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Allergie auf Arzneimittel – was weiß man über Diagnostik und Therapie?

Allergie auf Arzneimittel: Symptome, Diagnostik, Therapie

Dass ein Medikament nicht gut vertragen wird, kommt häufig vor. In manchen Fällen ist eine Allergie auf das Arzneimittel die Ursache. Die Symptome einer allergischen Reaktion können dabei sehr unterschiedlich sein – von harmlosen Hautausschlägen bis zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Aber: Nicht jede Reaktion, die aussieht wie eine Allergie, bestätigt sich auch als solche. Um eine Allergie auf Arzneimittel von den zahlreichen anderen unerwünschten Wirkungen eines Medikamentes abzugrenzen ist oft eine sorgfältige Diagnostik nötig. Nur dann kann man die richtige Therapie einleiten.

Autor: Irene Brandenburg 

Allergie auf Arzneimittel oder Arzneimittelüberempfindlichkeit?

Medikamente können verschiedenste Wirkungen auf den Körper haben – manche sind erwünscht, andere nicht. Allergischen Reaktionen gehören zu den unerwünschten Wirkungen. Doch nicht bei jeder Reaktion, die wie eine Allergie aussieht, kann man tatsächlich eine allergische Immunantwort nachweisen. Aus diesem Grund werden alle Reaktionen auf Medikamente, die nur einzelne Menschen betreffen, ungewöhnlich und nicht vorhersehbar sind unter dem Begriff „Arzneimittelüberempfindlichkeit“ zusammengefasst. Unter diese Bezeichnung fallen also sowohl die Arzneimittel-Allergie als auch andere Überempfindlichkeiten auf Medikamente, die nicht durch das Immunsystem hervorgerufen werden.

Allergie auf Arzneimittel: Ursachen

Eine Allergie auf Arzneimittel wird durch eine allergische Immunantwort ausgelöst. Treten die Symptome innerhalb der ersten sechs Stunden nach der Verabreichung des Medikaments auf, so handelt es sich in der Regel um eine Soforttyp-Reaktion, die durch Antikörper der Klasse IgE vermittelt wird. Häufiger kommt es zu späten Reaktionen, die unter Beteiligung von bestimmten Immunzellen, den T-Lymphozyten, entstehen und erst nach Tagen einsetzen. In selteneren Fällen führen andere immunologische Vorgänge zu allergischen Reaktionen. Einige Arzneimittel lösen besonders häufig Allergien aus. Dazu gehören Antibiotika, Schmerzmittel, Kontrastmittel und verschiedene Krebsmedikamente.

Auch ohne Beteiligung des Immunsystems kann es zu allergietypischen Symptomen kommen. Man vermutet, dass die Arzneimittel dann direkt zu einer Ausschüttung von Entzündungsstoffen im Körper führen, die die entsprechenden Symptome verursachen. Besonders häufig ist dies bei Schmerzmitteln und bestimmten blutdrucksenkenden Medikamenten, sogenannten ACE-Hemmersn, der Fall.

Symptome bei Allergie auf Arzneimittel: Sofortreaktion vs. Spätreaktion

Eine Sofortreaktion kann innerhalb von kürzester Zeit, selten bis zu 12 Stunden nach Anwendung des Medikamentes auftreten. Typisch sind:

  • Quaddeln
  • Rötungen
  • Schwellungen der Haut
  • Schnupfen
  • gerötete Augen
  • Atemprobleme
  • Übelkeit und Erbrechen.

Im Extremfall kann es zur lebensbedrohlichen Anaphylaxie kommen.

Spätreaktionen zeigen sich einige Tage bis zu Wochen nach der Medikamentengabe in erster Linie an der Haut: Am häufigsten kommt es zu klein- oder großfleckigen Hautausschlägen, sogenannten makulopapulösen Exantheme, die meist in der Leistenregion beginnen und sich von dort über den Rumpf hinweg ausbreiten. Diese typischen Hautausschläge sind in den meisten Fällen harmlos und heilen ein bis zwei Wochen nach Absetzen des Medikamentes wieder ab. Am häufigsten werden sie durch Antibiotika verursacht. Späte Reaktionen können sich aber auch durch diverse andere Hauterscheinungen äußern. Dazu gehört das fixe Arzneimittelexanthem, das sich durch ein oder mehrere etwa münzgroße rote Flecken auszeichnet, die meist in der Nähe von Gelenken oder auf Schleimhäuten auftreten. Auch durch Bläschenbildung kann sich eine Allergie auf Arzneimittel zeigen.

Allergie auf Arzneimittel: Risiko „schwere Symptome“

Neben anaphylaktischen Sofortreaktionen gibt es weitere, meist später auftretende schwere Symptome von Allergien auf Arzneimittel. Ein Beispiel ist das Stevens-Johnson-Syndrom. Es kommt selten vor, kann aber lebensbedrohlich werden. Die Ablösung der oberen Hautschichten führt zu teils großflächigen, verbrennungsähnlichen Wunden. Typischerweise sind auch die Schleimhäute betroffen. Die Hauterscheinungen werden von Fieber und Abgeschlagenheit begleitet. Sind mehr als 30 Prozent der Körperoberfläche betroffen, so wird die Reaktion als toxische epidermale Nekrolyse bezeichnet.

Allergie auf Arzneimittel oder nicht? Abklärung „muss sein“!

Werden unklare Reaktionen auf Arzneimittel nicht diagnostisch abgeklärt, so kann dies unangenehme Folgen haben:

  1. Vermutet man eine Allergie, wo keine ist, wird oft auf bestimmte Medikamente verzichtet, obwohl diese zur Behandlung einer Erkrankung am besten geeignet wären. Stattdessen greift man auf eventuell teurere oder weniger sinnvolle Ausweichpräparate zurück.
  2. Wird dagegen eine Allergie übersehen, so kann dies bei erneutem Einsatz eines Medikaments zu heftigen allergischen, bis hin zu anaphylaktischen Reaktionen kommen. Aus diesem Grund sollten mögliche Überempfindlichkeitsreaktionen oder Allergien möglichst innerhalb von 4 Wochen bis 6 Monaten nach dem Auftreten von Symptomen diagnostisch abgeklärt werden.

Allergie auf Arzneimittel – welche Diagnostik ist sinnvoll?

Die wichtigste Maßnahme, um eine korrekte Diagnose zu stellen ist das ärztliche Gespräch. Anhand des zeitlichen Auftretens, der Entwicklung, des Verlaufs und der genauen Beschreibung der Symptome kann ein erfahrener Allergologe bereits abschätzen, ob es sich möglicherweise um eine Allergie oder eine Überempfindlichkeit handelt. Welche Medikamente wurden eingenommen? In welchem Abstand dazu traten Symptome auf? Welche Beschwerden waren das? Die Antworten auf diese und weitere Fragen können wertvolle Hinweise zur Ursache der Reaktion geben. Im Idealfall kann sich der Arzt die Symptome der Haut ansehen und direkt beurteilen.

Allergie auf Arzneimittel – wie testet man das?

Um dem Verdacht auf eine Allergie weiter nachzugehen, können Hauttestungen wie ein Pricktest, ein Intradermaltest oder ein Epikutantest durchgeführt werden. Dabei werden Substanzen, die man als Auslöser einer allergischen Reaktion vermutet, auf - beziehungsweise in die Haut - gegeben und beobachtet, ob sich eine allergische Reaktion zeigt. Auch verschiedene Substanzen im Blut können auf eine allergische Reaktion hinweisen. Da es nur für wenige Arzneimittel standardisierte Haut- oder Labortests gibt, sind diese Untersuchungen jedoch nicht immer möglich und nicht immer zuverlässig.

Allergie auf Arzneimittel - wann macht man den Provokationstest?

Ist noch nicht klar, ob es sich tatsächlich um eine Allergie auf Arzneimittel handelt, so kann in manchen Fällen ein Provokationstest weiterhelfen. Dabei bekommt der Patient das verdächtige Arzneimittel zunächst in niedriger Dosierung und man beobachtet, ob eine Reaktion eintritt. Da durch einen Provokationstest unter Umständen eine anaphylaktische Reaktion ausgelöst werden kann, muss man immer Risiko und Nutzen des Tests abwägen. Bei erhöhtem Risiko einer anaphylaktischen Reaktion muss der Test in einer Klinik durchgeführt werden. In vielen Fällen ist ein Provokationstest sinnvoll, besonders wenn es um Allergien auf häufig verwendete Arzneimittel, wie zum Beispiel Schmerzmittel, Antibiotika etc. geht. Um Kreuzreaktionen auf alternative Arzneimittel auszuschließen, kann man auch diese in einem Provokationstest ausprobieren.

Allergie auf Arzneimittel – wie sieht die Therapie aus?

Ist die Diagnose einer Allergie auf Arzneimittel gestellt, so muss die betroffene Person das entsprechende Medikament meiden. Dies gilt auch für Menschen, bei denen eine Allergie auf das Arzneimittel nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Die Allergie wird in einem Allergiepass notiert. Als Alternative zu den Allergie-auslösenden Arzneimitteln müssen nun nach Möglichkeit Medikamente mit einer anderen chemischen Struktur verwendet werden.

Ausnahmen gibt es für Medikamente, die zur medizinischen Behandlung eines Menschen dringend notwendig sind. In manchen Fällen ist es möglich, durch eine Gabe des Medikaments in anfangs sehr niedriger und fortlaufend steigender Dosierung eine bessere Verträglichkeit zu erreichen.

Bestehende allergische Reaktionen werden – abhängig von der Ausprägung der Symptome zum Beispiel mit Antihistaminika oder Kortikoiden behandelt. In vielen Fällen gehen die Beschwerden nach Absetzen des auslösenden Medikamentes auch ohne Therapie wieder zurück.

 

Quellen:

1. Brockow, Przybilla, Aberer (2015): S2K-Leitlinie Allergologische Diagnostik von Überempfindlichkeitsreaktionen auf Arzneimittel Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) Allergo J Int24:94. AWMF-Registernummer 061-021

2. Editor’s Pick: A Review of Drug Allergies: Diagnosis and Management. European Medical Journal. Published August 2, 2016. Accessed January 13, 2021.

3. Warrington R, Silviu-Dan F, Wong T. Drug allergy. Allergy Asthma Clin Immunol Off J Can Soc Allergy Clin Immunol. 2018;14(Suppl 2):60. doi:10.1186/s13223-018-0289-y

4. Abrams EM, Khan DA. Diagnosing and managing drug allergy. CMAJ Can Med Assoc J. 2018;190(17):E532-E538. doi:10.1503/cmaj.171315

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.