Fructosemalabsorption Was kann man essen

Dipl. oec. troph. Dagmar Bolgen, staatlich anerkannte Diätassistentin und allergologische Ernährungstherapeutin in Hannover.

Fructosemalabsorption: Was kann man essen und was sollte man beachten?

Die Diagnose Fructosemalabsorption macht viele Betroffene ratlos. Während man bei Allergien oder Unverträglichkeiten von Milcheiweiß, Laktose, Nüssen etc. relativ schnell weiß, was man essen darf, ist dies bei Fruchtzucker nicht so einfach. Außerdem spielt bei der Verträglichkeit auch das Verhältnis von Fructose, Sorbit und Glucose eine Rolle. Darüber, wie man bei Fructosemalabsorption den Überblick behält, sprach MeinAllergiePortal mit Dipl. oec. troph. Dagmar Bolgen, staatlich anerkannte Diätassistentin und allergologische Ernährungstherapeutin in Hannover.

Frau Bolgen, gibt es einen einfachen Weg zu entscheiden, was man bei einer Fructosemalabsorption essen darf und was nicht?

Jein - erlaubt ist, was dem Patienten gut tut, spezielle Verbote gibt es – außer in der sogenannten Karenzphase - zur Linderung der Beschwerden nicht. Aber der Weg dahin, zu erkennen, was ein Betroffener verträgt und was nicht, ist oft nicht leicht. Das liegt zum einen an der sich ändernden Situation für den Betroffenen, aber vielfach auch an den Lebensmitteln, die zusammen mit den anderen Lebensmitteln aufgenommen werden. Außerdem hat jeder Patient seine individuelle Toleranzgrenze, die zudem je nach Situation des Betroffenen auch noch schwanken kann.

Wichtig ist für die Betroffenen, dass sie – zumindest in beschwerdefreien Phasen – dem Körper immer wieder Fructose bis hin zu ihrer Toleranzgrenze anbieten und nicht versuchen, die Fructose ganz zu vermeiden, denn das bewirkt über längere Zeit, dass die Betroffenen immer geringere Mengen Fructose vertragen.

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Wie kann man denn bei einer Fructosemalabsorption herausfinden, welche Lebensmittel man verträgt?

Um eine schnelle Beschwerdelinderung zu erreichen, wird den Patienten in der Regel ein 3-Stufen-Plan empfohlen. Dabei ist die erste Stufe fructosearm, in der Regel aber auch sorbitarm, laktosearm und wenig blähend. In dieser sogenannten "Karenzphase" werden nur Lebensmittel verzehrt, die keine Beschwerden verursachen. Lebensmittel, die auch bei Gesunden Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall verursachen, sollten in dieser Phase ebenfalls gemieden werden. Dabei ist es wichtig, diese erste Phase nicht länger als 2 bis maximal 4 Wochen beizubehalten, damit der Körper sich nicht an zu wenig Fructose gewöhnt und so die Verträglichkeit von Fructose noch geringer werden würde.

Die zweite Stufe - die sogenannte Testphase - beginnt, wenn es dem Patienten merklich besser geht. In dieser Phase probiert der Patient schrittchenweise, wie viel und welche Lebensmittel er verträgt, ohne dass Beschwerden auftreten. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits die geschickte Kombination von Lebensmitteln und das Wissen um den Fructosegehalt wertvoll. Nach wenigen Wochen wird der Patient seine individuelle Toleranzgrenze ausgelotet haben. Wertvolle Tipps zur Umgestaltung von Rezepten, um sie verträglicher zu machen, kann eine versierte Ernährungsfachkraft liefern.

Bei Fructosemalabsorption wird empfohlen, fructosehaltige Nahrungsmittel mit fett- und eiweißhaltigen Lebensmitteln zu kombinieren. Warum wird der Fruchtzucker so verträglicher? In welcher Dosierung in welchem Verhältnis darf man dann Fructose zu sich nehmen?

Fruchtzucker (Fructose) in großen Mengen verursacht bei vielen Menschen Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall. Beispielsweise reagieren viele Menschen auf eine große Portion Ananas mit Blähungen oder Durchfall ohne gleich an einer Fructosemalabsorption zu leiden. Erst bei deutlichen Beschwerden bereits ab einer verzehrten Menge von weniger als 25 g Fruchtzucker spricht man von einer Fructosemalabsorption.

Es ist inzwischen bekannt, dass Patienten mit einer Fructosemalabsorption die Beschwerden deutlich vermindern können, wenn sie verschiedene Inhaltsstoffe innerhalb einer Mahlzeit geschickt miteinander kombinieren. Fette und Eiweiße verlängern nämlich die Verweildauer der Speisen im Magen, d.h. die aufgenommenen Zucker gelangen in deutlich kleinerer Menge über einen längeren Zeitraum in den Dünndarm. So können die noch vorhandenen Restkapazitäten der Zucker-Transporteure im Darm besser ausgenutzt werden.

Ein Beispiel aus der Saison: Die frischen Erdbeeren vom Feld können als Quarkspeise wesentlich besser vertragen werden, als ohne eiweißreiche Begleiter. Die richtige Kombination einer gesamten Mahlzeit kann dafür sorgen, dass Lebensmittel mit Fructose besser vertragen werden. Die genaue Menge aber ist individuell.

Das Verhältnis Fructose und Glucose spielt eine Rolle bei der Verträglichkeit von Fructose. Wie sehen die Zusammenhänge aus und nach welchen Kriterien sollte man bei der Nahrungsmittelauswahl vorgehen? Wie ist das ideale Verhältnis?

Richtig, Fructose wird deutlich besser vertragen, wenn es in einem ausgeglichenen Verhältnis zu Glucose (Traubenzucker) aufgenommen wird. Glucose hilft dabei als Transporter im Dünndarm. Das Verhältnis von Fructose zu Glucose sagt generell etwas über die Verträglichkeit aus. Früchte mit einem Verhältnis Fructose : Glucose von größer 1 wie beispielsweise Apfel oder Birne verursachen eher Probleme als Früchte mit einem Verhältnis kleiner 1.

Hilfreich für Patienten mit einer Fructosemalabsorption ist ein Verhältnis von Fructose : Glucose kleiner 1. Das ist natürlicherweise bei einigen Früchten der Fall, Bananen beispielsweise bringen schon von Natur aus ein ausgeglichenes Verhältnis von Fructose zu Glucose mit. Man kann aber auch einen Trick anwenden und zusätzlich zur fructosehaltigen Mahlzeit ein Stück Traubenzucker zu sich nehmen, so wird die Fructoseaufnahme im oberen Dickdarm deutlich verbessert.

Auch Sorbit - wie übrigens alle Zuckeralkohole – kann in höheren Mengen zu Bauchweh, Blähungen und Durchfall führen, das trifft aber auch auf Gesunde zu. Insbesondere bei Sorbit konnte gezeigt werden, dass es die Aufnahme von Fructose im Dünndarm verschlechtert. Patienten mit einer Fructosemalabsorption sollten – zumindest während der ersten Karenzphase – auf Sorbit und andere Zuckeralkohole wie Xylit, Mannit, Isomaltit, Maltit oder Laktit, aber auch auf blähende und kohlensäurehaltige Lebensmittel verzichten.

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