Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden und als erstes erfahren wann unsere Webinare stattfinden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Allergologie Kloster Neues Diagnostik  Therapie

Allergologie im Kloster: Neues zu Diagnostik & Therapie, Quelle: MAP

Allergologie im Kloster: Neues zu Diagnostik & Therapie

Umfassend informiert über neue Entwicklungen in Diagnostik und Therapie sind alle, die bei der Fachveranstaltung „Allergologie im Kloster“ vor Ort waren. Im Mittelpunkt der Veranstaltung unter der Leitung von Initiator Prof. Dr. med. Ludger Klimek standen die neusten Forschungsergebnisse und deren Umsetzung in die Praxis. Ein Highlight des Tages war die Preisverleihung des AEdA Immunotherapy Awards 2022. Auch in diesem Jahr war MeinAllergiePortal wieder Medienpartner.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Ludger Klimek

Neurodermitis: Gibt es bald neue individuelle Therapien?

allergologie im kloster thomas bieber meinallergieportalProf. Dr. Dr. Thomas Bieber über Neurodermitis: Gibt es bald neue individuelle Therapien? Bildquelle: MAPBei der Behandlung der atopischen Dermatitis (AD)(Neurodermitis) gilt seit langem das Stufenprinzip. Dies besagt, dass jeder Patient „so viel wie nötig“, aber auch „so wenig wie möglich“ behandelt werden sollte. Diesem Ziel ist man in den letzten Jahren immer nähergekommen. Neue Substanzenklassen und Therapiekonzepte, wie die Biologika, und seit neuestem auch die JAK (Januskinase)-Inhibitoren, haben wesentlich dazu beigetragen, dass auch die mittelschweren und schweren Formen der AD heutzutage besser therapiert werden können. Dabei soll es allerdings nicht bleiben. „Derzeit befinden sich über 70 neue Wirkstoffe zur Behandlung der atopischen Dermatitis in unterschiedlichen Phasen der klinischen Entwicklung“, informierte Prof. Dr. Dr. Thomas Bieber, Universitätsklinikum Bonn. Bei der AD kommt es zu einer sog. Typ-2-Entzündung (IL-4 und IL-13, IL-31), ergänzt durch weitere Immunantworten (IL-17, IL-22) die durch unterschiedliche Trigger befeuert wird. Diese Entzündungskaskade läuft nach einem bestimmten Muster ab, den wir noch nicht richtig verstanden haben. Mit den neuen Wirkstoffen versucht man entweder pauschal die Reaktionenstypen einzudämmen (z.B. mit JAKi) oder mehr zielgerichtet (mit Biologika) in diese Entzündungskaskade einzugreifen. Dies auf unterschiedlichen Wegen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten innerhalb des Prozesses. Beide Strategien haben ihre Vor- und Nachteile; keine wird jedoch die "Allzweckwaffe" darstellen. Die personalisierte, auf den individuellen Patienten abgestimmte AD-Therapie muss also das Ziel zukünftiger Strategien sein.

Zöliakie, Weizenallergie? Oder gibt es da noch etwas?

allergologie im kloster detlef schuppan meinallergieportalProf. Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan zum Thema: Zöliakie, Weizenallergie? Oder gibt es da noch etwas? Bildquelle: MAPBei der Zöliakie wird Gluten nicht vertragen und die Diagnose erfolgt über Bluttests auf Transglutaminase-Antikörper sowie gegebenenfalls durch eine Dünndarmbiopsie. Eine typische Weizenallergie kann durch Allergietests nachgewiesen werden. Es gibt aber auch noch zwei weitere Unverträglichkeiten von Weizen, bei denen die Diagnose nicht so einfach ist. Bei der atypischen Weizenallergie beträgt die Prävalenz ca. 5 Prozent, von der Amylase-Tryptin-Inhibitor (ATI)-Sensitivität sogar 10 Prozent“, erklärte Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan, Harvard Medical School, Boston, USA und Universitätsklinikum Mainz. Patienten mit einer atypischen Weizenallergie erhalten häufig fälschlicherweise die Diagnose „Reizdarm Syndrom“. Dies liegt auch daran, dass die Symptome oft erst Stunden nach dem Weizenverzehr auftreten und nicht mehr damit in Verbindung gebracht werden. Erst bei einer konfokalen Laser-Endomikroskopie des oberen Dünndarms zeigt sich die allergische Reaktion. Dabei wird das Weizenallergen direkt auf die Dünndarmschleimhaut aufgetragen und diese reagiert sofort. Seltener reagieren die Patienten auch auf andere Proteine wie Milch, Soja und Hefe. Auch die ATI-Sensitivität wird oft nicht erkannt. ATI sind Proteine, die im Weizen enthalten sind und auf die die Patienten unverträglich reagieren. Sie können entzündliche Erkrankungen, insbesondere Autoimmunerkrankungen, verstärken.

Orales Allergiesyndrom, hilft die Hyposensibilisierung?

Pollenallergienallergologie im kloster regina treudler meinallergieportalProf. Dr. med. Regina Treudler über: Orales Allergiesyndrom, hilft die Hyposensibilisierung? Bildquelle: MAP gehören zu den Atemwegsallergien. Oft sind aber nicht allein die Atemwege betroffen, wenn man einen Heuschnupfen hat. Vielfach haben die Pollenallergiker auch rote, tränende Augen, oder die Allergie schlägt auf die Ohren. Kommt es zu einer Kreuzallergie auf Nahrungsmittel  ist auch der Speiseplan eingeschränkt. Insbesondere in der Pollensaison klagen die Betroffenen dann beim Genuss bestimmter Speisen über Symptome wie Kribbeln oder Schwellungen im Mund, im Rachen oder an den Lippen. Dann vertragen beispielsweise Birkenpollenallergiker Äpfel nicht mehr und müssen diese meiden. Der Grund: Das Allergen des Apfels Mal d 1 ähnelt dem der Birkenpollen. Das Immunsystem verwechselt dann schlicht die Allergene. Da man Pollenallergien mit einer Hyposensibilisierung gut behandeln kann, stellt sich die Frage, ob sie auch Patienten mit oralem Allergiesyndrom helfen kann. Eine einfache Antwort auf diese Frage gibt es aber nicht. „Man hat in unterschiedlichen Studien untersucht, ob bei Menschen mit Heuschnupfen, die deswegen auch auf Nahrungsmittel reagieren, eine Hyposensibilisierung beide Beschwerden verbessert. Leider sind die vorhandenen Studien von unterschiedlicher Qualität im Hinblick auf Kontrollmessungen, verwendete Extrakte und Therapiedauer. Meist wurden auch nur kleine Patientenzahlen eingeschlossen und nicht immer erfolgte eine Placebokontrolle. Insgesamt zeigen sich teils widersprüchliche Ergebnisse. Auch die unter unserer Leitung durchgeführte, multizentrische, randomisierte, placebokontrollierte doppeltverblindete Studie zur birkenassoziierten Sojaallergie konnte nur einen Trend aber keine signifikanten Besserungen zeigen“, bedauerte Prof. Dr. med. Regina Treudler, Universitätsmedizin Leipzig. Während bei manchen Patienten nach einer Hyposensiblisierung gegen Pollen auch das lästige orale Allergiesyndrom verschwand, war das bei anderen nicht der Fall. Es gibt also möglicherweise Unterschiede zwischen den Patienten, die man noch nicht kennt und die weiter erforscht werden müssen. Ein Ansatzpunkt, der auch in Leipzig verfolgt wird, ist die Charakterisierung der IgE-Sensibilisierung auf Epitopebene. Apfelmus wird ja meist vertragen, auch Apfel verbacken.

Allergien: Welche Rolle spielen Emulgatoren?

allergologie im kloster prof akdis meinallergieportalProf. Klimek und Prof. Dr. Akdis bei der Preisverleihung des AeDA Immunotherapy Award 2022, Bildquelle: MAPDie Entwicklung der letzten sechs Jahrzehnte ist dramatisch. An Allergien erkranken immer mehr Menschen. Eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsentstehung könnten Barrierestörungen der Haut und der Schleimhäute spielen, der sogenannten Epithelbarrieren. Ist diese Schutzschicht nicht mehr intakt, können schädigende Stoffe aus der Umwelt eindringen. Die „Tight Junctions“ eine Art Kitt zwischen den einzelnen Zellen des Epithels, sind dann nicht mehr „dicht“. Dies gilt für die „Außenhaut“, aber auch für die Schleimhäute im Köperinneren. Die sogenannten Epithelbarriere-Hypothese geht deshalb davon aus, dass ein „löchriges Epithel“ eine Ursache für den sprunghaften Anstieg von Allergien, aber auch Autoimmunerkrankungen, neurodegenerative Erkrankungen und neuropsychiatrische Störungen sein könnte. Wie aber kommt es zu diesen Schädigungen? „Es gibt viele Substanzen, die Haut und Schleimhaut schädigen können“, erklärt Prof. Dr. med. Cezmi A. Akdis, Universität Zürich und Schweizerisches Institut für Allergie- und Asthmaforschung (SIAF), „dazu gehören zum Beispiel anionische Tenside und Enzyme, die in Wasch- und Putzmitteln sowie Kosmetika zum Einsatz kommen, aber auch Enzyme und Emulgatoren in Fertigprodukten können schaden“. Wie stark die Wirkung dieser Substanzen ist, haben Experimente an bronchialen Epithelzellen gezeigt. Dafür hat man Schleimhautzellen aus der Lunge im Reagenzglas mit 50.000-fach verdünntem Spülmittel in Kontakt gebracht. Daraufhin zeigte sich ein entzündetes und zerstörtes Gewebe, ähnlich einer chronischen Wunde. Patienten mit Erkrankungen, die mit einer gestörten Epithelbarriere in Verbindung gebracht werden, sollten diese Substanzen besser meiden, oder zumindest reduzieren. Die Industrie hingegen ist gefordert, neue und sichere Produkte zu entwickeln.

 

 

Nicht allergische Rhinitis (NAR): Was ist die beste Therapie?

allergologie im kloster prof klimek und dr segboer meinallergieportalProf. Klimek und Dr. med. Segboer bei der Preisverleihung des AeDA Immunotherapy Award 2022, Bildquelle: MAPEs gibt eine gar nicht kleine Gruppe von Betroffenen, die unter einer chronischen Rhinitis leiden, ohne dass sich eine Allergie nachweisen lässt. Nach Ausschluss anderer Erkrankungen lautet die Diagnose für diese Menschen „nicht allergische Rhinitis“, kurz NAR. Damit bezeichnet man diese chronische Dysfunktion und/oder Entzündung der Nasenschleimhaut. Mit der Behandlung dieser Patienten tut man sich in der Regel schwer. „Ein Grund dafür ist, dass die unterschiedlichen Formen der NAR in der Vergangenheit zu wenig berücksichtigt wurden“, erklärte Dr. med. Christine Segboer, Dijklander Ziekenhuis, Hoorn, Niederlande. Die Konsequenz war, dass alle Patienten die gleiche Therapie erhielten, meist intranasale Kortikosteroide. Diese Behandlung hilft aber nicht allen NAR-Erkrankungstypen. Tatsächlich gibt es bei der nicht allergischen Rhinitis unterschiedliche Endotypen. Damit sind die Mechanismen gemeint, die der NAR zugrunde liegen. So gibt es zum Beispiel unter den NAR-Patienten eine Gruppe, die typische Symptome nasaler Hyperaktivität zeigt. Diese Gruppe gehört zu den NAR-Patienten, bei denen das vegetative Nervensystem die Ursache der Erkrankung ist. Weiter gibt es aktuell die Gruppe der NAR-Patienten mit Entzündungsreaktion und die Gruppe der ideopathischen nicht allergischen Rhinitis. Je nachdem, zu welcher dieser drei Gruppen ein NAR-Patient gehört, ändert sich auch die Therapie. So hat sich gezeigt, dass Capsaicin-haltige Nasensprays den Patienten helfen kann, bei denen das vegetative Nervensystem eine Rolle spielt. Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Therapie ist also die exakte Ermittlung des Endotyps.

Allergie und Autoimmunerkrankungen: Hilft Big Data bei der Entwicklung von Therapien?

allergologie im kloster prof ollert meinallergieportalProf. Dr. med. Markus Ollert über: Hilft Big Data bei der Entwicklung von Therapien? Bildquelle: MAPIn der Medizin hält „Big Data“ zunehmend Einzug, auch bei chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Allergien und Autoimmunerkrankungen. Das zeigt sich anhand der translationalen Immunologie, die mit Hilfe enormer Datenmengen die molekular-immunologischen Zusammenhänge dieser Erkrankungen an Patienten untersucht. Im Zentrum der Forschung stehen dabei nicht nur die Pathomechanismen der jeweiligen Erkrankungen, also die Muster und Prozesse, nach denen diese Krankheiten ablaufen. Auch die Einflüsse von Umweltfaktoren werden bei der Analyse berücksichtigt. Ziel ist es, in einer Masse von Daten Gemeinsamkeiten oder Auffälligkeiten zu entdecken. „Zum einen suchen wir nach frühen Anzeichen der Krankheiten, um diese möglichst zu verhindern oder abzumildern“, sagte Prof. Dr. med. Markus Ollert vom Luxembourg Institute of Health (LIH), „zum anderen suchen wir nach sogenannten Biomarkern, die es erlauben eine Erkrankung besser zu charakterisieren und zu therapieren“. So weiß man, dass es sich, zum Beispiel bei der Neurodermitis oder dem Asthma, nicht um eine Erkrankung handelt. Es gibt unterschiedliche Subtypen, die auf unterschiedlichen Pathomechanismen beruhen und auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Die Erkenntnisse aus der translationalen Immunologie bilden die Basis dafür.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.