Neurodermitis Intimbereich

Neurodermitis im Intimbereich: Ein heikles Thema?

Neurodermitis im Intimbereich: Ein heikles Thema?

Immer noch ein heikles, ja ein Tabu-Thema: Viele Neurodermitiker behalten es lieber für sich, wenn sie auch im Intimbereich unter Schuppen und Juckreiz leiden. Dabei ist Neurodermitis im Intimbereich weder ansteckend, noch auf mangelnde Hygiene zurückzuführen. Wie bei jeder Neurodermitis entscheiden vor allem Veranlagung und bestimmte Trigger darüber, ob und wo Hautveränderungen auftreten. Und es gibt es viele Tipps, um die juckenden Ekzeme im Intimbereich in den Griff zu bekommen.

Wie häufig tritt Neurodermitis im Intimbereich auf?

Prinzipiell können Neurodermitis-Symptome an jeder Körperstelle auftreten. Im Erwachsenenalter sind jedoch vor allem Gesicht, Nacken, Hals, Brust- und Schulterbereich, Gelenkbeugen und Hände betroffen. Neurodermitis im Intimbereich ist seltener, allerdings keine Rarität. Ob ein Neurodermitis-Schub im Intimbereich entsteht, hängt zum einen von der individuellen Anlage und zum anderen von äußeren Triggern ab.

Begünstigend wirken

  • Schwitzen
  • wenig atmungsaktive Kleidung, die zu einem Wärmestau führt
  • übertriebene Reinigung und Rasur im Intimbereich.

Wo genau im Intimbereich ist die Neurodermitis lokalisiert?

Bei Frauen bilden sich die juckenden Neurodermitis-Ekzeme vor allem im Bereich der äußeren Schamlippen. Der Hoden ist dagegen bei Männern die typische Stelle für Neurodermitis im Intimbereich.

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Was kann es noch sein?

Die Haut im Intimbereich ist empfindlich: Zum einen, weil sie sehr dünn ist, zum anderen, weil sie meist von mehreren Kleidungsschichten bedeckt und deswegen oft von einem Wärmestau betroffen ist. Bei Frauen kommt noch dazu, dass sich das Milieu im Intimbereich durch hormonelle Umstellung, etwa in den Wechseljahren, verändert. Die Folge sind dann Juckreiz und Hautveränderungen. Pilz- und Wurmerkrankungen, die Schuppenflechte (Psoriasis), Allergien und eine übertriebene Intimpflege sind ebenfalls Ursachen für Ekzeme im Intimbereich.

Welche Maßnahmen gibt es, um Neurodermitis im Intimbereich zu verhindern?

Das Wichtigste vorab: Neurodermitiker müssen darauf achten, dass ihr Intimbereich trocken und sauber bleibt. Je feuchter und wärmer das Milieu ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines Neurodermitis-Schubs im Intimbereich.

Folgende Regeln sind für Neurodermitis-Patienten daher wichtig:

  • Neurodermitiker sollten bei der Wahl ihrer Unterwäsche auf einen hohen Baumwollanteil achten. Slips aus Synthetik wirken zwar verführerisch, lassen aber nur wenig Luft an die Haut und führen so zu vermehrtem Schwitzen. Ähnliches gilt für eng sitzende Hosen und Nylonstrumpfhosen, weil sich auch hier Wärme staut. Bei Neurodermitis im Intimbereich am besten geeignet sind Baumwollstoffe, weil diese atmungsaktiv sind und die Luft zirkulieren lassen.
  • Frauen mit Neurodermitis im Intimbereich müssen während ihrer Periode besonders gut aufpassen. Denn viele Monatsbinden haben einen hohen Plastikanteil. Wie auch bei der Wäsche ist ein hoher Baumwollanteil entscheidend, um ein übermäßiges Schwitzen zu vermeiden.
  • Bei der täglichen Intimpflege sollten es Neurodermitiker bei den Pflegeprodukten nicht übertreiben. Es gilt: Weniger ist mehr. Normales, lauwarmes Wasser reicht zum Waschen vollkommen aus. Wer sich mit einem Pflegeprodukt wohler fühlt, der greift am besten zu einem milden Intimwaschmittel mit möglichst wenig Inhaltsstoffen. Insbesondere Duft- und Konservierungsstoffe sollten gemieden werden. Daher sind auch Intimdeos, Duschgels und parfümierte Seifen im Intimbereich tabu.
  • Auf die Rasur im Intimbereich verzichten Neurodermitiker am besten. Zu groß ist die Gefahr, dass der Rasierer die Haut reizt und mikroskopisch kleine Wunden entstehen. Wer trotzdem nicht auf die Rasur verzichtet, der sollte den Rasierer am besten in Wuchsrichtung der Haare führen und die Haut danach gut eincremen.

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Welche Therapien gibt es bei Neurodermitis im Intimbereich?

Bei Neurodermitikern juckt die trockene Haut oft auch in den schubfreien Intervallen. In diesem Fall ist eine milde, feuchtigkeitsspendende Intimlotion, beispielsweise mit Hyaluronsäure, das Mittel der Wahl. Leichte Ekzeme werden mit Cremes aus niedrig konzentriertem Kortison oder Calcineurininhibitoren behandelt. Sind die Ekzeme stärker und nässen, dann verordnet der Arzt Cremes mit einer höheren Konzentration an Kortison oder Calcineurininhibitoren, sowie ein Antiseptikum. Achtung: Kortison verdünnt die empfindliche Haut im Intimbereich noch zusätzlich. Viele Ärzte empfehlen bei Neurodermitis im Intimbereich deshalb lieber Calcineurininhibitoren.

 

Quellen:

http://www.dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/WerfelT_2kLL_Neurodermitis-JDDG2016-.pdf

https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-027.html

Winterhagen, I.: Beratungspraxis Neurodermitis, Deutscher Apotheker Verlag, 2011.

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/raetselhafte-krankheit/

 

Unsere Expertin:

dr miriam hagemeyerDr. med. Miriam Hagemeyer ist seit 12 Jahren medizinisch tätig. 2014 hat sie ihre Facharztausbildung im Fachgebiet Hals-Nasen-Ohrenheilkunde abgeschlossen. 2015 folgte die Anerkennung zum Führen der Zusatzbezeichnung Allergologie. Dr. Hagemeyer ist Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie sowie in der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin. Als Medizinredakteurin schreibt sie regelmäßig Artikel zu medizinischen Themen. Sie behandelte in ihrer Sprechstunde immer wieder Patienten mit Neurodermitis und betreut für ein großes Medizinlexikon u. a. dem Fachbereich Dermatologie.

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Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

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