kortison-Nasensprays oder Biologika nicht ausreichend wirken und die Beschwerden den Alltag stark beeinträchtigen.
Eine Operation ist dann sinnvoll, wenn:
- die Nasenatmung massiv behindert ist
- ein deutlicher Geruchsverlust vorliegt, der nicht auf Medikamente anspricht
- chronische oder wiederkehrende Infektionen der Nasennebenhöhlen vorliegen
- ein begleitendes Asthma durch die Polypen verschlechtert wird
- die medikamentöse Therapie versagt
Dann ist es möglich, die Nasenpolypen durch eine Operation zu entfernen. Oft kommt es dann nach der Operation zunächst zu einer Besserung des Befindens. Allerdings kommt es im Verlauf bei vielen Patienten erneut zu Nasenpolypen, oft auch schon kurz nach der OP. Warum die Nasenpolypen oft immer wieder kommen, ist nicht bekannt.
Die endoskopische Nasennebenhöhlen-Operation, FEES, ist dabei ein Standardverfahren, bei dem Polypen und entzündetes Gewebe minimal-invasiv entfernt werden. Kleinere Eingriffe können auch ambulant erfolgen, komplexere Operationen werden stationär durchgeführt. Laserchirurgie wird nur selten eingesetzt, da die klassische endoskopische Technik präziser und besser etabliert ist.
Um Rückfälle nach einer Operation zu vermeiden, ist eine medizinische Nachbehandlung entscheidend.
Nasenpolypen – können die neuen Biologika helfen?
Die neuen Biologika haben die Therapie von Nasenpolypen in den letzten Jahren deutlich verändert.
Die Forschung an den Entzündungsmechanismen, die den Nasenpolypen zugrunde liegen, hat gezeigt, dass Zytokine wie IL-5, IL-4, IL-13 sowie die IgE-Produktion in Nasenpolypen deutlich erhöht sind. Bei der deutlich überwiegenden Anzahl der Nasenpolypen-Patienten besteht eine Typ-2-Inflammation. Die neuen Biologika, die an diesen Entzündungsmechanismen ansetzen, wurden deshalb in den letzten Jahren auch auf ihre Wirksamkeit bei der Therapie von Polyposis nasi untersucht und man hat sehr gute Erfahrungen gemacht.
Biologika blockieren gezielt diese entzündlichen Signalwege. Sie sind besonders für die Patienten geeignet, bei denen Kortison-Nasensprays oder Operationen nicht ausreichend wirken oder die immer wieder Rückfälle haben.
Zugelassen zur Therapie der Nasenpolypen sind bereits die folgenden Präparate:
- Omalizumab – richtet sich gegen IgE
- Dupilumab – blockiert IL-4 und IL-13
- Mepolizumab – hemmt IL-5
- Tezepelumab – bindet und blockiert das Zytokin TSLP
- Depemokimab – neutralisiert IL-5
Die Behandlung erfolgt als regelmäßige Infektion, zum Beispiel alle 2-4 Wochen.
Im Verlauf der Biologika Therapie gilt es, die therapeutische Wirksamkeit der Maßnahme in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.
Biologika sind keine Heilung, aber sie können die Lebensqualität erheblich verbessern und Operationen hinauszögern oder überflüssig machen.
Welche Erfahrungen hat man bei Nasenpolypen mit Biologika gemacht?
Biologika haben sich bei Nasenpolypen als sehr wirksam erwiesen: Sie können die Polypen deutlich verkleinern, die Nasenatmung verbessern und den Geruchssinn wiederherstellen. Viele Patienten berichten bereits nach wenigen Wochen über eine spürbare Verbesserung der Nasenatmung und des Geruchssinns. Studien zeigen, dass Biologika Polypen deutlich verkleinern können, teilweise verschwinden sie ganz. Patienten berichten über weniger Kopfschmerzen, weniger Infekte und eine deutliche Verbesserung des Schlafs. Zudem sind sie meist gut verträglich und weisen selten Nebenwirkungen auf.
An welchen Nasenpolypen-Therapien wird geforscht?
Aktuell wird bei Nasenpolypen intensiv an neuen Therapien geforscht, wobei vor allem die Biologika und eine individualisierte Therapie im Fokus stehen. Weitere Studien beschäftigen sich beispielsweise mit Benralizumab, einem IL-5R-Antikörper, und Antikörpern gegen IL-33, wie Itepekimab und Etokimab.
Biologika bei Nasenpolypen: Welche Patienten sind die richtigen?
Voraussetzung für die Verordnung der neuen Biologika ist, laut EUFOREA, eine beidseitige schwere chronische Rhinosinusitis, die mit systemischen Steroiden (Kortison) oder einer operativen Maßnahme vorbehandelt wurde, ohne dass eine Symptomverbesserung erzielt werden konnte. Dabei müssen bei vorausgegangener OP drei, ansonsten vier der folgenden Kriterien erfüllt werden:
- Nachweis einer Typ-2-Entzündung
- Bedarf systemischer Kortikosteroide (2 oder mehr Zyklen im letzten Jahr)
- Signifikante Einschränkung der Lebensqualität
- Signifikante Riechminderung
- Diagnose eines komorbiden Asthmas
Wie behandelt man Nasenpolypen bei Kindern?
Auch bei Kindern sind Kortison-Nasensprays die Therapie der ersten Wahl. Wie wirken lokal und sind bei richtiger Anwendung gut verträglich. Eine orale Kortisongabe wird nur sehr zurückhaltend eingesetzt, da Nebenwirkungen bei Kindern besonders problematisch sind. Im Hinblick auf Biologika bei Kindern laufen Studien, das heißt, die Anwendung ist derzeit nur eingeschränkt möglich und muss individuell geprüft werden. Was Operationen angeht, ist ebenfalls Zurückhaltung geboten. Man operiert nur möglichst spät und selten im Kindesalter, da Polypen oder wiederkehren und die OP belastend ist. „Wundermittel“ gibt es auch für Kinder nicht, aber unterstützende Maßnahmen wie Nasenspülungen sind ebenso wie bei Erwachsenen sinnvoll.

Prof. Dr. med. Ludger Klimek ist Facharzt für HNO-Heilkunde, Allergologie, Plastische Operationen, Behandlung von Schnarchen/Schlafapnoe, Naturheilverfahren und Umweltmedizin. Er praktiziert in der HNO Gemeinschaftspraxis und leitet das Zentrum für Rhinologie und Allergologie, beide in Wiesbaden. Zudem ist er Präsident des Ärzteverbands Deutscher Allergologen e. V. (AeDA) und Mitglied im Fachbeirat von MeinAllergiePortal. Mit Vortragstätigkeiten und eigenen Kongressen im In- und Ausland, zählt er zu den Führungspersönlichkeiten in der modernen Allergologie und klinischen Immunologie. Erreichbar ist er hier: https://hno-wiesbaden.de/
Quellen:
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