Nasenpolypen Polyposis nasi

Nasenpolypen - Polyposis nasi: Was ist das? Ursache, Symptome, Diagnostik und Therapie!

Nasenpolypen - Polyposis nasi: Was ist das?

Bei Nasenpolypen, oder medizinisch Polyposis nasi, handelt es sich um eine chronische Erkrankung. Genau gesagt, um eine chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP). Die Lebensqualität der Betroffenen ist stark eingeschränkt und sehr oft lassen sich die Symptome nicht vollständig kontrollieren. Was sollten Betroffene wissen? Grundlegende und für Patienten wichtige Informationen zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und neuen Therapien.

 

Autor: Prof. Dr. med. Ludger Klimek

Nasenpolypen – was bedeutet das?

prof klimek digipatProf. Dr. Ludger Klimek zum Thema Nasenpolypen! Ursachen, Symptome, Diagnostik und Therapie!Nasenpolypen sind Wucherungen der Schleimhaut in der Nase und auch in den Nasennebenhöhlen, der medizinische Fachbegriff lautet Polyposis nasi. Die veränderte Schleimhaut kann sich breitflächig oder auch schmal und gestielt in die Nase vorwölben.

Wichtig ist: Nasenpolypen sind nicht zu verwechseln mit den „Polypen“, die bei Kindern die Atemwege verengen und häufig operiert werden. Bei dieser Art „Polypen“ handelt es sich um Lymphgewebswucherungen im Bereich des Nasenrachens.

Wie häufig kommen Nasenpolypen vor?

Man geht in Deutschland und Europa von einer Erkrankungsrate von etwa 2 bis 4 Prozent aus, jedoch haben 7 bis 19 Prozent im Europäischen Raum eine chronische Sinusitis, die als Ursache der Nasenpolypen angenommen wird. Möglicherweise nimmt das Erkrankungsrisiko mit fortschreitendem Alter zu.

Wo sitzen die Nasenpolypen?

Nasenpolypen wachsen hauptsächlich an den Eingängen der Nasennebenhöhlen (NNH) und in den NNH selbst.

Es gibt mehrere Nasennebenhöhlen, dazu gehören die:

  • Stirnhöhlen
  • Kieferhöhlen
  • Keilbeinhöhlen
  • Siebbeinzellen zwischen den Augenhöhlen

An den jeweiligen Eingängen zu allen Nasennebenhöhlen können sich Nasenpolypen unterschiedlicher Größen ansiedeln. Diese Eingänge zu den Nasennebenhöhlen liegen weit oben in der Nase, sodass man die Nasenpolypen normalerweise nicht von außen sieht. Es kann aber, wenn auch sehr selten, vorkommen, dass extrem große Nasenpolypen so weit in der Nase nach unten wachsen, dass sie durch die Nasenlöcher zu sehen sind.

Meistens sind beide Nasenseiten betroffen und für gewöhnlich finden sich mehrere Nasenpolypen pro Seite. 

 

Was sind die Ursachen von Nasenpolypen?

Nasenpolypen werden durch chronische Entzündungen der Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen ausgelöst. Man spricht dann von einer chronischen Rhinosinusitis, einer sehr häufig auftretenden Erkrankung.

Etwa ein Viertel der Patienten mit einer chronischen Entzündung der Nasenschleimhaut und der Nasennebenhöhlen entwickeln zusätzlich Nasenpolypen. Warum das so ist, ist aktuell noch nicht bekannt. Trotz dieser Häufigkeit werden Nasenpolypen oft übersehen. Ein Grund hierfür ist, dass die für Polyposis nasi typischen Symptome, wie permanentes Naselaufen und Kopfschmerzen, auch bei anderen Krankheiten vorkommen können.

Nasenpolypen & Aspirin-Unverträglichkeit oder ASS-Intoleranz: Hängt das zusammen?

Bei einer Unverträglichkeit von Aspirin, auch ASS-Unverträglichkeit oder ASS-Intoleranz genannt, reagieren die Patienten auf bestimmte Medikamente mit Unverträglichkeitssymptomen. Zu diesen Medikamenten gehören zum Beispiel Arzneien, die Acetylsalizylsäure enthalten, wie Aspirin, aber auch nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAID).

Von einem ASS-Intoleranz-Syndrom spricht man dann, wenn eine Unverträglichkeit auf Salicylate mit Asthma und Nasenpolypen einhergeht. Dabei scheint die ASS-Intoleranz das Entstehen von Nasenpolypen zu begünstigen.

Die Kombination von Nasenpolypen, Asthma und ASS-Unverträglichkeit hat viele Namen, zum Beispiel:

  • ASS-Intoleranz-Syndrom
  • Morbus Samter
  • Morbus Widal
  • Samter Trias
  • Aspirin-Exacerbated-Respiratory Disease (AERD)

Dabei ist immer die gleiche Erkrankung gemeint.

Mögliche Symptome beim ASS-Intoleranz Syndrom sind unter anderem:

  • Laufende Nase nach Einnahme bestimmter Medikamente
  • Wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen
  • Asthma-Anfälle
  • Hautausschläge (Urtikaria)
  • Schwellungen der Schleimhäute
  • Schwellungen an der Haut (Angioödeme)
  • Darmkrämpfe
  • Durchfall

 

Symptome bei Nasenpolypen – welche Anzeichen gibt es?

Nasenpolypen werden meist durch eine chronische Rhinosinusitis (CRS) ausgelöst. Man geht davon aus, dass eine akute Entzündung, die nach sechs Wochen nicht geheilt ist, chronisch wird.

Von einer chronischen Rhinosinusitis spricht man, wenn folgende Symptome länger als 3 Monate und ohne Unterbrechung auftreten:

  • Verstopfte Nase
  • Erschwerte Atmung
  • Eingeschränkter Geruchssinn
  • Sekretion aus der Nase
  • Gesichtsschmerzen
  • Kopfschmerzen

Oft berichten die Patienten, dass sich die Schmerzen verschlimmern, wenn sie sich vornüberbeugen. Es dauert meist mehrere Wochen, bis eine chronische Nasennebenhöhleninfektion ausgeheilt ist.

Wie sehen die typischen Symptome bei Nasenpolypen aus?

Die Symptome bei Menschen mit Nasenpolypen, in der Medizin sagt man auch CRSwNP (Chronic Rhino Sinusitis with Nasal Polyps) können relativ unspezifisch sein und ähneln denen der akuten Rhinosinusitis.

Bei Nasenpolypen sind folgende Anzeichen möglich:

  • Verstopfte Nase
  • Andauerndes Sekret aus der Nase
  • Sekret, das aus der Nase in den Rachenraum läuft
  • Verschleimung
  • Geschichtsschmerz
  • Kopfschmerz
  • Druckgefühl im Gesicht, insbesondere an den Nasennebenhöhlen
  • Riechstörung
  • Nasenpolypen
  • Infektanfälligkeit
  • Sprechen „durch die Nase“

 

Wie sieht die Symptomatik von Nasenpolypen bei Kindern aus?

Bei Kindern mit Nasenpolypen sehen die Symptome wie folgt aus:

  • Ständig verstopfte Nase
  • Oft offener Mund, atmen durch den Mund bei reduzierter Nasenatmung
  • Häufige Erkältungskrankheiten
  • Nächtliches Schnarchen
  • Oft begleitet von Hörstörungen oder Sprachentwicklungsverzögerung

Nasenpolypen oder „Polypen“ bzw. Nasen-Rachenmandeln bei Kindern: Was ist der Unterschied?

Bei Nasenpolypen und Nasenrachenmandeln handelt es sich um völlig verschiedene Phänomene. Bei vergrößerten Nasenrachenmandeln oder Adenoide, die im Volksmund auch als „Polypen“ bezeichnet werden, handelt es sich um Wucherungen, des Lymphgewebes. Das heißt, das reguläre Tonsillengewebe, das an dieser Stelle auch ganz normal ist, ist einfach nur vergrößert.

Dahingegen sind Nasenpolypen oder Polyposis nasi, krankhafte Wucherungen in der Nase, die dort nicht hingehören.

Nasenpolypen: Besteht ein Risiko für weitere Erkrankungen?

Bei chronischen Erkrankungen kann es auch zu weiteren Erkrankungen kommen. Die folgenden Krankheiten können sich bei Patienten mit Polyposis nasi häufiger zeigen:

  • Hoher Blutdruck (Hypertonie)
  • Zucker Krankheit (Diabetes mellitus)
  • Störung des Fettstoffwechsels (Hyperlipidämie)
  • Erkrankung der Herzkranzgefäße (Ischämische Herzerkrankung)
  • Erkrankungen der Blutgefäße des Gehirns (Zerebrovaskuläre Krankheiten)
  • Chronische Nierenerkrankung
  • Allergischer Schnupfen (Allergische Rhinitis)
  • Asthma bronchiale
  • COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)
  • Chronische Lebererkrankungen
  • Depressionen 

Können Nasenpolypen bösartig werden?

Nasenpolypen können bösartig werden, aber das ist selten. Dann kann es zu Tumoren kommen.

Besteht die Möglichkeit, dass sich Nasenpolypen von selbst zurückbilden?

Es ist theoretisch möglich, dass sich Nasenpolypen ohne Behandlung von selbst zurückbilden. Darauf sollte man aber nicht hoffen, da das nur sehr selten der Fall ist.

Polyposis nasi-Diagnose: Wie werden Nasenpolypen diagnostiziert?

Zunächst wird sich der Arzt im Zuge der Anamnese genau über die Symptome informieren und den Patienten klinisch untersuchen, also zum Beispiel prüfen, ob ein Klopfschmerz im Gesicht, speziell im Bereich der Stirn besteht.

Mit den folgenden Untersuchungen kann man Nasenpolypen feststellen:

  • Endoskopische Untersuchung der Nase
  • Röntgen der Nasennebenhöhlen
  • Computertomographie (CT) der Nase und Nebenhöhlen

 

Wie sieht die Therapie von Nasenpolypen aus?

Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Nasenpolypen zu behandeln. Aber: Nicht immer lassen sich die Symptome so auch zum Verschwinden bringen.

Therapie von Nasenpolypen mit Kortison

Für eine Behandlung von Nasenpolypen sind topische Glukokortikosteroide, d.h. Nasensprays mit Kortison zugelassen. Leider ist der Effekt dieser Medikation eher gering. Die Wucherungen in der Nase werden meist nicht verringert oder eliminiert. Nasensprays erreichen nur schwer die Polypen und haben daher einen geringen antientzündlichen Effekt.

Die medikamentöse Therapie mit Kortison stellt einen weiteren Therapieansatz dar. Allerdings ist die orale Gabe von Kortison über einen längeren Zeitraum aufgrund der Nebenwirkungen nicht unproblematisch.

Antibiotika sind für die meisten Patienten nicht zu empfehlen und Antimykotika helfen nachweislich nicht.

Nasenpolypen: Helfen Hausmittel?

Ein mögliches Hausmittel, das manchen Patienten bei Nasenpolypen Erleichterung verschaffen kann, sind Nasenduschen. Globuli oder Schüssler Salze helfen bei Nasenpolypen nicht.  

Bekommt man die Nasenpolypen mit einer Operation in den Griff?

Wenn all diese Maßnahmen nicht greifen, stellt sich für die Patienten die Frage: Wann muss man die Nasenpolypen mit einer Operation entfernen? Die Nasenpolypen muss man dann operieren, wenn die Atmung durch sie so massiv gestört wird, dass dies den Alltag stark beeinträchtigt.  

Dann ist es möglich, die Nasenpolypen durch eine endoskopische Nasennebenhöhlen-Operation zu entfernen. Oft kommt es dann nach der Operation zunächst zu einer Besserung des Befindens. Allerdings kommt es im Verlauf bei vielen Patienten erneut zu Nasenpolypen, oft auch schon kurz nach der OP. Warum die Nasenpolypen oft immer wieder kommen, ist nicht bekannt.

Nasenpolypen – können die neuen Biologika helfen?

Die Forschung an den Entzündungsmechanismen, die den Nasenpolypen zugrunde liegen, hat gezeigt, dass Zytokine wie IL-5, IL-4, IL-13 sowie die IgE-Produktion in Nasenpolypen deutlich erhöht sind. Bei der deutlich überwiegenden Anzahl der Nasenpolypen-Patienten besteht eine Typ-2-Inflammation. Die neuen Biologika, die an diesen Entzündungsmechanismen ansetzen, wurden deshalb in den letzten Jahren auch auf ihre Wirksamkeit bei der Therapie von Polyposis nasi untersucht und sehr gute Erfahrungen gemacht.

Zugelassen zur Therapie der Nasenpolypen sind bereits die folgenden Präparate:

  • Omalizumab
  • Dupilumab
  • Mepolizumab
  • Benralizumab

 Im Verlauf der Biologika Therapie gilt es, die therapeutische Wirksamkeit der Maßnahme in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.

Biologika bei Nasenpolypen: Welche Patienten sind die richtigen?

Voraussetzung für die Verordnung der neuen Biologika ist, laut EUFOREA, eine beidseitige schwere chronische Rhinosinusitis, die mit systemischen Steroiden (Kortison) oder einer operativen Maßnahme vorbehandelt wurde, ohne dass eine Symptomverbesserung erzielt werden konnte. Dabei müssen bei vorausgegangener OP drei, ansonsten vier der folgenden Kriterien erfüllt werden:

  • Nachweis einer Typ-2-Entzündung
  • Bedarf systemischer Kortikosteroide (2 oder mehr Zyklen im letzten Jahr)
  • Signifikante Einschränkung der Lebensqualität
  • Signifikante Riechminderung
  • Diagnose eines komorbiden Asthmas

Nasenpolypen – chronische Stirnhöhlenentzündung – chronische Nasennebenhöhlenentzündung und Corona: Was sollten Patienten wissen?

Zwischen Nasenpolypen, einer Nasennebenhöhlenentzündung und einer chronischen Stirnhöhlenentzündung gibt es Zusammenhänge. So können Nasenpolypen sowohl zu chronischen Stirnhöhlenentzündungen führen als auch chronische Kieferhöhlenentzündungen begünstigen und umgekehrt. Immer dann, wenn Viren auf vorgeschädigtes Gewebe bzw. Schleimhäute treffen, ist dies ungünstig. Das gilt aber nicht nur bei Corona, sondern generell auch für alle anderen Viren. Das bedeutet: Für eine Ansteckung mit dem Coronavirus können diese Vorerkrankungen begünstigend wirken. Man kann beobachten, dass Patienten mit Nasenpolypen oder anderen Formen der chronischen Sinusitis längere Zeit benötigen, um sich von einer Corona-Infektion zu erholen. Die Patienten haben oft Exazerbationen, also eine Ausweitung oder Verschlimmerung der Symptome, teilweise über viele Wochen und Monate.

Nasenpolypen – chronische Stirnhöhlenentzündung – chronische Nasennebenhöhlenentzündung und Corona-Impfung: Was sollten Patienten wissen?

Nasenpolypen sind keine Kontraindikation für eine Impfung gegen das Coronavirus. Wenn die Nasenpolypen mit Biologika behandelt werden, sollte zwischen Biologikum-Gabe und Corona-Impfung mindestens eine Woche Abstand liegen. Ansonsten gibt es keine Einschränkungen.

Quellen:

Rhinosinusitis, S2k-Leitlinie, AWMF-Register-Nr., 017/049 und 053-012 https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-049_und_053-012l_S2k_Rhinosinusitis_2019-04_01.pdf

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