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Eliminationsdiät Unverträglichkeiten

Eliminationsdiät bei Unverträglichkeiten: Was genau ist das?

Eliminationsdiät bei Unverträglichkeiten: Was genau ist das?

Eine Eliminationsdiät wird dann empfohlen, wenn es um Unverträglichkeiten bzw. nicht allergisch bedingte Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln geht. Aber: Was genau ist das? Wie hilft sie den Betroffenen? Und welche Erfahrungen gibt es mit der Eliminationsdiät? Mit Dipl. oec. troph. Sabine Göldner-Freitag, Ernährungstherapeutin in Stadtoldendorf sprach MeinAllergiePortal darüber, wie eine Eliminationsdiät definiert ist und wie sie funktioniert und wie lange diese eingehalten werden sollte.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dipl. oec. troph. Sabine Göldner-Freitag

Frau Göldner-Freitag, wann sollten Menschen, die eine Nahrungsmittelunverträglichkeit haben, eine Eliminationsdiät durchzuführen?

Grundsätzlich sollte eine Eliminationsdiät erst dann durchgeführt werden, wenn ein Facharzt bzw. eine Fachärztin die sichere Diagnose „Nahrungsmittelintoleranz“ bzw. Nahrungsmittelunverträglichkeit gestellt hat. Das kann zum Beispiel eine Laktoseintoleranz, eine Fruktosemalabsorption, eine Glutensensitivität, eine NCGS, Non-Celiac Gluten Sensitivity oder eine Histaminintoleranz (Pseudoallergie) sein. Auf keinen Fall sollten Patienten auf eigenen Verdacht Lebensmittel weglassen. Wenn tatsächlich eine klinische Relevanz vorliegt, dann sollten die Betroffenen mit Ernährungstherapeuten gemeinsam eine Ernährungsumstellung beginnen.

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Wie genau ist eine Eliminationsdiät definiert und wie funktioniert das?

Die Eliminationsdiät- lieber wäre mir diese als Karenzphase zu betiteln- richtet sich nach der Diagnose und besteht z.B. aus drei Phasen (Karenz-, Testphase und Dauerernährung). Meistens wird eine Dauer zwischen 1 bis 4 Wochen pro Phase empfohlen. Es ist nicht in Stein gemeißelt, es kann auch noch kürzer sein, vor allem in der Phase 0 (Karenzphase), in der der Fruchtzuckergehalt bzw. Laktosegehalt sehr gering gehalten werden soll. Das liegt daran, dass die Reaktionen individuell sind. Bei manchen Patienten tritt bereits nach einer Woche eine deutliche Verbesserung der Beschwerden ein, bei anderen dauert es länger. Die verträglichen Mengen z.B. an Milchzucker, Fruktose, Histamin sind individuell verschieden. Bei einer gesicherten Diagnose Zöliakie (Autoimmunerkrankung) ist eine lebenslange Meidung von Gluten die einzige Möglichkeit, eine Wiederherstellung der Darmausstülpungen zu erreichen.

Es wird empfohlen nach der Karenzphase, wenn die Beschwerden besser geworden sind, in die Testphase überzugehen und diese Lebensmittel für 2 bis 4 Wochen wieder in den Speiseplan aufzunehmen. Es ist ratsam, immer nur ein neues Nahrungsmittel auszuprobieren, damit in den Therapiestunden besser nachzuvollziehen ist, woher eventuelle Beschwerden kommen. Wenn die Beschwerden deutlich besser geworden sind, kann zur Dauerernährung übergegangen werden.

Mit Hilfe des Ernährungs- und Symptomprotokolls ist es einfacher, eventuelle Unverträglichkeiten und dadurch verursachte Beschwerden ausfindig zu machen.

Die Dauerernährung ist im Großen und Ganzen eine "normale“ Auswahl von Lebensmitteln - ohne Einschränkung- je nach Bekömmlichkeit.

Wie weiß der Patient, welche Lebensmittel er bei der Eliminationsdiät essen darf und welche nicht?

Bei der Anpassung der Kost bekommt der Patient eine Positivliste mit gut bekömmlichen Lebensmitteln an die Hand. So hat der Patient eine Anleitung, die ihm beim Erstellen seines Speiseplans hilft.

Manchmal erreicht der Patient trotz Eliminationsdiät keine Besserung, so dass ich den Patienten eine weitere Differenzialdiagnostik empfehle.

Oft ist bei Nahrungsmittelintoleranzen auch von einer „Karenzdiät“ oder „Ausschlussdiät“ die Rede, ist das dasselbe wie eine Eliminationsdiät?

Den Ausdruck „Diät“ benutze ich in diesem Zusammenhang nicht gern. Es gibt wenige Erkrankungen, bei denen die Patienten oder Patientinnen eine strenge Diät einhalten müssen, z.B. Zöliakie. Umgangssprachlich ist mit diesen Begriffen wahrscheinlich eine ähnliche Bedeutung gemeint.

Die Begrifflichkeit Karenzphase – wie zuvorgenannt, ist passender.

Was ist ein Ernährungs- und Symptomprotokoll genau, eine Art Ernährungstagebuch?

Das Ernährungs- und Symptomprotokoll ist ein wichtiges Handwerkszeug für den Therapeuten, da, zum Beispiel bei einem Verdacht auf eine Histaminunverträglichkeit, eine Pseudoallergie, nur dieses Protokoll den Verdacht erhärten kann. Versteckte Fehlerquellen sind durch ein Ernährungsprotokoll besser aufzudecken.

Welche Angaben sollte ein Ernährungstagebuch enthalten? Was muss man eintragen?

Das Ernährungstagebuch sollte zum Beispiel folgende Angaben enthalten:

  • Arbeitstag/Urlaubstag
  • Datum
  • Uhrzeit
  • Welches Nahrungsmittel wurde verzehrt, inkl. Fettangaben z.B. von Milchprodukten
  • Medikamenteneinnahme (hier reicht bei regelmäßiger Medikation die einmalige Angabe für einen Tag aus)
  • Getränke
  • Symptome mit Schweregrad, zum Beispiel Blähungen, Bauchweh, Durchfälle
  • Stuhlsequenzen (Zeitabstände)
  • Stuhlkonsistenzen (Beschaffenheit)

Für einige Betroffene ist sicherlich das Führen eines Ernährungs- und Symptomprotokolls auch vor einer Ernährungstherapie hilfreich. Vielleicht fällt den Betroffenen selbst schon etwas auf. Allerdings sollten sie sich spätestens dann professionelle Hilfe suchen, damit keine Mangelerscheinungen auftreten bzw. Lebensmittel eingeschränkt werden, die gar nicht weggelassen werden müssen.

Sie haben auf individuelle Unterschiede hingewiesen, aber dennoch: Wie lange dauert eine Eliminationsdiät ungefähr? Wann kann bei der Ausschlussdiät mit einer deutlichen Besserung gerechnet werden?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Beschwerden können schon nach ein paar Tagen viel besser sein, es kann aber auch sein, dass es zwei Wochen dauert bis die Symptome weg oder nur bei einem „Ausrutscher“ vorhanden sind.

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Kann man sein Kind problemlos stillen, wenn man selbst eine Eliminationsdiät durchführt oder sollte man das besser nach dem Abstillen machen?

Die Lebensmittel, die in der Positivliste zu finden sind, in Kombination von Mengen und Vielfalt decken den Bedarf. Es gibt keinen Grund, nicht zu stillen.

Welchen Nutzen hat die Eliminationsdiät bei Babys und Kindern? Lässt sich damit zum Beispiel bei Babys eine Kuhmilchallergie ausschließen oder bestätigen?

Weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit ist es nötig z.B. Milchprodukte zu meiden, um einer Allergie gegen Kuhmilch vorzubeugen. Bei einer Laktoseunverträglichkeit wählt man entweder laktosefreie Produkte oder alternativ auch einen Pflanzendrink.

Für Kinder ist es wichtig, dass sie Antikörper gegen verschiedene „Angreifer“ bilden.

Bei einer nachgewiesenen Nussallergie oder einer Erdnussallergie (Hülsenfrucht) sind Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Dazu gibt es interessante Beiträge auf diesem Portal.

Welche Risiken birgt die Ausschlussdiät?

Wenn Patienten und Patientinnen ohne professionelle Hilfe die Ausschlussdiät zu einer Dauerkost werden lassen, könnte es durch „Angst“ wieder Beschwerden zu bekommen, zu einseitig werden und dann zu einer Fehl- bzw. Mangelernährung kommen.

Was macht bei Nahrungsmittelintoleranzen die unverträglichen Nahrungsmittel verträglicher?

Zum Beispiel kann es sein, dass unverträgliche Nahrungsmittel, die Laktose, Fruktose oder Histamin enthalten, in Kombinationen mit anderen Nahrungsmitteln verträglicher sind.
Aber nicht allein die Kombination von Nahrungsmitteln spielt eine Rolle. Die Kollegin Christiane Schäfer schreibt in ihren Fachbüchern, es sei generell verträglicher, übrigens für alle Menschen, die eine empfindlichen Darm hätten, keine wärmebehandelten Milchprodukte zu essen. Sie sagt auch, dass der aktuell so beliebte geringe Fettgehalt in den Speisen für deren Verträglichkeit eher kontraproduktiv sei. Bei Milchprodukten empfiehlt sie, ruhig wieder bewusst zu Produkten mit einem "normalen" Fettgehalt zu greifen. Vielmehr sei es die Kombination von kleinen Mengen Getreide, Milchprodukten, Eiern, Fleisch, Fisch, Nüssen, Ölen und angemessene Mengen an Gemüse und Obst, die zur Bekömmlichkeit beitrügen.

Bei der Fruchtzuckerunverträglichkeit ist es möglich, in der Karenzphase z.B. Kuchen mit Traubenzucker (Glucose) zu backen. In den Quark oder den Jogurt mit Obst darf anfänglich etwas Traubenzucker gestreut werden, wenn erforderlich. In der Testphase und Dauerernährung sind geringe Mengen Haushaltszucker (Glucose und Fruktose) gut bekömmlich.

Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihren Patienten mit der Empfehlung gemacht, unverträgliche Nahrungsmittel zusammen mit anderen zu essen?

Diese Erfahrungen habe ich auch gemacht. Eine gut verträgliche Kombination, zum Beispiel bei einer Laktoseintoleranz, ist eine Mischung aus Naturjogurt, eventuell laktosefrei, zarten Haferflocken und frischem Obst. Bei einer zusätzlichen Fruktosemalabsorption sollte man nach Bedarf diese Mischung noch mit Traubenzucker bestreuen!

Im Vergleich dazu ist es, gerade bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit, wesentlich belastender, das Obst "pur" zu sich zu nehmen, weil dann der Fruchtzucker schneller in die Blutbahn übergeht. Deshalb empfehle ich meinen Patienten, dass sie die unverträglichen Nahrungsmittel gut "verpacken" sollen. In diesem Fall die Fruktose im Obst z.B. mit Hafer und Fett.

Wie können Menschen mit Unverträglichkeiten bzw. Intoleranzen vermeiden, versehentlich das Falsche zu essen?

Eine gute Aufklärung wäre im Vorfeld hilfreich, um die "Ausrutscher" so gering wie möglich zu halten und das Führen des Protokolls - hier ein Beispiel. https://www.mein-allergie-portal.com/images/PDFs/Ernaeherungs_und_Symptomprotokoll.pdf

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Es gibt viele verschiedene Unverträglichkeiten. Ergibt sich daraus ein Unterschied bei der Vorgehensweise bei der Eliminationsdiät?

Die Herangehensweise bei der Eliminationsdiät ist vor allem bei Gluten ganz anders. Hierbei muss geklärt werden, ob es sich um eine Zöliakie (Autoimmunerkrankung) handelt. Ist dies der Fall, darf man kein Gluten essen. Ist das nicht der Fall, stellt sich die Frage: Handelt es sich um eine Glutensensitivität oder um eine echte Weizenallergie? Ähnlich sieht die Vorgehensweise bei einer Laktoseintoleranz (Milchzucker) und einer echten Allergie auf Kuhmilch (Eiweiß) aus.

Ist es möglich, dass sich Unverträglichkeiten nach einiger Zeit wieder verlieren?

Es gibt bestimmte Unverträglichkeiten, beispielsweise die Unverträglichkeit von Milchzucker (Laktose) oder Fruktose, bei denen sich die Verträglichkeit mit den Jahren ändern kann. Bei Fruchtzucker liegt die verträgliche Grenze auch bei gesunden Menschen bei 25-35 Gramm. Wenn ein gesunder Mensch also auf einmal ein halbes Kilogramm Obst verzehrt, ist es nicht verwunderlich, wenn er davon einen Blähbauch und/oder Durchfall bekommt.

Wie kommt es auch bei gesunden Menschen zu Durchfällen, wenn sie zu viel Fruktose verzehren?

Der auf der Darmzotte sitzende Transporter (GLUT 5), über den die Aufnahme des Fruchtzuckers in die Körperzellen erfolgt, kann größere Mengen einfach nicht verstoffwechseln. Der Fruchtzucker kann nicht über die Zotten im Dünndarm aufgenommen werden, sondern wandert über das Blut weiter in den Dickdarm. Die ankommende Fruktose wird von den Darmbakterien zersetzt und so entstehen Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan und es kommt zu Bauchweh, Blähungen und Durchfall.

Es ist übrigens sehr wichtig, dass die Fruktose-Patienten nach der Karenzphase immer wieder fruktosehaltige Nahrungsmittel testen und den Transporter sensibilisieren. Damit steigert man die Aufnahmefähigkeit des Transporters und so mit der Zeit auch die verträgliche Fruktosemenge.

Heißt das, man sollte die Diagnose bei Fruktosemalabsorption, Laktoseintoleranz, Histaminintoleranz und Glutenunverträglichkeit von Zeit zu Zeit überprüfen?

Ja, genau. Übrigens sollte das auch bei echten Allergien, wie z.B. der Weizenallergie oder der Allergie auf Kuhmilch, regelmäßig überprüft werden. Bei Kindern kann nach ca. zwei Jahren mittels RAST-Untersuchungen und Ernährungsprotokollen überprüft werden, ob die Allergie noch besteht, bzw. ob die Testergebnisse tatsächlich noch klinisch relevant sind. Der RAST Test (Radio-Allergo-Sorbens-Test) zeigt wie viele spezifische, allergieauslösende Antikörper (IgE) vorhanden sind. Das Ergebnis sollte mit dem Ernährungs-und Symptomprotokoll abgeglichen werden.

Bei einer Zöliakie, die zu den Autoimmunerkrankungen gehört, müssen die Betroffenen allerdings ihr Leben lang auf Gluten verzichten. Jeder Diätfehler schädigt den Darm und kann zu einer sogenannten Zottenatrophie führen. Dabei entwickeln sich die Darmzotten zurück, können die Nährstoffe nicht mehr aufnehmen und es entstehen Durchfälle. Dauerhafte Diätverstöße können bei einer Zöliakie sogar Darmkrebs auslösen. Hält man sich jedoch strikt an die glutenfreie Diät, bilden sich die Zotten wieder und es ist ein relativ beschwerdefreies Leben möglich.

Frau Göldner-Freitag, herzlichen Dank für das Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.