Hautpilze atopisches Ekzem Neurodermitis Malassezia

Dr. med. Martin Glatz, Allergiestation, Dermatologische Klinik Universitätsspital Zürich

Atopisches Ekzem: Welche Rolle spielen Haut-Pilze bei Neurodermitis?

Superinfektionen sind beim atopischen Ekzem ein klassisches Problem. Dabei setzen sich Bakterien auf die Neurodermitis-Läsionen, die das entzündliche Geschehen zusätzlich befeuern. Neben Bakterien, kann die Haut beim atopischen Ekzem auch vermehrt mit Pilzen besiedelt sein, die ebenfalls die Entzündungsreaktion verstärken. Zwar sind die Symptome in beiden Fällen die gleichen, doch beides befeuert den Entzündungskreislauf. Für neue Neurodermitis-Therapien könnte es ausschlaggebend sein, die Entzündungsursachen zu differenzieren. Dr. med. Martin Glatz, Allergiestation, Dermatologische Klinik Universitätsspital Zürich forscht deshalb an dieser Frage. Mit MeinAllergiePortal sprach er über die Rolle von Haut-Pilzen beim atopischen Ekzem.

Herr Dr. Glatz, unter welchen Umständen kann es bei Neurodermitis zu Pilzbesiedlungen kommen und wie häufig ist das?

Zunächst sei gesagt: Pilze gehören zum Mikrobiom der Haut und gesunde Haut ist immer auch von Pilzen besiedelt. Pilze sind also Teil der normalen Hautflora. Deshalb hat wahrscheinlich auch jeder Neurodermitiker Hautpilze, genau wie jeder hautgesunde Mensch. Die Frage ist jedoch, ob und inwiefern sich die Pilzbesiedlung von Neurodermitikern und Gesunden unterscheidet und daran forschen wir.

Kann man denn schon sagen, welche Pilz-Gattungen bei Neurodermitis eine Rolle spielen?

Wir gehen davon aus, dass zumindest ein Pilz beim atopischen Ekzem eine Rolle spielt, der Hefepilz Malassezia. Malassezia kommt, wie gesagt, auch bei gesunder Haut vor. Wir nehmen jedoch an, dass bestimmte Spezies von Malassezia auf der Haut von Neurodermitis-Patienten häufiger vorkommen.

Es gibt hier eine Parallele zum Bakterium Staphylococcus aureus, das bei neurodermitischer Haut vermehrt auftritt. Ein Unterschied besteht allerdings: Staphylococcus aureus kommt, anders als  Malassezia, auf der gesunden Haut eigentlich nur sehr selten vor.

Welche Malassezia-Spezies ist beim atopischen Ekzem relevant?

Die Schwierigkeit bei Malassezia besteht darin, dass es schwierig ist, die jeweilige Spezies zu unterscheiden. Wir gehen jedoch davon aus, dass bestimmte Spezies beim atopischen Ekzem häufiger auftreten, als bei Gesunden.

Ein wichtiger Punkt hierzu: Bei Neurodermitikern findet man häufiger eine Sensibilisierung auf den Pilz Malassezia als bei Gesunden. Das bedeutet, das Immunsystem von Neurodermitis-Patienten stuft Malassezia häufiger als „fremd“ ein und produziert spezifisches IgE, also Antikörper. Das muss nicht bedeuten, dass die Patienten auch klinische Symptome auf Malassezia entwickeln, und es ist auch noch nicht geklärt, inwieweit diese Sensibilisierung eine Rolle bei der Entstehung der Entzündung der Haut spielt.

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Man weiß auch, dass bestimmte Malassezia-Spezies Allergene produzieren können, das sind Proteine und Eiweiß-Verbindungen, die das Immunsystem über sogenannte T-Lymphozyten auch stimulieren können. Auch dadurch wird die Entzündung der Haut gefördert und so entsteht beim atopischen Ekzem eine Art „Entzündungs-Kreislauf“.

Sowohl die Produktion von spezifischem IgE als auch die Stimulation der T-Lymphozyten hängt wahrscheinlich auch damit zusammen, dass die Hautbarriere beim atopischen Ekzem gestört ist – die Haut ist dann extrem trocken. Auch bei gesunden Menschen wachsen Malassezia-Spezies auf der Haut, können aber nicht tief eindringen, weil die Hautbarriere funktioniert. Beim atopischen Ekzem ist die Hautbarriere gestört, weshalb wir glauben, dass die Malassezia-Pilze oder deren Bestandteile bzw. Allergene tief in die Haut eindringen und so in Kontakt mit dem Immunsystem kommen. Dies führt dann zur IgE- oder T-Zellen-Stimulation.

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