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Allergenimmuntherapie Hausstaubmilbenallergie Hypo

Allergenimmuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie: Hilft die Hypo? Bildquelle: Pixaby, WikiImages

Allergenimmuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie: Hilft die Hypo?

Die Allergen-Immuntherapie (AIT) ist die einzig ursächliche Behandlung einer Hausstaubmilbenallergie. Aber wem hilft die Hyposensibilisierung, kurz „Hypo“? Wie wirksam ist sie? Ist bei der Allergie gegen Hausstaubmilben (HSM) nur die subcutane spezifische Immuntherapie (SCIT), d.h. die Spritzentherapie möglich, oder kann man auch mit der sublingualen spezifischen Immuntherapie (SLIT) gute Ergebnisse erzielen? Diese Fragen zur Hyposensibilisierung beantworteten Dr. med. Heike Appel und Priv.-Doz. Dr. med. Janina Hahn, Fachärztinnen und Allergologinnen an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Universitätsklinikum Ulm für MeinAllergiePortal.

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. med. Heike Appel und Priv.-Doz. Dr. med. Janina Hahn

Frau Dr. Appel, Frau PD Hahn, welchen Patienten mit einer Hausstaubmilbenallergie kann eine spezifische Immuntherapie helfen?

Da eine komplette Allergen-Meidung bei einer Allergie auf Hausstaubmilben nicht möglich ist, kann eine spezifische Immuntherapie allen Patienten helfen, die Allergie-Beschwerden trotz antiallergischer Therapie haben. Zur antiallergischen Therapie zählen bei der Hausstaubmilbenallergie, zum Beispiel cortisonhaltige Nasensprays und weitere Maßnahmen, wie beispielsweise spezielle Bettwäsche; Encasing und Staubsauger mit Hepafilter. Wichtig ist zusätzlich die Bereitschaft der Patienten, die Hyposensibilisierung für mindestens 3 Jahre durchzuführen.  

Wie sehen die klassischen ganzjährigen Symptome einer Rhinokonjunktivitis bei einer Hausstaubmilbenallergie aus?

Die klassischen Symptome einer HSM-Allergie sind eher unspezifisch, am häufigsten werden eine verstopfte Nase, insbesondere nachts und morgens, Naselaufen, teilweise auch Niesreiz, Husten oder asthmatische Beschwerden sowie seltener Augenjucken und -tränen beklagt. Auch Symptome, wie Schlafprobleme und Tagesmüdigkeit können dazukommen. In der Regel sind die Beschwerden im Herbst und Winter ausgeprägter als in den warmen und trockenen Monaten.

Wie testet man die Patienten auf eine Allergie gegen Hausstaubmilben?

Am wichtigsten ist die Anamnese – also das Gespräch mit dem Patienten - in dem die Beschwerden, zeitliche und räumliche Zusammenhänge, mögliche Ursachen und die allgemeine Krankheitsgeschichte erfragt werden sollen. Dann wird ein Allergietest, in der Regel ein Prick-Test (Hauttest) durchgeführt. In manchen Fällen ist es nötig, die spezifischen IgE Antikörper, früher auch RAST genannt, im Blutserum zu bestimmen. Mit dem Hauttest und dem spezifischen IgE wird lediglich die Sensibilisierung erfasst, bestätigen lässt sich die Hausstaubmilben-Allergie nur durch Nachweis der Symptome am Erfolgsorgan, das heißt dem Organ, das von der Haustaubmilbenallergie betroffen ist, der Nase. Hierzu wird die nasale Provokation angewandt, bei der Milbenallergene auf die Nasenschleimhaut appliziert und die Symptome sowie die Nasendurchgängigkeit gemessen werden.

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Priv.-Doz. Dr. med. Janina Hahn, Fachärztin und Allergologin an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Universitätsklinikum Ulm, Bildquelle: J. Hahn

Muss ein Patient mit Hausstaubmilbenallergie als Voraussetzung für eine Hyposensibilisierung zunächst eine Hausstaubmilbensanierung durchgeführt haben und Milbenbezüge für die Betten benutzen?

Eine Hyposensibilisierung ist leitliniengemäß immer dann empfohlen, wenn es „nicht oder nur schwer möglich ist, das Allergen zu meiden.“ Wenn Patienten nicht zur wenigstens teilweisen Umsetzung von Karenzmaßnahmen bereit sind, ist auch die zur AIT notwendige Compliance bzw. Adhärenz fraglich. Nicht jeder wird alle möglichen Karenzmaßnahmen komplett umsetzen, jedoch sollte die Matratze mit einem milbendichten Encasing bezogen sein, ein Staubsauger mit Hepafilter oder ähnliches eingesetzt werden, sowie Teppiche, Staubfänger und Schimmelpilze nicht vorhanden sein. Oberbetten, Kissen und Bezüge sind entsprechend häufig zu waschen. Auf der anderen Seite sollte eine Hyposensibilisierung eher frühzeitig begonnen werden, um eine Verminderung des Asthmarisikos und ein besseres Ansprechen auf die Therapie zu erzielen.

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Wie wirksam ist die Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie, gibt es wichtige Voraussetzungen?

Eine sichere Vorhersage über das Ansprechen auf die Hyposensibilisierung ist zwar nicht möglich, aber die Erfolgsrate ist gut, wenn die Indikation stimmt, das heißt wenn die Allergie auf Milben als Ursache der Symptome nachgewiesen wurde und keine Kontraindikationen bestehen. Eine weitere Voraussetzung für den Erfolg der mindestens 3-jährigen Hyposensibilisierung ist die Motivation, Compliance und Adhärenz der Patienten. Zudem sollten nur Präparate mit in entsprechenden Studien nachgewiesener Effizienz zur AIT verwendet werden.

Welche Rolle spielt das Alter des Hausstaubmilbenallergikers für den Erfolg der Hypo?

Es wird davon ausgegangen, dass eine bereits früh nach Allergie-Ausbruch begonnene Hyposensibilisierung wirksamer ist. Zugelassene Hausstaubmilben-Therapieallergene gibt es für Kinder ab 5 Jahren. Eine ganz klare Altersbegrenzung für die Allergen-Immuntherapie, wie man sie in früheren Zeiten angenommen hat, existiert nicht. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung dann am höchsten ist, wenn die Hausstaubmilbenallergie noch nicht so lange besteht und der Patient „jünger“ ist. Aber auch ältere Patienten mit einer Milben-Allergie können erfolgreich mit einer Immuntherapie gegen Hausstaubmilben behandelt werden. Allerdings sind Komorbiditäten, die Dauer der Milbenallergie und die Immunoseneszenz zu beachten. „Immunoseneszenz“ bedeutet, dass die Leistungsfähigkeit des Immunsystems mit zunehmendem Lebensalter nachlässt, so dass die Hyposensibiliserung nicht mehr ganz so gut wirkt.

allergenimmuntherapie hausstaubmilbenallergie hypo drheike appel meinallergieportalDr. med. Heike Appel, Fachärztin und Allergologin an der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie Universitätsklinikum Ulm, Bildquelle: H. Appel

Was ist ansonsten bei Kindern bei einer Immuntherapie gegen Milben zu beachten?

Es sollte mit den Eltern und dem Kind die Möglichkeit der verschiedenen Applikationen (SCIT und SLIT) besprochen werden. Vorteil der sublingualen Gabe ist, dass Spritzen und der häufige Arztkontakt nicht erforderlich sind, Vorteil der subcutanen Gabe ist die regelmäßige ärztliche Kontrolle, wie gut das Ansprechen auf die Therapie ist. Die SLIT ist bislang jedoch nur bei Kindern ab 12 Jahren zugelassen. Nach eigenen Beobachtungen ist die Compliance und Adhärenz von Kindern und Jugendlichen bei einer SLIT in der Regel wesentlich schlechter als bei einer SCIT. Werden kieferorthopädische Apparaturen getragen, raten wir zur SCIT aufgrund möglicher verstärkter lokaler Nebenwirkungen bei einer SLIT.

Woran liegt es, dass eine Zahnspange die lokalen Nebenwirkungen einer Hyposensibilisierung verstärken könnte? Gilt das auch für Zahnersatz?

Es wird empfohlen, dass zum Beispiel bei akuten Entzündungen oder Verletzungen der Mund- oder Rachenschleimhaut und bei größeren chirurgischen Eingriffen der Mundhöhle – z.B. einer Zahnentfernung – keine SLIT angewendet werden soll, bis zur Abheilung. Ödeme im Mund oder Juckreiz sowie Ulzerationen im Mund gehören zu den häufigen Nebenwirkungen der SLIT. Bei Zahnspangen sind kleine Verletzungen der Mundschleimhaut sehr viel häufiger.

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Und wie wirkt sich die Qualität des Milben Allergenextraktes auf den Therapieerfolg aus?

Maßgeblich für die Wirksamkeit der spezifischen Allergenimmuntherapie ist die Qualität des verwendeten Allergenextraktes. Sowohl die Allergen-Qualität und -Quantität als auch die Zusammensetzung des Allergenextraktes, Adjuvantien und letztendlich die Dosierung sind von entscheidender Bedeutung.

Wie findet der Arzt das beste Präparat für die Hypo gegen Hausstaubmilbenallergie?

Im Vorfeld der Empfehlung für eine bestimmte Therapie orientiert sich der Mediziner an der aktuellen Studienlage. Hausstaubmilben-Therapieallergene fallen in Deutschland unter die Therapieallergenverordnung (TAV). Zur Zulassung durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) sind entsprechende Studien zum Nachweis der Sicherheit und Wirksamkeit erforderlich. Ärzte können sich am besten hierzu unter https://www.pei.de/DE/arzneimittel/allergene/allergene-node.html informieren.

Kann jeder Hausstaubmilbenallergiker eine Hyposensibilisierung durchführen oder gibt es auch Erkrankungen, die dagegen sprechen?

Insbesondere bei der subcutanen Immuntherapie (SCIT) müssen Erkrankungen, die gegen eine Hyposensibilisierung sprechen, beachtet werden. Bei der sublingualen Gabe sind die Vorgaben etwas weniger streng. Unter anderem sind schwere Immundefekte und aktive Tumorerkrankungen sowie ein unkontrolliertes Asthma absolute Kontraindikationen.

Heißt das, bei Asthma bronchiale wird die Immuntherapie auf Hausstaubmilben nicht durchgeführt?

Nein, ein kontrolliertes Asthma, das bedeutet bei Asthma Kontrolltest 20 bis 25 Punkte, stellt keine Kontraindikation dar. Ein teilweise kontrolliertes Asthma, Asthma Kontrolltest 16 bis 19 Punkte, sollte vor AIT-Beginn in ein kontrolliertes Asthma überführt werden. Ferner orientiert man sich am sogenannten forcierten exspiratorischen Volumen (FEV1-Wert). Für die Durchführung einer spezifischen Immuntherapie bei Asthmatikern sollte der FEV1-Wert nicht unter 70 Prozent liegen. Eine interdisziplinäre lungenfachärztliche Zusammenarbeit ist manchmal erforderlich. Früher galt ein Asthma bronchiale als Kontraindikation für eine Hyposensibilisierung. Mittlerweile gibt es Allergentherapeutika, die zur Therapie des allergischen Asthmas zugelassen sind, auch zur AIT des allergischen Asthmas durch eine Allergie auf Hausstaubmilben.

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Gibt es weitere Erkrankungen, bei denen eine Hyposensibilisierung gegen Milbe gefährlich wäre?

Das Risiko einer Allergen-Immuntherapie mit Hausstaubmilben für Allergiker mit Komorbiditäten ist individuell abzuwägen. So stellen unter anderem Infektionen, Mastzellaktivierungssyndrome, Autoimmunerkrankungen und die Einnahme mancher Medikamente, wie beispielsweise ACE-Hemmer oder ß-Blocker, ein Risiko dar. Zusätzlich sind schwerwiegende systemische Reaktionen bei einer durchgeführten Immuntherapie in der Vergangenheit ein Warnsignal. Akute Entzündungen und Schleimhautverletzungen in der Mundhöhle, beispielsweise nach zahnärztlichen oder chirurgischen Eingriffen, sollten bei einer sublingualen Therapie nicht vorliegen.

Gibt es bei der Hyposensibilisierung gegen Hausstaubmilbenallergene auch Kontraindikationen?

Absolute Kontraindikationen sind, wie bereits erwähnt aktive Krebserkrankungen sowie die Einnahme von Immunsuppressiva und ß-Blockern (relative bis absolute Kontraindikation). Käme es unter ß-Blockern im Zuge der Behandlung zu einem anaphylaktischen Schock, wären die Betarezeptoren durch ß-Blocker belegt, und eine Erweiterung der unteren Atemwege würde verhindert.

Darüber hinaus wird empfohlen Kontraindikationen für eine Hyposensibilisierung, individuell abzuwägen. Hierzu sind folgende Fragen zu beantworten:

  • Hat die AIT negative Effekte auf entsprechende Begleitumstände/Erkrankungen?
  • Ist mit vermehrten oder schwerwiegenderen AIT bedingten Nebenwirkungen zurechnen?
  • Ist eine verminderte Wirksamkeit der AIT zu erwarten?  

Kann man eine Hyposensibiliserung auch in der Schwangerschaft beginnen?

In der Schwangerschaft sollte man eine Hyposensibilisierung nicht beginnen. Es wird jedoch empfohlen, die Immuntherapie auch während der Schwangerschaft fortzusetzen, sofern sie zuvor begonnen und gut vertragen wurde.

Wie wird eine Immuntherapie gegen Milben genau durchgeführt?

Nachdem man sich für eine Therapieform (SLIT oder SCIT) entschieden hat, wird zunächst der Patient noch einmal ärztlich über die geplante Therapie aufgeklärt. Die SLIT wird dem Patienten dann rezeptiert, der Patient erhält eine sehr ausführliche Aufklärung zur Therapie, zu Durchführung, Sicherheitsmaßnahmen und potentielle Risiken. Die Ersteinnahme erfolgt unter ärztlicher Aufsicht, ab dann wird in der Regel jeden Tag eine Tablette selbst eingenommen. Bei der SCIT gibt es je nach Präparat verschiedene Dosierungsschemata. Begonnen wird mit einer sehr niedrigen Dosis, die je nach Präparat und Schema wöchentlich gesteigert wird. Das Intervall der Erhaltungsdosis beträgt in der Regel 4 bis 6 Wochen. Nach den Injektionen verbleiben die Patienten 30 Minuten in der Praxis zur Überwachung. Am gleichen Tag nach der Injektion sollen die Patienten sich nicht körperlich anstrengen. Manchmal ist es beispielsweise aufgrund von Infekten erforderlich, eine Spritze zu verschieben. Die SCIT erfolgt immer durch den behandelnden Arzt.

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Wie lange dauert eine Hyposensibilisierung?

Die Dauer liegt bei mindestens 3 Jahren. Wenn nach einem Jahr keine Besserung bemerkt wird, sollte die Therapie hinterfragt werden.

Wann genau sollte man eine Immuntherapie durchführen, vor, während oder nach der Pollenflugzeit?

Leiden Patienten sowohl unter einer Milben-Allergie als auch unter einer Pollenallergie, sollte die Immuntherapie mit Milbe (SCIT oder SLIT) erst nach dem Pollenflug begonnen werden. So kann man verstärkte Nebenwirkungen, die bis zum Therapieabbruch führen können, verhindern. Besteht bei Patienten mit Milben-Allergie keine zusätzliche Pollenallergie, spielt der Pollenflug für den Therapiebeginn keine Rolle. Die AIT mit Milbe muss ganzjährig durchgeführt werden.

Wie schnell wirkt eine Hyposensibilisierung gegen Hausstaubmilben?

Auch für den Wirkungseintritt spielt es eine Rolle, wie lange die Erkrankung schon besteht, wie alt die Patienten sind und ob ein Asthma bronchiale vorliegt. Üblicherweise erwartet man innerhalb des ersten Jahres nach Beginn der spezifischen Immuntherapie eine deutliche Symptomreduktion, etwa nach 2 bis 4 Monaten sollte eine Wirksamkeit eintreten.

Muss man parallel zur Immuntherapie gegen Milbe weiterhin Allergie Tabletten oder Nasenspray nehmen?

Da ein Therapieerfolg erst nach einigen Monaten bemerkt wird, empfiehlt sich die weitere Anwendung nasaler Kortikosteroide bei Bedarf. Alternativ können auch Antihistaminika der 2. oder 3. Generation eingesetzt werden, auch zur Reduktion einer lokalen allergischen Reaktion durch SCIT oder SLIT. Die Wirkung der AIT wird hierdurch nicht beeinträchtigt.

Was kann passieren, wenn man die Immuntherapie frühzeitig abbricht?

Wenn die Behandlung für einen Zeitraum von wenigen Tagen unterbrochen wird, kann die Therapie zumeist wieder aufgenommen werden. Je nachdem wie lange die Unterbrechung dauerte, muss eventuell eine Dosisanpassung erfolgen. Das hängt vom Präparat ab. Ein vorzeitiger kompletter Abbruch der Therapie vermindert je nach Zeitpunkt die Wirksamkeit. 

Frau Dr. Appel, Frau PD Hahn, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.