Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden, zu seltene Pollenallergien Ulme Linde Kiefer Eiche

Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden, zu seltenen Pollenallergien auf Ulme, Linde, Kiefer oder Eiche und ihre allergene Bedeutung!

Seltene Pollenallergien: Allergisch auf Ulme, Linde, Kiefer oder Eiche?

In Allergenkalendern, sind sie regelmäßig aufgeführt, die Pollenflugzeiten von Ulme, Linde, Kiefer und Eiche. Zwischen März und Juli sind diese Bäume aktiv und produzieren ihre Pollen. Die Frage ist nur, sind sie relevant? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden, über seltene Pollenallergien auf Ulme, Linde, Kiefer oder Eiche und ihre allergene Bedeutung.

Frau Dr. Hilka, Pollenallergien auf Ulme, Linde, Eiche und Kiefer gelten als relativ selten, ist das korrekt?

Bei Allergien auf Ulme, Linde, Eiche und Kiefer handelt es sich tatsächlich um ausgesprochen selten auftretende Allergien.

Die Ulme ist ein windbestäubender Baum, die auf alkalischen Tonböden wächst und eigentlich überall in Wäldern und Parks zu finden ist. Die allergene Bedeutung der Ulme ist äußerst gering. Hinzu kommt, dass es aktuell aufgrund eines Pilzes, der die Ulmen befällt, zu einem Ulmensterben kommt. Das heißt, die Anzahl der Bäume geht zurück und so wird die Bedeutung des Baumes für Allergiker noch weiter zurückgehen.

Die Linde wiederum, die in Mischwäldern auf feuchten Böden gedeiht und im Juni blüht, gehört zu den Insektenbestäubern. Insektenbestäuber sind grundsätzlich  nur gering allergen, weil die Bestäubung hier von Insekten übernommen wird und die Pflanzen keine großen Pollenmengen produzieren müssen, um sich zu vermehren. Übrigens, auch die Kastanie gehört zu den Insektenbestäubern, alle anderen Bäume sind Windbestäuber.

Auch die Kiefer, die außer in Nadelwäldern, auf Fels, Schotter und in den Mooren zuhause ist, hat eine geringe allergene Bedeutung. Wenn ein Patient jedoch eine Allergie gegen Nadelbaumpollen hat, was sehr selten ist, könnte es am ehesten durch die Kiefer zu Symptomen kommen, denn die Kiefer produziert  extrem große Pollenmengen.

Am ehesten kann es noch bei der Eiche zu einer leichten Sensibilisierung kommen. Die Eiche gehört zu den Buchengewächsen, ist in Laub- und Mischwäldern beheimatet und liebt Lehm- und Tonböden. Außerdem ist die Eiche kreuzreaktiv zur Birke, genau wie Hasel und Erle. Das bedeutet, ein Patient mit einer Birkenpollenallergie kann auch dann Allergiebeschwerden bekommen, wenn er sich in einem Wald befindet, in dem keine einzige Birke, wohl aber viele Eichen stehen. Ebenso kann ein Birkenpollenallergiker Heuschnupfen-Symptome haben, obwohl die Birken bereits abgeblüht sind. Die Eiche blüht etwas später als die Birke, Ende April bis Mitte Mai, und damit auch länger.

Es gibt jedoch ein Phänomen, das im Sommer vielen Pollenallergikern Probleme bereitet, der „Sommerschnee“ der Pappeln. Wenn Patienten auf den Sommerschnee reagieren, handelt es sich jedoch nicht um eine allergische Reaktion, sondern um eine Irritation der Schleimhaut. Gerade Pollenallergiker leiden oft unter einer sehr empfindlichen Nasenschleimhaut und reagieren mit Nasenlaufen, Augenbrennen und Hustenreiz auf den Sommerschnee der Pappeln.

Abschließend kann man sagen: Es ist grundsätzlich schon möglich, dass ein Patient eine isolierte Allergie auf Ulme, Linde, Kiefer und Eiche entwickelt, aber das wäre die große Ausnahme.

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Angenommen ein Patient hätte eine isolierte  Allergie auf Ulme, Linde, Kiefer oder Eiche, wie würden dann die Symptome aussehen?

Die Beschwerden bei einer Pollenallergie auf Ulme, Linde, Kiefer oder Eiche wären die gleichen, wie bei anderen Pollenallergien, z.B. laufende Nase, tränende Augen, Nießreiz, trockener Reizhusten etc..

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Wie erstellt man bei Pollenallergien auf Ulme, Linde, Eiche oder Kiefer die Diagnose?

Bei der Diagnose von Pollenallergien auf Ulme, Linde, Eiche oder Kiefer stellt sich das Problem, dass die Hersteller nicht mehr alle Diagnoseextrakte für Prick-Tests vorrätig haben. Aber selbst wenn man die Diagnose stellen könnte, könnte man nicht auf gewohnte Weise mit für die Hyposensibilisierung hergestellten Therapieallergenextrakten therapieren, denn diese stehen für Ulme, Linde, Eiche und Kiefer nicht zur Verfügung.

Sollte ein Patient also tatsächlich eine Allergie auf Ulme, Linde, Eiche oder Kiefer haben, muss man in der kurzen Blühzeit dieser Bäume symptomatisch bzw. mit einem systemischen Antiallergikum therapieren.

Es gibt ja das Konzept der homologen Therapieallergene, bei dem man mit einem anderen als dem primär auslösenden Allergen therapiert, wäre dies eine Option?

Da die Eiche kreuzreaktiv zur Birke ist, wäre eine homologe Immuntherapie eine Möglichkeit. Dazu müsste man auf der molekularen Ebene untersuchen, ob beim Patienten eine Korrespondenz der Sensibilisierungen besteht. Ist dies der Fall, könnte man bei einem Eichenpollenallergiker eine Immuntherapie auf Birkenpollen versuchen. Der Patient müsste dann jedoch aufgeklärt werden, dass es sich um einen Versuch handelt und nicht um eine mehrfach erprobte Therapie.

Allerdings stellt sich angesichts der recht kurzen Blühzeit der Eiche die Frage, ob sich der Aufwand einer Allergen Immuntherapie überhaupt lohnen würde – eine Gratwanderung. Ist der Patient auf ein Allergen mit einer geringen Allergenität und einer geringen Kreuzreaktivität auf Nahrungsmittel sensibilisiert und ist der Zeitraum der Belastung eng begrenzt, würde ich keine Immuntherapie empfehlen. Ich würde jedoch raten, in der entsprechenden Pollenflugzeit eine konsequente antiallergische Behandlung durchzuführen, sei es mit einem topischen Steroid – was manchmal ausreicht - oder mit einem guten, nicht sedierenden Antiallergikum.                  

Sie erwähnten beim Eichenpollenallergiker Kreuzreaktivitäten auf Nahrungsmittel…

Es kann bei einem Eichenpollenallergiker zu Reaktionen auf Nahrungsmittel, wie z.B. Kern- oder Steinobst, kommen. Diese sind aber kaum vergleichbar mit den Kreuzreaktionen von Menschen mit einer Birkenpollenallergie.

Frau Dr. Hilka, herzlichen Dank für dieses Interview!

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