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Eosinophile Ösophagitis

Eosinophile Ösophagitis: Wie diagnostizieren, wie behandeln?

Eosinophile Ösophagitis: Wie diagnostizieren, wie behandeln?

Wenn das Schlucken zum Problem wird, kann eine eosinophile Ösophagitis (EoE) der Grund dafür sein. Aber wie kann man die EoE diagnostizieren? Und wie kann man sie behandeln, wenn die Diagnose gestellt ist? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Oliver Bachmann, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin 1 am Siloah St. Trudpert Klinikum Pforzheim.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Oliver Bachmann

Herr Prof. Bachmann, was ist eine eosinophile Ösophagitis?

Die eosinophile Ösophagitis (EoE) ist eine chronische, immunologisch bedingte Entzündung der Speiseröhre, die bevorzugt bei männlichen Patienten mit Altersgipfeln im Kindesalter und zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auftritt. Oft dauert es lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird.

Was bedeutet „eosinophil“ im Zusammenhang mit der Ösophagitis, was genau ist das?

„Eosinophil“ bedeutet, dass in Gewebeproben der Speiseröhre eine bestimmte Subgruppe von Immunzellen, nämlich die eosinophilen Granulozyten, gehäuft auftritt.

Wie häufig ist die eosinophile Ösophagitis?

Die eosinophile Ösophagitis ist nach der säurebedingten Ösophagitis, dem Sodbrennen, die zweithäufigste Ursache für eine chronische Speiseröhrenentzündung. Außerdem ist die EoE die häufigste Ursache von Schluckstörungen bei jungen Menschen. Sie kann als spezielle Form der Nahrungsmittelallergie bezeichnet werden. Hinzu kommt jedoch, dass Betroffene auch häufiger unter allergischen Erkrankungen der Atemwege und Ekzemen leiden. Die absolute Häufigkeit der eosinophilen Ösophagitis ist ansteigend. Bei speiseröhrenbedingten Beschwerden findet sich in 7 Prozent der Fälle eine EoE.

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Was ist die Ursache bzw. der Auslöser einer chronischen Speiseröhrentzündung infolge einer Eosinophilen Ösophagitis?

Heuschnupfen, Asthma und Ekzeme sind bei Patienten mit EoE signifikant häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Allerdings ist nicht erwiesen, dass eine allergische Veranlagung das Risiko für eine EoE erhöht.

Können Faktoren wie Stress, Alkohol und Rauchen eine EoE triggern?

Im Unterschied zur Refluxerkrankung (Sodbrennen) stellen diese Faktoren keine nachgewiesenen Trigger dar. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass beide Erkrankungen gleichzeitig vorhanden sein können.

Was sind die typischen Symptome einer Eosinophilen Ösophagitis?

Typische Symptome der eosinophilen Ösophagitis bei Erwachsenen sind:

  • Schluckstörungen
  • Aufstoßen
  • Sodbrennen
  • Engegefühl beim Schlucken
  • Bolusobstruktion der Speiseröhre („Steakhouse-Syndrom“)
  • Brustschmerzen

Typische Symptome der der eosinophilen Ösophagitis bei Kindern sind:

  • Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Sodbrennen
  • Schluckbeschwerden
  • Schmerzen hinter dem Brustbein
  • Aufstossen
  • Husten
  • Appetitlosigkeit bis zur Nahrungsverweigerung
  • Gedeihstörungen

Patienten mit eosinophiler Ösophagitis klagen manchmal auch über Müdigkeit, is das überhaupt ein EoE-Symptom und wenn ja, worauf ist das Symptom „Müdigkeit“ bei einer EoE zurückzuführen?

Müdigkeit ist bei chronischen gastrointestinalen Erkrankungen ein sehr wichtiges Symptom, das zunehmend untersucht und für eine reduzierte Lebensqualität verantwortlich gemacht wird. Allerdings ist Müdigkeit speziell bei der EoE kein typisches oder häufig berichtetes Symptom.

Wie sieht die Diagnostik bei der EoE aus?

Wichtig für die Diagnosestellung der allergischen Speiseröhrenentzündung ist die Magenspiegelung, bei der mindestens sechs Biopsien aus verschiedenen Abschnitten der Speiseröhre genommen werden.

Gibt es Blutwerte, die bei einer EoE auffällig sind?

Derzeit existieren keine Biomarker wie IgE oder Marker eosinophiler Granulozyten, die eine ausreichende Genauigkeit für die Diagnosestellung aufweisen.

Welche Therapieoptionen stehen bei der Behandlung der EoE zur Verfügung?

Therapieprinzipien sind eine Hemmung der Magensäure, lokal wirksame Cortisonpräparate, und Diätverfahren. Es kann nicht vorhergesagt werden, welche Therapie beim individuellen Patienten am besten hilft. Hier sind der Patientenwunsch, Durchführbarkeit, vorherige Behandlungen, Lebensqualität und andere Faktoren zu berücksichtigen. Bei Engstellen der Speiseröhre kann eine Aufweitung im Rahmen einer Magenspiegelung erfolgen.

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Mit welcher Therapiedauer ist bei der eosinophilen Ösophagitis zu rechnen?

Bei einer zeitlich befristeten Therapie kommt es häufig zu einer Wiederauftreten der EoE, so dass meist eine längerfristige Therapie notwendig ist.

Kann man eine Eosinophile Ösophagitis natürlich behandeln bzw. heilen?

Eine zusätzliche Möglichkeit der Behandlung der allergischen Speiseröhrenentzündung stellt die Vermeidung von bestimmten Nahrungsmitteln dar. Hierbei ist jedoch die Orientierung an Allergietests kein erfolgreiches Konzept; vielmehr müssen Nahrungsmittelgruppen (six-food-, four-food-, two-food-elimination diet) im Rahmen einer Auslassdiät vermieden werden. Eine Diät ohne Kuhmilchprotein, Weizen, Ei, Soja, Baumnüsse und Meeresfrüchte ist in 75 Prozent der Fälle wirksam.

Gibt es Medikamente, die bei der allergischen Speiseröhrenentzündung helfen können?

Bei einem Teil der Patienten führt eine medikamentöse Hemmung der Magensäure langfristig zu einer Besserung von Beschwerden und Gewebebefund. Eine weitere, sehr wirkungsvolle Behandlung ist die lokale Gabe von Steroiden, das sind Cortisonpräparate.

Helfen Biologika (monoklonale Antikörper) bei der EoE?

Biologika werden derzeit in klinischen Studien getestet, im Routineeinsatz befindet sich noch kein derartiges Präparat

Wie wird geprüft, ob eine Therapie wirksam ist?

Ein wichtiger Anhaltspunkt sind auch hier rückläufige Symptome. Nach 6 bis 12 Wochen sollte der Therapieerfolg zusätzlich endoskopisch kontrolliert werden.

Welche langfristigen Auswirkungen oder Risiken bestehen, wenn die EoE nicht erkannt wird?

Die unbehandelte EoE geht mit fortbestehender Entzündung und Symptomen einher. Durch Umbauvorgänge können sich Engstellen der Speiseröhre entwickeln. Die Lebensqualität ist deutlich beeinträchtigt.

Ein erhöhtes Krebsrisiko hat man bei einer eosinophilen Ösopahagitis nicht und auch die Lebenserwartung wird durch eine eosinophile Ösophagitis nicht eingeschränkt.

Herr Prof. Bachmann, herzlichen Dank für dieses Interview!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.