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Schluckbeschwerden EoE

Schluckbeschwerden? Ist es eine EoE?

Schluckbeschwerden? Ist es eine EoE?

Schluckbeschwerden sind ein gar nicht so seltenes Phänomen und oft steckt eine Eosinophile Ösophagitis, eine sogenannte EoE, dahinter. Bei der EoE handelt es sich um eine allergische Entzündung der Speiseröhre, meistens ausgelöst durch Lebensmittel. Wer aber denkt schon bei Schluckbeschwerden an eine allergische Ursache? Selbst unter Gastroenterologen ist das Krankheitsbild oftmals nur schlecht bekannt. Das ist bedauerlich, denn meist verbirgt sich hinter diesem Engegefühl im Hals eine ernst zu nehmende organische Erkrankung. MeinAllergiePortal sprach mit dem Zweitbeschreiber der EoE, Prof. Dr. med. Alex Straumann, Facharzt für Gastroenterologie FMH und Leiter des Swiss EoE Research Network über Schluckbeschwerden durch Allergie und die Erkrankung.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Alex Straumann

Herr Prof. Straumann, wie häufig kommt es zu Schluckbeschwerden bzw. wie oft tritt die EoE auf?

Schluckbeschwerden sind recht häufig und können ganz verschiedene Ursachen, zum Beispiel Tumore und Entzündungen der Speiseröhre, aber auch Motilitätsstörungen, haben. Eine sorgfältige Anamnese hilft dem Arzt die Weichen für weitere Abklärungen, und damit eine genaue Diagnose zu stellen. Die Prävalenz der EoE, man nennt sie auch „Asthma der Speiseröhre“, liegt aktuell in Europa und den USA zwischen 30 und 55 diagnostizierter Fälle pro 100.000 Einwohner. Umgerechnet heisst das, dass unter 2.000 bis 4.000 Einwohnern in Europa und in Nordamerika ein Patient mit diagnostizierten Eosinophilen Ösophagitis lebt. Die EoE ist somit keine sehr häufige Erkrankung, aber sicher keine Rarität.

Nimmt die Zahl der Patienten mit Schluckbeschwerden zu?

Die Anzahl der an einer EoE Erkrankten hat in den letzten Jahren massiv zugenommen, und zwar nicht nur weil man das Krankheitsbild jetzt besser kennt, und damit vermehrt sucht und diagnostiziert. Mehrere Studien haben nämlich übereinstimmend gezeigt, dass eine echte Zunahme der Krankheits-Häufigkeit vorliegt.

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Seit wann kennt man die Erkrankung "Schluckbeschwerden"?

Das Krankheitsbild der Eosinophilen Oesophagitis wurde 1993 von Steven Attwood und 1994 von Alex Straumann erstmals als eigenständige Entität erkannt und beschrieben. Wir haben gute Hinweise darauf, dass die EoE in den 80er Jahren erstmals auftrat, in Nordamerika und Europa parallel, und davor nicht existierte.

Danach kam es zu EoE-Fällen in Australien und jetzt mehr und mehr auch im Fernen Osten und in Südamerika. Zieht man die Tatsache in Betracht, dass sich die Diagnose der Eosinophilen Ösophagitis nach Auftreten der Erkrankung durchschnittlich um 5 bis 6 Jahre verzögert, muss man zudem von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.

Was bedeutet es für die Patienten, wenn bei Schluckbeschwerden oft lange nicht an eine allergische Entstehung gedacht wird?

Wird die Ursache der Schluckbeschwerden nicht erkannt, plagen sich diese Menschen oft jahrelang mit diesem unangenehmen „Kloß im Hals“ und dem nicht voraussehbaren Risiko von langdauernden Verschlüssen der Speiseröhre. Die Betroffenen ändern ihr Essverhalten, konkret sie kauen vorsichtig, vermeiden faserige und trockene Speisen und trinken stets reichlich Flüssigkeit zu den Mahlzeiten. Oft müssen sie eingeklemmte Speisen zurückwürgen oder sie versuchen mit Wasser dieselben in den Magen hinab zu befördern. Falls diese Massnahmen nicht erfolgreich sind, sind sie gezwungen notfallmässig einen Arzt aufzusuchen. Langdauernde Einklemmungen von Speisen sind nicht nur äusserst unangenehm, sondern auch gefährlich wegen dem Risiko von schweren Verletzungen der Speiseröhre und Aspirationspneumonien.

Was hält Patienten mit Schluckbeschwerden davon ab, zum Arzt zu gehen?

Das Symptom „Solid Food Dysphagia“, das heisst verzögerter Transport von soliden Speisen von der Mundhöhle in den Magen, wird im Allgemeinen noch nicht als Alarmsymptom wahrgenommen. Da sich aber hinter diesen Beschwerden praktisch immer eine organische Krankheit der Speiseröhre verbirgt – im besten Fall eine EoE, im schlimmsten Fall Krebs der Speiseröhre – ist es ein echtes Alarmsymptom und sollte so ernst genommen werden wie die Beobachtung von Blut im Stuhlgang. Solid Food Dysphagia ist aber praktisch nie eine funktionelle oder stressbedingte Störung, und zudem kann Stress auch nicht eine EoE auslösen oder verschlimmern.

Und woher weiss man, dass das „Asthma der Speiseröhre“ vor den 80er Jahren nicht existierte?

Man nimmt das aufgrund der folgenden Beobachtung an: Patienten mit einer EoE leiden durchschnittlich während 5 bis 6 Jahre unter Schluckbeschwerden, bevor sie zur Abklärung einen Gastroenterologen aufsuchen. Bei fast der Hälfte der Patienten wird die Diagnose erst gestellt, wenn eine langanhaltende Einklemmung sie zwingt eine Notfallstation aufzusuchen. Einklemmungen von Speisen wurden zwar bereits vor Jahren ab und zu beobachtet, vor allem nach Schlucken von Fischgräten, Poulet-Knochen oder Münzen und Knopfbatterien bei Kindern. Dass aber „normale“ Speisen, zum Beispiel Trocken-Reis, hartes Brot, faseriges Fleisch und Gemüse in der Speiseröhre stecken bleiben gab es früher praktisch nicht. Diese Ereignisse aber werden heute auf Notfallstationen immer öfters beobachtet. Daraus schließen wir, dass es die EoE vor den 80er Jahren nicht gab.

Gibt es Risikofaktoren für Schluckbeschwerden – wer ist besonders betroffen?

Es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko, an einer EoE zu erkranken, erhöhen. Grundsätzlich sind Männer von Schluckbeschwerden deutlich stärker betroffen als Frauen. 75 Prozent der EoE-Patienten sind Männer, nur 25 Prozent sind Frauen, das ist genetisch bedingt.

Ebenfalls ein höheres Risiko für Schluckbeschwerden findet man bei Menschen, die mit allergischen Krankheiten vorbelastet sind. Etwa 70 Prozent der EoE-Patienten haben bereits Allergien, wenn sie mit einer Eosinophilen Ösophagitis diagnostiziert werden. Bei Kindern bestehen häufig Nahrungsmittel-Allergien, bei Erwachsenen überwiegen die Atemwegs-Allergien, wie die allergische Rhinokonjunktivitis oder Asthma.

Gibt es neben dem Geschlecht und bestehenden Allergien weitere Faktoren, die das Entstehen von Schluckbeschwerden begünstigen?

Es gibt auch eine erbliche Komponente bei der Allergie der Speiseröhre. Wenn eine Frau an EoE erkrankt ist, liegt das Risiko, dass eines ihrer Kinder ebenfalls eine EoE entwickelt, bei 40 Prozent – bei Männern ist es deutlich kleiner.

Weiter gibt es bei der EoE ein auffallendes Phänomen, das sich sowohl in Europa als auch in den USA zeigt und wofür es noch keinerlei Erklärung gibt: Ein Grossteil der EoE-Patienten ist sehr gut ausgebildet. Viele Patienten sind Akademiker, Studenten oder kommen aus Akademikerfamilien. Man kann sagen, dass von 10 Patienten mit Schluckbeschwerden, 7 einen Hochschulabschluss haben bzw. in leitenden Positionen tätig sind.

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Ist neben der Vererbung und dem Bildungsstand auch das Alter ein Risiko für die Allergie der Speiseröhre?

Nein, Schluckbeschwerden können in jedem Lebensalter erstmals auftreten. Aber die Spitze der Erkrankungen findet man bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.

Zusammenfassend kann man sagen: Der typische EoE Patient ist männlich und jung, ist am Studieren oder hat bereits einen Hochschulabschluss gemacht, hat eine Vorgeschichte von Allergien und hat eventuell einen Verwandten, welcher ebenfalls unter Schluckbeschwerden leidet. Er ist aber prinzipiell gesund und leistungsfähig, also nicht von einer Krankheit gezeichnet.

Können Schluckbeschwerden gefährlich werden?

Ja, und zwar wegen den unvorhersehbaren, langdauernden Einklemmungen. Glücklicherweise aber hat bis jetzt noch kein Patient, aufgepfropft auf eine EoE, ein Ösophagus-Karzinom entwickelt. Allerdings beobachtet man die Erkrankung noch nicht lange genug, um definitiv Entwarnung geben zu können. Nach gestellter Diagnose und eingeleiteter Therapie sollte deshalb eine jährliche Kontrolle erfolgen.

Kennt man die Ursachen für die Schluckbeschwerden?

Anfänglich wussten wir bei der EoE nicht, ob es sich um eine Autoimmunerkrankung oder um eine Allergie handelt. Autoimmun wäre eine Folge eines internen Auslösers, während allergisch eine gestörte Antwort des Immunsystems auf einen äusserlichen Faktor bedeutet. Seit mehreren Jahren liegen uns jedoch ausreichend Daten vor und wir wissen, dass wir es hier mit einer Allergie zu tun haben, und zwar um eine spezielle Form einer Nahrungsmittelallergie, einer nicht IgE-vermittelten Spätphasen-Allergie.

Die Ursachen von Allergien sind ja ebenfalls nicht bekannt…

Zur Ursache von Allergien, und alle Allergien nehmen zu, gibt es verschiedenen Hypothesen und eine davon ist die Hygienehypothese. Letztlich ist noch nicht bewiesen, welches die Ursachen für die Zunahme allergischer Erkrankungen sind. Aber die Art und Weise der zunehmenden Verbreitung der Allergie der Speiseröhre entspricht dem Verbreitungsweg der Allergien in den industrialisierten Ländern.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die folgende Beobachtung: Es wurden mehrere Fälle von Patienten beschrieben, die im Rahmen einer sub-lingualen Immuntherapie (SLIT) gegen Pollenallergien eine EoE entwickelt haben. Das Allergen kommt bei der sub-lingualen Immuntherapie in sehr intensiven Kontakt mit dem Ösophagus. Bei den meisten Patienten war die EoE allerdings reversibel. Das bedeutet die Allergie der Speiseröhre hat sich nach Abschluss der Behandlung zurückgebildet. Dies zeigt, dass ein Kontakt der Speiseröhrenschleimhaut mit einem Allergen eine eosinophile Entzündung auslösen kann.

Sie sagten, dass die Eosinophile Ösophagitis gehäuft bei Allergikern auftritt; ist sie dennoch eine eigenständige allergische Erkrankung?

Ja, die Eosinophile Ösophagitis ist eine eigenständige allergische Erkrankung, die über andere Mechanismen abläuft als die bekannten IgE-vermittelten Allergien. Zur Illustration: Beim Oralen Allergiesyndrom (OAS), einer IgE-vermittelten Allergie, kann zum Beispiel der Kontakt der Mundschleimhaut mit Baum-Nüssen akut zu Symptomen wie dem Anschwellen der Mundschleimheut und einem Engegefühl in Mund und Rachen führen. Dabei handelt es sich um eine allergische Sofortreaktion von Typ I. Im Blut des Patienten lassen sich spezifisches IgE auf Baum-Nüsse nachweisen. Ebenso ist eine Pollenallergie, bei der die Patienten auf den Pollenflug ihres Allergenes sofort mit Niesen, Nase laufen und Juckreiz reagieren, eine typische IgE-vermittelte Allergie. Bei den IgE-vermittelten Allergien lassen sich die Auslöser oftmals mit den klassischen Allergie-Tests nachweisen. Bei der EoE kommen aber andere Mechanismen zum Tragen.

Was passiert im Körper, wenn man eine EoE hat?

Noch können wir nicht vollständig verstehen, welche Mechanismen bei den allergischen Schluckbeschwerden eine Rolle spielen. Die Immunglobuline der Klasse IgE scheinen nicht von zentraler Bedeutung zu sein. Wir sehen aber, dass bei den EoE- Patienten die Immunglobuline der Klasse IgG4 in Serum und Gewebe, massiv erhöht sind. Nur kennen wir die Bedeutung noch nicht genau. Man bezeichnet die EoE deshalb als IgG4-assoziierte Allergie. Eine wichtige Rolle spielen bei der EoE auch T-Zellen, eine Untergruppe der Lymphozyten.

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Gibt es bei der Eosinophilen Oesophagitis unterschiedliche Schweregrade oder Ausprägungen?

Ja, die gibt es. Selbst wenn in einer Familie mehrere Mitglieder von einer EoE befallen sind, findet man unterschiedliche Schweregrade. Das bedeutet, bei dem einen Familienmitglied kommt es nur zu sehr leichten Schluckbeschwerden, während das andere unter einer sehr schweren EoE leidet.

Es gibt auch unterschiedliche Ausprägungen der Schluckbeschwerden. Zum Beispiel gibt es den reinen Entzündungs-Typus oder den Fibrose-Typ, bei dem es auch zu Verdickungen der Speisröhrenwand kommt.

Bei den Frühformen der Schluckbeschwerden, das heisst bei Kindern, dominiert zunächst die Entzündung. Mit der Zeit kommt ein Organumbau, das heißt, ein Remodeling, hinzu und es kommt zu einer Verdickung an der Wand der Speiseröhre. Beides kann zu Schluckbeschwerden führen.

Bei den Erwachsenen zeigt sich meist ein Mischbild, eine Kombination von Entzündung und Verdickung der Speiseröhre.

Sie hatten erwähnt, dass Patienten mit Schluckbeschwerden oft sehr spät zum Arzt gehen; was kann passieren, wenn die Schluckbeschwerden unbehandelt bleiben?

Eine unbehandelte EoE kann eine Bindegewebsvermehrung in der Wand der Speiseröhre auslösen.1 In einer eigenen Studie an unbehandelten EoE-Patienten haben wir mit Hilfe einer Ultraschalluntersuchung festgestellt, dass deren Speiseröhre eine Wandstärke von 4 bis 5 mm hatte.2 Eine gesunde Speiseröhre hingegen hat lediglich eine Wandstärke von 1 bis 2 mm. Aus der Speiseröhre, die eigentlich ein dünnwandiger, elastischer Schlauch ist, wird ohne Behandlung der Entzündung ein starres dickes Rohr. Dieses Phänomen, welches auch beim Asthma in den Atemwegen bekannt ist, wird als „Remodeling“ bezeichnet. Zusätzlich kann es zu einer Verengung der Speiseröhre kommen, sogenannten Strikturen. In manchen Fällen ist es nicht einmal möglich, mit dem Endoskop zu passieren. Man spricht hier auch von einem Organumbau kombiniert mit Funktionsverlust.

Welches sind die typischen Symptome der Eosinophilen Oesophagitis bei Jugendlichen und Erwachsenen?

Das Leitsymptom der EoE beim Erwachsenen ist die Dysphagie, das heißt Würgen, verzögerte Passage und sogar plötzliche Schluckblockaden beim Schlucken solider Speisen, bis hin zum Speiseröhrenkrampf. Die EoE-Patienten beschreiben häufig, ein Engegefühl im Hals und dass der Speisebrei in der Speiseröhre immer wieder steckenbleibt und jeweils kürzer oder länger an einer Stelle bleibt. Die Speisen rutschen dann entweder verzögert oder im Extremfall gar nicht in den Magen. Sobald der Transportvorgang aber abgeschlossen ist, sind die Patienten wieder beschwerdefrei. Wichtig: Etwa die Hälfte der EoE-Patienten leiden zusätzlich noch an einem Brennen hinter dem Brustbein. Dieses Brennen wird oftmals als Reflux bzw. Sodbrennen fehlgedeutet, weil dies die häufigste Form der Ösophagitis ist. Beim Sodbrennen beginnt das Brennen jedoch im Oberbauch und steigt dann in der Speiseröhre nach oben. Bei der EoE hat das Brennen eine fixe, stabile Lokalisation und ist nicht aufsteigend.

Wie äusserst sich die Eosinophile Oesophagitis bei Kindern, was sind die Anzeichen?

Kinder mit Eosinophile Ösophagitis haben ein viel weiter gefächertes Beschwerdespektrum. Da kleine Kinder sich oft noch nicht artikulieren können, ist der wichtigste Hinweis auf eine EoE bei Kindern die Nahrungsverweigerung. Damit einhergehen Gedeihstörungen, ein stagnierendes Gewicht und ein stagnierendes Längenwachstum. Auch Schmerzen in weiten Bereich von Brust und Bauch, Erbrechen und sogar Durchfall können bei Kindern durch die Eosinophile Ösophagitis verursacht werden. Beim Erbrechen ist es oft nicht leicht zu unterscheiden, ob es sich tatsächlich um aus dem Magen Erbrochenes handelt, oder ob es Regurgitation ist. Bei einer Regurgitation handelt es sich um Speisen, die nie im Magen angekommen sind, weil sie im Ösophagus steckengeblieben sind und dann wieder hochgewürgt werden.

Könnten EoE-Patienten auch an den Speisen, die im Ösophagus steckenbleiben, ersticken?

Ein Ersticken ist eigentlich nicht möglich, aber die Schluckbeschwerden können sehr unangenehm und angsteinflößend sein. Wenn die Speiseröhre verschlossen ist und die Passage der Nahrung blockiert ist, führt dies reflektorisch zu einer vermehrten Speichelbildung und die Patienten müssen laufend Speichel ausspucken. Wenn die Einklemmung sehr hoch sitzt, löst dies Erstickungsangst aus.

Gibt es auch Schluckbeschwerden, die andere Ursachen haben als eine Eosinophile Ösophagitis?

Ja, Schluckbeschwerden können durch ganz verschiedenartige Erkrankungen der Speiseröhre, zum Beispiel Engstellungen durch bösartige und gutartige Tumore oder durch chronischen Reflux, aber auch durch sogenannte Motilitätsstörungen verursacht werden.

Wie stellt man die Diagnose einer Eosinophilen Ösophagitis?

Die Diagnose einer Allergie der Speiseröhre wird mittels präziser Anamnese und Endoskopie der Speiseröhre mit Entnahme von Gewebsproben (Biopsien) gestellt. Man sieht dann, ob das typische Muster der EoE vorhanden ist, oder ob ein anderer Grund vorliegt. Im Rahmen der Endoskopie werden mehrere Biopsien entnommen, welche dann feingeweblich untersucht werden.

Mit den klassischen IgE-basierten Allergietests lässt sich eine EoE nicht nachweisen. Leider helfen uns diese Tests auch nicht weiter bei der Suche nach den Nahrungsmitteln, auf welche die EoE-Patienten allergisch reagieren. Es ist noch sehr viel Forschungsarbeit nötig, um die Mechanismen der EoE besser zu verstehen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für die Eosinophile Ösophagitis?

Die Therapie-Prinzipien der EoE kann man in den folgenden drei D‘s zusammenfassen: „Diets, Drugs, Dilation“. Das bedeutet auf Deutsch: Diäten, Medikamente und Dilatation, das bedeutet„Aufweitung der Speiseröhre“.

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Wie helfen Diäten bei der Eosinophilen Oesophagitis?

Zu den Diäten ist zu sagen: Wenn es gelingt, die allergisierenden Speisen zu identifizieren, das heisst diejenigen Speisen welche die Schluckbeschwerden verursachen, kann man diese Nahrungsmittel aus dem Speiseplan eliminieren. Das nennt sich Eliminations-Diät. Damit ist es möglich, die EoE in Remission zu bringen. Allerdings ist es leider momentan noch recht aufwendig, die Nahrungsmittel, die die Allergie auslösen, herauszufinden, da einfache Tests immer noch fehlen. Bei der klassischen „6-Food Elimination Diet“ werden die sechs Nahrungsmittel-Kategorien, welche am häufigsten Allergien auslösen, aus dem Speiseplan des Patienten gestrichen.

Welche Nahrungsmittel werden bei der Eosinophilen Oesophagitis mittels der klassischen „6-Food Elimination Diet“ (6-FED) aus dem Speiseplan gestrichen?

Die folgenden sechs Nahrungsmittel darf man bei der klassische „6-Foods Elimination Diet“ nicht essen:

Anschliessend beginnt man Schritt für Schritt mit einem kontrollierten Kostaufbau (Step-Down Prinzip). Man startet mit der Wiedereinführung der Nahrungsmittelgruppen und beobachtet, ob es erneut zu Symptomen kommt. Diese Methode ist aufwendig und teuer. Das liegt daran, dass man nach jeder neuen Speiseeinführung mittels Anamnese und Endoskopie evaluieren muss, ob es zu einem Rückfall gekommen ist. Außerdem muss der Patient absolut kooperativ sein mit der Einhaltung der Diät. Das ist jedoch ausgesprochen schwierig, weil mehrere Grundnahrungsmittel betroffen sind.

Gibt es Alternativen zu dieser aufwendigen „6-Food Elimination Diet“?

Ja, man kann auch mit einer 1-FED beginnen und dabei die wahrscheinlichste Speisekategorie, zum Beispiel Milch, auswählen. Falls diese Diät nicht zur Remission führt kann man dann die Elimination zu einer 2-FED aufbauen, zum Beispiel Milch und Gluten. Dieses Vorgehen nennt sich „Step-Up“ Prinzip.

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit dass diese empirischen Eliminationsdiäten wirkungsvoll sind?

Unter einer konsequent eingehaltenen 6-FED erreichen gut 70 Prozent der Patienten eine Remission. Die Resultate einer 1-FED, zum Beispiel Milch, sind schlechter und liegen zwischen 30 und 40 Prozent. Remission bedeutet, dass die Beschwerden verschwinden und die Entzündung im Gewebe weitgehend ruhig ist (<15 eos/hpf).

Wie helfen Medikamente bei einer Eosinophilen Oesophagitis?

Wie beim allergischen Asthma kann man Beschwerden und Entzündung mit rein örtlich wirksamen Kortisonpräparaten wie zum Beispiel Fluticasone, Budesonide, Ciclesonide, Mometasone, effizient therapieren. Diese Medikamente werden dann aber nicht inhaliert, sondern geschluckt und entfalten ihre Wirkung rein lokal direkt auf der Speiseröhrenoberfläche. Sie haben deshalb keine Kortison-Nebenwirkungen was wichtig ist, denn die EoE muss über längere Zeit behandelt werden und das wäre mit den konventionellen Kortison-Präparaten wegen den Nebenwirkungen nicht zu verantworten. Mit diesen Medikamenten erreicht man bei etwa 70 Prozent der EoE-Patienten eine Remission. Das erste speziell für die Therapie der EoE entwickelte und mittlerweile in vielen Ländern zugelassene Präparat ist Jorveza, eine Art „Lutsch-Tablette“ welche das lokal-wirksame Kortison Budesonide als Wirksubstanz enthält.

Wie genau hilft die Dilatation, das heißt „Aufweitung der Speiseröhre“ bei der Eosinophilen Oesophagitis?

Unbehandelt führt eine eosinophile Entzündung zur Bildung von Narbengewebe mit Wandverdickung und Wandstarre der Speiseröhre, oftmals sogar zu massiven Engstellungen. Falls eine erhebliche Engstellung vorliegt und diese nicht in kurzer Zeit auf eine anti-entzündliche Therapie anspricht, kann eine Dilatation die Beschwerden massiv verbessern. Allerdings wird durch diesen mechanischen Eingriff der Aufweitung der Speiseröhre die Entzündung nicht beeinflusst, sodass die Patienten trotzdem Medikamente oder Diäten benötigen.

Muss eine Eosinophile Oesophagitis nachkontrolliert werden?

Ja, wir empfehlen 3 Monate nach Therapiestart oder nach einer grundsätzlichen Umstellung einer laufenden Therapie eine Kontrolle durchzuführen, um zu wissen was man erreicht hat. Ist ein Patient mit einer EoE gut eingestellt und informiert, soll 1 Mal pro Jahr eine Kontrolle durchgeführt werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhaben noch die Tatsache, dass das Ausmass der Beschwerden und der Entzündung schlecht korrelieren. Eine Kontrolle besteht deshalb meistens aus einer sorgfältigen Anamnese und einer Endoskopie mit Biopsieentnahme.

Abschliessend möchte ich noch erwähnen, dass die Therapie der EoE recht komplex sein kann und sich momentan noch rasch ändert. Oftmals empfiehlt sich deshalb, dass interdisziplinär – Magendarm-Spezialist, Ernähungsberaterin, Allergologe – vorzugehen ist. Bei schwer therapierbaren Formen empfiehlt sich zusätzlich eine Überweisung des Patienten an ein EoE-Kompetenz-Zentrum. Die folgende Website der EURopean Society of Eosinophilic Oesophagitis EUREOS, kann dabei hilfreich sein: http://eureos.online/ .

Herr Prof. Straumann, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Referenzen:

1. Straumann A, Spichtin HP, Grize L, Bucher KA, Beglinger C, Simon HU. Natural History of Primary Eosinophilic Esophagitis: A Follow-Up of 30 Adult Patients for up to 11.5 Years. Gastroenterology 2003;125:1660-1669.

2. Straumann A, Katzka DA: Diagnosis and Treatment of Eosinophilic Esophagitis. Gastroenterology 2018; 154:346-359.

3. Straumann A, Lucendo AJ, Miehlke S, Vieth M, Schlag Ch, Biedermann L, Santander Vaquero C, Ciriza de Los Rios C, Schmoecker Ch, Madisch A, Hrz P, Hayat J, von Arnim U, Bredenoord AJ, Schubert S, Mueller R, Greinwald R, Schoepfer A, Attwood SE. Budesonide orodispersible Tablets maintain Remission in a randomized, placebo-controlled Trial of Patients With Eosinophilic Esophagitis. Gastroenterology 2020;159:1672-1685.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.