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Kreuzallergie Nahrungsmittel durch Frühblüher

Dr. Ute Lepp zu Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel durch Frühblüher-Allergien!

Allergiesymptome durch Nahrungsmittel? Kreuzallergie auf Frühblüher?

Allergiker mit einer Frühblüher Allergie auf Hasel, Erle und Birke, haben manchmal auch Allergiesymptome auf bestimmte Nahrungsmittel. Dazu gehören unter anderem Steinobst, wie Äpfel, Karotten, Sellerie, Nüsse etc.. Man spricht dann von einer Kreuzallergie oder von einer baumpollen-assoziierten Nahrungsmittelallergie. Welche Mechanismen stecken dahinter? Wie können die Symptome aussehen? Wie erfolgt die Diagnose und wie sieht die Therapie aus? MeinAllergiePortal sprach mit Frau Dr. med. Ute Lepp, Fachärztin für Lungenheilkunde und Allergologie in Buxtehude über Allergiesymptome durch Nahrungsmittel aufgrund einer Kreuzallergie auf Frühblüher.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. med. Ute Lepp

Frau Dr. Lepp, abgesehen von Erle, Hasel, Birke, welche Bäume gehören zu den Frühblühern? 

Die Esche gehört auch zu den Frühblühern, aber nicht zur Familie der Rosengewächse, der Rosaceae. Vielmehr ist die Esche mit dem Ölbaum, das heißt dem Olivenbaum, verwandt. Erle, Birke und Hasel hingegen sind eng miteinander verwandt und gehören zu den Rosengewächsen, den Rosaceae. Man kann also negative Hautreaktionen gegenüber den Frühblühern Erle, Birke und Hasel haben und trotzdem gegenüber der früh blühenden Esche sensibilisiert sein. Deswegen muss man eine Allergie auf Esche mit einem separaten Allergietest testen. Für die Therapie der Eschen-Allergie sollte man wissen, dass das Eschen-Allergen nicht in einer allergenspezifischen Immuntherapie der klassischen Frühblüher aus der Rosaceae-Familie enthalten ist.

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Wie häufig kommt es bei Allergikern, die auf Hasel, Erle oder Birke allergisch sind, zu Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittelallergene?

Wir gehen davon aus, dass etwa 60 Prozent der Baumpollenallergiker von Kreuzreaktivitäten betroffen sind. Patienten mit einer isolierten Eschenpollenallergie entwickeln keine solchen Symptome.

Auf welche Nahrungsmittel kann man allergisch reagieren, wenn man auf die klassischen Frühblüher Hasel, Erle und Birke allergisch ist?

Die Kreuzreaktivitäten betreffen vor allem Steinobst und Kernobst und Hartschalenobst. Mit Hartschalenobst sind unsere heimischen Nüsse wie Haselnüsse und Walnüsse, gemeint.

Botanisch gesehen handelt es sich beim Allergiesymptome verursachenden Steinobst um Rosengewächse. Zu den Rosengewächsen den Rosaceae, die für Menschen mit Frühblüherallergien relevant sind, gehört quasi alles, was vom Baum kommt, wie:

  • Apfel
  • Birne
  • Pfirsich
  • Aprikose
  • Nektarine
  • Kirsche
  • Zwetschge
  • Pflaume

Hinzu kommen noch die folgenden Nahrungsmittel, die zwar nicht zu den Rosengewächsen gehören, aber das gleiche Allergen besitzen:

  • Karotte
  • Kartoffel
  • Sellerie
  • Kiwi

Ebenfalls kann bei Baumpollenallergikern eine Kreuzallergie auf Soja auftreten. Dies betrifft aber nur Sojamilch, Sojajoghurt und sojahaltige Fertigprodukte, wie zum Beispiel Diätprodukte oder Präparate zum Muskelaufbau. Der Grund dafür ist, dass, insbesondere die letztgenannten, eine sehr hohe Konzentration des Sojaproteins und damit des Soja-Allergens enthalten. Bei Tofu oder Sojasprossen kommt es bei Menschen, die auf Frühblüher allergisch sind, meist nicht zu Reaktionen.

Auch die Quitte ist ein Rosengewächs, verursacht sie auch ein orales Allergiesyndrom?

Die Quitte ist eng verwandt mit dem Apfel, deswegen ist es vorstellbar, dass die Quitte Allergien auslösen könnte. Jedoch handelt es sich bei Pollenallergenen, die Kreuzallergien auslösen können, um hitzeempfindliche Allergene. Im Falle der Quitte bedeutet das: Würde man sie roh verzehren, könnte es durch eine Kreuzallergie zu einem oralen Allergiesyndrom kommen. Quitten werden aber üblicherweise gekocht verzehrt. Ein Grund dafür ist, dass rohe Quitten giftige Stoffe enthalten. Das ist ähnlich wie bei der Kartoffel, die ja auch nur gut durchgegart bekömmlich ist. Allerdings kann es bei Kartoffeln leichter als bei der Quitte vorkommen, dass sie versehentlich noch nicht völlig gar serviert werden. Dann kann dies bei den Betroffenen auch zu allergischen Symptomen führen. Symptome eines allergischen Schnupfens können übrigens auch beim Schälen der Kartoffeln auftreten.  

Reagieren alle Menschen mit einer Frühblüher Allergie bzw. Kreuzallergie auf Frühblüher auf diese Obst- und Gemüsesorten und Soja mit Allergiesymptomen?

Nein, jeder Patient hat sein eigenes Muster. Das bedeutet, nicht alle Patienten sind auf alle potenziell kreuzallergenen Nahrungsmittel allergisch. Auch reagiert nicht jeder Patient auf Apfel, obwohl dies das Leitallergen bei den Frühblühern ist und sehr häufig auftritt.

Auch ist es möglich, dass sich die Anzahl der Nahrungsmittel, auf die ein Patient eine Kreuzallergie entwickelt, im Laufe des Lebens ändert. Präventiv alles meiden sollte man deshalb aber nicht. Alles, was man verträgt, sollte man auch essen.

Sie betonen, dass es durch eine Allergie auf Frühblüher auch zu Kreuzallergien auf „heimische Nüsse“ kommen kann, nur auf heimische?

Der Begriff „Nuss“ wird bei uns oft etwas unscharf verwendet, weil wir umgangssprachlich nicht zwischen Baumnüssen und Hülsenfrüchten unterscheiden. Im Englischen wird das deutlicher, denn hier unterscheidet man zwischen „treenuts“, den Baumnüssen wie z.B. Walnuss und Haselnuss, und den „peanuts“, den Leguminosen, zu denen z.B. Erdnüsse, Erbsen, Bohnen, Linsen und Soja gehören. Relevant für Kreuzallergien auf Frühblüher sind Walnüsse und Haselnüsse, sowie Soja.

Warum ist es wichtig, bei Frühblüher-Allergiesimptomen auf Nüsse zwischen Baumnüssen und Erdnüssen zu unterscheiden?

Während eine Kreuzreaktion auf das Allergen in Baumnüssen und Soja pollenassoziiert ist, ist die Allergie auf Erdnüsse dies in der Regel nicht. Das bedeutet es handelt sich bei der Erdnussallergie meist nicht um eine Kreuzallergie auf Baumpollen bzw. Frühblüher. Die „echte“ Allergie gegen Erdnuss hat nichts mit Pollen zu tun und ist potentiell gefährlich.

Es gibt jedoch eine Ausnahme, denn es gibt auch eine baumpollenassoziierte Allergie gegen Erdnuss mit geringen Symptomen. Dann handelt es sich um ein sogenanntes orales Allergiesyndrom, mit, zum Beispiel, Mundkribbeln.

Was bedeutet „pollenassoziiert“ im Zusammenhang mit einer Kreuzallergie auf Frühblüher wie Hasel, Erle und Birke?

„Pollenassoziiert“ bedeutet, dass ein Allergen, das in bestimmten Pollen vorkommt, in gleicher Weise auch in bestimmten Nahrungsmitteln vorkommt. Aufgrund der Ähnlichkeit kommt es deshalb beim Immunsystem zu einer „Verwechslung“. Deshalb greift das Immunsystem des Pollenallergikers auch das Allergen im Nahrungsmittel an.

Was ist eigentlich ein Allergen?

Ein Allergen ist ein Stress- oder Krankheitsprotein der Pflanze, d.h. ein Eiweiß, das die Pflanzen zum eigenen Schutz einsetzen. Das ist der Grund, weshalb so viele unterschiedliche Pollen, Obst- und Gemüsesorten, sowie Nüsse, diesen Stoff enthalten.

Welche Symptome treten bei einer Kreuzallergie auf Frühblüher wie Hasel, Erle oder Birke auf, wenn man Nahrungsmittel mit ähnlichen Allergenen isst?

Die meisten Patienten haben sofort beim Essen des relevanten Nahrungsmittels, ob Obst, Gemüse, Soja oder Nüsse, „nur“ ein Kribbeln in Mund und Rachen, ein orales Allergiesyndrom. Bei manchen schwillt auch mal das Zäpfchen an oder der Rachen wird eng. Das ist sehr unangenehm, aber meist nicht lebensbedrohlich.

Wann genau im Jahr tritt eine Frühblüher-Allergie auf? 

Das ist abhängig von der Witterung. Manchmal fängt der Pollenflug bei sehr milden Wintern schon im Dezember an. Manchmal dauert es aber durchaus auch bis in den April an.. Insgesamt hat man festgestellt, dass sich die Hauptperiode des Pollenflugs zeitlich ausgedehnt hat, weshalb nun auch, im Gegensatz zu früheren Jahren, zur allergenspezifischen Immuntherapie mit Baumpollen, einer „Desensibilisierung“, geraten wird.  

Heißt das, durch eine Kreuzallergie auf Frühblüher wie Hasel, Erle oder Birke kann es nicht zu einem allergischen Schock kommen?

Stärkere allergische Kreislaufbeschwerden können vorkommen, treten aber selten auf. Grundsätzlich gibt es jedoch bei der Kreuzallergie auf Obst und andere Nahrungsmittel unterschiedliche Schweregrade, die von der Allergenmenge und der Stärke der Allergie beim Betroffenen beeinflusst werden. Es kommt also auf der Seite des Nahrungsmittels darauf an, wieviel Allergen es enthält. Das kann zum Beispiel bei verschiedenen Apfelsorten unterschiedlich sein. 

Bei Haselnuss und bei Soja kann es aber durchaus zu lebensbedrohlichen Situationen kommen, wie gesagt, insbesondere durch sojahaltige Produkte zum Abnehmen. In diesen Diätprodukten können hohe Menge des auslösenden Soja-Allergens enthalten sein. Deshalb sollten Patienten mit einer Frühblüherallergie diese Nahrungsmittel, sowie Produkte, die diese Zutaten enthalten, meiden.

Welchen Einfluss hat die unterschiedliche Allergenität bzw. der Allergengehalt verschiedener Apfelsorten auf die Symptome bei einer Kreuzallergie auf Frühblüher?

Ein sehr empfindlicher Allergiker mit einer Frühblüherallergie auf Hasel, Erle, Birke kann auf eine sehr allergenhaltige Apfelsorte mit starken Symptomen reagieren und auf verschiedene Apfelsorten auch unterschiedlich stark. Zu den wenig allergenen Apfelsorten gehört z.B. die Sorte Santana. Allerdings ist der Santana nur wenige Wochen haltbar und deshalb hat sich diese Apfelsorte im Handel nicht durchgesetzt.

Sind alte Apfelsorten für Nahrungsmittelallergiker mit Frühblüherallergie besser verträglich?

Häufig wird vermutet, dass alte Apfelsorten besonders allergenarm seien. Man vermutet dann, sie führten bei einer Apfelallergie zu weniger Symptomen. Das lässt sich allerdings nicht bestätigen, denn eine ganze Reihe der im Handel erhältlichen Äpfel sind alte Sorten. Dazu gehört zum Beispiel der Golden Delicious, und dennoch ist diese Apfelsorte manchmal stark allergen. Alte Apfelsorten werden deshalb nicht mehr angebaut, weil sie sich in Bezug auf ihre Widerstandsfähigkeit oder die Erntemenge, weniger gut profitabel anbauen lassen. Das heißt aber nicht, dass sie gesünder sind oder weniger Allergene haben. Man bemüht sich, gerade hier in der Region im Estebau Obstbauzentrum Jork darum, neue, allergenärmere Apfelsorten zu züchten. Generelle Aussagen zur Verträglichkeit einzelner Apfelsorten für Apfelallergiker kann man nicht treffen, da nicht vorhersehbar ist, wie schwer ein Allergiker reagieren wird.

Kann man sagen, wovon eine allergische Reaktion bei einer Kreuzreaktion auf Obst, Gemüse, Soja oder Baumnüsse abhängt?

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Stärke der allergischen Reaktionen bei Kreuzreaktionen auf Frühblüher von der Empfindlichkeit des Patienten, der Dosis und der Jahreszeit abhängt. Deshalb empfehlen wir den Patienten, in der Pollenflugzeit grundsätzlich keine möglicherweise kreuzreaktiven Obstsorten oder Gemüsesorten zu verzehren, es sei denn, sie sind ausreichend stark erhitzt worden.

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Gilt diese Empfehlung auch für Soja?

Nein, denn die Sojaprodukte, auf die die Patienten reagieren, sind meistens hoch konzentriert.. Sorge bereiten vor allem sojahaltige Diätprodukte, Proteinshakes und Muskelaufbauprodukte. Diese enthalten ein hochkonzentriertes Sojapulver, das nicht erhitzt wird und deshalb stark allergen wirkt. Das ist der Grund, warum es auf industriell gefertigte Sojaprodukte zu so starken allergischen Reaktionen kommen kann. Nicht die Empfindlichkeit des Patienten ist also die Ursache, sondern die hohe Konzentration des Allergens. Auch bei Sojamilch und Sojajoghurt sollte man vorsichtig sein..

Es kann also auch bei kreuzallergischen Frühblüher-Allergikern zu anaphylaktischen Reaktionen kommen?

Das ist sehr selten, aber möglich ist es. Zu Anaphylaxien kommt es bei den Kreuzallergikern dann vor allem durch die besagten Sojaprodukte und Nüsse.

Welchen Einfluss hat das Erhitzen von Obst auf mögliche Kreuzrektionen bei Frühblüher-Allergikern?

Das Allergen im Obst ist extrem hitzeempfindlich. Durch Erhitzen und Dämpfen wird es zerstört. Manchmal reduziert sich die Allergenität sogar durch Oxidation. Es gibt Patienten, die berichten, dass sie Äpfel besser vertragen, wenn sie nach dem Schälen braun werden.

Verlieren auch Nüsse ihre Allergenität für Menschen mit einer Kreuzallergie auf Frühblüher, wenn sie erhitzt werden?

Bei den Baum- und Erdnüssen ist dies nicht so, weil man sie nicht ausreichend erhitzen kann. Nüsse bleiben immer gefährlich. Das gilt auch für den Nusskuchen, der bei 200 ° C gebacken wird. Man kann nicht sicher sein, dass der Kuchen in der Mitte auch diese hohe Temperatur erreicht.

Kann man denn bei Gemüse, auf dass man bei Kreuzallergien allergisch reagieren kann, wie Karotten, Sellerie und Kartoffeln, durch das Kochen das Allergierisiko senken?

Nein, bei Karotten und Sellerie ist das Problem ähnlich wie bei den Nüssen. Bissfest gekocht kann beides noch allergen sein, erst ganz durchgekocht ist die Allergenität nicht mehr vorhanden. Bei Kartoffeln, die normalerweise nicht roh oder bissfest zubereitet werden, können die Patienten ein orales Allergiesyndrom bekommen, wenn die Speisen nicht richtig gegart wurden. Das kann beispielsweise bei Rösti passieren, wenn es innen noch nicht ganz „durch“ ist.

Interessanterweise berichten manche Patienten, dass sie bei Kartoffeln und bei Karotten durch das Schälen allergische Symptome bekommen. Beim Schälen entstehen kleine Tröpfchen, die wie Pollen in die Nase gelangen und an der Nasenschleimhaut heuschnupfenartige Symptome auslösen können.

Wie erfolgt die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie, die durch eine Frühblüher Allergie ausgelöst wird, welche Tests gibt es?

Die Diagnose wird gestellt, indem der Patient zunächst genau befragt wird, d.h. durch eine ausführliche Anamnese. Dann können sich Hauttest, Bluttest und, in Ausnahmefällen, Provokationstests anschließen. Beim Provokationstest verzehrt der Patient das verdächtige Nahrungsmittel unter ärztlicher Aufsicht. Wenn es sich um eine Frühblüherallergie handelt und die unverträglichen Nahrungsmittel den kreuzallergenen Nahrungsmitteln entsprechen, ist die Diagnose gestellt. Dabei gibt es, wie erwähnt, unterschiedliche Konstellationen. Manche Patienten sind auf mehrere Obstsorten, Nüsse oder Gemüsesorten allergisch, andere auf ein oder mehrere einzelne Nahrungsmittel.

Was ist bei der Anamnese wichtig, um eine Diagnose auf Frühblüher Allergiesymptome auf Nahrungsmittel zu stellen?

Die Anamnese ist für eine korrekte Diagnose sehr wichtig. Dabei sollte der Arzt genau erfragen, welche Nahrungsmittel die allergischen Reaktionen ausgelöst haben. Auch welche Zutaten die betreffenden Speisen hatten und wie sie zubereitet wurden ist eine wichtige Information. Im Zweifelsfall müssen die Patienten versuchen, dies im jeweiligen Restaurant oder in der Kantine in Erfahrung zu bringen. Auch anhand der Zutatenliste auf der Lebensmittelverpackung kann man das ermitteln.

Außerdem sind die genauen Symptome, der zeitliche Ablauf und die Schwere der Reaktion von Bedeutung. Weitere wichtige Faktoren sind, ob es bereits zu einem früheren Zeitpunkt zu allergischen Reaktionen beim Essen kam, ob Allergien bestehen oder ob weitere Erkrankungen vorliegen. In diesem Zusammenhang kann es auch angeraten sein, dass der Patient ein spezielles Beschwerde-Ernährungstagebuch führt.

Wenn die Ergebnisse aus Anamnese und Standardallergietest nicht zusammenpassen, gibt es die Möglichkeit, die Einzelallergene mit Hilfe der molekularen Allergiediagnostik zu untersuchen. Mit diesem speziellen Bluttest lässt genau bestimmen, ob und wogegen eine Allergie besteht.

Wie kann man eine Frühblüherallergie mit Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel behandeln?

Das Meiden des Allergens ist die wichtigste Therapiemaßnahme. Ich empfehle Patienten mit einer Kreuzallergie auf Frühblüher grundsätzlich eine gute Beratung durch eine speziell allergologisch geschulte Ernährungsfachkraft. Die Adressen dazu findet man z.B. auf der Seite des Deutschen Allergie und Asthmabundes (www.daab.de).

Gibt es auch Medikamente, die bei einer Kreuzallergie auf Hasel, Erle und Birke helfen, wenn man bestimmte Nahrungsmittel nicht verträgt?

Weiter ist es möglich, eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntehrapie) gegen die Frühblüher-Baumpollen vorzunehmen. Dies ist empfehlenswert, wenn die Patienten aufgrund ihrer Frühblüherallergie starke Heuschnupfenbeschwerden haben, die von Jahr zu Jahr schlimmer werden und die mit Antiallergika und kortisonhaltigen Nasensprays nicht ausreichend beherrschbar sind. Auch bronchiale Beschwerden, wie Husten oder ein drohendes Asthma wären ein Grund dafür, eine spezifische Immuntherapie zu empfehlen. Dies ist der eigentliche Therapiegrund, denn allein aufgrund der Kreuzreaktionen auf Nahrungsmittel würde man diese Therapie nicht durchführen.

Einige Patienten können durch die spezifische Immuntherapie die zuvor unverträglichen Nahrungsmittel wieder essen. Allerdings ist dies nur bei einem Drittel der Patienten, die eine spezifische Immuntherapie durchführen, der Fall.

Empfehlen Sie für die spezifische Immuntherapie gegen Frühblüherpollen eher die Hyposensibilisierung (SCIT) mit der Spritze oder die sublinguale Immuntherapie (SLIT) mit Tabletten oder Tropfen? 

Eine ausreichend hochdosierte sublinguale Immuntherapie steht aktuell nicht zur Verfügung. Unabhängig davon sollte man bedenken, dass Patienten mit Allergie auf Frühblüher, die auch unter Kreuzreaktionen leiden, ja gerade mit allergischen Symptomen im Mund- und Rachenraum zu kämpfen haben. Bei der SLIT würden mögliche Nebenwirkungen aber genau dort auftreten. Für die Patienten wäre das kein motivierender Faktor für eine Therapie. Deshalb ist für die meisten Frühblüher-Allergiker die subcutane Immuntherapie die bessere Wahl. Bei 80 bis 90 Prozent der Patienten verbessern sich dadurch die Symptome oder verschwinden ganz. 

Frau Dr. Lepp, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.