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Kuhmilchallergie Kinder

Mandy Ziegert, Medizinische Ernährungsberaterin, DRK Kliniken Berlin

Kuhmilch Allergie bei Kindern: Symptome, Diagnose und Tipps für Eltern

Die Allergie gegen Kuhmilch gehört, ähnlich wie die Allergie gegen Hühnerei und Erdnüsse, zu den häufigsten Allergien im Kindesalter. Oft besteht sie bereits bei Säuglingen und in vielen Fällen (80%) kann die Kuhmilch Allergie sich auch wieder verlieren. Wie erkennt man eine Kuhmilch Allergie beim Baby? Was muss man dann beachten und unter welchen Umständen kann sie sich wieder verlieren? Mein Allergie Portal sprach mit Mandy Ziegert, Medizinische Ernährungsberaterin, DRK Kliniken Berlin, über Fragen, die für Eltern in diesem Zusammenhang interessant sind.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Mandy Ziegert

Frau Ziegert, woran merken die Eltern, dass ihr Baby eine Kuhmilch Allergie hat? Welche Symptome treten typischerweise auf?

Leider können die Symptome sehr unterschiedlich sein - von sehr milden Reaktionen bis hin zu sehr schweren Reaktionen – hier ist die ganze Bandbreite möglich. Am häufigsten kann man bei der Kuhmilch Allergie eine Reaktion an der Haut beobachten. Das wäre dann eine Nesselsucht – der medizinische Begriff ist Urtikaria – die am ganzen Körper, auch im Gesicht, auftreten kann. Die Ausprägung der Nesselsucht kann sehr unterschiedlich sein. Es kann auch zu Schwellungen im Gesicht kommen, z.B. an den Ohren oder an den Augen, was man auch als Angioödem oder QuinkeÖdem bezeichnet. Häufig sieht man bei einer Kuhmilch Allergie auch Erbrechen. Wenn dieses Erbrechen länger andauert, kann es auch zu einem Gewichtsverlust kommen. Auch Durchfall ist denkbar.

Wie unterscheiden sich diese von den üblichen kindlichen Verdauungsstörungen? Wann sollten Eltern einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft aufsuchen?

Treten die beschriebenen Symptome stark ausgeprägt und in nahem zeitlichen Zusammenhang zum Verzehr eines kuhmilchhaltigen Lebensmittels, wie z.B. einer Milchflasche oder einem Milchbrei auf, liegt der Verdacht auf eine Kuhmilchallergie nahe. Bei Reaktionen wie Erbrechen oder Durchfall auf eine Milchnahrung, welche jedes mal nach Verzehr auftreten, sollte man hellhörig werden. Natürlich sollte man hier auch überprüfen, ob eventuell ein Infekt vorliegt. Wenn man jedoch nach einer Pause, in der man keine kuhmilchhaltige Nahrung gibt, erneut die gleichen Symptome vorfindet, sollte eine gründliche Diagnose erfolgen. 

Ein weiterer Hinweis ist es, wenn die Symptome kombiniert auftreten. Zwar sind auch einzelne Symptome möglich, aber in der Regel  treten zwei Reaktionsarten gemeinsam auf, also z.B. Erbrechen und zusätzlich ein Ausschlag in Form einer Rötung oder Nesselsucht.

Macht sich die Kuhmilch Allergie tatsächlich immer schon im Säuglingsalter bemerkbar, oder kann sie auch erst beim Kleinkind auftreten?

Die Kuhmilch Allergie ist eine Allergie, die im Säuglingsalter auftritt. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Kind Kuhmilch bis zum dritten Lebensjahr verträgt und dann plötzlich eine Allergie entwickelt. Eine Reaktion erfolgt deshalb in der Regel nach der ersten oder zweiten Milchmahlzeit, unabhängig vom Alter des Kindes.

Ist dann auch die Muttermilch unverträglich? Wie sieht es aus mit, z.B. Ziegenmilch, Schafsmilch?

Bei der klassischen Kuhmilch Allergie wird die Muttermilch vertragen. Es gibt eine seltene Sonderform, bei der manchmal auch die Muttermilch unverträglich sein kann, aber dies ist bei der klassischen Kuhmilch Allergie nicht der Fall. Deshalb bemerkt man dies auch erst dann, wenn auf Flaschennahrung umgestellt wird.

Milch von Ziegen, Schafen etc. ist allerdings bei einer Kuhmilch Allergie ebenfalls nicht geeignet. Das auslösende Allergen bei der Kuhmilch ist ein Milcheiweiß, das mit dem der Schafsmilch oder Ziegenmilch zu 90 Prozent übereinstimmt. Wenn man auf Kuhmilch allergisch reagiert, kommt es deshalb auch zu allergischen Reaktionen auf Ziegenmilch oder Schafsmilch.

Welche Ersatzprodukte sind bei einer Kuhmilch Allergie empfehlenswert? Es gibt Haferdrink, Sojadrink, Mandeldrink, Kokosdrink etc. – was empfehlen Sie?

Eine Kuhmilch Allergie wird bei einem Säugling klassischerweise im Alter von fünf bis sechs Monaten diagnostiziert, weil dann der erste Brei oder die erste Flasche gegeben wird. In diesem Alter würde man keine der genannten Drinks als Ersatz verwenden, denn diese stellen die Nährstoffversorgung in diesem Alter nicht sicher. Vielmehr würde man Spezialnahrungen, wie z.B. extensiv hydrolysierte Nahrungen verabreichen. D.h. durch die Hydrolyse wird das Eiweiß der Milch in so kleine Partikel gespalten, dass es im Körper keine allergischen Reaktionen mehr auslösen kann. Das Eiweiß muss eine bestimmte Größe unterschreiten, damit das Immunsystem es nicht mehr als Allergen erkennt. Dies wird zum einen durch die Hydrolyse möglich. Zum anderen gibt es Nahrungen, deren Eiweißbestandteil nur noch aus Aminosäuren besteht, die sogenannten Aminosäurenahrungen bzw. Elementardiäten.

Bei diesen Nahrungen werden zwar die Eiweiße verändert, aber der Gehalt an Fett, Kohlenhydraten, Vitaminen und Mineralstoffen ist identisch mit der klassischen Säuglingsnahrung. Deshalb handelt es sich hierbei um vollwertige Ersatznahrungen - der Geschmack ist allerdings anders. Sowohl die extensiv hydrolysierten Nahrungen als auch die Aminosäurenahrungen sind auf Rezept in der Apotheke erhältlich und man darf sie nicht mit den hypoallergenen Nahrungen verwechseln, welche auch in den Drogerien erhältlich sind. Diese Spezialnahrungen sind auch nicht billig –  eine Dose kostet 35,- bis 40,- Euro. Deshalb nutzt man diese Nahrungen überwiegend im ersten Lebensjahr.

Ab dem ersten Lebensjahr kann man dann Sojadrinks als Alternative nutzen und dies wird dann auch meist gut vertragen. Man gibt Soja allerdings nicht unter dem ersten Lebensjahr, weil Soja eventuell hormonverändernde Wirkungen haben könnte. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob Soja in den Hormonhaushalt eingreift. Dies ist eine präventive Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung.

Mit der potenziellen allergenen Wirkung von Soja hat diese Empfehlung nichts zu tun. Das Risiko, eine Soja Allergie zu entwickeln, steigt allerdings an, je früher man Soja in den Speiseplan des Kindes aufnimmt. So ist das Risiko, z.B. im vierten Monat größer als im zwölften Monat. Dann ist das Risiko deutlich geringer – Soja steht auf der „Allergiehitliste“ auf Platz 7.

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Die Haferdrinks, Mandeldrinks und Kokosdrinks empfehlen Sie also nicht?

Diese Drinks eignen sich nicht als vollwertige Ersatznahrung, denn die darin enthaltenen Eiweiße sind nicht hochwertig genug und auch der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen ist nicht altersentsprechend und entspricht nicht denen der Milch bzw. der Spezialnahrungen.

Diese Drinks kann man dann nutzen, wenn die Kinder, so ab ca. 12 Monaten, bereits auf ein breiteres Nahrungsmittelangebot zugreifen und schon Getreide, Obst, Gemüse, Fleisch etc. essen. Dann bestehen auch andere Quellen für Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe und die Drinks eignen sich zur Zubereitung von Speisen oder als zusätzliches Getränk. In der Regel enthalten die Drinks bereits Kalziumzusätze und Kalzium ist, neben dem Eiweiß und der B-Vitamine, eines der wichtigsten Inhaltsstoffe der Milch. Grundsätzlich ist das Nährstoffangebot dieser Drinks allerdings nicht so ausgewogen, wie bei der Milch. Sojadrinks sind dann eher eine Alternative, denn sie enthalten hochwertiges Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.

Im Zusammenhang mit Kuhmilch Allergie ist oft auch die Rede von Laktoseunverträglichkeit. Kann diese Erkrankung auch Kinder betreffen?

Mit der Kuhmilchallergie hat die Laktoseintoleranz nichts zu tun und eine Laktoseunverträglichkeit im Säuglings- und Kleinkindalter ist eher selten. Es handelt sich dabei um einen Enzymmangel, der dazu führt, dass der in der Nahrung vorhandenen Milchzucker nicht aufgespalten wird. Die Symptome manifestieren sich deshalb über den Magen-Darm-Trakt. Die typische Symptome sind hier Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Je älter die Kinder werden, desto häufiger kommt die Laktoseunverträglichkeit allerdings vor – sie kann sich im Kleinkindalter bis zum Erwachsenen manifestieren. Die Ausprägung der Laktoseintoleranz ist individuell unterschiedlich, aber im Gegensatz zur Kuhmilchallergie verschwindet sie nicht.  

Wie wird bei der Kuhmilch Allergie die richtige Diagnose gestellt?

Wichtig bei der Diagnose ist grundsätzlich die Kombination von Arzt und Ernährungsberatung. Der erste Schritt ist die Anamnese. Hier würde man untersuchen, ob es bereits ein allergisches Ereignis, z.B. im Zusammenhang mit einem Milchbrei gab. In Kombination mit der Anamnese erfolgt ein Haut-Pricktest, der die Größe der entstehenden Quaddeln misst, oder ein Bluttest - meist wird eine Blutentnahme vorgenommen.

Für beide Tests gilt allerdings, dass sie nicht 100prozentig aussagekräftig sind, weil sie "nur" eine Sensibilisierung wiederspiegeln. Eine Sensibilisierung auf ein Allergen heißt aber noch nicht zwingend, dass das Kind die betreffenden Speisen wirklich nicht verträgt. Diese Tests sind deshalb nur ein Baustein in der Diagnostik, deswegen würde man noch keine Diät verordnen.

Wichtiger ist die Anamnese, denn wenn es bereits ein allergisches Ereignis gab, kann die Diagnostik das Bild abrunden. Umgekehrt kann man, z.B. bei einer bestehenden Neurodermitis, durch den Pricktest und Bluttest untersuchen, ob zusätzlich eine Nahrungsmittelallergie besteht. Ergeben sich daraus Anhaltspunkte, muss diese Diagnose mit einem Provokationstest überprüft werden – man geht also schrittweise vor.

Wie geht man bei einem Provokationstest vor?

Mit einer Provokation ist schon ein gewisser Aufwand verbunden und sie muss stationär, also im Krankenhaus, erfolgen. Zunächst muss beim Kind ein Zugang gelegt werden, so dass im Falle, z.B. eines allergischen Schocks oder einer schweren Nesselsucht, schnell Medikamente zugeführt werden können. Beim Test auf Kuhmilch gibt man diese zunächst in einer kleinen Menge und macht eine Pause, dann steigert man die Menge und macht wieder eine Pause usw.. Die Pausen sind wichtig, denn die allergische Reaktion tritt nicht immer sofort ein, sie kann auch mit 20 bis 30 Minuten Verzögerung oder später eintreten. Deshalb muss man nach jeder Dosissteigerung entsprechend warten. Eine Provokation auf Milch wird deshalb mindestens 1 bis 2 Stunden dauern, bzw. bei einer doppelblind-placebo-kontrollierten oralen Nahrungsmittelprovokation kann auch ein Krankenhausaufenthalt von bis zu vier Tagen nötig sein.

Wenn die Diagnose eindeutig ist, worauf müssen Eltern bei der Ernährung ihres Kindes achten, wenn es von einer Kuhmilch Allergie betroffen ist?

Wenn die Diagnose "Kuhmilch Allergie" eindeutig gestellt wurde würde man eine Eliminationsdiät beginnen und Milch und Milchprodukte für 12 bis 18 Monate aus dem Speiseplan streichen. Je nach Alter, müsste man die Milch dann mit Spezialnahrungen ersetzen - dies gilt für Säuglinge unter 12 Monaten - oder, nach dem ersten Lebensjahr, bei guter Verträglichkeit, auch mit Sojaprodukten. Dies müsste individuell mit dem behandelnden Arzt und dem Ernährungsberater abgestimmt werden. Nach 12 bis 18 Monaten müsste man erneut testen, ob die Kuhmilch Allergie noch besteht.

Die Kuhmilch Allergie muss nicht dauerhaft bestehen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Kuhmilch Allergie verliert?

Die Prognose bei einer Kuhmilch Allergie ist gut. Ungefähr 80 Prozent der Kinder verlieren die Kuhmilch Allergie bis zum Schulalter wieder. Deshalb macht man auch alle 12 bis 18 Monate einen Test um zu sehen, ob dies vielleicht schon der Fall ist. Es gibt auch Kinder, die bereits nach 18 Monaten, drei oder vier Jahren die Kuhmilch Allergie verlieren. Es gibt aber auch Fälle, bei denen dies erst nach 10 Jahren der Fall ist. Beim überwiegenden Teil der Kinder verliert sich die Kuhmilch Allergie aber nach ca. 6 Jahren.

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Gibt es Faktoren, die sich negativ auf das "Verschwinden" der Kuhmilch Allergie auswirken?

Ungünstig wirkt es sich aus, wenn beim Kind zusätzlich eine Neurodermitis besteht oder wenn der Sensibilisierungsgrad im Blut sehr hoch ist. In diesen Fällen kann die Kuhmilch Allergie länger bestehen bleiben. Untersuchungen haben gezeigt, dass dies nicht in allen Fällen so ist, aber das Risiko besteht. Man würde aber dennoch auch bei diesen Kindern die Diagnose nach 18 Monaten überprüfen um zu sehen, ob die Allergie verschwunden oder zumindest besser geworden ist.

Wie können Eltern sicherstellen, dass ihre Kinder durch den Verzicht auf Kuhmilch keinen Nährstoffmangel erleiden? Welche Gefahren bestehen ansonsten und wie vermeidet man sie?

Die drei wichtigsten Bausteine für die Ernährung, die die Milch liefert, sind Kalzium, Eiweiß und die B-Vitamine. Dies lässt sich, ab einem gewissen Alter, auch durch Sojadrinks ersetzen, die in der Regel Kalzium und hochwertiges Eiweiß enthalten. Es gibt bereits Sojadrinks, die auch B-Vitamine enthalten. Ansonsten ist eine ausgewogene Mischkost entsprechend der Ernährungspyramide zu empfehlen. Problematisch wird es dann, wenn noch weitere Nahrungsmittelallergien bestehen, oder wenn ein Kind sehr einseitig isst. Hier kann dann mit Hilfe eines Ernährungsprotokolls zusammen mit einer Ernährungsberatung ein individueller Speiseplan entwickelt werden, zumal sich das Essverhalten der Kinder mit zunehmendem Alter ändern kann. Dann ist es sinnvoll in gewissen Abständen mit Hilfe eines Ernährungsprotokolls zu untersuchen, wie ausgewogen der Speiseplan des Kindes ist, ob etwas ergänzt werden sollte und ob die Gefahr einer Fehlernährung besteht. Nur wenn dies nicht anders möglich ist, sollte man Vitaminpräparate etc. in Erwägung ziehen.

Frau Ziegert, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.