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Erdnussallergie: Ist die orale Immuntherapie eine gute Option?

Wer an einer Allergie auf Insektengift, Pollen oder Gräser leidet, der kennt sich wahrscheinlich aus mit der sogenannten Hyposensibilisierung, auch allergen(spezifische) Immuntherapie (AIT) genannt. Im Rahmen dieser Therapie wird das Immunsystem durch regelmäßige Gabe des Auslösers bzw. des Allergens daran gewöhnt, nicht überzureagieren – es soll tolerant werden, damit keine allergische Reaktion entsteht. Ganz ähnlich soll eine Therapie bei Erdnussallergie funktionieren, eine orale Immuntherapie (OIT).

Erdnussallergie: Regelmäßig etwas Erdnussprotein kann schützen

Dabei muss das Erdnussprotein nicht gespritzt werden, sondern lässt sich als Pulver verzehren. Nun wurde in den USA das erste Präparat zur oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie zugelassen. Es ist für Kinder zwischen 4 und 17 Jahren mit einer Erdnussallergie gedacht, soll jedoch bisher nur in einem speziellen Programm im Rahmen einer Strategie zur Risikobewertung und -minderung (REMS) verwendet werden. Das heißt, die Daten der Patienten werden einer zentralen Stelle übermittelt und ausgewertet. Ziel der Therapie ist es, die betroffenen Allergiker vor einer starken allergischen Reaktion zu schützen, wenn sie versehentlich Erdnuss verzehren. Sie sollen jedoch weiterhin Erdnuss im Alltag meiden.

Orale Immuntherapie bei Erdnussallergie: Es gibt auch negative Aspekte

Zur OIT bei Erdnussallergie ist nun in Australien eine kritische Übersichtsarbeit publiziert worden. Die Therapie zeige sich verschiedenen Studien zufolge für viele Patienten als wirksam, konstatieren die Autoren. Offenbar ist ein großer Teil der behandelten Allergiker insofern geschützt, als dass in der Regel etwas größere Erdnussmengen als zuvor ohne deutliche Symptome vertragen werden können. Aber: Nur wenige der behandelten Patienten erreichen eine echte Remission, also eine Heilung. Die Autoren machen zudem auf einige Risiken und Nachteile der Therapie aufmerksam: Der Schutz hält nur an, solange die orale Therapie weitergeführt wird. Zudem kann dieselbe Person möglicherweise eine Zeit lang eine gewisse Menge Erdnuss gut vertragen, zu einem späteren Zeitpunkt jedoch plötzlich Beschwerden zeigen, obwohl die Therapie fortgeführt wurde. Ein Erdnussallergiker kann daher sogar offenbar plötzlich auf die verordnete Dosis Erdnuss stark allergisch reagieren. Zudem wurde nach Aussage der australischen Autoren beobachtet, dass einige Allergiker unter OIT sogar eher allergisch reagieren oder höhere Dosen des Notfallmedikaments Adrenalin benötigen als unter einer strikten Meidung des Allergens.

Besonders wichtig für die Betroffenen ist ihre Lebensqualität, daran sollen sich neue Therapien messen lassen. Zu diesem Thema jedoch, schreiben die Autoren, liegen bei der OIT noch nicht genügend beweiskräftige Studien vor. Bisherige Untersuchungen deuten eher darauf hin, dass die Lebensqualität unter OIT nicht besser ist als unter Placebo – oder sogar schlechter. Das liegt zum einen an den manchmal auftretenden doch noch heftigen allergischen Reaktionen, zum anderen sind bei der Immuntherapie bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu beachten: Die Patienten sollen ihre Erdnussdosis zum Beispiel nicht einnehmen, wenn sie in Situationen sind, in denen das Risiko für eine allergische Reaktion höher ist als sonst. Dazu gehören geplanter Sport oder auch die Tage während eines Infekts oder der Menstruation. Dies immer zu berücksichtigen, kann im Alltag deutlich stören.

Wie ließe sich die OIT bei Erdnussallergie noch verbessern?

Vor diesem Hintergrund versuchen einige Forscherteams, die orale Immuntherapie gegen Erdnussallergie zu verbessern und damit wirksamer zu machen, heißt es in der Publikation. Eine mögliche Option ist es, bestimmte Bakterien zusammen mit dem Erdnusspulver zu verabreichen. Dass bestimmte Bakterien aus der Gruppe L. rhamnosus sich günstig auf das Immunsystem in Bezug auf allergische Reaktionen auswirken, ist schon länger bekannt. So wurde in Studien die Erdnuss-OIT bereits mit der Gabe einer Art dieser Bakterien kombiniert – und das senkte die Nebenwirkungen bei weiterhin hohen Erfolgsquoten der Therapie. Solche Substanzen, die die Wirkung der oralen Immuntherapie verbessern können, werden in der Medizin als Adjuvanzien bezeichnet. Im Fall der oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie untersuchen derzeit verschiedene Wissenschaftler eine ganze Reihe von Adjuvanzien, die sich für die OIT eignen würden. Zudem gibt es neben der oralen Gabe auch bereits Präparate, die wie ein Pflaster das Erdnussprotein in die Haut abgeben. Menschen mit Erdnussallergie können also davon ausgehen, dass sich auf diesem Gebiet noch einiges tun wird.

Quelle: Tang MLK et al. Peanut Oral Immunotherapy − State of the Art. Immunol Allergy Clin N Am 2020; 40: 97–110