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Neurodermitis Jugendliche Hautproblem

Dr. Pinter zum Thema: Neurodermitis bei Jugendlichen – mehr als nur ein Hautproblem!

Neurodermitis bei Jugendlichen – mehr als nur ein Hautproblem

Neurodermitis beeinträchtigt die Betroffenen stark. Unangenehme, sichtbare Hautsymptome, Juckreiz und die Angst vor dem nächsten Schub machen den Patienten das Leben schwer. Das gilt für Erwachsene, aber in noch höherem Maße für Jugendliche. Warum Neurodermitis für Jugendliche mehr als nur ein Hautproblem ist, erklärt Dr. Andreas Pinter, Direktor der Klinischen Forschung, Leiter der Sprechstunde für Neurodermitis in der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Frankfurt für MeinAllergiePortal.

Herr Dr. Pinter, was ist bei Jugendlichen mit Neurodermitis anders als bei Erwachsenen?

In Bezug auf das reine Krankheitsbild unterscheidet sich die Neurodermitis bei Jugendlichen nicht von der Erkrankung der Erwachsenen. Die Verteilung der Ekzeme, die Schweregrade und die Begleitsymptome sind bei Jugendlichen relativ ähnlich. Auch unter den Begleitumständen der Neurodermitis, der Stigmatisierung, die mit der Erkrankung einhergeht, leiden Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Allerdings leidet das Selbstbewusstsein bei Heranwachsenden deutlich stärker unter den sichtbaren Hautveränderungen als bei Erwachsenen. Insofern ist eine Neurodermitis bei Jugendlichen mehr als nur ein Hautproblem.

Welche Konsequenzen hat die Stigmatisierung, die mit einer Neurodermitis einhergehen kann, für die Jugendlichen?

Die Ekzeme der Neurodermitis treten häufig an sichtbaren Körperstellen wie am Kopf und Hals, den Händen oder an den Ellenbeugen auf. Hinzu kommt ein starker Juckreiz, der ein zusätzlicher Stressfaktor ist. Bei schwer betroffenen Fällen kratzen sich die Patienten die Haut auch blutig. Damit stellt die Erkrankung für die Jugendlichen ein erhebliches ästhetisches Problem dar. All diese Faktoren können dazu führen, dass wichtige soziale Kontakte die Leistungsfähigkeit und die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen in dieser sehr sensiblen Phase negativ beeinflusst werden.

Wie beeinflusst die Stigmatisierung durch die Neurodermitis die Leistungsfähigkeit der Jugendlichen?

Zu Problemen kann es zum Beispiel in der Schule kommen. Sind die Patienten schwer betroffen, können sie von der Erkrankung stark abgelenkt sein, die schulischen Leistungen können rapide abfallen. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ein 14 Jahre alter, schwer betroffener Patient kann nun bereits seit mehreren Monaten die Schule nicht mehr besuchen. Er hält es dort einfach nicht mehr aus, weil er gemobbt wird und ihn die Interaktion mit seinen Klassenkameraden schwer belastet. Natürlich bedeutet das auch, dass es zu Lerndefiziten kommt.

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Und wie wirkt sich die Neurodermitis auf die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen aus?

Viele Patienten, gerade die jüngeren, berichten, dass sie unter den negativen Reaktionen ihres sozialen Umfeldes fast mehr leiden, als unter der Neurodermitis selbst. Dies wirkt sich dann auch negativ auf die Persönlichkeitsentwicklung aus. Die Kinder ziehen sich zurück, meiden den Kontakt mit anderen und können so leicht vereinsamen. Oft versuchen sie auch, ihre Ekzeme so gut es geht zu kaschieren. Dann tragen sie selbst bei warmen Temperaturen lange Hosen und langärmlige Oberteile nur, damit keiner die Ekzeme sehen kann. Natürlich wirkt sich dies alles auch auf die ersten Kontakte mit dem anderen Geschlecht negativ aus.

Manche schwer betroffene Jugendliche werden sogar depressiv. Studien haben gezeigt, dass Depressionen bei Patienten mit Neurodermitis durchaus eine Rolle spielen. Je schwerer die Ausprägung der Neurodermitis, desto höher die Wahrscheinlichkeit, eine depressive Begleiterkrankung zu entwickeln. Und nicht zu vergessen: Auch die Eltern und Geschwister leiden mit, wenn Jugendliche von Neurodermitis betroffen sind!

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Ist es ein neues Phänomen, dass das soziale Umfeld auf Kinder mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis negativ reagiert?

Es ist sicher kein neues Phänomen, dass Kinder, die „anders“ sind, insbesondere bei sichtbaren Hauterkrankungen, in der Schule gehänselt und ausgeschlossen werden. In unserer modernen Leistungsgesellschaft, in der das Aussehen eine immer wichtigere Rolle spielt, rückt dieser ästhetische Aspekt jedoch stärker in den Fokus als früher.

Wenn die Neurodermitis nicht adäquat behandelt wird und sich die schweren Schübe nicht mit zunehmendem Alter verlieren, können sich psychische Probleme über die Schulzeit hinaus bis ins junge Erwachsenenalter manifestieren. Dann ist eine Persönlichkeitsprägung aber bereits abgeschlossen und Verhaltensänderungen fallen deutlich schwerer. Kinder, die im jungen Alter zwischen 8 und 16 Jahren stark unter ihrer Neurodermitis leiden, werden von dieser Erfahrung sehr stark geprägt. Die Zeit der Pubertät ist grundsätzlich eine schwierige Phase, ein Abnabelungsprozess, und wenn dann noch eine schwere Belastung wie Neurodermitis hinzukommt, verschärft dies die Probleme erheblich.

Wie kommt es denn, dass manche Jugendliche mit Neurodermitis trotz Therapie weiterhin schwere Symptome haben?

Das liegt daran, dass man mit den traditionellen Neurodermitis-Therapien leider nicht allen Patienten eine zufriedenstellende Symptomkontrolle bieten kann – insbesondere, wenn sie schwer betroffen sind.
Klassischerweise therapiert man die Neurodermitis mit kortisonhaltigen oder kortisonfreien Cremes und Salben oder, in schwereren akuten Fällen, systemisch mit Kortisontabletten. Auch die UV-Behandlung (Lichttherapie) spielt heute noch eine Rolle, wird aber aufgrund der langfristigen Nebenwirkungen gerade bei Jugendlichen begrenzter eingesetzt. Die Therapien zeigen auch durchaus eine Wirkung, aber sie sind nicht zur Langzeitkontrolle der Symptome geeignet. Nach ca. zwei bis drei Wochen unter Therapie kommt es meist zu einer Hautverbesserung. Aber sobald die Medikamente abgesetzt werden, stellen sich auch die Ekzeme wieder ein. Manchmal kommt es bereits schon wenige Tage nach Therapieende zu erneuten Schüben. Kortisontabletten sollten aufgrund möglicher Nebenwirkungen nicht dauerhaft eingesetzt werden, sodass nach einer gewissen Dauer der Therapie die Behandlung erst mal wieder unterbrochen werden muss.

Bei einer schweren, unkontrollierten Neurodermitis steht zur systemischen Therapie Cyclosporin A zur Verfügung. Dieses oral zu verabreichende Medikament sollte jedoch nur mit Vorsicht eingesetzt werden und ist nur für erwachsene Patienten zugelassen. Die Therapie mit Cyclosporin A ist aufgrund potentiell schwerwiegender Nebenwirkungen auf nur wenige Monate begrenzt. Für die Patienten bedeutet das, dass sie einem unendlichen Kreislauf aus Symptomen, Therapie, Therapieunterbrechung, wieder Symptomen etc. ausgesetzt sind.

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Heißt das, es gibt keine Therapie für jugendliche Patienten mit schwerer unkontrollierter Neurodermitis?

Lange Zeit gab es tatsächlich keine Therapie, die die Symptome einer schweren Neurodermitis langfristig kontrollieren konnte, weder für Jugendliche, noch für Erwachsene. Für die Patienten war das auch psychisch sehr belastend, denn wenn sie schon lange erkrankt sind, kennen sie die Abläufe. Dann wissen sie, dass sich nach dem Absetzen der Therapie erneut Ekzeme einstellen. Seit etwa 1,5 Jahren stehen für Erwachsene und seit diesem August nun auch für Jugendliche ab 12 Jahren, die für eine systemische Therapie infrage kommen, eine neue Therapieoption in Form eines Biologikums zur Verfügung. Hiermit könnte eine langfristige Kontrolle der AD gelingen.

Sowohl für die Ärzte als auch für die Patienten würde dies einen Schritt weg von den erwähnten „On-off-Therapien“ bedeuten. Empfehlenswert ist bei Einleitung einer solchen Therapie, während der ersten drei Wochen eine begleitende Behandlung mit Kortisoncreme, damit die Ekzem-Areale schneller abheilen. Anschließend kann die Kortinsoncreme reduziert und bei Bedarf angewandt werden. Parallel dazu sollte aber immer auch eine Basistherapie durchgeführt werden, das heißt, mehrmals am Tag sollten sich die Patienten sehr gut mit einer pflegenden Creme oder Lotion eincremen. Die Haut von Menschen mit Neurodermitis ist meist sehr trocken, und Studien haben gezeigt, dass eine gute Pflege nicht nur das Hautbild verbessert, sondern auch dafür sorgt, dass die Hautbarriere aufrechterhalten wird und somit andere Therapien ebenfalls besser wirken.

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Wo finden Eltern betroffener Jugendlicher weitere, auch nicht-medizinische Unterstützung?

Oft ist es nicht so leicht, gute und objektive Informationen im Internet von unseriösen und nicht bewiesenen Angeboten zu unterscheiden. Deshalb sollte man die Informationsquellen immer auch kritisch hinterfragen. Es gibt eine ganze Reihe von guten, medizinisch korrekten Angeboten und in den sozialen Medien gibt es auch besondere Gruppen, in denen sich Jugendliche mit Neurodermitis austauschen können. Das ist im Hinblick auf die Bewältigung der Erkrankung ein wichtiger Aspekt für die jungen Leute, eine Möglichkeit, die sehr gerne genutzt wird.

Herr Dr. Pinter, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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