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Allergie Entzündung Therapien

Allergie & Entzündung: Was triggert sie? Therapien!

Allergie & Entzündung: Was triggert sie? Therapien!

Eine Allergie bedeutet immer auch Entzündung. Ob Asthma, allergische Rhinitis oder Neurodermitis, immer ist eine allergische Entzündung beteiligt. Für Patienten stellt sich dann die Frage, ob es Faktoren gibt, die diese Entzündung triggert und welche Therapien helfen. Wie aber kommt es zu den Entzündungen? MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Harald Renz, Institut für Laboratoriumsmedizin und Pathochemie, Molekulare Diagnostik am Standort Marburg, Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Prof. Harald Renz

Herr Prof. Renz, wie kommt es zu chronisch entzündlichen Erkrankungen?

Alle chronisch entzündlichen Erkrankungen, zu denen auch, aber nicht nur, die Allergien zählen, sind das Resultat eines komplexen Zusammenspiels unterschiedlicher Faktoren.

Faktoren, die chronisch entzündliche Erkrankungen beeinflussen sind:

  • die individuelle genetische Disposition, d.h. das Grundrisiko des Individuums
  • Umweltfaktoren
  • Lebensstil und
  • Ernährung

Chronisch entzündlichen Erkrankungen entstehen also aufgrund komplexer Gen-Umwelt-Interaktionen.

Welche Erkrankungen zählen zu den chronisch entzündlichen Erkrankungen?

Zu den chronisch entzündlichen Erkrankungen gehören:

All diese Erkrankungen werden aufgrund der Pathogenese unter dem Oberbegriff der NCD zusammengefasst. NCD steht für „Non-Communicable Diseases“ und das bedeutet „nicht übertragbare, nicht infektiöse“ chronische Erkrankungen.

Wie triggern Umweltfaktoren die Entstehung von Allergien und anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen?

Es gibt Umweltfaktoren, die in Bezug auf die Entstehung von Allergien bzw. chronisch entzündlicher Erkrankungen ein Risiko darstellen.

Zu den Umweltfaktoren, die Entzündungen bzw. Allergien fördern, gehören:

  • Rauchen
  • Umweltschadstoffe, wie Feinstaub oder Dieselpartikel, SO2, NO2
  • Stress

Es gibt aber auch schützende Umweltfaktoren.

Welche Umweltfaktoren schützen vor Allergien?

Bei den Allergien wissen wir, dass die traditionelle Lebensweise vor Allergien schützt. Eine naturnahe Lebensweise bringt auch den Kontakt mit vielen harmlosen Umweltkeimen und Bakterien mit sich, daher der schützende Effekt. Dazu gehört auch eine natürliche Ernährung, mit vielen frischen, unverarbeiteten Produkten. Man könnte auch sagen: Ein Leben auf dem Bauernhof hilft dabei, vor Allergien zu schützen! Letztendlich entscheidet die Balance aus Risikofaktoren und schützenden Faktoren über das individuelle Risiko, eine oder mehrere chronisch entzündliche Erkrankungen zu entwickeln.

Wann kippt diese Balance aus Risikofaktoren und schützenden Faktoren, so dass Allergien entstehen?

Die Balance kann zu jedem Zeitpunkt im Leben kippen. Wir erleben immer mehr Patienten im Alter von 40 bis 60 Jahren, die erstmals an allergischen Erkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen erkranken. Umgekehrt wissen wir aber, dass die ersten, frühen Lebensabschnitte sehr entscheidend für die Prägung des Immunsystems und der metabolischen Eigenschaften des Individuums sind. Was Viele nicht wissen: Die frühen Lebensabschnitte eines Menschen beginnen bereits mit der Schwangerschaft der Mutter und umfassen die ersten zwei Lebensjahre, quasi die ersten 1000 Tage.

Gilt das auch für andere chronisch entzündliche Erkrankungen, wie beispielsweise Autoimmunerkrankungen?

Zunächst zum Hintergrund: Aufgabe des Immunsystems ist es, ein „Programm“ auszubilden, das wir immunologische oder klinische Toleranz nennen. Toleranz heißt, dass das Immunsystem Antigene erkennen muss. Diese Antigene sind jedoch nicht gefährlich. Eine der Hauptaufgaben des Immunsystems besteht darin, Gefährliches als gefährlich zu erkennen, wie zum Beispiel das Corona-Virus oder andere Viren, Bakterien einer Infektion. Umgekehrt muss das Immunsystem aber auch harmlose Antigene als harmlos erkennen. Diese Unterscheidung vornehmen zu können ist der „heilige Gral“ des Immunsystems. Und an diesem heiligen Gral ist das adaptive Immunsystem ganz wesentlich beteiligt.

Was ist dann das adaptive Immunsystem?

Das adaptive Immunsystem ist durch zwei wesentliche Aspekte charakterisiert:

1. Die Antigen-Spezifität

2. Die Gedächtnisfunktion

Wenn Antigene in den Körper gelangen, werden sie vom adaptiven Immunsystem aktiv erkannt. Es ist die T-Zelle, die an dieser Stelle entscheidet, ob die Antigene gefährlich oder harmlos sind. Wenn sie harmlos sind, entwickelt sich Toleranz. Sind sie gefährlich, wird eine aktive Abwehrreaktion-Entzündungsreaktion in Gang gesetzt. Dieses Training muss vom adaptiven Immunsystem lebenslang aktiv betrieben werden. Das startet schon im Mutterleib, und zwar in zwei Richtungen: Aus Sicht der Mutter ist der Fötus eigentlich eine inkompatible Organtransplantation. Der Grund: Das ungeborene Kind exprimiert auch väterliche Antigene, auf die das mütterliche Immunsystem eigentlich mit einer Abstoßungsreaktion reagieren müsste. Das ist ein wunderbares Beispiel für Toleranz-Entwicklung. Umgekehrt ist es beim T-Zellen-Training des Fötus genauso. Das heranreifende Immunsystem des Kindes wird mit mütterlichen Antigenen konfrontiert. Auch da muss der Fötus die richtige Entscheidung treffen, ein Prozess, der sich nach der Geburt fortsetzt.

Heißt das, dass adaptive Immunsystem lernt lebenslang dazu?

Nicht unbedingt. Wir sehen, dass mit zunehmendem Alter, in der fünften, sechsten, siebten Lebensdekade, vermehrt Tumore und Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel Rheuma, neu auftreten. Auch zu Allergien, wie zum Beispiel zu Nahrungsmittelallergien oder Heuschnupfen, kann es noch in höherem Alter erstmals kommen.

Das alles ist Ausdruck einer gewissen „Altersschwäche des Immunsystems“. Es hat mit zunehmendem Alter Schwierigkeiten, eine Diskriminierung der Antigene in „harmlos“ und „gefährlich“ vorzunehmen und so kommt es zu Entzündungsreaktionen.

Welche Symptome können auf eine Entzündung im Körper hindeuten?

Es gibt natürlich erstmal die allgemeinen Entzündungssymptome, die jeder kennt: Jeder hatte schon einmal einen Infekt der oberen Atemwege mit Husten, Schnupfen, Unwohlsein, Schlappheit, Fieber, Konzentrationsstörungen und Müdigkeit. Das sind ganz unspezifische Zeichen einer akuten Infektion bzw. Entzündung. Diese Symptome werden durch die sogenannte „Akute-Phase-Reaktion“ ausgelöst und auch durch Zytokine, also inflammatorische Botenstoffe. Diese Zytokine wirken auch in den Organen. Ganz wesentlich beteiligt bei der Akute-Phase-Reaktion ist die Leber mit einem erhöhten CRP-Wert. Das zweite Organ ist das zentrale Nervensystem mit der ACTH-Kortisol-Achse und Fieberreaktionen. Das dritte Organ ist das Knochenmark, in dem die Hämatopoese in Gang gesetzt wird, insbesondere die Leukopoese mit den Neutrophilen und den Granulozyten. Wichtig ist es, das von der chronischen Entzündung zu unterscheiden.

Was unterscheidet eine akute Entzündung von einer chronischen Entzündung, wie sie bei Autoimmunerkrankungen oder Allergien auftritt?

Während bei der akuten Entzündung die Akute-Phase-Reaktion in Form von CRP, Fieber etc. sichtbar ist, findet bei der chronischen Inflammation eine permanente Entzündungsantwort am jeweiligen Erfolgsorgan statt. Das kann zum Beispiel bei der Nase in den Nasennebenhöhlen sein, im Gastrointestinaltrakt oder in der Lunge.

Diese chronische Entzündung wird durch das adaptive Immunsystem aufrechterhalten, den T-Zellen. Eine besondere Form der chronischen Entzündung ist die allergische Entzündung: Dabei sind speziell die Th-2-Zellen von Bedeutung. Diese Th-2-Zellen organisieren die Effektor-Antwort der allergischen Entzündung mit eosinophilen Granulozyten, Mastzellen und IgE.

Mit welchen Diagnosetools stellt man die Entzündung fest?

Das kommt darauf an, um welche Art Entzündung es sich handelt.

Bei Entzündung im Körper durch Allergie

Die Diagnose einer Entzündung, die durch eine Allergie hervorgerufen wurde, wird zunächst anhand der Symptome gestellt. Klinische Symptome bei einem Heuschnupfen wären dann etwa die verstopfte Nase oder beim Asthma die anfallsweise Luftnot. Dazu gehört eine gute Anamnese, bei der der Arzt sich die Mühe machen muss, in die Tiefe der Patientengeschichte einzusteigen. Danach kommen die diagnostischen Maßnahmen zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem auch die Laboruntersuchungen. Ganz wichtig bei den allergischen Erkrankungen ist die Messung des gesamten IgE, des allergen-spezifischen IgE und auch der eosinophilen Granulozyten.

Bei Entzündung im Körper durch Autoimmunerkrankungen

Bei den Autoimmunerkrankungen haben wir die Möglichkeit, die Diagnostik anhand von Auto-Antiköpern durchzuführen. Dadurch lässt sich organ- und gewebetypisch spezifisch erkennen, ob sich eine Immunreaktion gegen körpereigenes Gewebe und gegen körpereigene Strukturen ausgebildet hat.

Was kann man tun, um chronisch entzündliche Erkrankungen wie Autoimmunerkrankungen und Allergien zu verhindern?

Man kann sehr viel tun, um die Entstehung von chronisch entzündlichen Erkrankungen zu vermeiden. Allerdings mangelt es häufig an der Umsetzung in die Praxis.

Faktoren im eigenen Verantwortungsbereich, die entzündliche Erkrankungen wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen, metabolische Erkrankungen und kardiovaskulären Erkrankungen triggern können, sind:

  • Stress
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Ungesunde Ernährung mit vielen Fertigprodukten

Sowohl der Stresspegel als auch die Ernährung sind beeinflussbar. Viele Kinder und Jugendliche sind aber übergewichtig und haben damit ein hohes Risiko für das Entstehen chronisch entzündlichen Erkrankungen. Wir wissen aber wie schwer es ist, Kinder und Jugendliche dazu zu motivieren, sich gesund zu ernähren und sich mehr zu bewegen. Durch unsere westliche industrialisierte Lebensweise sind wir sehr stark geprägt. Es wird immer schwerer, hier Einfluss zu nehmen. Eine echte Prävention, also Krankheits-Verhinderung, gibt es leider nicht. Das ist eine riesige Herausforderung!

Könnte man chronisch entzündliche Erkrankungen bereits durch eine Änderung des Lebensstils bzw. eine Verhaltensänderung erreichen?

Eine Verhaltensänderung könnte einen erheblichen Beitrag dazu leisten, chronisch entzündliche Erkrankungen zu verhindern. Hier sind die Gesundheitspolitik, die Ärzteschaft, die Eltern, Kitas und Schulen gleichermaßen gefragt. Nur durch eine konzertierte Anstrengung wäre es zu verhindern, dass immer mehr Menschen an chronisch entzündlichen Erkrankungen erkranken.

Gibt es entzündungshemmende Lebensmittel, die chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Allergien und Autoimmunerkrankungen helfen können?

Wir wissen natürlich, dass viele Lebensmittel und Nahrungskomponenten pharmazeutisch aktive Komponenten enthalten. Ein prominentes Beispiel für Nahrungsmittel mit antientzündlichen Eigenschaften ist zum Beispiel der Ingwer. Aber auch die Zwiebel und der Knoblauch haben antientzündliche Effekte. Das gilt auch für bestimmte Gewürze. Da gibt es ganz viele Beispiele, und das ist auch der Grund dafür, dass in bestimmten Kulturen bestimmte Speisen bevorzugt werden. Am Ende des Tages kann der Ingwer bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen oder Allergien aber ein gutes antientzündliches Medikament, wie beispielsweise Kortison, nicht ersetzen.

Zur Therapie chronisch entzündliche Erkrankungen: Wie ist der Stand der Entwicklung im Bereich antientzündliche Therapien gegen Allergien?

Der Fokus der Therapien liegt in der Tat auf „antientzündlich“, das gilt für alle allergischen Erkrankungen. Dabei ist das Kortison nach wie vor der wichtigste Faktor.

Damit ist nicht die orale Gabe von Kortison gemeint, sondern die topisch lokale Anwendung wie inhalativ, als Spray oder als Salbe oder als Creme zum Auftragen auf die Haut. Die Behandlung mit lokal angewendetem Kortison ist bei Allergien sehr effektiv, aber dennoch nebenwirkungsbehaftet. Deshalb sucht man nach Alternativen für die antientzündliche Behandlung. Durch die neuen Therapien mit Biologika und Januskinase Inhibitoren (JAK-Inhibitoren) tun sich hier auch ganz neue Wege auf. Biologika arbeiten mit monoklonalen Antikörpern, Januskinase Inhibitoren A steuern Entzündungsprozesse über Signalwege.

Welche Biologika und Januskinase Inhibitoren stehen aktuell zur Therapie chronisch entzündlicher Erkrankungen zur Verfügung?

Der erste große Durchbruch bei den Biologika wurde mit dem Anti-IgE Omalizumab zur Therapie von Asthma erzielt. Omalizumab, der monoklonale Antikörper gegen freies IgE, ist das älteste Biologikum, welches wir in der Allergie zur Verfügung haben. Das ist überaus wichtig und hat sich in ganz vielen klinischen Studien auch bei unterschiedlichen Fragestellungen und Indikationen sehr bewährt. Mittlerweile sind weitere monoklonale Antikörper verfügbar, die gegen Botenstoffe in der allergischen Entzündungsreaktion gerichtet sind. Diese neutralisieren beispielsweise das Interleukin-5, dass bei der Eosinophilie zum Einsatz kommt, das Interleukin-4 und das Interleukin-13 bzw. deren Rezeptoren.

Die „zweite Generation“ an Biologika sind die Zytokine- und Zytokin-Rezeptor-Antagonisten. Wie gesagt orchestrieren die Th-2-Zellen die allergische Effektor-Antwort.

Dabei spielen die IgE-Produktion und die Eosinophilen (Eosinophilie) eine ganz wichtige Rolle. Die Mediatoren, die die IgE-Produktion und die Eosinophilie steuern, sind zum einen das Interleukin-5 und zum anderen das Interleukin-4 und -13. Die Eosinophilen haben als Effektor-Zellen im Gewebe auch die Funktion, das Gewebe zu zerstören. So halten sie den Entzündungsprozess im Gewebe aufrecht. Dementsprechend macht es natürlich therapeutisch Sinn, diese Eosinophilen auszuschalten. Möglich wird dies durch monoklonale Antikörper gegen Interleukin-5 oder gegen Interleukin-5-Rezeptoren. Die Zytokine Interleukin-4 und Interleukin-13 benutzen eine gemeinsame Rezeptorkette, die Interleukin-4-Rezeptor-alpha-Kette, und dagegen ist das Biologikum Dupilumab gerichtet. Mit diesem monoklonalen Antikörper verhindert man sowohl die Bindung von Interleukin-4 als auch die Bindung von Interleukin-13. Dupilumab ist bei atopischer Dermatitis, bei Asthma, bei chronischer Sinusitis und bei Nahrungsmittelallergien, ergänzend zu anderen Maßnahmen, getestet.

Die JAK-Inhibitoren, als „dritte Generation“, sind auch oral als Tabletten verfügbar. Anders als bei den monoklonalen Antikörpern muss man die JAKs nicht mehr durch eine Spritze verabreichen. Das ist die nächste Generation der spezifischen, selektiven Therapie und sie zeigt gute Erfolge.

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.