Fruktosemalabsorption Symptome Körper

Wie zeigen sich bei Fruktosemalabsorption die Symptome? Was passiert im Körper?; Bildquelle: E. Wisniowski

Fruktosemalabsorption, was passiert im Körper?

Die Fruktosemalabsorption oder Fruchtzuckerunverträglichkeit gehört zu den Nahrungsmittelunverträglichkeiten, nicht zu den Nahrungsmittelallergien. Was aber sind die Ursachen für die Unverträglichkeit von Fruktose? Was passiert im Körper, wenn man Fruchtzucker nicht verträgt? Wie deutet man die Symptome der Fructosemalabsorption richtig? Und was ist überhaupt mit „Malabsorption“ gemeint? MeinAllergiePortal sprach mit Dipl. Oecotrophologin Eva Wisniowski, Studio für Ernährungsberatung und Therapie in Remscheid, über ihre Erfahrungen mit Fruktosemalabsorption aus der Praxis.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dipl. Oecotrophologin Eva Wisniowski

Frau Wisniowski, was ist bei dem Begriff Fruktosemalabsorption mit „Malabsorption“ gemeint?

Als Malabsorption bezeichnet man die mangelhafte Aufnahme - Absorption - von Substraten aus dem bereits vorverdauten Speisebrei. Die Malabsorption ist von der Maldigestion abzugrenzen, bei der eine unzureichenden Aufspaltung der Nahrungsbestandteile vorliegt.

Wie häufig ist die Fructosemalabsorption?

Die Häufigkeit der Fruktosemalabsorption beträgt ca. 30 bis 40 Prozentder Bevölkerung also ca. jede dritte Person.

Wie wird Fruktose normalerweise im Körper verarbeitet, was spielt sich im Körper gesunder Menschen ab, wenn sie Fruktose, also Fruchtzucker, essen?

Die Verdauung von Fruchtzucker ist eigentlich ein ganz normaler Vorgang. Normalerweise sieht das so aus: Die Fruktose gelangt in den Magen und wird dann durch die Magensäure verarbeitet. Dann geht die Fruktose mit der Magensäure zusammen zunächst in das Duodenum, den Zwölffingerdarm, und schließlich in den Dünndarm. Vom Dünndarm aus erfolgt dann der Transport ins Blut. Das gilt für die Fruktose, aber auch für alle anderen Nahrungsbestandteile. Es gibt für alle Bestandteile der Nahrung Transportsysteme.

Welche Aufgabe haben Transportersysteme bei der Verdauung von Fruktose?

Transportersysteme sorgen dafür, dass die Nahrungsbestandteile vom Darm ins Blut gelangen. Für die Fruktose gibt es dafür im Duodenum und im oberen Teil des Dünndarms ebenfalls ein Transportsystem, das sogenannte Glut5. Fruktose ist ein Einfachzucker und wird, im Gegensatz zu Laktose, nicht gespalten, der Transport erfolgt daher direkt von Darm ins Blut. Das ganze System muss man sich vorstellen wie bei einer Lokomotive mit einem Waggon. Glut5, der Transporter, ist die Lokomotive, fährt durch die Darmwand und nimmt das Fruktosemolekül, den Waggon, durch diese Darmwand mit.

Ein solches Transportsystem gibt es, wie gesagt, für alle Nahrungsbestandteile. Beispielsweise ist für den Transport der Glukose ein Glut2-Transporter zuständig und für Aminosäuren, das sind Eiweißbausteine, wiederum ein anderer. Diesen Vorgang nennt man Resorption.

Was passiert im Körper, wenn man eine Fruktosemalabsorption hat?

Bei einer Fructosemalabsorption ist dieses Transportsystem gestört bzw. es stehen zu wenig Transportsysteme zur Verfügung. Die Konsequenz: Ein Teil der Fruktose gelangt unverdaut in den Dickdarm und die Darmbakterien verarbeitet sie zu verschiedenen Gasen.

Bei einer Fruktosemalabsorption entstehen im Darm unter anderem die folgenden Gase:

  • Methan
  • Wasserstoff
  • Kurzkettige Fettsäuren

Es sind diese Gase, die dann die Beschwerden verursachen.

Wie kommt es denn überhaupt zu einer Fruktosemalabsorption?

Die Fruchtzuckerunverträglichkeit entsteht im Laufe des Lebens und kann auch vererblich sein. Wenn die Eltern eine Fruktosemalabsorption hatten, sind häufig auch die Kinder betroffen. Wir sehen auch zunehmend Kinder in unserer Praxis.

Was kann eine Fruktosemalabsorption auslösen?

Sehr häufig ist der Auslöser für eine Fruktosemalabsorption eine stark fruktose- und sorbithaltige Ernährung. Dann wird dem Körper deutlich mehr Fruktose zugeführt, als das Transportsystem verarbeiten kann. Anders ist es bei einer angeborenen Fruktoseintoleranz.

Was ist der Unterschied zwischen einer Fruktosemalabsorption und einer angeborenen Fruktoseintoleranz?

Die  angeborene hereditäre Fruktoseintoleranz ist eine erbliche Stoffwechselstörung. Ursache ist ein Gendefekt. Durch diesen Gendefekt können bei der hereditären Fruktoseintoleranz Fruktose und Alkoholformen der Fruktose, zum Beispiel Sorbit, zwar aus dem Darm resorbiert, aber dann nicht weiter verstoffwechselt werden. Infolgedessen kommt es bei jeglichem Verzehr von Fruktose zur Anhäufung giftiger Abbauprodukte im Stoffwechsel. Unterzuckerungen und schwere Leber-, Nieren- und Darmstörungen sind die Folgen. Allerdings ist die angeborene Fruktoseintoleranz eine äußerst seltene Erkrankung. Deshalb ist es auch wichtig, zwischen der angeborenen Fruktoseintoleranz und der erworbenen Fruktosemalabsorption zu unterscheiden. Umgangssprachlich spricht man fälschlicherweise oft von Fruktoseintoleranz, wenn eigentlich die Fruktosemalabsorption gemeint ist.

Wie kann sich eine Fructosemalabsorption äußern? Welche Symptome sind häufig und welche eher selten?

Die Symptome einer Fruktosemalabsorption können wie folgt aussehen:

  • Bauchgeräusche
  • Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Bauchkrämpfe
  • Druckgefühl im Bauch
  • Völlegefühl
  • Übelkeit
  • Durchfälle

Oft berichten die Patienten über eine Kombination aus mehreren Symptomen. Es gibt aber auch Patienten mit Fruktosemalabsorption, die ausschließlich Durchfälle haben und keine weiteren Symptome. Andere leiden nur unter Bauchschmerzen und Blähungen und haben selten Durchfall.

Wann nach dem Verzehr von Fruktose kommt es bei einer Fruktosemalabsorption zu Beschwerden?

Wichtig zu wissen ist, dass die Symptome bei der Fruktosemalabsorption sehr verzögert auftreten. Oft bekommen die Betroffenen unmittelbar nach einer Mahlzeit Bauchschmerzen und glauben dann, dass sie das, was sie gerade gegessen haben, nicht vertragen. Bei den nicht allergischen Unverträglichkeiten bzw. Intoleranzen - und dazu gehört die Fruktosemalabsorption - muss die Fruktose jedoch erst im Dickdarm angekommen sein, um Beschwerden verursachen zu können. Zwischen der Nahrungsaufnahme und der Symptomatik liegen deshalb immer mehrere Stunden. Das heißt: Die Bauchschmerzen, oder die anderen Symptome, die unmittelbar nach einer Mahlzeit auftreten, haben einen anderen Grund!

Warum kommt es bei der Fruktosemalabsorption dann oft direkt nach dem Essen zu Beschwerden?

Tatsächlich spielt sich bei der Fruktosemalabsorption nach dem Verzehr von Fruktose folgendes ab: Die erwähnten Gase, die durch die unverdaute Fruktose im Dickdarm entstehen, gehen nicht nur in Form von Blähungen ab, sondern steigen auch nach oben in den Magen. Solange der Magen leer ist, haben die Gase Platz und man bemerkt sie nur leicht oder gar nicht. Sobald man etwas isst, entsteht ein Druck und es kommt zu Bauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit, oder zu explosionsartigen Durchfällen. Schuld daran ist aber die Mahlzeit von gestern oder das Frühstück am Morgen und nicht das, was man gerade eben erst gegessen hat.

Wie findet man bei der Fruktosemalabsorption heraus, welche Mahlzeit die Ursache der Beschwerden war?

Darüber, welche Mahlzeit konkret für die Beschwerden verantwortlich ist, lässt sich keine generalisierte Aussage machen. Ausschlaggebend hierfür ist die individuelle Verdauungsgeschwindigkeit. Es gibt Menschen, die ein träges Verdauungssystem haben und andere mit einer schnellen Frequenz.

Gibt es bei der Fruktosemalabsorption auch seltene Symptome?

Zu den seltenen Symptomen der Fruktosemalabsorption gehören zum Beispiel Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme wie Schwindel und Hitzewallungen. Es gibt auch einige wenige Patienten mit Fruktosemalabsorption, die abwechselnd an Durchfällen und Verstopfungen leiden, ein unerklärliches Phänomen. Eine relativ neue Erkenntnis ist, dass die Fruktosemalabsorption depressive Verstimmungen begünstigen kann.

Warum kann es durch Fruktosemalabsorption zu depressiven Verstimmungen kommen?

Die Resorption der Aminosäure Tryptophan, das ist einer der Bausteine von Serotonin, dem Glückshormon, erfolgt normalerweise auch mit Hilfe des Glut5-Transporters. Bei einer Fruktosemalabsorption liegt ein Mangel an Glut5 vor und somit auch ein Tryptophanmangel. Der Mangel an Tryptophan führt zu einem Serotoninmangel und der Serotoninmangel verursacht auf Dauer Depressionen. Außerdem kommt es durch den Mangel an Serotonin auch - ausgerechnet – zu einem Heißhunger auf Süßes. Dies wiederum verstärkt die Symptome der Fruktosemalabsorption und ein fataler Kreislauf beginnt!

Das heißt, eine Depression kann durch eine Fruktosemalabsorption verursacht werden?

Ich habe in meiner Praxis den Fall erlebt, dass beim Patienten die Angst vor spontanen Durchfällen dazu führte, dass das Haus nicht mehr verlassen wurde und letztlich führte dies zu Depressionen. Aufgrund der Depressionen kam es zu einer jahrelang andauernden psychiatrischen Behandlung. Die auslösende Grunderkrankung für die Depression war eine Fruktosemalabsorption und unter einer fruktosearmen Diät verschwanden die Depressionen umgehend.

Sie erwähnten, dass Unterzuckerungen zu schweren Leber-, Nieren- und Darmstörungen führen können. Wie äußern sich hier die Symptome?

Das passiert nur bei der angeborenen Fructoseintoleranz, die sehr selten auftritt. Die Häufigkeit der jährlichen Erkrankungen pro 100.000 Personen, die Inzidenz der hereditären Fructoseintoleranz, beträgt 1:10.000 bis 1:130.000. Von der Fruktosemalabsorption sind hingegen etwa 30 bis 40 Prozent der Mitteleuropäer betroffen, davon rund die Hälfte mit Symptomen.

Haben Kinder, die an einer Fruktosemalabsorption leiden, ähnliche Symptome wie bei Erwachsenen?

Kinder leiden unter den gleichen Symptomen wie Erwachsene.

Meistens zeigt sich die Fruktosemalabsorption bei Kindern jedoch durch die folgenden Symptome:

  • Durchfall
  • Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Erbrechen

Von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind tendenziell eher Frauen betroffen, gilt das auch für die Fruktosemalabsorption?

In meine Praxis kommen definitiv mehr Frauen mit einer Fruktosemalabsorption als Männer. Männer gehen aber generell seltener zum Arzt und "ertragen" solche Beschwerden eher. Es könnte daher sein, dass es hier zu einer etwas verzerrten Statistik kommt. Es gibt aber auch Theorien, die besagen, dass Frauen im Darm kleinere Kapazitäten für Fruktose haben als Männer und dass es deshalb bei Frauen häufiger zu einer Fruktosemalabsorption kommt.

Gibt es weitere Faktoren, die das Entstehen einer Fruktosemalabsorption begünstigen?

Es gibt bestimmte entzündliche Darmerkrankungen, wie beispielsweise die Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn, bei denen die Verträglichkeit von Fruktose und Laktose häufig stark eingeschränkt ist. Sobald die Grunderkrankung erfolgreich behandelt wurde, verlieren sich diese Unverträglichkeiten wieder. Begünstigend auf die Entstehung einer Fruktosemalabsorption wirkt aber auch, wie bereits erwähnt, der übermäßige Konsum von Fruktose und Sorbit.

Heißt das, eine Fruktosemalabsorption kann durch die Fruktose in Lebensmitteln entstehen?

Ja, denn Fruktose und Sorbit werden in der Lebensmittelindustrie zunehmend eingesetzt. Das heißt, Fruktose und Sorbit verstecken sich zum Teil in recht großen Mengen in industriell hergestellter Nahrung. Vielen Menschen ist nicht klar, wie viel sie davon täglich essen. Wer aber gerne und häufig Süßes isst, ist auch in Gefahr, mehr Sorbit und Fruktose zu konsumieren, als dies verträglich ist.

Könnte man sagen, je mehr Süßes man ist, desto größer ist das Risiko, eine Fruktosemalabsorption zu entwickeln?

In meiner Praxis habe ich festgestellt, dass Menschen mit Adipositas, also starkem Übergewicht, häufig an einer Fruktosemalabsorption leiden. Oft stellt sich dann heraus, dass diese Menschen sehr viele Süßigkeiten und vor allem auch sehr viele süße Getränke zu sich nehmen. Natürlich besteht auch für schlanke Menschen die Gefahr, an Fruktosemalabsorption zu erkranken, wenn sie sehr viele Süße Produkte konsumieren. Übrigens: Wer unter einer Fruktosemalabsorption leidet, leidet auch fast immer, unter einer Sorbitunverträglichkeit. Eine Sorbitunverträglichkeit kann jedoch auch unabhängig davon vorkommen, ohne dass eine Fruktosemalabsorption besteht.

Wie wird die Diagnose bei der Fruktosemalabsorption gestellt?

Zur Diagnose der Fruktosemalabsorption gibt es den H2-Atemtest. Damit misst man den Wasserstoffanteil der Atemluft, das ist der Anteil eines der Gase, die im Dickdarm entstehen. Für den Test wird zunächst der Basalwert, der Grundwert, ermittelt, bei dem der Wasserstoffanteil des Atems unter 20 ppm (parts per million) liegen sollte. Dann werden 25 g Fruchtzucker in einem Glas Wasser aufgelöst, das entspricht einer Trinkmenge von 200 bis 250 ml, und der Patient trinkt diese Mischung. Im Anschluss wird über zwei Stunden hinweg, ca. alle 20 Minuten, der Wasserstoffanteil im Atem gemessen. Dafür pustet der Patient in ein entsprechendes Testgerät und wenn der H2-Wert über 20 ppm beträgt, ist das der Nachweis für eine Fruktosemalabsorption. Unabhängig vom Testergebnis merkt man allerdings auch unmittelbar durch die Symptome, wie Bauchgeräusche bzw. später dann an Blähungen, Durchfällen, etc.., dass die Fruktose nicht vertragen wurde. Der H2-Atemtest führt jedoch nicht bei allen Patienten zu einer klaren Diagnose.

Bei welchen Patienten mit Fruktosemalabsorption funktioniert der H2-Atemtest nicht?

Bei ca. 10 bis 20 Prozent der Patienten kommt es beim H2-Atemtest trotz bestehender Fruktosemalabsorption zu keinerlei messbaren Ergebnissen. Das hat folgende Ursache: Es gibt Menschen, die Wasserstoff nicht produzieren können, weil ihnen aufgrund einer Fehlbesiedelung des Darmes die entsprechenden Bakterien in der Darmflora fehlen.

Dementsprechend findet man im Atem keinerlei Wasserstoff, es kommt aber dennoch zu den für eine Fruktosemalabsorption typischen Symptomen, die von den anderen erwähnten Gasen verursacht werden.

Wie sieht die Therapie aus bei der Fruktosemalabsorption?

Die Therapie der Fruktosemalabsorption besteht in einer fruktosearmen Diät. Dann kann man mit einer Fruktosemalabsorption wunderbar leben. Sobald man eine fruktosearme Kost eingeführt hat, verbessern sich die Symptome schlagartig.

Wie sieht eine furktosearme Diät aus?

Die Ernährungsumstellung auf eine furktosearme Diät erfolgt in drei Stufen. Man beginnt mit einer streng fruktosearmen Basiskost. Das ist die sogenannte Karenzphase bei der Fruktosemalabsorption-Diät. Je nachdem, wie schnell der Patient symptomfrei ist, kann diese erste Phase zwischen einer und vier Wochen dauern. In dieser Zeit wird so gut wie kein Obst und nur fructosearme und wenig blähende Gemüsesorten gegessen.

Welche Obst oder- Gemüsesorten sind fruktosearm und blähen nicht?

Zu den fruktosearmen Gemüsesorten muss man folgendes wissen: Obst und Gemüse besteht immer aus Fruktose und Glukose. Die Glukose verbessert die Aufnahme der Fruktose. Je mehr Glukose in einer Obst- oder Gemüsesorte enthalten ist und je weniger Fruktose, desto besser ist die Verträglichkeit für Menschen mit Fruktosemalabsorption. Man sucht deshalb für die erste Stufe der Ernährungsumstellung Obst und Gemüse aus, dessen Anteil an Glukose höher ist als der Fruktoseanteil.

Fruktosearme Obstsorten sind zum Beispiel:

  • Bananen
  • Honigmelone
  • Rhabarber (das ist eigentlich ein Gemüse, wird aber wie Obst verwendet)

Dahingegen ist zum Beispiel die Birne sehr schlecht verträglich, denn diese enthält sehr viel Fruktose und nur wenig Glukose.

Fruktosearme Gemüsesorten sind zum Beispiel:

  • Zucchini
  • Broccoli
  • Kürbis
  • Gurke
  • Fenchel
  • Spinat
  • Rettich
  • Rosenkohl
  • Feldsalat
  • Chicorée
  • Rote Beete…

Es gibt aber einen Trick, wie man fruktosehaltige Obst- und Gemüsesorten bei Fruktosemalabsorption verträglicher machen kann.

Wie wird fruktosehaltiges Obst und Gemüse bei Fruktosemalabsorption verträglicher?

Man kann mit Hilfe der Glukose die Fruktoseresorption positiv beeinflussen. Ich greife wieder auf das "Zugmodell" zurück: Zur Verstoffwechslung der Glukose gibt es einen Glut2-Transporter – das ist die Lokomotive – der dafür verantwortlich ist, ein Glukosemolekül durch die Darmwand ins Blut zu transportieren. In diesem Fall ist es aber möglich, beim Transport auch einen weiteren "Waggon" anzuhängen. Ein Fruktosemolekül kann mit durch die Darmwand transportiert werden. Deshalb kann man die Fruktoseresorption durch die Zugabe von Glukose, also Traubenzucker oder auch Dextrose – das sind Synonyme - verbessern.

Wie geht es weiter bei der Ernährungsumstellung bei Fruktosemalabsorption?

In der zweiten Karenzhase vermeidet man immer noch schwer verdauliche Nahrungsmittel.

Nahrungsmittel, die bei Fruktosemalabsorption schwer verdaulich sind, wären unter anderem:

  • Grobes Vollkornbrot
  • Hülsenfrüchte
  • Zwiebeln

Dann erfolgt über mehrere Wochen ein Kostaufbau.

In dieser Phase werden fruktosehaltige Speisen getestet, denn jeder Patient hat eine individuelle Toleranzgrenze. Es gibt Patienten, die deutlich mehr Fruktose vertragen als andere. Deshalb muss man die persönliche Toleranzgrenze individuell ermitteln.

Wie ermittelt man bei Fruktosemalabsorption die persönliche Toleranzgrenze?

Bei der Ermittlung der persönlichen Toleranzgrenze von Fruktose beginnt man mit ein bis zwei kleineren Fruktoseportionen Gemüse und Obst über den Tag verteilt. Man kann auch Süßigkeiten mit einbauen. Dabei ist es günstig, die zu testenden Nahrungsmittel als Dessert zu sich zu nehmen. Wenn man gerne Äpfel isst – und Äpfel gehören bei Fruktosemalabsorption nicht zu den verträglichen Obstsorten - ist es oft besser, einen halben Apfel nach dem Mittagessen zu essen. Oft ist der Apfel dann wesentlich besser verträglich, als wenn man ihn als Zwischenmahlzeit zu sich nehmen würde.

Heißt das, man kann bei Fruktosemalabsorption die Fruktose besservertragen, wenn man sie mit anderen Nahrungsmitteln mischt?

Genau, denn je mehr Nahrungsmittel gleichzeitig verzehrt werden, desto langsamer erfolgt der Transport in den Darm und um so besser können die noch vorhandenen Transporter die Verstoffwechslung bewältigen, weil der Darm dann nicht "überflutet" wird.

Und wie sieht die dritte Phase der Ernährungsumstellung bei Fruktosemalabsorption aus?

In der dritten Phase der Ernährungsumstellung hat man dann eine fruktosearme Dauerernährung, unter Berücksichtigung der persönlichen Toleranzgrenze, gefunden. Was meist für immer tabu bleibt, sind die sehr fruktosehaltigen Nahrungsmittel.

In diesen welchen Lebensmittelns sind große Mengen an Fruktose enthalten:

  • Trockenfrüchte
  • Fruchtsäfte
  • Birnen
  • Äpfel
  • Weintrauben

Dazu gehören insbesondere auch zuckerfreie Süßigkeiten wie Kaugummis und Bonbons mit Isomalt, Xylit, Sorbit.

Kann eine Darmsanierung vor einer Fruktosemalabsorption schützen?

Eine Darmsanierung ist immer eine gute Idee. Wir sollten eine Darmsanierung regelmäßig, ca. ein Mal pro Jahr durchführen. Das führt zu einem allgemein, besseren Befinden und einem stärkeren Immunsystem. Schützen kann es jedoch nicht.

Was passiert, wenn eine Fruktosemalabsorption unerkannt und unbehandelt bleibt, gibt es Folgeschäden?

Wenn eine Fruktosemalabsorption nicht behandelt wird, verbrauchen sich die Transporter, also das Glut5, immer mehr. Irgendwann ist der Körper dann überhaupt nicht mehr in der Lage, Fruktose zu verstoffwechseln. Zwar kommt es nicht zu Entzündungen oder Geschwüren, aber der Darm ist dann natürlich stark überlastet und wird sehr empfindlich.

Irgendwann hat man dann einen Reizdarm, als Folgeschaden der Fruktosemalabsorption. Die Diagnose "Reizdarm" wird häufig als Erstdiagnose gestellt, aber oft gibt es dafür eine organische Ursache, auch eine Fruktosemalabsorption, eine Histaminunverträglichkeit oder eine Laktoseintoleranz.

Ein anderer Aspekt bei der "Nichtbehandlung" einer Fruktosemalabsorption ist die Mangelernährung, denn alle Nährstoffe aus der Nahrung werden durch die ständigen Durchfälle aus dem Körper ausgeschieden. Bei der Fruktosemalabsorption kommt es deshalb häufig zu Zinkmangel, Folsäuremangel und Vitamin B-Mangel. Das gilt für alle Erkrankungen, die über einen längeren Zeitraum mit Durchfällen einhergehen.

Wie gesagt kann es letztendlich sogar zu Depressionen kommen, wenn man bei Fruktosemalabsorption weiterhin Fruktose zu sich nimmt.

Wo können Menschen mit einer Fruktosemalabsorption Ernährungs-Listen finden, um sich über den Fruktosegehalt zu informieren?

Es gibt Literatur oder auch Listen im Internet. Allerdings, sind nicht alle Listen seriös.

Frau Wisniowski, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.