Fertigprodukte Zutatenverzeichnis Aromen

Armin Valet, Verbraucherzentrale Hamburg e.V. zu Fertigprodukten und wann die Zutaten nicht im Zutatenverzeichnis stehen!

Fertigprodukte: Wann stehen Zutaten nicht im Zutatenverzeichnis?

Was spricht eigentlich dagegen, auch die nicht-deklarationspflichtigen Zutaten im Zutatenverzeichnis aufzuführen?

Das Argument der Lebensmittelhersteller dürfte in die Richtung gehen, dass die Angabe der nicht-deklarationspflichtigen Zutaten schwierig sei bzw. dass die Rezepturen für den Wettbewerb offen legen würde. Aus Sicht der Verbraucherzentralen wäre es jedoch wünschenswert, dass die Verbraucher wissen, ob und welche Zusatzstoffe  in den Produkten und auch in den Ausgangsmaterialien verwendet werden. Gerade die Aromen sind nach aktueller Rechtslage eine Art „Black Box“ für die Konsumenten.

Gibt es zurzeit Initiativen in Richtung “mehr Transparenz“, auch bei aktuell nicht deklarationspflichtigen Zutaten?

Unsere bisherigen Initiativen waren leider nicht erfolgreich. Stattdessen wurde der Status Quo durch die jüngst in Kraft getretene Lebensmittel-Informationsverordnung  und die Aromenverordnung noch weiter zementiert, ohne Berücksichtigung der berechtigten Verbraucherinteressen.

Wo sehen Sie die Ursachen dafür, dass die Verbraucherinteressen so wenig Beachtung finden?

Sowohl die Lebensmittel-Informationsverordnung  als auch die Aromenverordnung sind EU-weite Verordnungen. Für die Mitgliedsstaaten bleiben zwar Möglichkeiten, die jeweiligen Gesetze auf nationaler Ebene zu ergänzen, aber diese Möglichkeiten sind sehr begrenzt. So könnte auf nationaler Ebene z.B. ein Konzept wie die Ampelkennzeichnung von Nährwerten, Zucker, Salz, Fett und gesättigten Fettsäuren, die ja lange diskutiert wurde, zum Tragen kommen.

Könnten Verbraucher direkt bei den Herstellern nachfragen, ob und welche nicht deklarierten Zutaten bei einem bestimmten Produkt zum Einsatz kommen?

Zu einer Auskunft verpflichtet sind die Hersteller nicht, solange dem Lebensmittelrecht Genüge getan wird. Das Lebensmittelrecht verlangt jedoch nur Angaben zu den Zutaten und den definierten Allergenen, die stehen schon auf dem Etikett. Die oben erwähnten technischen Hilfsstoffe muss aber kein Hersteller den Verbrauchern auf Anfrage mitteilen. Eine Falschauskunft dürfen sie den Verbrauchern auf Nachfrage aber auch nicht geben, denn damit wäre der Tatbestand der Irreführung erfüllt. Mit Bezug auf das Betriebsgeheimnis kann jedoch die Auskunft verweigert werden.

Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern und wer müsste aktiv werden, das heißt, wer trägt die Verantwortung?

Die Verbraucher haben ein Recht auf Transparenz bei Lebensmitteln und das Thema wird auch seit langem in der breiten Öffentlichkeit sehr intensiv diskutiert.
Auch der Trend zur veganen Ernährung hat dazu beigetragen, dass die Menschen wissen wollen, welche Zutaten in welchen Produkten enthalten sind. So hat z.B. auch Foodwatch das Thema aufgegriffen, und eine entsprechende Kampagne gestartet. 
Gremien wie die Lebensmittelbuchkommission oder das Portal Lebensmittelklarheit, das von den Verbraucherzentralen betrieben wird, unternehmen Anstrengungen, für mehr Transparenz zu sorgen. Ziel ist es, die Verbraucher unabhängig aufzuklären und die Lücken im Lebensmittelrecht aufzuzeigen. Letztendlich ist die Politik hier gefragt, Initiativen zu entwickeln.

Herr Valet, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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