Neurodermitis-Schübe atypische Nahrungsmittelallergien

Neurodermitis-Schübe durch atypische Nahrungsmittelallergien!

Neurodermitis-Schübe durch atypische Nahrungsmittelallergien

Neurodermitis-Patienten vermuten oft, dass Nahrungsmittel schuld daran sind, wenn sich Symptome an der Haut zeigen. Aber: Nur bei einem Drittel der Neurodermitis-Patienten kann man eine Allergie auf Nahrungsmittel tatsächlich nachweisen. Ein neuer Blick auf den Zusammenhang von Nahrungsmittelallergien und Neurodermitis könnte sich jedoch durch aktuelle Forschungserkenntnisse auftun, die in dem gerade erschienene Buch „Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI" vorgestellt werden. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. phil. Kristin Gisbert-Schuppan und Professor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan, Professor of Medicine an der Harvard Medical School in Boston, USA, und Leiter des Instituts für Translationale Immunologie und der Ambulanz für Zöliakie und Dünndarmerkrankungen am Universitätsklinikum Mainz, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Zöliakiegesellschaft und Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) über Neurodermitis-Schübe durch atypische Nahrungsmittelallergien.

Herr Prof. Schuppan, bei einer Studie an Reizdarm-Patienten haben Sie entdeckt, dass häufig Nahrungsmittelallergien die Ursachen der Beschwerden waren, wie kam es dazu?

Dprof detlef schuppan universitaetsklinikum mainz zu zoeliakieProfessor Dr. med. Dr. rer. nat. Detlef Schuppan.ie Studien an Patienten, die die Diagnose Reizdarm-Syndrom (RDS) erhalten hatten, wurdenzusammen mit Frau Prof. Fritscher-Ravens aus Kiel durchgeführt. Dabei wurden die Patienten mit Hilfe der konfokalen Laser-Endomikroskopie (einer Vergrösserungsendoskopie, die auch zelluläre Veränderungen während der Endoskopie in vivo erkennen lässt) untersucht. An der Dünndarmschleimhaut lassen sich so unmittelbar nach Provokation mit den Allergenen von Weizen, Milchproteinen, Soja und Hefe entzündliche Veränderungen nachweisen.

Das Ergebnis: Bei mehr als 50 Prozent der Patienten mit der Diagnose Reizdarm-Syndrom (RDS) lag tatsächlich eine Nahrungsmittelallergie vor. Davon reagierten 50 Prozent der Patienten allergisch auf Weizen und die anderen Patienten auf Milchproteine, Soja und Hefe. Interessanterweise traten die klinischen Symptome, wie Blähungen und Bauchschmerzen, meist erst nach einigen Stunden auf.

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Könnten auch Neurodermitis-Patienten häufiger als bislang angenommen von Nahrungsmittelallergien betroffen sein?

Wie ist bisher Allergie definiert? Klassischerweise über die Symptome und positive IgE-Antikörper gegen spezifische Allergene oder Allergengemische und/oder einen positiven Hauttest bzw. gegebenenfalls einen aufwendigen doppelblinden Provokationstest. Bei den meisten Nahrungsmittelallergien greifen diese Diagnosemethoden aber nicht, denn die klassischen laborchemischen Kriterien einer Allergie werden nicht erfüllt. Oft zeigen weder der Hauttest noch der Bluttest positive Ergebnisse.

Bei der direkten Provokation an der Dünndarmschleimhaut, gefolgt von der konfokalen Endomikroskopie, sind diese atypischen Nahrungsmittelallergien jedoch nachweisbar. Klinisch zeigt sich hier in der Regel keine klassische Sofortreaktion, sondern eine oft um Stunden verzögerte Spätreaktion in Form von Hautsymptomen, Bauch- oder allgemeinen Beschwerden.

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Was bedeutet diese Erkenntnis zu atypischen Nahrungsmittelallergien für bestimmte Neurodermitis-Patienten?

Die Dunkelziffer dieser atypischen Nahrungsmittelallergien ist enorm hoch, das zeigte sich ja bereits bei der gerade erwähnten Untersuchung an Reizdarm-Patienten, die bisher dadurch charakterisiert werden, dass sie mit den klassischen laborchemischen, bildgebenden und endoskopischen Methoden keine Hinweis auf eine entzündliche oder allergische Erkrankung haben. Hat man das Allergen jedoch identifiziert und meiden es die Patienten, sind sie sehr schnell beschwerdefrei.

Heute schon empfehle ich bestimmten Patienten, insbesondere wenn Kinder betroffen sind, vier Wochen weizenfrei zu leben und zu prüfen, ob sich das Beschwerdebild darunter bessert. Bei vielen Patienten hat das dramatische Effekte, und das war mit ein Grund für unser Buch „Tägliches Brot: Krank durch Weizen, Gluten und ATI“.

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