Laktoseintoleranz Laktose Dosis

Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberger See (MVZ) und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e. V. zu Laktoseintoleranz und die Rolle der Dosis!

Laktoseintoleranz: Welche Rolle spielt die Laktose-Dosis?

Welche Rolle spielt die Dosis bei der Laktoseintoleranz? Verstärken sich die Beschwerden, wenn man hohe Laktosemengen isst? Kann man bei Laktoseintoleranz kleine Laktose-Mengen verzehren oder sollte man strickt laktosefrei leben? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Martin Storr, Gastroenterologe am Gesundheitszentrum Starnberger See (MVZ) und 1. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität e. V. über die Laktoseintoleranz und die Rolle der Laktose-Dosis.

Herr Prof. Storr, welche Rolle spielt die aufgenommene Menge an Laktose für die Ausprägung der Beschwerden?

Die aufgenommene Laktosemenge spielt eine große Rolle und das nicht nur bei Menschen, die an Laktoseintoleranz leiden. Auch Gesunde können Beschwerden bekommen, wenn sie sehr große Mengen an Laktose zu sich nehmen, das heißt, wenn eine gewisse Menge überschritten wird – man kann sich in eine Laktoseintoleranz hineinessen. Solange dies jedoch nicht der Fall ist und die Laktose-Dosis sich in Grenzen hält, spürt man das nicht. Deshalb können Laktoseintolerante auch problemlos Medikamente einnehmen, die Spuren von Laktose enthalten. Zu Beschwerden sollte es deshalb nicht kommen.

Können Medikamente mit Laktase Laktoseintoleranten helfen?

Es gibt Präparate, die das Enzym Laktase ersetzen, das Laktoseintoleranten fehlt. Dies ist bis zu einem gewissen Grade hilfreich, z.B. im Notfall, nach versehentlichem Milchprodukte Verzehr, oder zur Behandlung von Restbeschwerden oder wenn man weiß, dass man beim Familienfest nicht darum herumkommt, laktosehaltige Speisen zu essen. Laktose-Präparate können Laktoseintoleranten dabei helfen, die Beschwerden etwas besser zu kontrollieren. Eine Dauerlösung sind sie aber eigentlich nicht.

Kann man sagen, ab welcher Menge an Laktose unangenehme Bauch-Symptome auftreten können?

Einen für allen gültigen Grenzwert für verträgliche Laktose-Mengen gibt es nicht. Eine gewisse Menge an Laktose geht aber bei jedem Menschen „unverspürt“ durch den Darm.

Die individuellen Grenzmengen für Laktose sind sehr variabel. So gibt es Menschen mit einer messtechnisch nachgewiesenen Laktoseintoleranz, die nie Beschwerden haben, ganz gleich wie viel Laktose sie zu sich nehmen. Es gibt jedoch auch Patienten, die eine sehr niedrige Wahrnehmungsschwelle haben und bereits auf sehr geringe Laktose-Mengen reagieren. Andere haben keine Laktoseintoleranz im Sinne eines Enzymmangels, essen sich jedoch in einen Laktose-Überfluss hinein und entwickeln dadurch Beschwerden. Die individuell verträgliche Laktose-Dosis muss bei jedem Patienten auch individuell herausgefunden werden.

Aus meiner Sicht ist es jedoch bei einer nachgewiesenen Laktoseintoleranz das Beste für den Patienten, sich strikt laktosefrei zu ernähren. Man sollte hier keine Experimente mit der Ernährung machen.

Man sollte bei einer nachgewiesenen Laktoseintoleranz also nicht ab und zu testen, ob sich die verträgliche Laktosemenge erhöht hat?

Das gilt mit gewissen Einschränkungen für die Fruktosemalabsorption, wobei es sich dann um ein Transporterproblem handelt. Das heißt, die individuell verträgliche Fruktosemenge ist starken Schwankungen unterworfen. Die Patienten ernähren sich deshalb nicht fruktosefrei, sondern nur fruktosearm. Verzichten die Patienten komplett auf Fruktose führt das dazu, dass der individuelle Schwellenwert für die Verträglichkeit von Fruktose immer mehr sinkt. Dann kann es bereits bei kleinen Fruktose-Sünden zu starken Beschwerden kommen.

Bei einer Laktoseintoleranz ist dies aber nicht so. Die Laktoseintoleranz ist zwar keine bedrohliche, aber dennoch eine relevante Erkrankung. Deshalb sollten Laktoseintolerante auch nicht mit der Ernährung „herumspielen“, sondern sich besser laktosefrei ernähren.

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