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Anaphylaxe Allergischer Schock

Anaphylaxie - allergischer Schock: Was ist das? Was sind die Ursachen? Wie sehen Symptome aus? Wie erfolgen Diagnose und Therapie?

Anaphylaxie - allergischer Schock: Was ist das?

Eine Anaphylaxie ist eine systemische allergische Reaktion, die plötzlich an mindestens zwei Organsystemen, wie den Atemwegen, dem Magen-Darm-Trakt, der Haut oder dem Herz-Kreislauf-System, auftritt. Alles über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie.

 

 

 

Autor: Irene Brandenburg

 

 

Anaphylaxie - anaphylaktischer Schock: Was bedeutet das?

Eine Anaphylaxie ist eine akute systemische, also den gesamten Organismus betreffende, Reaktion des Immunsystems. Folgende Organsysteme können beteiligt sein:

  • Atemwege
  • Magen-Darm-Trakt
  • Haut
  • Herz-Kreislauf-System

Meist liegt eine Immunoglobulin E (IgE)-vermittelte Allergie vom Typ 1 vor, also eine Sofort-Typ-Allergie, die binnen weniger Sekunden bis Minuten eintreten und potentiell lebensbedrohlich sein kann. 

Ein anaphylaktischer Schock ist die Maximalvariante einer anaphylaktischen Reaktion, die von Schock-Symptomen bis zum Kreislaufstillstand führen kann.
Die genaue Zahl der von Anaphylaxien Betroffenen ist unbekannt. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz werden hierzu Daten in einem Anaphylaxie-Register erhoben.

 

Anaphylaxie: Ist sie gefährlich?

Die Anaphylaxie ist die lebensbedrohlichste Form einer allergischen Reaktion. Das liegt daran, dass von einer anaphylaktischen Reaktion nicht nur einzelne Organe betroffen sein können. Vielmehr kann sich eine Anaphylaxie auf den gesamten Organismus, insbesondere das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege, auswirken.

 

Anaphylaxie: Wann besteht ein erhöhtes Risiko?

Bestimmte Faktoren können das Risiko einer Anaphylaxie erhöhen, dazu gehören:

  • körperliche Belastung
  • Infektionen
  • psychischer Stress
  • bestimmte Medikamente 
  • Alkohol

Aber auch nicht-allergische Vorerkrankungen können begünstigend wirken, wie zum Beispiel:

Weitere Faktoren, die zu einem erhöhten Anaphylaxie-Risiko beitragen können, sind:

  • Starke Allergene (z.B. Fisch, Erdnüsse)
  • Hohes Lebensalter
  • Männliches Geschlecht
  • Ausgeprägte Sensibilisierung
  • Hoher IgE-Wert 
Risikofaktoren für anaphylaktische Reaktionen
Augmentationfaktoren Co-Erkrankungen andere Faktoren
- Körperliche Belasung - Asthma bronchiale - Bestimmte Allergene (Art und Menge)
- Infektionen - Kardiale Erkrankungen - Alter
- Psychischer Stress - Mastozytose - Männliches Geschlecht
- Medikamente* - Schilddrüsenerkrankung - Grad der Sensibilisierung
- Alkohol   - Höhe des sIgE
*Betablocker und ACE-Hemmer können den Schwergrad der Anaphylaxie verstärken.
Quelle: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie – Update 2021 (https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-025l_S2k_Akuttherapie-Management-Anaphylaxie_2021-10.pdf)

 

 

Anaphylaxie: Was ist die Ursache? 

Ein anaphylaktischer Schock ist die Folge einer übersteigerten Reaktion des Immunsystems, meist durch eine IgE-vermittelte Allergie vom Sofort-Typ. Dies führt im Körper zu einer Freisetzung unterschiedlicher Mediatoren, also Botenstoffen, unter anderem Histamin, Prostaglandin und Tryptase.

Anaphylaxie: Mögliche Auslöser 

Zu den häufigsten Auslösern schwerer anaphylaktischer Reaktionen gehören:

Erwachsene reagieren häufiger auf Insektengifte und Medikamente mit einer anaphylaktischen Reaktion, während bei Kindern mit Abstand die Nahrungsmittel zu den häufigsten Auslösern gehören. 

Seit 2006 gibt es ein sogenanntes “Anaphylaxie-Register”, in dem allergische Zentren aus Deutschland und Europa Fälle schwere allergische Reaktionen melden. Mit Hilfe dieses Registers ist es gelungen, auch sehr seltene Auslöser zu identifizieren, wie zum Beispiel exotische Früchte und Gewürze. 

 

Häufige Auslöser schwerer anaphylaktischer Reaktionen bei Kindern und Erwachsenen (Daten aus dem Anaphylaxie-Register, Stand 03/2017, n = 8.046, Worm et al. 2018)
Auslöser Kinder Erwachsene
Nahrungsmittel 60% 16%
Insektengifte 22% 52%
Arzneimittel 7% 22%
sonstige 5% 3%
unbekannt 7% 6%
Quelle: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie – Update 2021 (https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-025l_S2k_Akuttherapie-Management-Anaphylaxie_2021-10.pdf)

Allergischer Schock: Kann eine Ernährungsumstellung die Ursache sein?

Bei einer Ernährungsumstellung sollte man immer auch an das allergene Potential neuartiger Lebensmittel denken. Manch modernes Nahrungsmittel, wie die als „Powerfood“ bezeichnete Quinoa, oder die Färberdistel, die als Ersatz für Safran dient, können eine Anaphylaxie auslösen.

Ist der allergische Schock jahreszeitenabhängig?

Die häufigste Ursache einer anaphylaktischen Reaktion bei Allergikern sind Bienen -und Wespenstiche. Daher sind Menschen, die allergisch auf Insektenstiche reagieren, besonders im Spätsommer gefährdet, wenn viele Insekten unterwegs sind. Hier spielt also die Jahreszeit eine Rolle.

Anaphylaxie nach COVID-19 Impfung

Seit Januar 2021 werden in verschiedenen Ländern, unter anderem auch in Deutschland, Impfungen gegen COVID-19 durchgeführt. Es wurde von einzelnen Fällen von Anaphylaxie nach der Impfung berichtet, die sowohl Patienten als auch Impfärzte verunsicherten. Bestimmte Patienten mit allergischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für eine Anaphylaxie nach einer COVID-19 Impfung: Patienten, die mit schweren allergischen Reaktionen auf Medikamente oder Impfstoffe reagieren, oder auf im COVID-19-Impfstoff enthaltenen Inhaltsstoffe überempfindlich reagieren. Um eine Anaphylaxie nach der Impfung zu vermeiden, sollte man in unklaren Fällen das Risiko allergologisch abklären. Darüber hinaus sollte man solche Risikopatienten nach der Impfung länger beobachten, also für mindestens 30 Minuten. Ebenso muss jedes Impfzentrum und jede Arztpraxis auf den Notfall einer anaphylaktischen Reaktion vorbereitet sein. Es müssen alle Medikamente vorhanden sein, die man für die Sofortmaßnahmen benötigt, damit die Ärzte im Falle einer Anaphylaxie schnell reagieren können.[1]

 

 

Allergie-Schock: Wie sehen die Symptome aus?

Die Symptome eines anaphylaktischen Schocks treten spontan auf. Sie können sehr vielfältig sein und machen sich deutlich bemerkbar. Mögliche Beschwerden reichen von einer Urtikaria mit juckenden Quaddeln, über Atemwegsbeschwerden, Herz-Kreislauf-Beschwerden oder Magen-Darm-Beschwerden, bis hin zu schwerer Atemwegsobstruktion, Schock und Herz-Kreislaufversagen. Im schlimmsten Fall kann der anaphylaktische Schock zum Tod führen. Die häufigsten Todesursachen sind Erstickung oder Herzversagen.

Die Symptome können an allen Körperstellen auftreten, nicht nur dort, wo es zum Kontakt mit dem Allergen gekommen ist.

Eine systemische allergische Reaktion kann sich auf viele Arten zeigen, z.B. durch:

  • Nesselfieber / Urtikaria am ganzen Körper
  • Schwellungen an anderen Körper-Arealen
  • Luftnot
  • Juckreiz
  • Unfreiwilligen Harnabgang oder Kotabgang
  • Herzklopfen
  • Kreislaufabfall
  • Bewusstlosigkeit
  • Herz-Kreislauf-Stillstand

Frühe Anzeichen einer Anaphylaxie

Ein sehr charakteristisches frühes Symptom der Anaphylaxie ist ein Juckreiz an den Handinnenflächen, den Fußsohlen und im Genitalbereich. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Prodrom, ein Symptom, das dem eigentlichen Krankheitsbild vorausgeht.

Die Stadien einer Anaphylaxie

Um eine anaphylaktische Reaktion zu klassifizieren, hat man sie in Anaphylaxie-Schweregrade eingeteilt. Grundsätzlich gilt: Je mehr Organsysteme an der allergischen Reaktion beteiligt sind, desto schwerer ist die Reaktion. Laut Anaphylaxie-Leitlinie geht man von 4 Stadien aus.

 

Schweregradskala zur Klassifizierung anaphylaktischer Reaktionen
Grad  Haut- und subjektive Allgemeinsymptome Abdomen  Respirationstrakt  Herz-Kreislauf 
l

Juckreiz

Flush

Urtikaria

Angioödem

 -  -
ll

Juckreiz

Flush

Urtikaria

Angioödem

Nausea

Krämpfe

Erbrechen 

Rhinorrhö

Heiserkeit

Dyspnoe 

Tachykardie (Anstieg > 20/min)

Hypotension (Abfall > 20 mmHg systolisch)

Arrhythmie 

         
lll

Juckreiz

Flush

Urtikaria

Angioödem

Erbrechen

Defäkation 

Larynxödem

Bronchospasmus

Zyanose

Schock

lV

Juckreiz

Flush

Urtikaria

Angioödem

Erbrechen 

Atemstillstand 

Kreislaufstillstand

*Die Klassifizierung erfolgt nach den schwersten aufgetretenen Symptomen (kein Symptom ist obligatorisch).     
Quelle: Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie – Update 2021 (https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-025l_S2k_Akuttherapie-Management-Anaphylaxie_2021-10.pdf)     

 

Wie lange dauert es, bis es nach Allergen-Kontakt zum Allergieschock kommt?

Der Kontakt mit allergieauslösenden Stoffen, wie Insektengift, Medikamenten oder Nahrungsmitteln, kann bei Allergikern innerhalb von kurzer Zeit zu schweren anaphylaktischen Reaktionen führen. Oft entwickeln sich Symptome in den ersten 10 Minuten nach Allergenkontakt, gerade bei Nahrungsmittel- und Insektengiftallergikern. Somit steht oft nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung, um eine allergische Reaktion zu behandeln bzw. Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Schwere allergische Reaktionen, die erst Stunden nach Allergenkontakt auftreten, sind dagegen seltener und kommen zum Beispiel bei Säugetierfleisch- oder Erdnussallergikern vor. Grundsätzlich kann aber bei jeder Allergie eine verzögerte Reaktion auftreten. Auch kann es selbst nach Anwendung eines Adrenalin-Autoinjektors zu einer erneuten Anaphylaxie kommen. Man spricht dann von einem biphasischen Verlauf.

Anaphylaxie-Symptome: Werden sie oft unterschätzt?

Da die Symptome einer Anaphylaxie sehr variabel und unspezifisch sind, kann ihre Gefährlichkeit leicht unterschätzt werden. Das liegt daran, dass die Symptome auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Sowohl Betroffene, als auch medizinisches Personal bringen sie deshalb nicht immer mit einer allergischen Reaktion in Verbindung.

Ebenso kommt es vor, dass selbst Patienten, die die Diagnose “Anaphylaxie” erhalten haben, die Erkrankung unterschätzen. Wenn man bis dato immer nur leichte Symptome hatte, geht man eher davon aus, dass es so bleiben wird. Dies muss aber nicht der Fall sein.

Allergischer Schock? Was kann es noch sein? Differentialdiagnosen!

Bei Differentialdiagnosen handelt es sich um Abgrenzungen zu anderen Krankheiten, die ein ähnliches oder identisches Krankheitsbild haben und bei der Diagnostik mitberücksichtigt werden müssen. Symptome, die denen einer anaphylaktischen Reaktion ähneln, können auch von den folgenden Krankheiten hervorgerufen werden:

  • Hauterkrankungen wie isolierte Urtikaria
  • Kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt oder Herzstillstand
  • Neuropsychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Panikattacken oder Epilepsie
  • Atemwegserkrankungen wie schweren Asthmaanfällen (Status asthmaticus) [1]

Anaphylaxie beim Kind: Was sollten Eltern wissen? Auf welche Symptome ist zu achten?

Kinder mit einem Anaphylaxie-Risiko leiden oft an einer Nahrungsmittelallergie. Dabei kann es zu Frühreaktion-Symptomen auf der Haut wie Urtikaria, Rötungen und Juckreiz kommen.

Ein sehr unspezifisches Initialsymptom, also ein Symptom, das oft noch vor der Anaphylaxie auftritt, ist der Juckreiz am Mund und Rachen. Oft greift sich das Kind an den Mund, spült den Mund aus oder spuckt Lebensmittel aus. Andere Symptome in der Vorphase einer Anaphylaxie sind Wesensveränderungen wie Unruhe, Aggression etc.. Allergische Reaktionen zeigen sich bei Kindern häufig durch Atemwegsbeschwerden mit Luftnot und Atemgeräuschen.

Schluckbeschwerden, Husten, Heiserkeit oder auch Schwellungen am Kehlkopf (Larynxödem) können auftreten, aber auch Magen-Darm-Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Leidet das Kind an einer schweren allergischen Reaktion, einer Anaphylaxie, können Symptome wie Blutdruckabfall, Kollaps oder Bewusstlosigkeit hinzukommen. Diese Reaktion ist im Kindesalter jedoch sehr selten.

 

 

Anaphylaxie beim Kind: Wie geht man mit der Diagnose um?

Wenn Kinder von Anaphylaxie betroffen sind, ist dies für die Eltern mit großen Ängsten verbunden. Es gibt jedoch zahlreiche Maßnahmen und Empfehlungen, die beim Umgang mit der Erkrankung helfen können.

Symptome, Diagnose und Therapie unterscheiden sich nicht wirklich im Vergleich zur Anaphylaxie bei Erwachsenen. Jedoch fällt es bei Kindern naturgemäß schwerer, ihr Allergen zu meiden und das Notfallset permanent bereitzuhalten. Auch belastet die Angst, etwas falsch zu machen, die Eltern in hohem Maße. Hier helfen Schulungen weiter. Dabei werden die Familien über die Erkrankung aufgeklärt und beraten. Zudem wird geübt, wie man in Notfallsituationen zu handeln hat. Dadurch gewinnt die Familie Stück für Stück wieder Sicherheit und die Angst überwiegt nicht mehr im Alltag.

Für die KiTa bzw. Schule des betroffenen Kindes können zwei bestimmte Dokumente hilfreich sein:

1.     Ein Anaphylaxiepass

2.     Ein Formular zum Umgang mit Nahrungsmittelallergien und Unverträglichkeiten zur Vorlage in der KiTa oder Schule

Anaphylaxie: Wie erfolgt die Diagnose?

Ein mittelschwerer bis schwerer Allergieschock ist ein medizinischer Notfall, der unmittelbares ärztliches Handeln erfordert. Das Beschwerdebild kann sich ansonsten rasant verschlimmern mit der möglichen Folge eines Kreislaufstillstandes. Im Extremfall führt die Anaphylaxie zum Tod. Die Diagnose ergibt sich, sofern die Person ansprechbar ist, aus der Befragung (Anamnese) und aus der Symptomatik.

Mittelbar gilt es, auslösende Allergene einwandfrei zu identifizieren, um in Zukunft einen Allergenkontakt nach Möglichkeit zu vermeiden und damit eine weitere anaphylaktische Reaktion zu verhindern. Die Diagnostik bei Anaphylaxie umfasst Blutuntersuchungen zum Nachweis von Antikörpern gegen die im Verdacht stehenden Allergene (spezifisches IgE), verschiedene Hauttestungen (z.B. Pricktest, Intrakutantest) und Provokationstestungen (nasal, bronchial oder oral). Provokationstests (z.B. der orale Provokationstest zum sicheren Nachweis einer Allergie gegen ein verdächtiges Medikament) müssen von entsprechend geschultem Fachpersonal unter Aufsicht und mit der Möglichkeit einer sofortigen notärztlichen Behandlung erfolgen, ggf. auch unter stationären Bedingungen.

 

 

Anaphylaxie: Wie sieht die Therapie aus?

Bei einer anaphylaktischen Reaktion werden die Symptome entsprechend ihres Schweregrades behandelt.

Reaktionen niedrigen Schweregrades (Stadium I, z.B. lokale Hautreaktion, Juckreiz) können meist mit einem oralen oder lokal auf die Haut aufgetragenen Antihistaminikum erfolgreich behandelt werden. Bei leichtgradigen asthmatischen Beschwerden können zusätzlich Inhalationssprays (Beta-Sympathomimetika, Glukokortikoide) verabreicht werden. Stärkere allergische Reaktionen erfordern in der Regel die systemische (intravenöse) Gabe von antiallergisch wirksamen Medikamenten, wie z.B. Antihistaminika und Glukokortikoide („Kortison“). Zur Erweiterung der Atemwege können Theophyllin und Beta-Sympathomimetika verabreicht und zur Verbesserung der Sauerstoffversorgung Sauerstoff inhaliert werden. Das Mittel, das am schnellsten gegen die allergische Symptomatik hilft und den Kreislauf stabilisiert ist Adrenalin. Es steht zur intravenösen oder intramuskulären Gabe zur Verfügung und gilt als Mittel der ersten Wahl bei schweren allergischen Reaktionen.

Schwerpunkt der Behandlung ist die Offenhaltung der Atemwege und die Stabilisierung des Kreislaufs. Im schwersten Fall eines anaphylaktischen Schocks mit Herzstillstand muss gegebenenfalls eine Reanimation erfolgen.

Auf einen anaphylaktischen Schock sollte immer die Diagnose des auslösenden Allergens folgen. Im Anschluss wird dann ein Notfallset mit Notfallmedikamenten verordnet und ein Anaphylaxiepass ausgestellt.

Eine spezifische Immuntherapie kann bei bestimmten Allergikern, zum Beispiel Insektengiftallergikern, Erfolge mit sich bringen. Ziel ist es, den Körper durch kleine Allergendosen, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig gegeben werden müssen, an das Anaphylaxie-auslösende Allergen zu gewöhnen. So wird erreicht, dass es beim nächsten „natürlichen" Allergenkontakt nicht mehr zu einem allergischen Schock kommen kann.

Allergischer Schock: Was tun im Notfall?

Wenn man Symptome einer anaphylaktischen Reaktion erkennt, sollte man schnell handeln und Hilfe rufen. Doch wie erkennt man die Symptome? Was ist zu tun?

Die allererste Maßnahme bei einer Anaphylaxie ist der Anruf beim Notarzt unter der Nummer 112! Dabei sollte man die notwendigen Informationen direkt angeben:

  • 1. Wer ruft an?
  • 2. Codewort „Anaphylaxie“ nennen
  • 3. Adresse nennen
  • 4. Was ist passiert?
  • 5. Wer ist betroffen?
  • 6. Eventuelle Fragen der Leitstelle beantworten

Alternativ dazu kann man sich auch direkt von der Leitstelle abfragen lassen: z.B. „Hier ist … , eine erwachsenen Frau hat eine Anaphylaxie und braucht einen Notarzt, bitte fragen Sie mich ab.

Der Adrenalin-Autoinjektor (AAI) zur Soforthilfe

Der Adrenalin-Autoinjektor (AAI) ist ein Instrument zur Soforthilfe für Menschen, die eine anaphylaktische Reaktion erleiden. Es handelt sich hierbei um eine Art „Fertigspritze“, die Adrenalin enthält. Der AAI kann sowohl vom Patienten selbst, als auch von anwesenden Personen angewendet werden.

Der Vorgang der Injektion ist sehr einfach durchzuführen und wird in den Gebrauchsanweisungen der verschiedenen Produkte detailliert beschrieben.
Dabei ist es nicht nur wichtig, schnell zu handeln, sondern auch die Ruhe zu bewahren, um Fehler zu vermeiden. Damit Patienten auch in der Aufregung eines akuten Anaphylaxie-Anfalls richtig mit der Situation umzugehen lernen, ist eine Anaphylaxie-Schulung unabdingbar. Dabei lernt und übt der Patient, wie er mit dem Adrenalin-Autoinjektor umzugehen hat, um in Notfällen richtig zu handeln.

Adrenalin-Autoinjektor (AAI): Risiken der unterschiedlichen Hersteller und Handhabung

Auf den ersten Blick scheinen die Adrenalin-Autoinjektoren (AAI) unterschiedlicher Hersteller mehr oder weniger „gleich“ zu sein. Dies betrifft sowohl den Wirkstoff als auch die Dosierung. Der Wirkstoff ist Epinephrin (Adrenalin), die Dosierung ist 0,3 mg für Erwachsene ab 30 Kilogramm Körpergewicht und 0,15 mg für Kinder ab 15 Kilogramm Körpergewicht. Zudem sind alle AAI zur Notfallbehandlung einer akuten allergischen Reaktion zugelassen.

Je nach Hersteller gibt es jedoch erhebliche Unterschiede bei der Handhabung. So kann sowohl die Funktionsweise als auch die Nadellänge variieren. Deshalb ist eine produktspezifische Schulung des Patienten erforderlich. Außerdem ist es nicht ratsam, zwischen den Modellen verschiedener Hersteller hin und her zu wechseln. Gerade in der Notfallsituation ist die exakte Handhabung der AAI entscheidend. Bei der Verordnung des AAI ist es deshalb wichtig, dass der Arzt die Aut-idem-Regelung außer Kraft setzt.

Produktspezifische Anleitung zum Einsatz aller Adrenalin-Autoinjektoren, die Stand Januar 2022 verfügbar sind:


Adrenalin-Autoinjektor (AAI): Was ist eine Aut idem-Regelung?

„Aut idem“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „oder ein Gleiches“. Dieser Hinweis ist auf Arzneimittelrezepten enthalten Er erlaubt es dem Apotheker, auch ein anderes Medikament gleichen Wirkstoffs auszuhändigen, als verordnet wurde. Damit Anaphylaxie-Patienten den AAI erhalten, auf den sie geschult wurden, sollte der Arzt auf dem Arzneimittelrezept „aut idem“ ankreuzen. So kann sichergestellt werden, dass der Patient vom Apotheker genau den Adrenalin Autoinjektor erhält, mit dem er vertraut ist.

 

 

Hilfreiche Tipps

Neben Schulungen und Beratungen zum Thema Anaphylaxie gibt es auch Informationen von Betroffenen für Betroffene in den sozialen Netzwerken.
Pascale Ulbricht hat die Facebook-Seite „Anna Füller Xi“ gegründet, auf der sie über relevante Themen zur Anaphylaxie berichtet. Das Ziel der Facebook-Seite ist es, der Krankheit ein Gesicht zu geben und somit Angehörigen die Angst vor der Unberechenbarkeit zu nehmen.

Weiter gibt es Instagram Accounts, auf denen über das Thema Anaphylaxie berichtet und informiert wird. Einige Beispiele für Instagram Accounts sind folgende:

  • Instagram @dr.yvonne.braun: https://www.instagram.com/dr.yvonne.braun/?hl=de
  • Instagram @lotta_the_allergy_warning_dog: https://www.instagram.com/lotta_the_allergy_warning_dog/?hl=de
  • Instagram @elfendeern: https://www.instagram.com/elfendeern/?hl=de

Quellen:

[1] Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie - Update 2021: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-025l_S2k_Akuttherapie-Management-Anaphylaxie_2021-10.pdf

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.