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Allergie Alter

Allergie im Alter: Kann man im Alter allergisch werden?

Allergie im Alter: Kann man im Alter allergisch werden?

Kann man im Alter noch allergisch werden? Diese Frage stellen sich Viele, die sich mit einer Allergie im Alter konfrontiert sehen. Schließlich ging man lange davon aus, dass man entweder in der Jugend Allergien entwickelt, oder davon verschont bleibt. In den letzten Jahren nahmen aber auch Berichte über Allergien zu, die sich erst im späten Lebensalter zeigen. Ist dies ein neuer Trend? Wie kommt es zu vermehrten Allergien im Alter? Wie ist die Medizin auf diese Entwicklung vorbereitet? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin und Leiter der Stiftung ECARF über Allergie und Alter.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Dr. med. Torsten Zuberbier

Herr Prof. Zuberbier, zunehmend hört man von Patienten, die erst im hohen Alter eine Allergie entwickeln. Entwickeln sich Allergien heutzutage später?

Allergien treten insgesamt häufiger auf, auch bei jungen Menschen. Ein neuer Trend ist aber, dass Menschen erst in höherem Alter, mit 60, 70 oder gar 80 Jahren, Allergien entwickeln. Insgesamt ist der volkswirtschaftliche Schaden, der durch unbehandelte Allergien entsteht, enorm.

Warum nehmen Allergien insgesamt und eben auch im Alter zu?

Insgesamt liegt die drastische Zunahme, die man in den letzten 100 Jahren beobachtet hat, an den veränderten Lebensbedingungen und auch an Umweltbelastungen. Es ist sehr komplex. Kontakt mit Bakterien, die früher alltäglich waren, wie Tuberkulose, „schützen“ zwar vor Allergien, da sie das Immunsystem binden. Aber sie sind sicherlich gefährlich und Dank der besseren Hygiene jetzt selten. Allergien sind ja Ausdruck des besseren, starken Immunsystems, das sich nur aus Versehen gegen „harmlose“ Stoffe, wie Pollen, richtet. Die gute Nachricht aber ist: Allergien kann man sehr gut behandeln, die Tuberkulose dagegen ist nach wie vor hoch gefährlich.

Weiß man denn, wie hoch der Anteil der älteren Allergiker ist?

Leider gibt es zu Allergien im Alter keine Zahlen, ein ganz großes Manko in der Forschung. Es gibt sehr viele Geburten-Kohortenstudien, die auch mit europäischen Forschungsgeldern unterstützt wurden. Es fehlt jedoch eine Langzeitstudie, die bei älteren Patienten, etwa mit dem 60. Lebensjahr, beginnt. Sowohl durch das EU-Netzwerk GA2LEN als auch im Rahmen der ECARF-Stiftungsarbeit habe ich mich wiederholt dafür eingesetzt, Langzeitstudien auch an älteren Patienten durchzuführen. Aber der Fokus lag eben sehr lange auf Geburtskohortenstudien. Wir brauchen dringend Querschnittsstudien in der älteren Bevölkerung!

Ganz langsam rückt das Thema „Allergien im Alter“ aber doch in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass wir durch eine Spende bei der Stiftung ECARF ein Spezialprojekt zur Schulung von Pflegekräften in Altenheimen ins Leben rufen konnten.

Welche Allergien kann man denn im Alter noch bekommen?

Kurz gesagt: Man kann ganz einfach alle Allergien auch noch im Alter bekommen. Und: Die Bereitschaft, Allergien zu entwickeln, ist vererbbar. Das gilt auch dann, wenn erst im hohen Alter Allergien entwickelt wurden. Allerdings können Allergien im hohen Alter auch besser werden oder verschwinden. Das Immunsystem ist lebenslang plastisch. Auch die Hyposensibilisierung funktioniert im hohen Alter.

Gibt es bestimmte Allergien, die sich gerade im hohen Alter entwickeln können?

Alle Atemwegsallergien treten bei älteren Menschen im gleichen Verhältnis wie bei Jüngeren auf. Dazu gehören:

Treten allergische Reaktionen bei älteren Menschen genauso häufig auf wie bei Jüngeren?

Insgesamt sind allergische Reaktionen bei älteren Menschen seltener.

Wie entstehen Allergien im hohen Alter, gibt es Hypothesen zu den Ursachen?

Die Entstehung ist dieselbe in allen Altergruppen: Das gute Immunsystem richtet sich versehentlich gegen eigentlich harmlose Substanzen.

Nehmen auch die nicht allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten bei älteren Menschen zu?

Zu nicht allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben wir bereits vor über 10 Jahren eine Querschnittsstudie durchgeführt. Hier konnten wir sehen, dass gerade die nicht allergischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten im höheren Alter häufiger auftreten als in jungen Jahren.1

Sind betreuende Mediziner auf die Diagnose von „eine Pollenallergie erst im Alter“ vorbereitet?

Das Problem ist eher die Aufklärung, denn bei älteren Menschen rechnen viele Mediziner einfach nicht mehr damit, dass sich eine Allergie entwickelt. Eine Allergiediagnostik findet deshalb in vielen Fällen nicht statt. Das ist der Grund dafür, dass die betreuenden Mediziner auf das Thema Allergie im Alter nicht optimal vorbereitet sind. Um dieses Problem zu lösen, müsste man bessere Fortbildungsveranstaltungen für Mediziner anbieten. So könnte man sicherstellen, dass der Allgemeinmediziner auch eine plötzliche Allergie in hohem Alter, zum Beispiel einen allergischen Schnupfen, in Erwägung zieht, wenn ein alter Mensch einen längeren Schnupfen hat, die Nase morgens immer blockiert ist oder er anfängt zu schnarchen.

Unterscheiden sich die Symptome einer Allergie im Alter von den Symptomen in jüngeren Jahren?

Weder bei den Symptomen noch bei der Diagnostik von Allergien gibt es Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Menschen. Im Prinzip müssten die betreuenden Mediziner auch bei alten Menschen eine Allergie diagnostizieren können.

Unterscheidet sich die Therapie bei Allergien im Alter bzw. bis zu welchem Alter kann man noch eine Hyposensibilisierung durchführen?

Allergien werden im Alter nicht anders behandelt als bei den Jüngeren. Auch eine Hyposensibilisierung zur Behandlung der allergischen Rhinitis ist bei älteren Menschen durchaus möglich.

Viele alte Menschen werden von Pflegediensten oder in Altenheimen betreut. Wie ist geht man hier mit Allergikern um?

Zu diesem Thema gibt es weder standardisierte Schulungen noch Untersuchungen. Im Rahmen unseres ECARF-Sonderprojektes führen wir Schulungen für Pflegekräfte in Altenheimen mit dem Schwerpunkt „Pflege juckender Haut“ durch. Juckreiz spielt eine erhebliche Rolle im Alter, wobei der Juckreiz allergisch bedingt, aber auch andere Ursachen, wie zum Beispiel trockene Haut, haben kann. Das Projekt wurde durch eine Spende ermöglicht.

Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Schulungen sehr hilfreich sind. Leider sind die Spendengelder hierfür jedoch aufgebraucht und leider erhält unsere Stiftung auch insgesamt kaum Spenden. Anders als Krebs- und Herzerkrankungen werden Allergien leider auch bei privaten Spendern kaum beachtet, obwohl hier sehr viel Bedarf ist.

Kann man der Entstehung von Allergien im hohen Alter vorbeugen? Bei den Kindern gibt es ja Empfehlungen zur Prävention

Ja, Rauchen fördert Atemwegsallergien und bei Menschen, die Säureblocker für den Magen verwenden, entstehen leichter Nahrungsmittelallergien, da die Proteine nicht im Magen denaturiert, das heißt durch die Säure in ihrer Struktur verändert werden.

Herr Prof. Zuberbier, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Quellen:

1. Zuberbier T, Edenharter G, Worm M, Ehlers I, Reimann S, Hantke T, Roehr CC, Bergmann KE, Niggemann B., Prevalence of adverse reactions to food in Germany - a population study. Allergy. 2004 Mar;59(3):338-45. DOI: 10.1046/j.1398-9995.2003.00403.x

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.