Hochleistungsmilchkühe Tierärzte Milchleistung

Ernst-Günther Hellwig, Fachtierarzt, studierter Landwirt und Gründer der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)

Hochleistungs-Milchkühe: Tierärzte kritisieren immer höhere Milchleistung!

Kritik an der einseitigen Fokussierung auf die Milchleistung von Kühen übten Tierärzte in der Göttinger Erklärung 2016. Sie sehen die einseitig auf hohe Milchproduktion ausgerichteten Zuchtstrategien als Ursache für zunehmende Erkrankungen der Tiere und eine extreme Ermüdung. Warum ist die Milchleistung das Leitmerkmal bei der Kuhzucht und was sollte man besser machen? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Ernst-Günther Hellwig, Fachtierarzt, studierter Landwirt und Gründer der Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA).

Herr Hellwig, in der Göttinger Erklärung 2016 zur Milchproduktion kritisieren die unterzeichnenden Veterinäre, dass die Steigerung der Milchleistung bei den Kühen zu hohen Erkrankungsraten und vorzeitige Abgängen der Milchkühe führt, was bedeutet das?

Uns Tierärzten fällt auf: Je höher die Milchleistung einer Kuh ist, desto schwieriger ist die fachgerechte Betreuung dieser besonderen Kuh, und desto häufiger leiden solche nicht optimal gemanagten Kühe dann unter bestimmten Erkrankungen, meist Entgleisungen des Stoffwechselgeschehens. Man könnte sagen, die hohe Milchleistung laugt unsere Kühe, bei nicht optimaler Betreuung durch den Landwirt regelrecht aus. Dies wiederum hat zur Folge, dass bei Kühen mit extrem hoher Milchleistung die normale Lebenszeit einer Milchkuh von 5 ½ Jahren  drastisch reduziert ist, d.h. sie wird früher geschlachtet.

Warum steht bei der Kuhzucht ausschließlich die Milchleistung im Zentrum des Interesses?

Die Landwirtschaft ist heutzutage quasi eine „Industrie“ mit den dazugehörigen „Produktionsmitteln“. Dazu gehören der Stall, mit allem, was dazu gehört, die Kühe, die Melkmaschinen, Lüftung, etc.. Die Kosten, z.B. für die Melkmaschine, sind die gleichen, egal ob nur eine oder hunderte Kühe gemolken werden. Auch ob es pro Kuh pro Melkvorgang nur einen Liter Milch gibt, oder 100 Liter, spielt für die Kosten der Melkmaschine keine Rolle – sie bleiben immer gleich.

Aber: Je intensiver die Melkmaschine genutzt wird, desto niedriger werden die Kosten pro Liter Milch. In der Industrie senken sich ja auch die Stückkosten mit zunehmender Auslastung der Maschinen. Da ein Landwirt von den Erträgen leben muss- er muss auch ein Einkommen haben- die er mit der Milch seiner Kühe erzielt, ist er gezwungen, die Kosten pro Liter Milch so niedrig wie möglich zu halten. Dadurch entsteht für Landwirte der Zwang, seinen Stall auszulasten, also möglichst viele Kühe im Bestand zu haben, die möglichst viel Milch geben und diesem Trend unterwirft sich primär  auch die Züchtung.

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