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Heuschnupfen Allergietest

Dr. Thomas Potrafke: Heuschnupfen: Wie erfolgt die Diagnose? Welcher Allergietest sagt was?

Heuschnupfen: Wie erfolgt die Diagnose? Welcher Allergietest sagt was?

Es gibt zur Diagnose von Heuschnupfen eine Reihe von Allergietests. Die Rede ist häufig vom Prick-Test, IgE-Test, RAST, Provokationstest, molekularer Allergiediagnostik etc. Für viele Patienten ist dies verwirrend. Man fragt sich: Welcher Pollenallergie-Test sagt eigentlich was aus? In welchen Fällen reicht ein einziger Allergietest nicht zur Diagnose? Und wie wirken sich die Testergebnisse auf die Therapie des Heuschnupfens aus? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Thomas Potrafke, Hals-Nasen-Ohrenarzt und Allergologe, HNO-Praxis im Ärztehaus Zuffenhausen und Mitglied im Allergienetzwerk Stuttgart (https://www.allergienetzwerk-stuttgart.de/), über die Allergiediagnostik bei Pollenallergien.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. Thomas Potrafke

Herr Dr. Potrafke, welcher Heuschnupfen-Test ist der beste?

Zunächst ist es wichtig festzuhalten, dass am Anfang einer Diagnose nicht ein Heuschnupfen Test bzw.  Allergietest auf Pollen steht. Wenn ein Patient zu mir kommt und von Beschwerden berichtet, die auf eine Allergie hinweisen könnten, beginnt die Diagnose mit der Anamnese. Dies ist die ausführliche Befragung des Patienten nach Beschwerden, Umständen und Ausprägung der Heuschnupfen-Symptome. Ergänzt wird die Anamnese durch einen Allergie-Fragebogen, den der Patient in Ruhe ausfüllen kann und aus dem sich oft weitere Hinweise ergeben. Dadurch erhalte ich bereits die wichtigsten Hinweise zur Einschätzung der Luftwegallergie.

Welche Symptome anderer Krankheiten ähneln den Symptomen von Heuschnupfen?

Gerade in der Übergangszeit, also im Frühjahr, können auch Entzündungen, die im Winter entstanden sind, der Grund für Heuschnupfen-ähnliche Symptome sein. Außerdem können Infekte parallel zu allergischen Symptomen auftreten.

Wie geht es nach der Anamnese weiter mit der Allergie-Diagnose einer Pollenallergie?

Im Anschluss an die Anamnese gehört eine gründliche Untersuchung der Nase zur Pollenallergie Diagnose. Die Untersuchung der Nase erfolgt zum einen durch eine Endoskopie der Nase bzw. der Nasennebenhöhlen. Zum anderen dient eine Ultraschall-Untersuchung der Nasennebenhöhlen dazu, sich ein Gesamtbild zu machen. Wenn eine Allergie vorliegt, erkennt man das oft an einem dafür sehr typischen Befund an den Schleimhäuten, der anders ist als bei einer Entzündung. Erst dann geht es weiter mit den Allergietests auf Pollenallergie, und zwar zunächst mit dem Pricktest.

Wie wird der Pricktest durchgeführt, wenn ein Heuschnupfen vermutet wird?

Der Prick-Test ist ein Hauttest und der Basistest in der Allergologie der Luftwege. Hierbei werden die wichtigsten Allergene in Form von Allergenextrakten in einem gewissen Abstand zueinander auf die Haut aufgebracht und mit speziellen Lanzetten in die Haut eingeritzt. Der Test wird an den Innenseiten beider Unterarme durchgeführt. So kann man viele Allergene gleichzeitig testen. Zur Kontrolle wird zusätzlich auch mit dem reinen Lösungsmittel ohne Allergen getestet und dort sollte deshalb das Ergebnis immer negativ sein. Zusätzlich testet man mit Histamin, dem körpereigenen Juckreiz-Hormon, hier sollte das Ergebnis immer positiv sein.

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Wie lange dauert der Pricktest?

Ein Pricktest kann ohne große Vorbereitung in der allergologischen Praxis durchgeführt werden. Die Testsubstanzen mit den zu testenden Allergenen sind schnell auf der Haut am Unterarm appliziert und das Ergebnis kann schon 15 Minuten später vom Arzt abgelesen werden.

Welche Rolle spielt der Prick-Test als Allergietest auf Pollenallergien bei der Diagnose?

Wenn die Prick-Testergebnisse mit den Hinweisen aus der Anamnese und dem endoskopischen Befund übereinstimmen, hat man eine sichere Diagnose. Dies ist in 80 Prozent der Fälle so. Die Reaktion an der Haut ist in der Regel ein sicherer Indikator für eine Allergie, denn die Haut an den Unterarmen reagiert genauso wie die Nasenschleimhaut, die Bronchialschleimhaut und die Bindehaut am Auge. Weitere Tests sind dann nicht nötig.

In welchen Fällen muss man denn dann weitere Pollenallergie-Tests durchführen, um einen Heuschnupfen zu diagnostizieren?

Bei 20 Prozent der Patienten sind die Ergebnisse leider nicht klar und eindeutig und in diesen Fällen sind weitere Tests nötig.

Es gibt im Prinzip vier Patientengruppen, bei denen man mit dem Prick-Test nicht weiterkommt:

  1. Wenn bei einem Patienten im Prick-Test nichts reagiert, das heißt, wenn laut Test keine Sensibilisierung vorliegt, aber wenn andere Anzeichen doch für eine Allergie sprechen.
  2. Umgekehrt kann es auch vorkommen, dass eine sehr große Anzahl von Allergenen positive Reaktionen auslösen, obwohl aufgrund der Anamnese nur eine oder zwei Stoffgruppen als Allergieauslöser vermutet werden. In beiden Fällen benötigt man weitere Tests, um Klarheit zu schaffen.
  3. Zum dritten ist ein Prick-Test nicht möglich, wenn ein Patient eine schwere Neurodermitis, eine Urtikaria (Nesselsucht) oder andere Hauterkrankungen hat. Wenn die Haut schon grundsätzlich fleckig und gerötet ist, kann man zum einen die durch etwaige Sensibilisierungen ausgelösten Hautveränderungen nicht mehr klar erkennen. Zum anderen reagiert die gereizte Haut dann oft unspezifisch bereits auf die Negativ-Kontrolllösung mit dem Lösungsmittel.
  4. Auch bei kleinen Kindern ist der Prick-Test manchmal nicht durchführbar, denn der Patient muss für den Test ca. 20 Minuten lang den Arm stillhalten und das machen kleine Kinder manchmal einfach nicht mit.

Hier kommen dann die anderen speziellen Allergie Testverfahren, wie der IgE-Test, zum Einsatz.

Kann es auch sein, dass der Pricktest positiv, aber der Bluttest negativ ist? Was würde das bedeuten?

Dies ist sehr selten der Fall. Eher ist dann zu vermuten, dass unspezifische mechanisch ausgelöste Hautreaktionen auf den Reiz der Applikationslanzette vorliegen, sogenannte Urtikaria factitia. Erkennen kann man dies, wenn im Hauttest auf alle Testsubstanzen reagiert wird – auch auf die Negativkontrolle, die immer mit aufgebracht wird. Man würde dann den Hauttest nach ein paar Tagen wiederholen. Bei eindeutig negativem Testergebnis im Blut kann man aber dann davon ausgehen, dass keine Allergie vorliegt.

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Wie wird der IgE-Tests zur Heuschnupfen-Diagnose durchgeführt?

Wenn der Prick-Test keine eindeutigen Ergebnisse zur Pollenallergie liefert, gibt es zunächst die Möglichkeit, das Immunglobulin E im Blut zu bestimmen. Dies  zunächst durch die Bestimmung des Gesamt-IgE. Das Immunglobulin E ist die Stoffgruppe der Antikörper des Immunsystems, die sich im Blut von Allergikern in erhöhter Konzentration finden. Wenn das Gesamt-Immunglobulin-E im Vergleich zum Normalwert deutlich erhöht ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Allergie vorliegt. Man muss dann allerdings noch herausfinden, worauf genau der Patient allergisch reagiert. Der nächste Schritt ist deshalb dann die Bestimmung des spezifischen IgE im Blut (RAST).

Wie wird ein Heuschnupfen mit einem RAST diagnostiziert?

Mit dem Radio-Allergo-Sorbent-Test, kurz RAST, kann man die für verschiedene Allergene ganz spezifischen IgE-Antikörper im Blut bestimmen, die sich als Immunantwort auf diese Allergene gebildet haben. In der Regel bestimmt man ein paar verdächtige Allergengruppen, wie beispielsweise Frühblüher, Gräser oder Hausstaubmilben. Hierbei hat man, nach der morgendlichen Blutabnahme, das Ergebnis nach wenigen Stunden.

Wie wird eine Allergie auf Pollen mit einem Provokationstest festgestellt?

Ergänzend zum Prick-Test und zum RAST-Bluttest kann man zusätzliche Provokations­testungen mit Allergenlösungen durchführen: Der wichtigste Provokationstest ist der nasale Provokationstest, denn die Nase ist das "Hauptempfangsorgan" für die Allergene in der Luft. Die Nase ist oft als erstes allergisch sensibilisiert. Dazu sprüht man das speziell standardisierte Allergenextrakt als Nasenspray direkt auf die Schleimhaut im Bereich der Nasenmuscheln auf. Nach 15 Minuten inspiziert man dann die Nase und misst der Luftdurchgängigkeit der Nase durch eine Rhinomanometrie. Wenn der Test positiv ausfällt, schwellen die Nasenschleimhäute an, es kommt zu einer rhinomanometrisch messbaren Verminderung der Luftdurchgängigkeit der Nase. Man erkennt das positive Testergebnis oft schon daran, dass typische Allergiesymptome auftreten: Naselaufen, Juckreiz oder Niesen. Mit dem nasalen Provokationstest überprüft man so die Relevanz von positiven Allergenen. Leider kann man beim nasalen Provokationstest meist nur jeweils ein Allergen pro Tag testen. Zumindest dann, wenn der erste Test positiv ausfällt, muss man bis zum nächsten Test mindestens einen Tag pausieren, weil die Nase dann erst einmal zugeschwollen ist.

Wie lange dauert der Provokationstest?

Beim nasalen Provokationstest wird in der Regel zunächst nur die Kontrolllösung in die Nase eingesprüht, ohne enthaltenes Allergen, und dann nach 15 Minuten kontrolliert. Reagiert der Patient bereits unspezifisch, also reflektorisch schon auf diese Kontrolllösung, ist ein weiterer nasaler Provokationstest mit dem Allergen nicht sinnvoll durchführbar. Wenn, wie fast immer, die erste Negativkontrolltestung unauffällig ist, appliziert man dann die Testsubstanzen einzeln, jeweils wieder mit mindestens 15 Minuten Wartezeit nach Applikation. So kann es sein, dass man für die Provokationstestungen bis zu eine Stunde braucht.

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Gibt es weitere Gründe für einen nasalen Provokationstest zur Diagnose von Heuschnupfen? 

Der nasale Provokationstest kommt zur Diagnose von Luftwegallergie auch dann zum Einsatz, wenn der Prick-Test und der RAST-Bluttest negativ oder nur fraglich positiv ausfallen, man aber trotzdem einen anamnestischen Verdacht hat. Manchmal reagiert die Nasenschleimhaut dann doch positiv auf die Allergenlösung. Ein nasaler Provokationstest wird beim Heuschnupfen allerdings nicht häufig eingesetzt, sondern häufiger bei Verdacht auf Allergien gegen Hausstaubmilben. Man kann so auch einschätzen, ob eine positive Testung auf Hausstaubmilben im Prick-Test auch tatsächlich relevant ist, das heißt nasale Beschwerden verursacht, oder ob es sich lediglich um ein Nebenallergen handelt.

Wann setzt man die molekulare Allergiediagnostik ein, um einen Heuschnupfen zu diagnostizieren?

Die molekulare Allergiediagnostik muss man nur sehr selten einsetzen, um einen Heuschnupfen zu diagnostizieren. Meist sind Hauttests und Bluttests ausreichend für die sichere Diagnose. Bei Zweifeln an den Ergebnissen der Basistestungen können wir aber durch die molekulare Allergiediagnostik Sicherheit erlangen.

Dazu muss man zunächst wissen, dass in den letzten Jahren immer genauer herausgefunden wurde, was die Allergien auslöst. Denn es gibt innerhalb aller Spezies, also der Pollen, nicht nur ein einziges allergieauslösende Molekül, sondern viele Moleküle, die allergen wirken können. Manche davon wirken stärker allergieauslösend, sogenannte Major-Allergene, manche schwächer, sogenannte Minor-Allergene. Manche Moleküle kommen ganz spezifisch nur in einer Pflanzengattung vor, manche in mehreren und manche sogar in fast allen Pflanzen.

Man kann nun seit ein paar Jahren auch diese Einzelstoffe testen und nicht nur das Allergengemisch einer Spezies. Dadurch bekommen wir ein klareres Allergenprofil und können genau zwischen wichtigen und unwichtigen Allergenmolekülen differenzieren. Besonders wichtig ist, dass wir durch die molekulare Allergiediagnostik wissen, dass bestimmte allergieauslösende Stoffgruppen in allen Spezies vorkommen, obwohl diese Pflanzen gar nicht miteinander verwandt sind. Drei Molekülgruppen, die CCDs, die Profiline und die Polcalcine und verfälschen das Allergietestergebnis, weil sie in allen Pflanzen vorkommen. Wenn sie allergen sind, rufen sie positive Testergebnisse hervor, obwohl sie für die Allergieerkrankung des Patienten gar nicht wichtig sind. Die Testergebnisse liegen nach Einsendung ins Labor meist am gleichen Abend vor.

Wie kommt es bei der Diagnose von Pollenallergien durch CCDs zu falschen Testergebnissen?

CCDs sind Oligosaccharid-Seitenketten, die an das Proteingerüst vieler Allergene gebunden sind. Diese speziellen Kohlenhydratverbindungen kleben förmlich als "Anhängsel" am eigentlichen Allergen, können aber manchmal selbst als Allergen nachgewiesen werden und den Allergietest falsch positiv werden lassen. Wir nennen diese Strukturen CCD, als Abkürzung für "Crossreactive Carbohydrate Determinant", also kreuzreagierende Kohlenhydratdeterminanten. CCDs sind in einer Vielzahl von Allergenen pflanzlichen und tierischen Ursprungs enthalten und aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit kommt es zu einer ausgeprägten Kreuzallergie. Das bedeutet konkret, zum Beispiel sowohl bei der Birke als auch beim Beifuß oder bei der Olive. Wenn Patienten nun spezifische Antikörper genau gegen diese Kohlenhydrat-Strukturen entwickelt haben, ist das oft der Grund dafür, dass sie im Prick-Test auf sehr viele Testlösungen völlig unterschiedlicher Spezies reagieren. Für die Allergiekrankheit ist aber diese Form der allergischen Sensibilisierung meist unbedeutend.

Wie können bei der Diagnose von Pollenallergien Profiline und Polcalcine das Ergebnis des Allergietests beeinflussen?

Zwei andere Stoffgruppen, die Profiline und Polcalcine, können auch den Allergietest verfälschen. Profiline und Polcalcine nennt man manchmal sogar Panallergene, weil es sich um Allergene handelt, die in allen Pflanzen vorkommen. Diese Stoffe sind in den Standard-Testextrakten ebenfalls enthalten. Dadurch, dass sie in allen Pflanzen enthalten sind, können sie aber ebenfalls die Ursache dafür sein, dass ein Patient beim Prick-Test auf alle Allergene positiv reagiert, obwohl diese Sensibilisierung manchmal gar nicht in der Praxis wichtig ist. Mit der molekularen Allergiediagnostik können wir nun, im Gegensatz zu den Standardtests, alle Einzelallergene aller Spezies inklusive der kreuzreaktiven Kohlenhydrat-Determinanten und der Profiline und der Polcalcine einzeln testen. Man sieht dann genau, auf welches Allergen bzw. welchen Stoff der Patient wirklich allergisch ist. Bei einem Birkenallergiker lässt sich nun durch diese enorm verfeinerte, molekulare Allergiediagnostik genau bestimmen, ob der Patient eine Allergie, zum Beispiel nur gegen das wichtigste, potenteste Hauptallergen der Birke (Bet V1) oder auf eines der unwichtigeren Nebenallergene entwickelt hat, oder ob er sogar nur auf die in allen Spezies vorkommenden Kohlenhydrat-Determinanten oder auf Profiline oder Polcalcine allergisch sensibilisiert ist.

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Wie wichtig ist es für die Therapie,  das Allergen genau zu bestimmen ?

Die genaue Kenntnis des auslösenden Allergens hilft bei der Therapiesteuerung bzw. dabei, die Erfolgsaussichten einer Therapie besser zu beurteilen. Es gibt Heuschnupfen-Patienten, für die die Standardtherapie, die Hyposensibilisierung, Desensibilisierung oder spezifische Immuntherapie (SIT), nicht geeignet ist. Ein Beispiel: Wenn man bei einem Birkenpollenallergiker eine Desensibilisierung durchführt und dafür Extrakte nutzt, die vor allem die Hauptallergene der Birke enthalten, obwohl der Patient eigentlich auf die Panallergene allergisch reagiert, wirkt die Hyposensibilisierung nicht. Der Patient hat dann möglicherweisedrei Jahre lang eine Therapie durchgeführt, die gar nicht erfolgreich sein kann. Durch die Spezialdiagnostik, die die molekulare Allergiediagnostik bietet, kann man dies verhindern. Ein großer Fortschritt und Wissensgewinn!

Setzt man die molekulare Allergiediagnostik immer dann ein, wenn eine Hyposensibilisierung als Therapie in Erwägung gezogen wird?

Vor allem wenn sich ein Asthma anbahnt, der sogenannte Etagenwechsel von der Nase zur Lunge beginnt, sollte man unbedingt eine Immuntherapie beginnen. Wenn die Basis-Tests eindeutig sind, muss man die molekulare Allergiediagnostik nicht einsetzen. Wenn jedoch der Prick-Test bei einem Patienten viele Sensibilisierungen nachweist, ist die molekulare Allergiediagnostik ein sinnvoller nächster Schritt, um das richtige Therapieextrakt auszuwählen.

Durch die molekulare Allergiediagnostik wird sich die Hyposensibilisierung wahrscheinlich in Zukunft auch besser steuern lassen: Bisher enthalten die  verwendeten Standardextrakte vor allem die Majorallergene, zum Beispiel der Birke. In Zukunft wird man das zu verwendende Konzentrat exakt auf das individuelle Allergen des Patienten ausrichten können. Das ist allerdings aktuell noch nicht möglich. Zukünftig werden mehr Immuntherapien erfolgreich sein und außerdem vermeidet man durch die molekulare Allergiediagnostik unnötige Therapien in den Fällen, in denen die Behandlung nicht helfen kann.

Eine weitere Möglichkeit, einen Allergietest durchzuführen, ist der RAST am Nasensekret. Diese Art Allergietest ist aber nur sehr selten sinnvoll.

Wann ist der RAST am Nasensekret sinnvoll?

In letzter Zeit hat man eine spezielle Form der Allergie erkannt, die "lokale allergische Rhinitis" bzw. das "Syndrom der lokalen IgE-Produktion".  Früher hat man dieses Phänomen oft fälschlicherweise als "nicht-allergische Nasenreaktion" bezeichnet. Diese spezielle Form der allergischen Rhinitis tritt rein lokal in der Nasenschleimhaut auf und ist daher weder im Prick-Test noch im Blut nachweisbar. Der Patient reagiert deshalb bei den üblichen Allergietests an Haut und Blut auf keines der getesteten Allergene positiv, obwohl er eindeutig Heuschnupfen-Symptome hat. In den Fällen, in denen man eine lokale allergische Rhinitis vermutet, testet man deshalb mit dem bereits erwähnten nasalen Provokationstest, sowie indem man nicht das Blut, sondern das Nasensekret untersucht. Auch in der Nasenschleimhaut wird spezifisches IgE produziert, das deshalb bei einer lokalen allergischen Rhinitis im RAST direkt im Nasensekret nachgewiesen werden kann.

Ein weiterer Allergietest, der aber bei der Diagnose einer Pollenallergie keine Rolle spielt und der auch sonst eher selten eingesetzt wird, ist der Reibe-Test mit nativen Allergenen.

Wozu dient der Reibetest mit nativen Allergienen bei der Pollenallergie-Diagnose?

Diesen Test führt man beispielsweise dann durch, wenn der Verdacht auf eine Tierhaarallergie besteht. Der Patient bringt dann die Haare seines eigenen Haustiers -  Meerschweinchen, Katze, Hund oder Pferd - mit. Für den Reibe-Test reibt man dann die Haare auf die Haut und beobachtet, ob eine allergische Reaktion folgt. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit einer zusätzlichen Austestung und Differenzierung seltenerer Allergene bzw. weiterer Allergene mit Hilfe von Screening Tests im Blut.

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Wie führt man Screening Tests im Blut durch, wenn es um eine Heuschnupfen-Diagnose geht?

Screening Tests werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Manche Patienten wollen jedoch erfahren, ob sie noch weitere Sensibilisierungen haben, zum Beispiel auf Nahrungsmittel oder Tierhaare etc.. Für Allergiker die die Tendenz haben, weitere Allergien zu entwickeln, sind die Screeningtests, die 20 bis 40 Testsubstanzen im Blut nachweisen können, manchmal eine sinnvolle Ergänzung.

Wie aussagefähig sind denn insgesamt die Ergebnisse der Allergietests auf Pollen?

Die Allergietests sind heute im Allgemeinen sehr aussagekräftig und spezifisch. Früher war das nicht immer so. Damals waren die Extrakte manchmal qualitativ noch nicht so hochwertig und exakt gereinigt, so dass die Testaussagen manchmal ungenau waren. Heutzutage sind die Extrakte hochgereinigt und so exakt, dass kaum Fremdproteine enthalten sind, die das Testergebnis verfälschen könnten. Mittlerweile gibt es auch Extrakte für eine enorme Bandbreite von Allergenen. Damit kann man fast alle Sensibilisierungen abdecken.

Welcher Allergietest ist für Kinder am besten geeignet?

Bei Kindern sind Allergietestungen meist erst ab dem Alter von drei Jahren sinnvoll, da das kindliche Immunsystem sich langsam entwickelt. Bei sehr kleinen Kindern, die bei Hauttests noch nicht gut mitmachen können, wird man primär Bluttests durchführen (Gesamt-IgE und spezifisches IgE – RAST-Testungen). Aber meist kann der einfache und aussagekräftige Pricktest auf der Haut schon bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr erfolgen.

Kann man Allergietestungen auch zu Hause durchführen?

Ein Selbsttest zu Hause ist nicht sinnvoll, da die Hauttestungen nur von dafür geschulten Arzthelferinnen in den allergologischen Praxen richtig durchgeführt werden können. Auch für den sehr seltenen Fall ungewöhnlich starker Reaktionen schon auf den Hauttest sollte man in der Praxis sein, wo Arzthelferinnen und der Arzt bereitstehen.

Welcher Arzt führt die Allergietests durch und was kostet das?

Jeder Arzt, der die Ausbildung dafür hat, kann Allergietests durchführen. Wichtig ist aber die allergologische Erfahrung, damit auch gezielt und erfolgreich getestet wird und dann gleich die richtige Therapie festgelegt werden kann. In der Regel sind dies Ärzte mit der Zusatzqualifikation „Allergologie“. Bei Hautärzten und HNO-Ärzten ist die Allergologie aber bereits ein wesentlicher Bestandteil der Facharztausbildung, so dass diese eine gute Qualifikation dafür haben, auch ohne die Zusatzbezeichnung „Allergologie“ auf dem Praxisschild. Als Hals-Nasen-Ohrenarzt bin ich natürlich klar der Meinung, dass bei Allergien mit Nasensymptomen (Pollenallergien, Hausstauballergien, Schimmmelpilzallergien und Tierhaaarallergien) die exakte hals-nasen-ohrenärztliche Untersuchung mit Endoskopie der Nase obligatorisch ist. Denn andere allergieähnliche Erkrankungen zeigen sich dabei genau. Die Kosten für die Basisallergietestungen aus medizinischen Gründen übernimmt die Krankenkasse. Weitgehende, auf Wunsch der Patienten zusätzlich durchgeführte Testungen kosten extra, ja nach Aufwand in der Regel zwischen 30 und 200 €.

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Kann Heuschnupfen den Corona Schnelltest beeinflussen?

Es ist mir nicht bekannt, dass Heuschnupfen das Testergebnis des Corona-Schnelltests verfälscht. Bei Zweifeln und starker Nasensekretion sollte man gegebenenfalls einen HNO-Arzt den Schnelltest durchführen lassen - nach Endoskopie und Reinigung der Nase.

Gelten die jeweiligen Testergebnisse "lebenslang" oder kann sich eine Pollenallergie auch wieder verlieren?

Im Grunde kann man sagen, dass die Testergebnisse von Allergietests ein Leben lang ihre Gültigkeit behalten. Allerdings stellt man fest, dass Heuschnupfenbeschwerden sich im Alter trotz positiven Testungen verlieren können. Das liegt daran, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter nicht mehr so leicht stimulierbar ist. Die Allergie ist in diesen Fällen zwar nach wie vor vorhanden, ist aber nicht mehr klinisch relevant. Auch bei Patienten, die hyposensibilisiert wurden, finden sich oft weiterhin positive Testergebnisse, obwohl sie keine Heuschnupfen-Symptome mehr haben.

Ist es denn dann sinnvoll gewisse Allergietests zu wiederholen?

Allergikern mit relevanten Beschwerden, insbesondere Kindern und Jugendlichen, die schon allergische Symptome entwickeln, empfehlen wir alle drei bis fünf Jahre einen Allergietest durchzuführen, denn oftmals kommt es bei Allergikern im Laufe der Zeit zur Ausweitung des Allergiespektrums. Die Hyposensibilisierung wird nicht zuletzt deshalb von uns empfohlen, weil sie beim Allergiker genau diese Entwicklungen verhindern kann: Die Ausweitung des Allergenspektrums und zusätzlich, fast noch wichtiger, den sogenannten Etagenwechsel von der allergischen Rhinitis zum allergischen Asthma.

Herr Dr. Potrafke, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.