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Kuhmilchallergie Laktoseintoleranz Kind Symptome Ursachen

Kuhmilchallergie? Laktoseintoleranz beim Kind: Was ist der Unterschied?; Bildquelle: A. Brunert

Kuhmilchallergie? Laktoseintoleranz beim Kind: Was ist der Unterschied?

Nicht immer ist eine Kuhmilchallergie die Ursache, wenn ein Kind die Kuhmilch nicht verträgt. Auch eine Laktoseintoleranz kann die Ursache sein. Der Unterschied ist für Nicht-Mediziner nicht immer leicht zu verstehen. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. med. Annette Brunert, Oberärztin, Pädiatrische Gastroenterologin, Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret, über die unterschiedlichen Symptome und Ursachen von Laktoseintoleranz und Kuhmilchallergie beim Kind.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. med. Annette Brunert

Frau Dr. Brunert, was ist eine Laktoseintoleranz?

Eine Laktoseintoleranz bedeutet, dass der Darm die Laktose, die wir in Form von Milchprodukten zu uns nehmen, nicht gut abbauen kann. Zuständig für den Abbau der Laktose im Darm ist ein Enzym namens Laktase. Die Laktase baut den Milchzucker ab, damit man ihn besser verstoffwechseln und besser vertragen kann. Wenn die Laktose aber in ihrer puren Form vorliegt, also nicht durch die Laktase abgebaut, dann kann es zu den bekannten Symptomen wie Unwohlsein, Völlegefühl, Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfällen kommen.

Und was ist im Gegensatz dazu eine Kuhmilchallergie?

Die Kuhmilchallergie ist eigentlich eine klassische IgE-vermittelte Allergie mit Beteiligung des Immunsystems. Das heißt, wenn wir Kuhmilch zu uns nehmen und eine bekannte Kuhmilchallergie haben oder entwickeln, dann reagieren wir klassisch allergisch darauf. Die Symptome einer Kuhmilchallergie zeigen sich in den meisten Fällen durch Quaddelbildung, Juckreiz, sowie Schwellungen im Mund und Rachenbereich. Die Allergie auf Kuhmilch kann sich aber auch manchmal im Gastrointestinaltrakt manifestieren. Das heißt genau wie bei der Laktoseintoleranz auch, kann eine Allergie auf Kuhmilch Unwohlsein, Erbrechen, Durchfälle und Bauchschmerzen verursachen.

Wie unterscheidet sich beim Kind die Kuhmilchallergie von einer Laktoseintoleranz?

Zum einen ist die klassische Kuhmilchallergie bei Kindern deutlich seltener als die Laktoseintoleranz, aber die häufigste Nahrungsmittelallergie bei Kindern. Man geht davon aus, dass 2 bis 3 Prozent der Kinder von einer Kuhmilchallergie betroffen sind. Zum anderen tritt die Kuhmilchallergie bei Kindern bereits im Säuglingsalter auf, während sich die Laktoseintoleranz beim Kind in der Regel erst ab dem 10. Lebensjahr zeigt. Eine Ausnahme ist der angeborene Laktasemangel, eine schwere, aber extrem seltene Erkrankung, die bereits beim Säugling auftreten kann.

Welche Symptome sind typisch für eine Kuhmilchallergie beim Kind oder Baby?

Bei der Kuhmilchallergie gibt es unterschiedliche Formen. Es gibt die die allergischen Sofortreaktionen mit Quaddelbildung, Schwellung der Schleimhäute, bis hin zu Atemnot bzw. einem Asthmaanfall. Eine weitere Form der Kuhmilchallergie sind chronische Hautprobleme. So können sich durch eine Kuhmilchallergie die Symptome einer bestehenden Neurodermitis verstärken. Auch über den Magen-Darm-Trakt kann sich eine Kuhmilchallergie äußern. Hiervon können sämtliche Abschnitte des Magen-Darmtraktes einzeln betroffen sein. Das kann die Speiseröhre sein oder der Enddarm, oder auch mehrere Bereiche. Die Kuhmilchallergie zeigt im Gegensatz zur Laktoseintoleranz ein buntes Bild an Symptomen.

Und wie zeigt sich eine Laktoseintoleranz bei Babys oder Kindern?

Eine Laktoseintoleranz kann sich bei Kindern auf viele Arten manifestieren. Typische Beschwerden sind Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfälle. Auch Mattigkeit, Unwohlsein, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust können bei Kindern auftreten, wenn sie laktoseintolerant sind. Im Säuglingsalter tritt eine Laktoseintoleranz so gut wie nie auf.

Wie diagnostiziert man die Kuhmilchallergie beim Kind?

Echte Nahrungsmittelallergien sind nicht immer gut nachweisbar. Klassische Allergien weist man in der Regel über einen Prick-Test und einen IgE-Test im Bluttest nach. Diese Diagnosemethoden eignen sich jedoch nur für die klassische Kuhmilchallergie mit Sofortreaktionen.

Wie wird die Diagnose einer nicht IgE-vermittelten Kuhmilch Allergie gestellt?

Die Kuhmilchallergie, die sich am Magen-Darm-Trakt manifestiert, ist nicht IgE-vermittelt und dadurch nur durch Auslassversuche zu diagnostizieren. Das heißt, man gibt dem Baby eine kuhmilchproteinfreie Milch zu trinken und beobachtet dann über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen, ob sich die Symptome bessern. Wenn ja wird die Spezialnahrung weitergegeben und nach spätestens drei Monaten eine sogenannte. Provokation unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt. Das heißt, das Baby bekommt wieder normale Kuhmilch zu trinken und die Reaktion darauf wird genau beobachtet.

Eine weitere Möglichkeit eine nicht IgE-vermittelten Kuhmilch Allergie im Magen-Darm-Trakt zu diagnostizieren ist eine Biopsie. Diese Biopsie wird im Rahmen einer Magen-Darm-Spiegelung durchgeführt. Das bedeutet, es werden an den Stellen des Magen-Darm-Traktes Gewebeproben entnommen, an denen Symptome auftreten. Dies kann zum Beispiel die Speiseröhre sein, oder auch der Dünndarm. Die entnommenen Gewebeproben werden dann im Labor auf Eosinophilen untersucht. In letzter Zeit hat man festgestellt, dass sich eine allergische Erkrankung der Speiseröhre, die sogenannte eosinophile Ösophagitis bei älteren Kindern häuft.

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Eine seltene Nahrungsmittelallergie bei Kindern ist die EoE, welche Rolle spielt die Kuhmilch bei der eosinophilen Ösophagitis?

Die eosinophile Ösophagitis ist ein komplexes Krankheitsbild. Dabei handelt es sich um eine allergische Entzündung der Speiseröhre, die manchmal auch den Magen oder Dünndarm betreffen kann. Die Patienten reagieren allergisch auf bestimmte Stoffe in Nahrungsmitteln. Die Kuhmilch ist hier eine der häufigsten Ursachen, beziehungsweise Verstärker dieser Entzündung.

Wie stellt man die Diagnose EoE?

Die eosinophile Ösophagitis diagnostiziert man über eine Magen- und Darmspiegelung mit entsprechender Probeentnahme aus den betroffenen Bereichen. Besteht tatsächlich eine EoE, kann man in der Labordiagnostik eosinophile Zellen in den Proben nachweisen, die aus Darm, Magen oder Speiseröhre entnommen wurden. Die „Eosinophilen“ sind die Ursache dafür, dass vor allem die Speiseröhre entzündliche Veränderungen zeigt. Oft sieht man dann weißliche streifige Belege auf der Schleimhaut der Speiseröhre.

Was passiert, wenn die EoE seit längerem besteht und nicht behandelt wird?

Besteht die eosinophile Ösophagitis bereits seit längerem, kann es durch die allergische Entzündung zu vernarbtem Gewebe kommen. In ganz seltenen Fällen, wenn die EoE sehr lange unbehandelt besteht, kann es zu Verengungen in der Speiseröhre kommen.

Ist eine eosinophile Ösophagitis erblich?

Die Erkrankung EoE kennt man ja noch nicht so lange. Deshalb ist die Frage der Vererbung bei der eosinophilen Ösophagitis noch nicht ausreichend untersucht. Aber: Meine eigenen Patienten berichten manchmal von Großeltern, die im Alter nur noch pürierte Nahrung zu sich nehmen konnten. Stückige Kost konnten sie nicht mehr schlucken. Daher kann man vermuten, dass auch bei diesen Großeltern eine allergische Entzündung der Speiseröhre die Ursache für die Schluckbeschwerden gewesen sein könnte. Die Erkrankung wurde aber damals nicht erkannt und folglich nicht behandelt. Durch die dadurch entstandenen Verengungen der Speiseröhre könnte das Unvermögen, feste Nahrung zu schlucken, verursacht worden sein.

Zusammenfassend kann man sagen: Vielleicht ist die EoE nicht unbedingt erblich, aber eine Veranlagung, an einer eosinophilen Ösophagitis zu erkranken, könnte weitergegeben werden. Allergien sind generell häufig familiär bedingt. Oft sind bei Kindern mit Allergien auch die Eltern Allergiker. Nicht immer, aber es ist oft so.

Wie sieht die Therapie bei der EoE aus?

Zunächst würde man bestimmen, auf welche Nahrungsmittelallergene es zu Beschwerden kommt. Dafür braucht man einen mehrstufigen Therapieplan, die six-food, four-food oder two-food-Eliminationsdiät. Gleichzeitig werden Säureblocker verabreicht. In gewissen zeitlichen Abständen wird nachkontrolliert, ob sich die Entzündungen durch das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel verbessern.

Eine weitere seltene Nahrungsmittelallergie ist FPIES, wie passt diese ins Bild?

FPIES steht für „Food Protein-Induced Enterocolitis Syndrome“ und bezeichnet eine schwere Kreislaufreaktion auf bestimmte Lebensmittelallergene. FPIES tritt häufig im Säuglingsalter auf.. Die FPIES gehört zu den nicht IgE-vermittelten Allergien, die man nicht im Blut nachweisen kann. Die Schwierigkeit besteht deshalb bei FPIES darin, die Nahrungsmitteleiweiße zu finden, die die Ursache für die schweren allergischen Reaktionen sind.

Zurück zur Laktoseintoleranz: Wie erfolgt die Diagnose beim Kind?

Eine Laktoseintoleranz beim Kind wird am einfachsten mit einem Auslassversuch gestellt. Man lässt die Laktose zwei Wochen weg und schaut, ob die Beschwerden besser werden.

Es gibt auch die Möglichkeit einen sogenannten H2-Atemtest zu machen. Ohne das Enzym Laktase gelangt die Laktose unverarbeitet in den Dickdarm. Dort wird die Laktose dann abgebaut und Wasserstoff entsteht. Vom Dickdarm gelangt der Wassersoff ins Blut und wird über den Gasaustausch der Lunge ausgeatmet. Beim H2-Atemtest wird die Wasserstoffmenge in der Ausatemluft gemessen. Bei mehr als 20 ppm ist dies eine eindeutige Diagnose der Laktoseintoleranz, vorausgesetzt es kommt im Testverlauf auch zu den typischen Bauchbeschwerden.

Kann man eine Laktoseintoleranz auch mit einem Bluttest feststellen?

Einen Bluttest auf Laktoseintoleranz gibt es. Allerdings ist das eine genetische Untersuchung, die wir bei Kindern nicht nutzen. Die einfachste Art und Weise, eine Laktoseintoleranz zu diagnostizieren, ist ist der oben genannte Auslassversuch. Wenn es dem Kind durch Weglassen von Kuhmilch oder Milchprodukte besser geht, war die Laktose die Ursache. Ist das nicht der Fall, dann ist es auch nicht die Laktose, die die Symptome verursacht. Auf den Bluttest und eigentlich auch auf den den H2-Atemtest kann man dann verzichten. Auch deshalb, weil der Atemtest sehr störanfällig ist.

Warum ist der Test auf Laktoseintoleranz, der H2-Atemtest nicht sicher?

Beim Test auf Laktoseintoleranz gibt man den Patienten eine riesige Menge an Laktose. So viel Laktose auf einmal würde man normalerweise nie essen oder trinken. Aus diesem Grund kann ein H2-Atemtest auf Laktoseintoleranz falsch positive Ergebnisse liefern, und deshalb machen wir den Test inzwischen nur noch selten. Das gilt übrigens auch für den H2-Atemtest auf Fruktosemalabsorption.

In welchen Fällen sind H2-Atemtests dann überhaupt sinnvoll?

Manchmal brauchen die Familien einen negativen Test auf Laktose oder Fruktose als Beweis, dass beim Kind keine Erkrankung vorliegt. Aber, wie gesagt, eigentlich ist das einfache Weglassen von Laktose oder Fruktose der bessere Weg, um eine Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption festzustellen oder auszuschließen. Hinzu kommt, dass nicht allergische Unverträglichkeiten auch immer eine Frage der Dosis sind. Welche Menge an Laktose oder Fruktose die Patienten gerade noch vertragen, muss man dann jeweils individuell austesten.

Gibt es neben der hohen Dosis noch andere Gründe dafür, dass H2-Atemtests störanfällig sind?

Oft entsteht der Eindruck, ein H2-Atemtest sei ein einfacher Test. Ein H2-Test muss jedoch sehr gut vorbereitet werden, denn es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die das Ergebnis von H2-Atemtests beeinflussen können.

Das ist zu beachten, damit ein H2-Atemtest korrekte Ergebnisse liefert:

  • Die Patienten müssen nüchtern sein
  • Bestimmte Dinge sollten vorher nicht gegessen werden
  • Man darf nicht krank sein
  • Die Patienten müssen korrekt „pusten“
  • Die Testflüssigkeit muss in großer Menge relativ schnell getrunken werden

Wie behandelt man eine Kuhmilchallergie bei Säuglingen und Kindern?

Die Symptome einer Kuhmilchallergie lassen sich nicht behandeln. Vermeiden lassen sie sich nur durch das Weglassen der Milch bzw. aller Milchprodukte und milchhaltiger Lebensmittel. Wenn man eine Allergie auf Kuhmilch hat und im Blut hohe IgE-Werte nachgewiesen wurden, muss man auf Milch verzichten, sonst kommt es zu allergischen Reaktionen.

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Welche Therapieoptionen gibt es bei nachgewiesener Laktoseintoleranz beim Kind?

Die Laktose weglassen ist immer die beste Option, wenn ein Kind eine Laktoseintoleranz hat. Nach auffälligen H2-Atemtests empfiehlt sich stets eine streng laktosefreie Diät über zwei bis drei Wochen. Bessern sich die Symptome unter dieser Diät, wäre der nächste Schritt, die individuelle Laktose-Toleranzschwelle des Kindes herauszufinden. Die individuelle Toleranzschwelle für Laktose ergibt sich nicht aus dem H2-Atemtest, bei dem ungewöhnlich hohe Laktose-Dosen von 2 bis 3 g Laktose pro kg Körpergewicht in Wasser gemischt gegeben werden.

Bei Kindern mit nicht angeborener Laktoseintoleranz kann man die gerade noch verträgliche Laktosemenge aber herausfinden. Dazu gibt man dem Kind zum Beispiel zunächst ein Viertel Glas Milch oder ein Joghurt, um zu sehen, ob dies vertragen wird. Dieser Rat gilt allerdings nicht für Kinder mit einem angeborenen Laktasemangel. Dies ist ein schweres, aber extrem seltenes Krankheitsbild, das sich bereits beim Neugeborenen manifestiert. Diese Kinder dürfen keinesfalls Laktose erhalten.

Zusätzlich sollte versucht werden, die Milchprodukte zusammen mit einer Hauptmahlzeit anzubieten. Dadurch verlangsamt sich die Transitzeit durch den Darm. Das bedeutet, die Verweildauer der Laktose im Darm erhöht sich. So besteht die Möglichkeit, dass die Restaktivität der Laktase zum Abbau der Laktose ausreicht.

Möglicherweise bessern sich die Beschwerden der Laktoseintoleranz aber nur kurzzeitig. Dafür könnte beispielsweise der Placebo-Effekt der laktosefreien Diät verantwortlich sein, den man nicht unterschätzen sollte. In diesem Fall sollten weitere abklärende Untersuchungen folgen.

Frau Dr. Brunert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.