Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden und als erstes erfahren wann unsere Webinare stattfinden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Fleischallergie Symptome Diagnose Fleischunverträglichkeit

Fleischallergie: Symptome und Diagnose bei Fleischunverträglichkeit

Fleischallergie: Symptome und Diagnose bei Fleischunverträglichkeit

Die Fleischallergie hat man erst vor einigen Jahren entdeckt. Wie kommt es zu einer Allergie auf Fleisch? Wie häufig kommt die allergisch bedingte Fleisch-Unverträglichkeit vor? Wie sehen die Symptome aus und wie erfolgt die Diagnose? MeinAllergiePortal sprach mit Univ. Prof. Dr. med. Tilo Biedermann, Klinikdirektor an der Hautklinik Campus Biederstein am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Tilo Biedermann

Herr Prof. Biedermann, wie häufig kommt es zu einer Fleischallergie?

Es gibt unterschiedliche Formen von Allergien und auch der Fleischallergie. Es handelt sich bei den Fleischallergien in der Regel um sogenannte Soforttyp-Allergien. Diese können wiederum nach dem Auslöser oder nach dem Weg der Sensibilisierung, also dem Erwerb der Allergie, eingeteilt werden. Über Inhalation wird sie erworben, wenn im Rahmen einer Allergie auf „Katze“ auch auf den Eiweißstoff Albumin reagiert wird. Dieser kommt ähnlich auch in Fleisch vor und es kann zur allergischen Reaktion kommen („Kreuzreaktion I“). Es ist auch möglich sich im Rahmen von Nahrungsaufnahme zu sensibilisieren zum Bespiel gegenüber Kuhmilch und dann auch auf Fleisch vom Rind zu reagieren („Kreuzreaktion II“).

Außerdem kann man sich über die Haut sensibilisieren, zum Beispiel gegenüber Erdnuss oder auch gegen Fleisch. Hier ist vor allem das über Zeckenbisse vermittelte alpha-Gal-Syndrom zu nennen. Hier führt das lange Verbleiben der Zecken in der Haut zu einer Sensibilisierung gegenüber einer Zuckerkette, einem Kohlenhydrat, das alpha-Gal (in seiner langen Form: Galactose-alpha-1,3-Galactose). Dieses Kohlenhydrat können Menschen nicht herstellen und es wird daher als „fremd“ von unserem Immunsystem erkannt, eine Grundlage dieser Allergie. Dieses Krankheitsbild ist erst 2009 erstmals beschrieben worden und musste anfangs erst noch bekannt gemacht werden. Wir gehörten zu den ersten Gruppen in Europa, die dieses Krankheitsbild bei einer Reihe von Patienten gefunden haben und es deshalb auch näher beschreiben konnten. Populationsbezogene Daten zur Häufigkeit des alpha-Gal-Syndroms liegen nicht vor, eigene Untersuchungen konnten aber zeigen, dass bei Personen mit häufigen Zeckenbissen und einer Sensibilisierung etwa 8 Prozent von diesen eine Fleischallergie vom Typ des alpha-Gal-Syndroms erleiden.

Anzeige

Seit wann kennt man in Deutschland das neue Krankheitsbild Fleischallergie?

Den ersten Patienten, der über eine "Allergie gegen Schweineniere" klagte, hatten wir in Tübingen um das Jahr 2005. Zu diesem Zeitpunkt war das Krankheitsbild dieser "Fleischallergie" zwar noch nicht bekannt, aber wir hatte den Verdacht, dass ein Zusammenhang mit dem Verzehr von Nieren bestehen muss. Als das Krankheitsbild dann identifiziert und beschrieben wurde, hatten wir bereits 10 Patienten, auf die diese Beschreibung passte und die gegen die α-Galaktose sensibilisiert waren.

Welche Fleischsorten können eine allergische Fleisch-Unverträglichkeit auslösen?

Welche Fleischsorten ein Fleischallergiker verträgt, hängt davon ab, gegen welches Allergen er sensibilisiert ist. Man geht beim Fleisch derzeit von etwa einem Dutzend Allergenen aus.

Es gibt Patienten mit einer Fleischallergie, die allergisch auf Geflügelfleisch, das heißt Hühnerfleisch, Entenfleisch, Gänsefleisch, reagieren und z.B. rotes Fleisch gut vertragen.

Umgekehrt gibt es Patienten, die eher auf rotes Fleisch, also Rindfleisch, Schweinefleisch, Lammfleisch, allergisch reagieren und Geflügelfleisch vertragen. Und: Je nachdem, gegen welches Allergen eine Sensibilisierung stattgefunden hat, können sich diese Fleischallergien unterschiedlich äußern.

Gibt es eine Fleischsorte, bei der vermehrt allergische Reaktionen auftreten?

Eine Allergie auslösende Fleischsorte hängt je nach Region auch von der Häufigkeit des Konsums ab. Das ist besonders augenfällig bei der Fischallergie, die vor allem dort auftritt, wo viel Fisch konsumiert wird. Anders verhält es sich allerdings bei dem alpha-Gal-Syndrom, hier sind es vor allem die Regionen, in denen viele Zecken vorkommen, die folglich auch viele „Allergiker“ hervorbringen. Die Zusammensetzung des Fleisches oder auch des prozessierten Fleisches sowie verschiedene Organe variieren hinsichtlich der Menge des vorliegenden alpha-Gals. Von Allergologen wird daher beispielsweise Schweineniere zur Provokationstestung bei Verdacht auf das alpha-Gal-Syndrom verwendet, da diese nachgewiesenermaßen viel alpha-Gal-haltige Eiweißstoffe enthalten.

Was ist die Ursache für eine Fleischallergie – wie kommt es dazu?

Sowohl Eiweiße (Proteine) als auch Fette (Lipide) können mit alpha-Gal glykosyliert („verzuckert“) sein. Sie entstehen beispielsweise innerhalb einer tierischen Zelle, wo verschiedene "Zuckerreste" angehängt werden, unter anderem alpha-Gal. Glykosylierte Proteine und Lipide findet man in der Natur überall, auch in Fleisch. Beim alpha-Gal-Syndrom stellt alpha-Gal das Allergen dar. Proteine und Lipide mit alpha-Gal sind in der Lage allergische Symptome auszulösen. Welche von diesen Stoffen während des Zeckenbisses vornehmlich für die Sensibilisierung, die Grundlage für eine allergische Reaktion, besonders wichtig ist, ist noch Gegenstand der Forschung. .

Normalerweise bilden Allergiker IgE-Antikörper auf Proteine. Unter Gräserpollenallergikern finden sich jedoch z.B. sehr viele Patienten, die gegen die "Zuckerreste" von glykosylierten Proteinen, sogenannte Kohlenhydratseitenketten, IgE-Antikörper bilden. Bei den Gräserpollenallergikern sind diese IgE-Antikörper gegen Zuckerreste jedoch klinisch nicht relevant. Sie erschweren lediglich die Diagnostik, da sie die Ursache für Kreuzreaktionen sind.

Bei der Fleischallergie liegen die Dinge allerdings anders. Fleischallergiker bilden ebenfalls IgE-Antikörper gegen eine Kohlenhydratseitenkette, die alpha-Gal, und diese Antikörper vermitteln bei den Fleischallergikern auch tatsächlich die Allergie. Wir haben es also bei den Fleischallergikern mit dem bisher einmaligen Fall zu tun, dass IgE-Antikörper gegenüber glykosylierten Proteinen (und Lipiden) gebildet werden und zu klinisch relevanten Symptomen führen. Dies ist in dieser Form bei keiner anderen Allergie bisher bekannt.

Reagiert man bei einer Fleisch Allergie auf alle Fleischsorten allergisch?

Das ist dann möglich, wenn der Patient gegen ein sogenanntes "Panallergen" sensibilisiert ist. Das bedeutet, gegen ein Allergen, das in allen Fleischsorten vorkommt. Diese Menschen reagieren dann auf alle Arten von Fleisch allergisch. Andere Patienten, die nur gegen bestimmte Proteine sensibilisiert sind, können all jene Fleischsorten essen, in denen diese Proteine nicht vorkommen. Darin ähnelt die Fleischallergie der Fischallergie, bei der man diese Zusammenhänge allerdings wesentlich besser untersucht hat.

Das bedeutet, man muss bei der Allergie auf Fleisch unterscheiden zwischen denjenigen, die nur eine Sorte Fleisch nicht vertragen und jenen, die auf mehrere Fleischsorten unverträglich reagieren?

Genau. Diese Differenzierung kann in der Praxis zu interessanten "Erkenntnissen" führen. Bei einem Patienten, der auf Putenfleisch sensibilisiert war, kam es nach dem Genuss einer Weißwurst zu anaphylaktischen Symptomen. Normalerweise besteht eine Weißwurst aus Kalbfleisch und Kräutern, so dass für uns bei der Suche nach der Ursache für die Anaphylaxie des Patienten eigentlich nur diese beiden Allergenquellen in Frage kamen. Es stellte sich dann aber heraus, dass der Metzger "gepanscht" hatte und die Weißwurst tatsächlich das kostengünstigere Putenfleisch an Stelle des Kalbfleisches enthielt.

Anzeige

Welche Symptome sind bei einer Fleisch Allergie möglich? Gibt es auch Magen- und Darmsymptome?

Bei einer Fleischallergie können alle Organsysteme betroffen sein. Manche unserer Patienten berichten über Hautsymptome, wie Quaddeln bzw. Urtikaria, Juckreiz oder Schwellungen, das sind Angioödeme. Andere haben nur Darmsymptome wie Übelkeit, Blähungen oder Durchfall. Wieder andere klagen über Kurzatmigkeit oder Atemnot und in manchen Fällen kommt es zum Kreislaufzusammenbruch, d.h. zu einem Anaphylaktischen Schock.

Wann nach dem Fleischverzehr kommt es bei der Fleischallergie zu Symptomen?

Die Fleischallergie ist eine Soforttypallergie oder Typ-I-Allergie. Normalerweise treten bei der Soforttypallergie die Symptome sofort auf, d.h. innerhalb von maximal drei Stunden. Bei manchen Fleischallergie-Patienten ist dies auch der Fall.

Wir sehen aber eine ganze Reihe von Patienten mit Fleischallergie, die erst ca. 6 bis 8 Stunden nach einer Fleischmahlzeit mit allergischen Symptomen reagieren. Das ist sehr ungewöhnlich und ganz spezifisch für diese Sonderform der Allergie. Bei der α-Galaktose-Allergie spricht man deshalb auch von einer "verzögerten Typ-I-Allergie".

Als Ursache vermutet man, dass vor allem für die Glykolipide der Verdauungsprozess notwendig ist, um die alpha-Gal-Reste freizulegen und so zur Reaktion im Organismus zur Verfügung zu stellen.

Kann es bei einer Fleischallergie auch zu Kreuzreaktivitäten kommen, welche Kreuzallergien sind bis heute bekannt?

Kreuzreaktivitäten spielen bei der Fleischallergie eine gewisse Rolle. Hier sei auf die Eingangsfrage verwiesen. Es gibt unterschiedliche Formen von Fleischallergie und die Kreuzreaktivität zwischen „Katze“ und „Schwein“ sowie „Milch“ und „Rindfleisch“ hatten wir angesprochen. Das Kohlenhydrat alpha-Gal ist jedoch wieder ein "Sonderfall". Eigentlich haben in der Natur alle Lebewesen die Möglichkeit, Eiweißstoffe zu glykosylieren. Im Zuge der Evolution des Menschen ist jedoch, beim Schritt zu den Altweltaffen, das Enzym verlorengegangen, das diese Zuckerseitenketten herstellt. Das Immunsystem des Menschen ist deshalb nicht darauf ausgelegt, die α-Galaktose zu tolerieren und kann eine Immunantwort entwickeln.

Zum besseren Verständnis: Dass Immunsystem des Menschen muss lernen, jeden Eiweißstoff im eigenen Körper zu tolerieren, sonst würde man eine Autoimmunkrankheit entwickeln.

Diese Toleranzentwicklung beginnt schon vor der Geburt und erstreckt sich über die ersten Lebensjahre. Alle Stoffe, für die in diesem Zeitraum keine Toleranz entwickelt wurde, können potenziell zu Allergenen werden. Im Falle der α-Galaktose hat unser Immunsystem zunächst gelernt, diese am Oberflächenorgan Darm zu vertragen (Darmflora, Nahrung), sonst wäre eine Ernährung gar nicht ohne Probleme möglich. Diese Toleranz ist aber nicht an der Haut etabliert und deshalb können Zeckenbisse an der Haut eine Sensibilisierung hervorrufen, die eine allergische Reaktion erlaubt, trotz der Toleranz über den Darm.

Warum haben denn dann nicht alle Menschen haben diese Form der Unverträglichkeit von Fleisch?

Tatsächlich entwickeln alle Menschen eine Immunantwort auf α-Gal. Ca. 1 Prozent des gesamten Antikörperpools des Menschen wird gegen diese Zuckerseitenkette gebildet. Allerdings sind beispielsweise IgG-Antikörper gegen alpha-Gal in der Regel klinisch nicht relevant, d.h. ihr Vorhandensein führt nicht zu Symptomen, es sei denn es wird versucht Organe mit diesen Kohlenhydratseitenketten zu transplantieren. Die genetische Veränderung von, zum Beispiel, Schweinen (ohne alpha-Gal) hat dazu geführt, dass Herzen von diesen Schweinen erstmals auf Menschen transplantiert werden. Warum es bei manchen Menschen zusätzlich noch zu einer IgE-vermittelten Immunantwort auf α-Galaktose kommt, weiß man noch nicht, aber der intensive Kontakt über das Organ Haut durch die Zeckenbisse scheint dafür wesentlich zu sein.

Gibt es Risikofaktoren, die eine allergisch bedingte Unverträglichkeit von Fleisch begünstigen?

Es gibt tatsächlich einen gewissen regionalen Schwerpunkt bei der Fleischallergie. In Regionen mit einer hohen Dichte an Zecken werden wahrscheinlich die meisten Fleischallergie-Patienten betreut. Wir wissen mittlerweile, dass sich in den Zecken Eiweißstoffe mit alpha-Gal befinden und dass man bei längerer bzw. wiederholter Exposition gegenüber alpha-Gal in der Haut Immunreaktionen auslösen kann, die die sogenannten IgE Antikörper gegenüber alpha-Gal nach sich ziehen. Diese sind die Voraussetzung für die genannten allergischen Reaktionen.

Gibt es weitere Gründe dafür, dass in einer Region relativ mehr Menschen eine Fleisch Allergie haben als in einer anderen?

Ein weiterer Grund für die regionale Häufung der Fleischallergie-Fälle dürfte in den speziellen Ernährungsgewohnheiten der Region liegen. Beispielsweise sei die Region Schwäbische Alb genannt. Hier handelte es sich früher um eine eher arme Region. Damals war Fleisch teuer und man war bestrebt, das ganze Tier zu verwerten, auch die Innereien. Heute ist Fleisch zwar günstiger geworden und man isst überwiegend das Muskelfleisch. Aber während Innereien in anderen Regionen "aus der Mode" gekommen sind, werden sie hier noch häufiger verzehrt. Innereien sind hier Teil der schwäbischen Hausmannskost, zum Beispiel in Form von sauren Nierchen. Deshalb werden von der typisch schwäbischen Hausfrau oder von bestimmten Metzgern Innereien regelmäßig zubereitet.

Anzeige

Wie kommt es denn speziell durch den Verzehr zu Innereien zu einer allergisch bedingten Unverträglichkeit von Fleisch?

Innereien enthalten besonders viele spezifisch glykosylierte Proteine mit der α-Galaktose. Die Kombination von Zeckenbiss und dem tendenziell häufigeren Verzehr von Innereien, könnte dann dazu führen, dass bestimmten Regionen mehr Menschen "symptomatisch" werden. Sie entwickeln dann nach dem Verzehr von Innereien, zum Beispiel eine Urtikaria. Wie für alle Allergien spielt die Häufigkeit des Kontaktes für die Wahrscheinlichkeit einer Sensibilisierung eine Rolle.

Gibt es andere Erkrankungen, die die Entwicklung einer Fleischallergie begünstigen?

Bei der Allergie auf α-Galaktose scheinen Atopiker, also Menschen mit allergischem Asthma, Heuschnupfen oder Neurodermitis, stärker betroffen zu sein. Aber auch Nicht-Allergiker können sich in dieser Form gegen Fleisch sensibilisieren.

Hatten denn all Ihre Patienten mit einer Fleischallergie auch zuvor einen Zeckenbiss?

Natürlich erinnert sich nicht jeder Patient daran, ob er irgendwann einmal von einer Zecke gebissen wurde. Anhand von standardisierten Interviews sehen wir aber einen ganz klaren Trend. Viele Patienten, die eine Fleischallergie haben, sind Jäger oder hatten schon immer einen Hund, mit dem sie viel in der freien Natur unterwegs waren. Viele haben auch draußen am Waldrand ein Grundstück. Das heißt, es handelt sich bei diesen Patienten überwiegend um Menschen, die sich häufig im Freien aufhalten und die aufgrund der Tatsache, dass in einer Region leben, die reich an Zecken ist, auch ein gewisses Risiko für einen Zeckenbiss tragen.

Manche Allergene sind "hitzelabil" - spielt auch bei dieser Fleischallergie die Zubereitung des Fleisches eine Rolle?

Wahrscheinlich enthält rohes Fleisch einen höheren Anteil an α-Galaktose als stark erhitztes Fleisch, denn beim Erhitzen werden die Proteine etwas denaturiert und der eine oder andere Zuckerseitenrest bricht weg. Allerdings wird der α-Galaktose-Anteil durch das Erhitzen nicht beseitigt, sondern lediglich in der Konzentration reduziert. Für manche Patienten kann diese Reduktion auf eine niedrigere Konzentration jedoch ausreichend sein, um kaum noch oder fast gar keine Symptome mehr auszulösen.

Wie erfolgt die Diagnose einer Fleischallergie? Gibt es einen Test auf Alpha-Gal?

Die Allergologie ist immer auch ein wenig "Kriminalistik". So wird man immer dann, wenn der Patient über mehrere Schockereignisse oder Anaphylaxien oder allergische Reaktionen im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme berichtet, Schnittmengen bilden. So kann man die verdächtigen Allergene identifizieren. Mit Hilfe der Prick-Tests und der IgE-Tests, einem Bluttest auf Apha-Gal, versucht man dann, das auslösende Allergen zu ermitteln.

Wenn man mit diesen Standardtests nicht weiterkommt, bitten wir die Patienten, das verdächtige Nahrungsmittel mitzubringen und führen dann damit einen Prick-to-Prick-Test durch.

Nicht selten führen wir stationär einen Provokationstest durch. Dabei wird der Patient unter medizinischer Aufsicht mit dem verdächtigen Allergen provoziert.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für die Fleischallergie?

Bei einer Fleischallergie besteht die Therapie in der Karenz, also im Meiden des Allergens. Je nachdem dürfen die Betroffenen dann also Rindfleisch, Schweinefleisch, Lammfleisch bei alpha-Gal-Syndrom und oder bei andern Formen der Fleischallergie beispielsweise Huhn, Ente oder Gans nicht verzehren. Das gilt auch für alle daraus hergestellten Fleischprodukte wie Wurst, Schinken, etc. und alle Fertigprodukte.

Deshalb ist es so wichtig zu ermitteln, welches Allergen die allergischen Symptome auslöst. Nur so ist es möglich, einem Fleischallergiker genaue Hinweise zu geben, welche Fleischsorten er meiden soll, was er essen darf und wo sich das Allergen eventuell verstecken könnte.

Wie sieht heutzutage die Behandlung aus; gibt es andere Möglichkeiten außer den Verzicht auf die zu Allergien führende Fleischsorten? Wie behandelt man Fleischallergiker mit schweren allergischen Symptomen?

Für sehr schwere Fälle gibt es die Möglichkeit ein Medikament einzusetzen, das für die Behandlung von allergischem Asthma zugelassen ist - Omalizumab. Dieses Medikament wurde off-label, also außerhalb der Zulassung, bei Nahrungsmittelallergien erfolgreich eingesetzt, zum Beispiel bei Milchallergien. Allerdings ist Omalizumab kein Medikament, das heilen kann.

Das Biologikum unterdrückt lediglich die Auslösung der Symptome, indem es die IgE-Antikörper blockiert.

Omalizumab könnte man theoretisch auch bei Fleischallergikern einsetzen, allerdings wäre das nur dann gerechtfertigt, wenn Menschen auf geringste Allergenspuren mit schwersten anaphylaktischen Reaktionen reagieren. Dann ist das Meiden des Allergens nicht möglich. Bei Fleischallergikern ist dies in der Regel aber nicht der Fall.

Experimentell versucht man im Bereich der Nahrungsmittelallergien mit der Oralen Toleranzinduktion durch minimale Allergendosen, die man langsam steigert, eine Verträglichkeit zu erzielen. Getestet wird dies für Menschen mit Allergie gegen Ei, einer Milchallergie oder einer Erdnussallergie, nicht für Fleischallergiker. Für die Erdnussallergie ist hier auch ein Medikament bereits zugelassen.

Allerdings ist diese Therapie mit Nebenwirkungen verbunden, denn es kann dabei zu anaphylaktischen Reaktionen kommen. Außerdem muss die Therapie dauerhaft angewendet werden, denn ihre Wirkung erlischt, sobald sie unterbrochen wird und die allergischen Symptome treten dann wieder auf. Hier sind noch weitere Studien nötig.

Darüber hinaus untersuchen wir innerhalb eines Sonderforschungsbereichs derzeit, ob über eine Stabilisierung der Toleranz im Darm die Resistenz gegenüber einer Allergie gegen alpha-Gal erzielt, verstärkt oder aufgebaut werden kann. Bei diesem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderten Untersuchungen ist das Ziel ein Einsatz beim Menschen, wir sind dabei allerdings erst die ersten Schritte gegangen.

Quellen:

1. Emerging antigens involved in allergic responses, Platts-Mills TA, Commins SP, Curr Opin Immunol. 2013 Dec; 25(6):769-74. doi: 10.1016/j.coi.2013.09.002. Epub 2013 Oct 3, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24095162. DOI: 10.1016/j.coi.2013.09.002

2. Schmidle P, Mehlich J, Brockow K, Darsow U, Biedermann T, Eberlein B. Gelatin-Containing Vaccines for Varicella, Zoster, Measles, Mumps, and Rubella Induce Basophil Activation in Patients with Alpha-Gal Syndrome. Int Arch Allergy Immunol. 2021;182(8):716-722. doi: 10.1159/000514263. Epub 2021 Mar 18. PMID: 33735861.

3. Hils M, Wölbing F, Hilger C, Fischer J, Hoffard N, Biedermann T. The History of Carbohydrates in Type I Allergy. Front Immunol. 2020 Oct 9;11:586924. doi: 10.3389/fimmu.2020.586924. PMID: 33163001; PMCID: PMC7583601.

4. Fischer J, Riel S, Fehrenbacher B, Frank A, Schaller M, Biedermann T, Hilger C, Mackenstedt U. Spatial distribution of alpha-gal in Ixodes ricinus – A histological study. Ticks and Tick-Borne Diseases 2020;11(5):1-8. DOI:10.106/j.ttbdis.2020.101506.

5. Mehlich, J., J. Fischer, C. Hilger, K. Swiontek, M. Morisset, F. Codreanu-Morel, M. Schiener, S. Blank, M. Ollert, U. Darsow, T. Biedermann, and B. Eberlein. 2019. The basophil activation test differentiates between patients with alpha-gal syndrome and asymptomatic alpha-gal sensitization. J Allergy Clin Immunol 143:182-189.

6. Fischer, J., B. Eberlein, C. Hilger, F. Eyer, S. Eyerich, M. Ollert, and T. Biedermann. 2017a. Alpha-gal is a possible target of IgE-mediated reactivity to antivenom. Allergy 72:764-771.

7. Fischer, J., E. Lupberger, J. Hebsaker, G. Blumenstock, E. Aichinger, A.S. Yazdi, D. Reick, R. Oehme, and T. Biedermann. 2017b. Prevalence of type I sensitization to alpha-gal in forest service employees and hunters. Allergy 72:1540-1547.

8. Hilger, C., J. Fischer, K. Swiontek, F. Hentges, C. Lehners, B. Eberlein, M. Morisset, T. Biedermann, and M. Ollert. 2016. Two galactose-alpha-1,3-galactose carrying peptidases from pork kidney mediate anaphylactogenic responses in delayed meat allergy. Allergy 71:711-719.

9. Roenneberg, S., A. Bohner, K. Brockow, A. Arnold, U. Darsow, B. Eberlein, and T. Biedermann. 2016. alpha-Gal-a new clue for anaphylaxis in mastocytosis. J Allergy Clin Immunol Pract 4:531-532.

10. Fischer, J., J. Hebsaker, P. Caponetto, T.A. Platts-Mills, and T. Biedermann. 2014. Galactose-alpha-1,3-galactose sensitization is a prerequisite for pork-kidney allergy and cofactor-related mammalian meat anaphylaxis. J Allergy Clin Immunol 134:755-759 e751.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.