Etagenwechsel Allergie

Dr. Bernhard Sehrbundt, Leiter der Hochschulambulanz der Hals- Nasen- Ohrenklinik, Universitätsklinikum Marburg

Etagenwechsel: Anzeichen, Verlauf und Gegenmaßnahmen

Wenn im Zusammenhang mit Allergien von einem Etagenwechsel die Rede ist, ist gemeint, dass sich eine bestehende allergische Rhinitis, also z.B. ein Heuschnupfen, aber auch eine durch Milben oder Schimmelpilze verursachte allergische Rhinits, zu einem allergischen Asthma ausweitet. Damit greifen die entzündlichen Prozesse von den oberen Atemwegen auf die unteren Atemwege über und wechseln sozusagen "die Etage". Man fürchtet diese Entwicklung, denn wenn zwei allergische Erkrankungen parallel bestehen, hat dies erhebliche Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen. Über Anzeichen, Verlauf und Gegenmaßnahmen beim Etagenwechsel sprach MeinAllergiePortal mit Dr. Bernhard Sehrbundt, Leiter der Hochschulambulanz der Hals- Nasen- Ohrenklinik, Universitätsklinikum Marburg.

Herr Dr. Sehrbundt, wie lange dauert der Etagenwechsel von der allergischen Rhinitis zum allergischen Asthma?

Man kann nicht sagen, dass es eine festgelegte Zeitspanne gibt, in der sich der Etagenwechsel vollzieht. Bei manchen Patienten vollzieht sich der Etagenwechsel recht schnell, bei anderen zieht sich dieser Prozess über Monate oder sogar Jahre hin. Die Symptome sind zu Anfang oft subtil, d.h., der beginnende Etagenwechsel kann sich zunächst recht unspezifisch in einem Räuspern, einem trockenen Husten oder einer Infektanfälligkeit der unteren Atemwege äußern. Mit der Zeit kann daraus dann ein klassischer, Husten mit Auswurf werden und es kann zu einer eingeschränkten Bronchialtätigkeit im Sinne einer Verengung der kleinen unteren Luftwege kommen, die sich auch mithilfe eines Lungenfunktionstests messen lässt.

Bei Allergischer Rhinitis und Allergischem Asthma handelt es sich um Atemwegserkrankungen, bei denen ein und dieselbe Schleimhaut betroffen ist. Meist beginnt die Erkrankung mit der Nasenschleimhaut und geht im Laufe von Monaten oder Jahren auf die unteren Atemwege über. Bei Patienten bei denen bereits eine starke Symptomatik der allergischen Rhinitis vorliegt ist anzunehmen, dass auch die spätere bronchiale Reaktivität stark ausfällt, wenn man nichts dagegen tut.

 

Heißt das im Umkehrschluss, dass bei einer nur leicht ausgeprägten Rhinitis der Etagenwechsel weniger wahrscheinlich ist?

Der Etagenwechsel ist auch dann möglich, wenn es sich nur um eine leichte allergische Rhinitis handelt. Der  Schweregrad der allergischen Rhinitis sagt nichts über den zu erwartenden Schweregrad des zukünftigen Allergischen Asthmas aus. Es gibt aber einen Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der Symptome der allergischen Rhinitis und der prozentualen Wahrscheinlichkeit eines zukünftigen klinisch bedeutsamen Etagenwechsels mit einem manifesten allergischen Asthma

Betroffene sollten also spätestens dann an einen Etagenwechsel denken, wenn sich Symptome, die sich bis dahin nur bei den oberen Atemwegen zeigten, auf die unteren Atemwege ausdehnen?

Eigentlich sollten Betroffene  bereits sehr viel früher an einen Etagenwechsel denken. Schon bei nasalen Beschwerden wie Juckreiz, Niesreiz, nasaler Obstruktion und vielleicht auch schon bei einer Einschränkung des Riechvermögens bzw. bei Kopfschmerzen sollte man zum Arzt gehen. Man unterschätzt hier leicht, dass schon eine allergische Rhinitis eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung ist, die zu erheblichen Einbußen der Leistungsfähigkeit und auch der Lebensqualität führen kann. Wenn es zum gefürchteten Etagenwechsel kommt, und das Risiko hierfür ist für Menschen mit allergischer Rhinitis um den Faktor 3 erhöht, verglichen mit der Normalbevölkerung, drohen weitaus erheblichere Gesundheitsprobleme.

Im Stadium der allergischen Rhinitis lässt sich jedoch noch sehr viel tun, um einen Etagenwechsel zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt kann man mit Hilfe bestimmter Tests eine klare Diagnose stellen, und dann eine Spezifische Immuntherapie (SIT) durchführen, die erwiesenermaßen einen späteren Etagenwechsel wirksam verhindern kann. Auch eine Sublinguale Spezifische Immunterapie Therapie (SLIT) ist möglich oder, in naher Zukunft, wahrscheinlich sogar eine Epikutane Immuntherapie (EIT), wie sie aktuell probeweise in einigen Studien getestet wird.

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