Kreuzallergien Pollenallergiker Heuschnupfen

Ute Körner, Dipl.-Oecotrophologin über "Kreuzallergien - was bedeutet das für Pollenallergiker?"

Kreuzallergien - was bedeutet das für Pollenallergiker?

Bei Jugendlichen und Erwachsenen sind Kreuzallergien auf Pollen die häufigsten Ursachen für Nahrungsmittelallergien. Auf der Basis einer bereits vorhandenen Pollenallergie können sich Kreuzreaktionen gegen ähnliche Allergene in pflanzlichen Nahrungsmitteln entwickeln. MeinAllergiePortal sprach mit Ute Körner, Dipl.-Oecotrophologin aus Köln, über Kreuzallergien bei Pollenallergikern. Frau Körner ist Inhaberin der Praxis für Ernährungstherapie und -beratung, Schwerpunkt Lebensmittelallergien und –unverträglichkeiten sowie Buchautorin des Fachbuches "Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Diagnostik, Therapie und Beratung" (2. überarb. Auflage 2021, Thieme-Verlag).

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dipl.oec.troph. Ute Körner

Frau Körner, was bedeutet eine Kreuzallergie auf Nahrungsmittel?

Die Nahrungsmittelallergie im Sinne einer Kreuzallergie, genau genommen erst die Sensibilisierung gegen Nahrungsmittel, tritt als Folge einer Atemwegsallergie auf. Manche Betroffenen haben auch nur einen positiven Allergietest auf Pollen ohne Heuschnupfensymptome (Sensibilisierung), dennoch vertragen sie typische kreuzallergene Nahrungsmittel nicht. Umgekehrt bedeutet jedoch nicht jeder positive Allergietest auf kreuzallergene Nahrungsmittel, dass diese nicht vertragen werden.

Wie kommt es zu einer Kreuzallergie?

Eine Kreuzallergie entsteht durch Reaktionen des Immunsystems auf Allergene mit ähnlicher Struktur, aber verschiedener Herkunft. Hierbei löst zunächst der Kontakt mit einem Allergen A, zum Beispiel aus Birkenpollen, eine Sensibilisierung aus. Die dabei gebildeten IgE-Antikörper können dann mit Nahrungsmittelallergenen, Allergen B, zum Beispiel aus Apfel oder Haselnuss, das dem Allergen A sehr ähnlich ist, reagieren und so zu allergischen Symptomen führen. Man spricht deshalb auch von einer sekundären Nahrungsmittelallergie. Birkenpollenallergiker entwickeln zum Beispiel im Falle einer Kreuzallergie mit Äpfeln beim Verzehr ein Kribbeln oder Jucken im Mund.

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Kann es auch bei einer Allergie auf Hausstaubmilben, Vogelfedern oder Tierhaaren zu Kreuzallergien kommen?

Ja, denn auch hier gibt es Allergenverwandtschaften zwischen Atemwegsallergenen aus Hausstaubmilben, Vogelfedern oder Tierhaaren mit bestimmten Allergenen in Nahrungsmitteln.

Das Besondere an Kreuzreaktionen ist, dass ein Allergiker aufgrund der bereits vorhandenen Antikörper beim erstmaligen Verzehr des Kreuzallergens reagieren kann. Die allergischen Symptome können teilweise auch sehr heftig ausfallen, wie es zum Beispiel bei Birkenpollenallergikern nach dem Verzehr eines Sojadrinks bekannt ist. Eine Kreuzallergie auf Sojaeiweiß ist eine typische Birkenpollen Kreuzallergie.

 

Kreuzallergie auf Pollen, Hausstaubmilben, Vogelfedern, Tierhaare
Pollen Pflanzliche Nahrungsmittel (z.B. frischer Apfel, Sojaeiweiß)
Hausstaubmilben Meeresfrüchte (z.B. Garnelen)
Vogelfedern Hühnerei (Eigelb)
Katzenhaare Schweinefleisch
Quelle: Körner U, Schareina A: Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Diagnostik, Therapie und Beratung, Thieme 2021 (2. überarb. Auflage)

 

Welche "Pollenallergiker" sind von Kreuzallergien betroffen und mit welchen pollenassoziierten Nahrungsmitteln müssen diese rechnen?

Eine Kreuzallergie auf Nahrungsmittel bei Pollenallergikern bezeichnet man auch als pollenassozierte Nahrungsmittelallergie.

Am häufigsten kommt es bei Menschen, die eine Pollenallergie auf Frühblüher haben zu einer Kreuzallergie auf Nahrungsmittel. Als Frühblüher bezeichnet man Hasel, ErleBirke und Esche. Kreuzallergien bei Kräuterpollenallergikern sind seltener als bei einer Allergie gegen Frühblüher, können jedoch sehr viel heftigere Reaktionen auslösen. Kreuzallergien auf Gräser sind hierzulande nur sehr selten, obwohl Allergietests oft fälschlicherweise positiv ausfallen.

 

Diese Kreuzallergien kommen typischerweise bei Allergien gegen Frühblüher und Kräuterpollen vor
Pollen Beispiele für pollenassoziierte Nahrungsmittel

Frühblüherpollen

(Hasel, Erle, Birke)

Pollenflug von Dezember/Januar bis Mai/Juni

• rohes Kern- und Steinobst, z. B. Apfel, Pfirsich

• Kiwi, Mango

• Haselnuss

• Sellerie, rohe Tomate

• Sojaeiweiß (z.B. Sojadrink)

• Selleriegewürz, Koriander

Kräuterpollen

(insbes. Beifußpollen)

Pollenflug von Juni bis Oktober

• Gewürze und Kräuter, v. a. Beifuß, Kamille, Selleriegewürz

• Sellerie, Karotte, rohe Tomate

 Quelle: Körner U, Schareina A: Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten, Diagnostik, Therapie und Beratung, Thieme 2021 (2. überarb. Auflage)

 

Jeder Pollenallergiker hat sein individuelles Spektrum an Nahrungsmitteln, auf die er allergisch reagiert; oft sind es nur wenige der in Listen genannten pollenassoziierten Nahrungsmittel. Ein pauschales Meiden aller Kreuzallergene ist auf keinen Fall notwendig und führt nur zu unnötigen Einschränkungen in der Ernährung. Eine umfangreiche Allergiediagnostik durch einen allergologisch spezialisierten Arzt gibt erste Hinweise auf das Pollenprofil und eine Sensibilisierung auf pollenassoziierte Nahrungsmittel.

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Welche typischen Symptome treten bei Pollenallergikern mit Kreuzallergien auf?

Bei der pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie reagieren die meisten Patienten oft nur mit einem sogenannten „oralen Allergiesyndrom (OAS)“.  Dieses äußert sich als Kratzen am Gaumen, Jucken im Rachen oder an der Lippe. So kann bei einem Birkenpollenallergiker nach dem Genuss von frischen Äpfeln der Mund jucken oder nach dem Verzehr von Haselnüssen kann der Gaumen kratzen. Es können aber auch Lippenschwellungen, eine Nesselsucht auf der Haut oder Durchfälle oder Erbrechen dazukommen. Bei Aufnahme kleiner Mengen kommt es allerdings nur selten zu schweren allergischen Reaktionen.

Wie gehen Sie vor, um bei einem Patienten mit Heuschupfen und Kreuzallergie auf Nahrungsmittel zu ermitteln, welche Nahrungsmittel gemieden werden sollten und welche nicht?

Um herauszufinden, welche Nahrungsmittel ein Pollenallergiker mit Kreuzallergien meiden sollte und welche nicht gehe ich nach einem bestimmten Schema vor:

  1. Anamnese
  2. Eliminationsdiät bzw. Auslassversuch
  3. Kostaufbau

Was passiert bei der Anamnese eines Pollenallergikers mit Kreuzallergie?

Bei der Anamnese werden zunächst die vorhandenen Befunde, das heißt die Ergebnisse der Allergietests, besprochen. Durch gezieltes Befragen des Patienten und Analyse eines Ernährungs- und Symptomtagebuches kläre ich ab, welche der im Haut- oder Bluttest eingegrenzten Nahrungsmittel bei ihm tatsächlich zu Symptomen führen und welche er sicher verträgt.

Wie geht es weiter bei der Eliminationsdiät bzw. dem Auslassversuch bei Pollenallergikern mit Kreuzallergie?

Falls sich durch die Anamnese nicht alle Symptome zweifelsfrei bestimmten Nahrungsmitteln zuordnen lassen und/oder das Spektrum der in Frage kommenden pollenassoziierten Nahrungsmittel sehr groß ist, erstelle ich dem Patienten eine individuell auf ihn abstimmte Eliminationsdiät. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn beim Patienten eine Kombination von Birken- und Beifußpollenallergie sowie zusätzlich eine Histaminintoleranz vorliegt.

Lassen sich jedoch wenige Nahrungsmittel eindeutig ermitteln, weil es zu Symptomen wie Jucken im Mund nach dem Verzehr frischer Äpfel und Haselnüsse kommt, reicht auch ein Auslassversuch dieser Nahrungsmittel. Den Erfolg der Eliminationsdiät bzw. des Auslassversuchs überwache ich durch ein Ernährungs- und Symptomtagebuch, das der Patient über eine Woche führt.

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Wie sieht dann der Kostaufbau aus?

Der Kostaufbau erfolgt durch vorsichtiges Einführen von Nahrungsmitteln, die in der Eliminationsdiät gemieden wurden, aber wahrscheinlich nicht oder nur zu leichten Symptomen führen. Damit helfe ich dem Patienten, seinen Speiseplan zu erweitern. Diese Vorgehensweise erfordert sehr viel Erfahrung. Ist eine heftige oder gar lebensbedrohliche Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel nicht ausgeschlossen, empfehle ich dem Patienten, diese in einer so genannten Provokation in einer Klinik auszutesten.

Als Ergebnis der Ernährungstherapie erhält der Patient von mir Empfehlungen zu einem ausgewogenen Speiseplan incl. Einkaufs- und Zubereitungstipps, der seine Lebenssituation und Vorlieben berücksichtigt, aber keine Beschwerden mehr auslöst.

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Gibt es Nahrungsmittel, die man bei Heuschnupfen häufig meiden sollte?

Eine pauschale Meidung ohne sicher zu sein, ob die gemiedenen Nahrungsmittel auch tatsächlich Symptome auslösen, ist nicht sinnvoll. Es gibt jedoch Nahrungsmittel, die besonders häufig zu pollenassozierten Nahrungsmittelallergien führen und auf die Betroffene achten sollten, ob diese bei ihnen Beschwerden auslösen. Dazu zählen: rohes Kern- und Steinobst, Kiwi, Haselnüsse, Sellerie, (rohe) Karotte, Sojaprodukte und Curry.

Gibt es Möglichkeiten, pollenassoziierte Nahrungsmittelallergien zu vermeiden?

Wichtig ist eine frühzeitige Behandlung der Pollenallergie durch einen allergologisch spezialisierten Arzt. Eine Pollenallergie ist kein harmloser Schnupfen. Ein nicht ausreichend behandelter Heuschnupfen kann chronisch werden und u.a. zu einem Asthma führen. Je größer das Pollenspektrum ist und je länger die Pollenallergie schon besteht, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, auf weitere pollenassoziierte Nahrungsmittel allergisch zu reagieren.

Frau Körner, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

 

Quellen: