Allergie Tiere Risiken Allergenität Behandlung

Allergie auf Tiere: Risiken, Allergenität der Tiere, Behandlung, Bildquelle: P. Zieglymayer

Allergie auf Tiere: Risiken & Allergenität der Tiere

Eine Allergie auf Tiere haben Viele. Sie gehört zu den häufigsten Ursachen für Asthma bronchiale. Doch Tiere sind beliebt und viele Menschen wünschen sich ein eigenes Haustier. Welches Tier kommt in Frage? MeinAllergiePortal sprach mit Priv. Doz. Dr. med. Petra Zieglmayer, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren Heilkunde, Allergologin und Arbeitsmedizinerin in Wien und Dozentin an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften in Krems darüber, welche Risikofaktoren bei der Entstehung einer Tierhaarallergie ausschlaggebend sind, welche Tiere eine besonders hohe allergologische Relevanz haben und wie die Behandlung einer Allergie auf Tierhaare aussehen kann.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: PD Dr. med. Petra Zieglmayer

Frau Privatdozentin Dr. Zieglmayer, welche Tiere können Allergien auslösen?

Grundsätzlich können alle Tiere, und nicht nur die felltragenden Tiere, Allergien auslösen, insofern ist der Begriff "Tierhaarallergie" irreführend. Man kann gegen alle Tiere, die im Haushalt leben, Allergien entwickeln, auch gegen Vögel und Reptilien. Das Allergierisiko ist allerdings bei Felltieren größer.

Warum besteht bei den felltragenden Tieren oder Pelztieren ein erhöhtes Allergierisiko?

Das liegt daran, dass man mit diesen Tieren meist viel enger in Kontakt kommt. So ist man auch den Allergenen dieser Tiere stärker ausgesetzt. Vögel und Reptilien sind auch keine typischen Schmusetiere.
Außerdem werden bei den felltragenden Tieren relativ viele unterschiedliche Partikel in der Luft verwirbelt und können so eingeatmet werden. Damit meine ich nicht in erster Linie die Haare der Tiere, sondern auch den darauf haftenden Speichel und Harn und die Hautschuppen. Die Proteinmenge, mit dem die Tierhalter der Felltiere in Berührung kommen, ist daher viel höher als bei Vögeln oder Reptilien.

Wo genau stecken denn die Allergene, die eine Tierallergie auslösen können?

Wo die Allergene der Tiere zu finden sind, hängt von der Tierart ab. Je nachdem, ob das Tier ein Felltier ist, ein Vogel oder zu den Reptilien gehört.

Wo sind die Allergene von Felltieren zu finden?

Bei den Tieren mit Fell stecken die Allergene primär in den Hautschuppen und auf den Haaren. Man findet Tierallergene aber auch auf der Hautoberfläche, die durch Speichel, Talg aus den Talgdrüsen und andere Sekrete kontaminiert ist. Wenn sich eine Katze das Fell abschleckt, findet man die Speichelproteine auf dem Fell. Aber auch Harnproteine und alle anderen Arten von Ausscheidungen und Sekreten, können bei der Entstehung von Allergien eine Rolle spielen.

Wo stecken bei Vögeln die Allergene?

Vögel haben ein weniger großes allergenes Potenzial als die felltragenden Tiere. Sie gehören deshalb nicht so häufig zu den Allergieauslösern. Die Allergene der Vögel stecken vor allem in den Federn, der Haut und in der Einstreu des Käfigs.

Wo stecken bei Reptilien die Allergene?

Bei den Reptilien stecken die Allergene vor allem in den Hautschüppchen und den Sekreten oder in der Einstreu des Käfigs. Es versteht sich von selbst, dass der Halter einer Schildkröte mit deutlich weniger Proteinen in Berührung kommt als bei einem Hund, einer Katze oder einem anderen klassischen Schmusetier.

Welche Tiere unter den Fellträgern sind denn wie allergen, welche Tiere lösen wie häufig Allergien aus?

Erwartungsgemäß finden wir Allergien gegen die Tiere, mit denen wir am ehesten in Berührung kommen, am häufigsten. Allerdings hängt die Entwicklung einer Allergie oft mehr von anderen Faktoren als von dem Kontakt mit Tieren ab. Wir wissen, dass ein Zusammenleben mit Tieren früh im Leben sogar eher protektiv wirken kann und Rauchen sowie übertrieben Hygiene sich negativ auswirken.

Spielt das Alter oder das Geschlecht der Tiere für das Allergenpotential eine Rolle? Sind Katzenbabys bzw. Hundewelpen auch schon in den ersten Wochen und Monaten allergen?

Hierzu gibt es bis heute keine verlässlichen Daten. Beim Hund gibt es aber ein Allergen, dass es nur bei männlichen Tieren gibt. Wenn ein Patient darauf reagiert, ist ein weibliches Tier eher eine Option.

Weiß man, warum es überhaupt zu Allergien auf Tiere kommt?

Zur Zeit wird intensiv daran geforscht, welche Faktoren dazu führen, eine Tierallergie zu entwickeln und welche Faktoren davor schützen. Dazu gibt es zwei Hypothesen:

1. Die Farm Life-Hypothese. Sie besagt, dass eine Exposition gegenüber bakteriellen Lipopolysacchariden eine Prägung des Immunsystems auslöst, die zur allergologischen Toleranzentwicklung beiträgt. Immunologisch bedeutet das: Kontakt zu vielen Bakterien führt weg von der Th2-Reaktivität, die typisch ist für Allergien, und hin zur Th1-Reaktivität. Deshalb haben die Kinder, die auf dem Land leben und dort eher mit "Dreck" in Berührung kommen, seltener Allergien als die Kinder aus der Stadt.

2. Der Expositionsdruck. Das bedeutet, je intensiver man Tierallergenen ausgesetzt ist, desto eher entwickelt das Immunsystem eine Toleranz. Das wiederum bedeutet, die Kinder, die im Stall aufwachsen, sind mit viel größeren Mengen an Allergenen konfrontiert als Kinder, die in der Stadt leben und vielleicht nur einmal in der Woche reiten gehen. Bei Kühen und Hunden konnte man anhand vieler Studien nachweisen, dass ein hoher Expositionsdruck zu einer Allergentoleranz führt.

Schützt denn der Kontakt mit allen Tierarten vor einer Allergie auf jegliche Tiere?

Das kann man so nicht sagen, da das eine ausgeprägte Kreuzreaktivität zwischen allen Tierarten voraussetzen würde, die aber wohl eher nur inkomplett gegeben sein dürfte. Wir wissen heute, dass eine Allergie auf ein Pferd auch zu Reaktionen bei Katzenkontakt und umkehrt führen kann. So ein Zusammenhang müsste aber wissenschaftlich für jede Tierspezies bewiesen werden.

Sind die Allergene der Katze besonders allergen?

Wir wissen heute, dass es sowohl bei Tieren als auch bei Hausstaubmilben und Schimmelpilzen Allergene gibt, die nicht nur eine spezifische, sondern auch eine unspezifische Entzündungsreaktion auslösen. Das bedeutet, dass sie Entzündungsreaktionen auslösen, die dann unabhängig vom Allergenkontakt weiterbestehen und chronische Probleme mit sich bringen können. Ein vermehrter Kontakt führt deshalb in diesem Fall nicht zu einer Toleranzentwicklung, sondern fördert die Allergieentwicklung. Das ist allerdings unabhängig von der Tierspezies.

Wer hat ein Risiko, eine Allergie auf Tiere zu bekommen?

Die genetische Disposition spielt in Bezug auf das Risiko, eine Atemwegsallergie zu entwickeln, eine große Rolle. Eine Tierallergie bekommen oft Kinder aus Allergiker-Familien, man nennt sie auch Atopiker. Atopiker werden mit einer erblich bedingten Neigung zur Allergie geboren. Oft haben sie einen stark erhöhten Gesamt-IgE-Spiegel. Bei gelegentlichem Allergenkontakt entwickeln diese Menschen eher eine Allergie als andere.

Ein weiteres Risiko für das Entstehen einer Tierhaarallergie sind bestehende andere Allergien, denn Tierhaarallergien entwickeln sich oft erst im Laufe eines Allergikerlebens infolge einer vorbestehenden primären Allergie. Hier besteht häufig zunächst eine Gräser- bzw. Birkenpollenallergie oder eine Hausstaubmilbenallergie. Dabei ist die Hausstaubmilbenallergie die dominanteste Allergie. Zu diesen primären Allergien kommt die Tierhaarallergie als sekundäre Allergie noch hinzu.

Sind denn auch Tierhaarallergien vererbbar?

Das Risiko, eine Soforttyp- Allergie wie zum Beispiel eine Atemwegsallergie zu entwickeln, ist bei Kindern mit einem allergischen Elternteil doppelt so hoch wie bei Kindern ohne allergische Eltern. Wenn beide Elternteile Allergiker sind, ist das Risiko sogar um den Faktor 4 erhöht. Allerdings stellt die Erblichkeit nur einen einzelnen Faktor unter vielen dar, die wir teilweise noch gar nicht benennen können.

Ist es wichtig, ob die Kinder eine Nahrungsmittelallergie haben?

Bei den allerwenigsten Kindern liegt eine IgE-vermittelte Reaktion vor, also eine echte, allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit. Aber selbst, wenn die Kinder eine echte Nahrungsmittelallergie haben, aus denen sie in vielen Fällen bis zum Schulbeginn herausgewachsen sind, folgt darauf nicht zwangsläufig die Tierhaarallergie. Kinder mit einer echten Nahrungsmittelallergie können natürlich auch eine Inhalationsallergie bekommen. Manchmal entstehen früh eine Milbenallergie und ab dem Kindergartenalter auch eine Pollenallergie, zu denen dann die Tierhaarallergie sekundär hinzukommt. Kinder mit einer echten Nahrungsmittelallergie sind deshalb nicht a priori gefährdet, eine Tierhaarallergie zu entwickeln, auch wenn sie mit einem Tier aufwachsen.

Gibt es Berufe, bei denen das Risiko, eine Tierhaarallergie zu entwickeln, erhöht ist?

Wenn keine Allergieneigung besteht, ist das Risiko eine Tierhaarallergie zu entwickeln, nur weil man zum Beispiel in einem Zoogeschäft arbeitet, nicht erhöht. Bestehen hingegen neben einer genetischen Neigung auch andere Risikofaktoren, birgt der Allergenkontakt in der Tierhandlung ein gewisses Risiko.. Ein Mensch, der bis ins Erwachsenenalter keinerlei Allergien hatte, wird aber kaum durch die Tätigkeit im Zoogeschäft eine Tierhaarallergie entwickeln. Eine Tierhaarallergie, egal ob auf Hund, Katze oder Kaninchen, entsteht nicht plötzlich im Erwachsenenalter, ohne vorherige allergische Krankengeschichte.

An welchen Symptomen erkennt man eine Tierallergie?

Die Symptome einer Allergie auf Tierhaare sind die typischen Symptome einer inhalativen Allergie, einer Typ-I-Allergie.

Tierhaarallergien zeigen sich durch Anzeichen wie:

Asthma ist das gravierendste klinische Krankheitsbild, das im Zusammenhang mit einer Tierhaarallergie möglich ist. Mit anaphylaktischen Reaktionen ist bei einer Inhalationsallergie nicht zu rechnen.

Kann man durch eine Tierhaarallergie auch einen Ausschlag an der Haut, eine Nesselsucht oder Urtikaria, entwickeln?

Durch eine Tierhaarallergie einen Ausschlag an der Haut, eine Nesselsucht oder Urtikaria zu entwickeln, ist ebenfalls möglich.

Gibt es bei einer Tierhaarallergie auch Spätreaktionen, die erst Stunden später nach Tierkontakt auftreten?

Mit Spätreaktionen, Stunden nach dem Kontakt mit Tieren, ist vor allem bei Asthma zu rechnen. Hier sind Spätreaktionen, bedingt durch eine zellvermittelte Entzündung, die auch nach Ende des Allergenkontaktes andauern kann, häufig.

Kann eine Tierhaarallergie auch psychosomatische Ursachen haben, etwa bei Tierphobien?

Tierhaarallergie auch psychosomatische Ursachen sehen wir ebenfalls sehr oft.

Gibt es Tiere, die mehr oder weniger viele Allergene produzieren?

Jede Tierart hat eine hohe Zahl von Allergenen, die alle eine sehr kleine Partikelgröße haben können. So ist die Größe eines Hautschüppchens zunächst einmal im sichtbaren Bereich. Mit dem Trocknen zerbröselt es jedoch in winzig kleine Partikel. Diese können tief inhaliert werden, dringen relativ weit in die Atemwege ein und lösen so Beschwerden aus.

Unterscheiden sich die Symptome von Allergien auf Tierhaare nach Tierart?

Alle genannten Symptome können bei allen Arten von Tierhaarallergien auftreten. Die Tierart, gegen die man allergisch ist, spielt für die Symptome keine Rolle.

Bei der Tierhaarallergie gibt es aber Unterschiede in Bezug auf die Allergenität der Tierarten…

Ja, es gibt je nach Tierart Allergene, die relativ intensive IgE-vermittelte Reaktionen auslösen. Das wären die felltragenden Tierarten, wie Hund, Katze, Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen, Maus oder Ratte. Bei den Allergenen anderer Tierarten, bei den Vögeln oder Reptilien, ist die Allergenität deswegen geringer. Das liegt daran, dassdiese im Verhältnis zu den Felltieren geringere Mengen inhalierbarer Allergene produzieren und diese durch den weniger engen Kontakt auch in geringerem Ausmaß direkt inhaliert werden.

Wie erfolgt die Behandlung bei Tierhaarallergien?

Allergenvermeidung ist auch hier die grundsätzliche Empfehlung, die allerdings nur bedingt zielführend ist. Es ist sinnvoll, die Tiere regelmäßig zu bürsten, um die Haare und die Hautschüppchen gut zu entfernen. Es hat sich sogar gezeigt, dass man die Allergenbelastung nennenswert reduzieren kann, wenn man die Tiere regelmäßig mit einem nebelfeuchten Tuch abwischt, da die wenigsten Haustiere gerne und freiwillig baden. Bei bestehenden Beschwerden sollte man Tiere nicht in Schlafräumen halten, denn man hält sich ja die längste Zeit des Tages dort auf. Je nach Schwere der Symptome, wird die Tierhaarallergie oft nur symptomatisch behandelt.

Zur Behandlung der Symptome der Tierhaarallergie helfen die klassischen Allergietabletten und -Sprays. Dazu gehören Antihistaminika und Kortison- Nasensprays.

Für das Asthma gibt es kombinierte Inhalationstherapien mit hochwirksamen Glucokortikoide. Sie können auch in geringen Konzentrationen bei gutem Sicherheitsprofil entzündungshemmend wirken. Diese Therapien haben eine gute Galenik. Unter Galenik versteht man die pharmazeutische Technologie, die es erlaubt, die Wirkstoffe so herzustellen, dass sie den Wirkort erreichen und dort eingreifen können, wo sie wirken sollen, ohne den gesamten Körper zu belasten. Bei Asthma wären das die Bronchien, wo sich der Entzündungsherd befindet. Ein inhalatives Asthmaspray bringt die Wirkstoffe also direkt zum "Ort des Geschehens".

Auch eine Allergieimpfung oder Hyposensibilisierung ist zur Behandlung der Tierhaarallergie möglich. Allerdings gibt es hierzu nicht so viele Studien und die besten Daten gibt es noch zur Allergie gegen Katzenhaare.

Was ist bei der Allergieimpfung oder Hyposensibilisierung gegen eine Tierhaarallergie zu beachten?

Immunologisch betrachtet muss man heute davon ausgehen, dass eine möglichst hohe Dosis des Therapeutikums auch eine ausgeprägtere Toleranzreaktion hervorruft. Daten dazu kommen vor allem aus Studien mit anderen Inhalationsallergien. Aktuelle Untersuchungen zu modernen Allergieimpfungen bei Tierallergien gibt es leider kaum. Wichtig ist, dass die Allergie mit der medikamentösen Behandlung so weit unter Kontrolle ist, dass eine schwere Impfnebenwirkung unwahrscheinlich wird. Essentiell für den Erfolg ist, dass das Präparat zum Allergieprofil des Patienten passt und sehr konsequent durchgeführt wird.

Kann man auch bei Kindern eine Hyposensibilisierung gegen Tierhaare durchführen?

Heute gilt: Je früher man mit der Therapie beginnt, desto besser und nachhaltiger wird der Erfolg sein. Die Dosierung ist bei Kindern dieselbe wie bei den Erwachsenen.

Was ist zu beachten, wenn man sich bei einer Tierallergie für eine Hyposensibilisierung entscheidet?

Für die Allergieimpfung gilt die folgende Formel: Je höher dosiert das Immuntherapeutikum ist, das dem Patienten verabreicht wird, desto größer ist die Chance, eine Toleranzentwicklung zu erreichen. Um mit einem oralen Präparat die gleiche immunologische Reaktion zu erzielen wie mit einem subkutanen Präparat, benötigt man mindestens die zehnfache Allergenmenge. Das liegt daran, dass man in der Mundschleimhaut bei weitem nicht die gleiche Anzahl an immunkompetenten Zellen hat, wie im Gewebe. Ein Spritzenpräparat zeigt deshalb bei gleicher Allergenmenge eine bessere Wirksamkeit bei der Immunreaktion. Versucht man hingegen bei der Tröpfchenkur eine hohe Allergenkonzentration im Extrakt zu nutzen, kommt es häufig zu Nebenwirkungen. Man muss deshalb bei der oralen Immuntherapie immer abwägen zwischen optimaler Toleranzentwicklung und möglichst geringen Nebenwirkungen. Zurzeit werden viele experimentelle Ansätze verfolgt, die aber bisher noch keinen durchschlagenden Erfolg brachten. Wissenswert ist allerdings - und das hat sich bei der Erforschung der Immuntherapie gegen Nahrungsmittelallergien gezeigt - wenn man so früh wie möglich nach Beginn der Beschwerden im Leben eines Kindes beginnt, darf man eine bessere Verträglichkeit einerseits, aber auch eine dosisunabhängig gute Wirksamkeit andererseits erwarten.

Zurück zum Beispiel Katzenhaarallergie: Durch die Allergieimpfung kommt es für denjenigen, der ein Katze als Haustier hat und auch die Allergieimpfung durchführt, zu einer recht hohen Dosis an Katzenallergenen…

Bei der Allergieimpfung von Katzenallergikern, die eine Katze zu Hause haben, stellt sich immer die Frage, ob die Allergenmenge in der Summe tatsächlich ausreichend hoch ist, um eine Immuntoleranz zu bewirken. Zum einen steht die These im Raum, dass sich der Patient durch die Katze, mit der er lebt, selbst desensibilisiert, und de facto ist das auch oft der Fall. Aber in objektive Daten lässt sich diese Konstellation nicht fassen. Es ist ausgesprochen schwierig, die Allergenkonzentration in einem Haushalt mit einem darin lebenden Tier in Bezug zu setzen. zu - Manchmal finden sich in Haushalten mit Katze die geringsten Allergenkonzentrationen und in Haushalten ohne Katze die allerhöchsten. In San Antonio gibt es eine Forschungsgruppe, die auch mehrere Provokationskammern betreibt. Dort hat man versucht, die Allergenkonzentration in Katzenhaushalten zu messen und dieses Allergenklima dann in den Provokationskammern zu reproduzieren. Das ist aber nicht gelungen.

Aber der Tierbesitzer kann seine Katze auch während der Allergieimpfung behalten?

Man empfiehlt Katzenallergikern oft noch immer, die Katze wegzugeben. Aber eigentlich kommt man davon immer mehr weg, weil es im Falle der Katze einfach nichts bringt, außer psychischen Belastungen für Katze und Katzenhalter. Das Problem bei der Katze ist, dass es mindestens ein Jahr dauert, bis man überhaupt eine nennenswerte Reduktion der Allergenbelastung in der Wohnung feststellen kann.

Gleichzeitig ist der Katzenallergiker im öffentlichen Bereich aber weiterhin überall mit Katzenallergenen konfrontiert. Die Katze ist das meistgehaltene Haustier und egal ob in öffentlichen Gebäuden, vor allem in Schulen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Kino, die Allergenbelastung mit Katzenallergenen ist hoch. Eine Allergenkarenz, das heißt eine völlige Meidung des Allergens der Katze, ist also gar nicht möglich.

Man hört oft den Rat, dass das Haus saniert werden kann, um die Katzenallergene zu eliminieren?

Um eine katzenallergenfreie Umgebung zu erreichen, müsste man ein Haus neu bauen. Maßnahmen, wie man schnellstmöglich Tierallergene aus der Wohnung entfernen kann, wenn man das Haustier abgegeben hat, gibt es nicht.

Auch ein Umzug ist nicht immer hilfreich. Schließlich kann man dabei ja auch an eine Wohnung geraten, in der zuvor eine Katze gelebt hat. Auch für Lehrer ist es völlig unmöglich, Katzenallergene zu meiden, denn irgendein Schüler lebt immer in einem Katzenhaushalt. Da eine Meidung von Katzenallergenen unmöglich ist, ist eine Allergieimpfung sehr sinnvoll.

Könnte man sich denn, wenn man eine Katzenallergie hat, ein Meerschweinchen anschaffen, oder muss man dann damit rechnen, dass man dann auch darauf eine Allergie entwickelt?

Die felltragenden Tiere haben relativ viele kreuzreaktive Allergene, die sich bei allen Fellträgern finden. Wenn ein Patient eine klinisch manifeste Katzenallergie hat, besteht das Risiko, dass er auch auf andere felltragende Tiere wie Hunde oder Meerschweinchen eine Allergie entwickelt. „Manifeste Katzenallergie“ heißt, der Patient hat nachvollziehbare Symptome bei Katzenkontakt. Verantwortlich dafür sind auch kreuzreaktive Allergengruppen wie die Serumalbumine und die Lipocaline, die alle felltragenden Tiere haben. Man kann also Patienten mit einer Katzenallergie oder Hundeallergie nicht einfach raten, ein anderes Haustier auszuprobieren.

Anders sieht es aus, wenn der Allergietest zwar eine positive Sensibilisierung, etwa auf Katze, zeigt, der Betreffende jedoch nie klinische Symptome entwickelt hat. In diesem Fall besteht eine Toleranz gegen das Allergen.

Sind bei Tierhaarallergien weitere Kreuzreaktionen bekannt?

Abseits der gerade beschriebenen haben wir heute Beweise, daß ein Pferdeallergiker auch auf Katzen reagieren kann und umgekehrt. Allerdings wird in Studien für jede fraglich kreuzreaktive Tierart erst darzulegen sein, dass ein positives Testergebnis auch tatsächlich mit Beschwerden einhergeht.

Können Hundehaarallergie, Katzenhaarallergie oder allgemein Tierhaarallergien auch von selbst wieder verschwinden?

Die Reaktionsbereitschaft wird im Laufe der Zeit weniger, wenn lange kein Kontakt bestanden hat bzw. mit dem Alter des erwachsenen Patienten. Allergien sind allerdings chronische Erkrankungen, mit deren „Reaktivierung“ bei Allergenexposition zu rechnen ist.

Frau Privatdozentin Dr. Zieglmayer, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

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