Nasenpolypen Therapien

Nasenpolypen: Klassische und neue Therapien!

Nasenpolypen: Klassische und neue Therapien

Viele Patienten mit Nasenpolypen müssen trotz einer Therapie weiter mit andauernden Beschwerden leben: Das Gefühl einer „verstopften“ Nase, Probleme durch die Nase zu atmen, Riechstörungen, Schmerzen im Bereich des Gesichts infolge einer entzündeten Schleimhaut in Nase und Nasennebenhöhlen, möglicherweise auch Kopfschmerzen und Fieber. Denn es gibt zwar zahlreiche klassische Therapien, allerdings führen diese nicht immer zum Erfolg. Für die betroffenen Patienten haben sich in den letzten Jahren jedoch ganz neue Therapieoptionen eröffnet. Diese neuen, auch Biologika genannten Wirkstoffe blockieren bestimmte Signalwege im Immunsystem jeweils gezielt und werden gegen verschiedene Krankheiten des Immunsystems sowie auch Allergien bereits eingesetzt. Wie also wirken die klassischen und die neuen Therapien?

Nasenpolypen: Wie wird bisher behandelt?

Der Fachbegriff für Nasenpolypen lautet chronische Rhinosinusitis (CRS) mit Nasenpolypen (CRSwNP); es gibt auch eine CRS ohne Nasenpolypen (CRSsNP). Die Nasenpolypen bei der chronischen Rhinosinusitis galten lange Zeit eher als mechanisches Problem. Folgerichtig wurden die Gewebewucherungen häufig abgetragen, was jedoch oft nicht dauerhaft zum Erfolg führte.

Inzwischen weiß man jedoch, dass die Polypen bei der chronischen Rhinosinusitis mit einer chronischen Entzündung der Nasenschleimhaut einhergehen, die im Grunde einer allergischen Erkrankung entspricht. Insofern stehen für die Therapie schon seit längerer Zeit Medikamente im Vordergrund, die die chronische Entzündung dämpfen: Wie bei anderen Allergien erhalten die Patienten oft ein Kortisonpräparat, das lokal in der Nase wirkt. Reicht das nicht aus, können auch für einen begrenzten Zeitraum Kortisontabletten verordnet werden. Erst wenn diese und andere Therapien nicht zum Erfolg führen, wird ein operativer Eingriff erwogen.

 

Nasenpolypen: Wie wirkt Kortison?

Die positive Wirkung von Kortison bei der chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen wurde in vielen Studien deutlich nachgewiesen: Durch die Anwendung in der Nase gehen die Nasenpolypen zurück; lokale Symptome in der Nase sowie Beschwerden wie Riechstörung oder auch Kopfschmerzen lassen sich deutlich reduzieren. Im Gegensatz dazu ist der Effekt von manchen anderen Medikamenten weniger klar. Dennoch nutzen viele Betroffene beispielsweise abschwellende Nasentropfen (Dekongestiva) oder auch schleimlösende Wirkstoffe, obwohl diese nur in bestimmten Situationen, etwa bei kurzfristiger Verschlechterung, oder bei bestimmten Patienten sinnvoll sind.

Nasenpolypen: Wie wirken Antihistaminika, Leukotrienantagonisten und ASS-Desaktivierung?

Andere Therapien werden nur für bestimmte Patientengruppen mit CRS und Nasenpolypen empfohlen: Antihistaminika können zum Beispiel für Betroffene mit allergischen Begleiterkrankungen günstig sein; Daten aus Studien zur Wirksamkeit ergeben jedoch kein klares Ergebnis zur Wirksamkeit. Auch sogenannte Leukotrienantagonisten können nach einer Operation zum Einsatz kommen, um ein Wiederauftreten der Polypen zu verhindern. Manche Patienten mit chronischer Rhinosinusitis und Nasenpolypen leiden zudem an Krankheiten, bei denen die Einnahme von Schmerzmitteln zu verstärkten Beschwerden führt. Diese Krankheiten heißen Analgetika-Intoleranz-Syndrom (AIS) und N-ERD (NSAID-exacerbated respiratory disease). Bei diesen Patienten besteht die Option für eine sogenannte ASS-Deaktivierungstherapie.

Trotz all dieser Möglichkeiten lassen sich die Beschwerden bei einigen Patienten mit CRS mit Nasenpolypen nicht dauerhaft wirksam lindern.

Nasenpolypen: eine allergische Erkrankung

Die Idee, Biologika zur Therapie der Nasenpolypen einzusetzen, ist daraus entstanden, dass Wissenschaftler immer genauer erforscht haben, welche krankmachenden Prozesse eigentlich einer chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen zugrunde liegen. Wie sich dabei herausstellte, sind die Nasenpolypen nicht nur ein rein mechanisches Problem, das sich durch eine Operation beheben lässt. Vielmehr laufen in der Nasenschleimhaut zahllose Veränderungen ab, die Abwehrzellen betreffen. Inzwischen ist recht genau bekannt, welche Art von Immunzellen zu stark aktiviert werden, welche hingegen in den Hintergrund gedrängt werden und wie sich die verschiedenen Botenstoffe des Immunsystems bei Nasenpolypen verändern. Das Gesamtbild dieser Forschungen zeigt: Die chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen ist eine Form der Allergie und es gibt viele Ähnlichkeiten mit Asthma bronchiale, zumindest, wenn man die einzelnen beteiligten Immunzellen und entzündlichen Prozesse in der Schleimhaut ansieht. Tatsächlich leiden auch viele Pateinten mit allergischem Asthma an einer CRS mit Nasenpolypen.

Also gilt: Natürlich haben Patienten mit Asthma andere Beschwerden als Patienten mit CRS mit Nasenpolypen, aber den Krankheiten liegen auf Ebene des Immunsystems sehr ähnliche Mechanismen zugrunde. Und da die neuen zielgerichtet wirkenden Wirkstoffe aus der Gruppe der Biologika bei Asthma bronchiale wirken, sind sie auch für CRS mit Nasenpolypen eine Option.

Wie wirken Biologika bei Nasenpolypen?

Infolge der chronischen Entzündung Nasenschleimhaut ist diese durchlässig für verschiedene Reizstoffe, sogenannte Allergene. Diese Reizstoffe lösen im Gewebe eine chronische Entzündung im Sinne einer allergischen Krankheit aus. An dieser Entzündung sind verschiedene Zellen des Immunsystems beteiligt, die durch verschiedene Botenstoffe des Immunsystems gesteuert werden. Während diese Botenstoffe, unter anderem verschiedene Interleukine, in gesunder Schleimhaut zusammen mit den Immunzellen dafür sorgen, dass Krankheitserreger schnell abgewehrt werden, gerät dieses Abwehrsystem bei allergischen Krankheiten außer Kontrolle. Es werden Immunzellen und Interleukine hochreguliert, die sich schädlich auf die Schleimhaut auswirken und die chronische Entzündung verstärken.

Hier kommen die verschiedenen bisher bekannten Biologika ins Spiel, die zum Beispiel jeweils zielgenau eines oder mehrere Interleukine blockieren und damit deren schädliche Wirkung hemmen − die Schleimhaut kann sich erholen. In Bezug auf die chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen sind zum Beispiel die Interleukine (IL) 4, 5, 6, 13, 25, 32 und 33 − neben anderen Botenstoffen und bestimmten Zellen − erhöht nachzuweisen.

 

Biologika bei chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen: Zielgenaue Blocker des Immunsystems

Eines der Biologika blockiert die Signalwege, die über die Botenstoffe Interleukin 4 und Interleukin 13 vermittelt werden. Dieses Biologikum ist in Deutschland seit 2019 auch für die chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen zugelassen. Biologika sind bei den Patienten geeignet, bei denen die klassischen Therapieoptionen nicht erfolgreich waren, die also weiterhin an einer Riechstörung und behinderten Nasenatmung leiden. Sie können auch den Patienten verordnet werden, die zwar unter einer Kortisontherapie nur noch wenige Symptome der CRS zeigen, jedoch an erheblichen kortisonbedingten Nebenwirkungen leiden.

Neben dem bereits zugelassenen Biologikum laufen für zahlreiche weitere Biologika mit anderen Wirkmechanismen bereits umfangreiche Studien mit dem Ziel, dass auch diese für die Therapie der chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen zugelassen werden. Dazu gehört zum Beispiel ein sogenannter IgE-Antikörper. Dieses Biologikum ist in der EU seit 2005 bei Asthma bronchiale zugelassen, zudem bei chronischer Urtikaria. Erste Studien zeigen eine gute Wirksamkeit auch bei Polyposis nasi.

Ein weiteres Biologikum, ein Anti-IL-5-Antikörper, wurde an Patienten mit Polyposis nasi geprüft, die wegen fortbestehender Symptome nach bereits erfolgter Abtragung der Polypen erneut für eine Operation vorgesehen waren. Nach 6 Monaten Therapie benötigten 30 Prozent keinen chirurgischen Eingriff mehr, während dies in der Placebogruppe nur für 10 Prozent galt. Auch die Beschwerden hatten sich deutlich vermindert. Ein anderer IL-5-Blocker wird derzeit in mehreren Studien an Patienten mit Nasenpolypen untersucht. Zudem erwies sich noch ein dritter Antikörper gegen IL-5 in einer kleinen Studie 2016 als effektiv zur Therapie der Nasenpolypen.

Neben den beschriebenen Biologika werden derzeit weitere zielgerichtet wirkende Substanzen bei Nasenpolypen geprüft, die nicht Interleukine blockieren, sondern andere immunologische Signalwege, die bei der Entstehung dieser Erkrankung eine Rolle spielen.

Biologika – wie werden sie bei der chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen angewendet?

Das einzige bisher in Deutschland bei Nasenpolypen zugelassene Biologikum kann als zusätzliche Therapie erwachsenen Patienten verordnet werden, die trotz Kortisontherapie und/oder einem chirurgischen Eingriff weiterhin Beschwerden haben. Laut Fachinformation soll die Substanz alle 14 Tage von einem Arzt, der Erfahrung mit der Biologika-Therapie hat, subkutan gespritzt werden. Für Kinder und Jugendliche mit Nasenpolypen liegen hierzu keine Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit vor.

Vorgesehen ist eine Langzeittherapie der Nasenpolypen mit dem Biologikum. Sollte allerdings nach 24 Wochen kein Effekt zu beobachten sein, dann kann der Abbruch der Therapie erwogen werden.

Wie bei anderen Biologika sind unerwünschte Wirkungen möglich, über die der Arzt den Patienten informieren wird.

 

Unsere Expertin:

dr susanne meinrenken aerztinDr. med. Susanne Meinrenken, Bremen, ist seit mehr als 20 Jahren freiberuflich für verschiedene medizinische Verlage tätig. Während und nach dem Medizinstudium und der Promotion in Göttingen und Freiburg sammelte sie Erfahrungen als Praktikantin und Mitarbeiterin der Deutschen Ärztezeitung und der Süddeutschen Zeitung. Seit 1999 arbeitet sie freiberuflich für den Thieme Verlag, Springer Medizin Verlag, Hogrefe, die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und andere. Hier geht es um das Lektorat von medizinischen Büchern für Fachärzte oder interessierte Laien, die redaktionelle Arbeit für ein Journal sowie das Schreiben von Kurzfassungen von Originalarbeiten für Fachzeitschriften sowie eigener Texte für Laien aus dem Bereich der Medizin. Innere Medizin, Neurologie, Pädiatrie und Allergologie bilden dabei den inhaltlichen Schwerpunkt – aber auch fast alle anderen medizinischen Fachbereiche stehen als Themen immer wieder zur Bearbeitung an.

 

 

Quelle:

Klimek L et al. Positionspapier: Anwendung von Biologika bei chronischer Rhinosinusitis mit Polyposis nasi (CRSwNP) im deutschen Gesundheitssystem. Empfehlungen des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) und der AGs Klinische Immunologie, Allergologie und Umweltmedizin und Rhinologie und Rhinochirurgie der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie (DGHNOKHC). Laryngo-Rhino-Otol 2020; 99: 511–527

 

Wichtiger Hinweis

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