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Neurodermitis Kleidung

Dr. Nadine Mothes-Luksch, Neurodermitistrainerin und Dermatologin in eigener Praxis und bei AllergyCare in Wien.

Neurodermitis und Kleidung: Was anziehen bei neurodermitischer Haut?

Die Kleidung kann bei neurodermitischer Haut irritieren, ein Risiko, dass aber vermeidbar ist. Dabei gilt es allerdings einige Regeln zu beachten, denn nicht alle Materialien sind bei Neurodermitis verträglich, auch wenn es sich um natürliche Materialien handelt, denn auch auf die Verarbeitung kommt es an. Welche Textilien sind verträglich wenn man unter atopischer Dermatitis leidet? Was sollte man bei Neurodermitis besser meiden? Gibt es spezielle textile Produkte, die helfen? MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Nadine Mothes-Luksch, Neurodermitistrainerin und Dermatologin in eigener Praxis und bei AllergyCare in Wien über Neurodermitis und Kleidung: Was anziehen bei neurodermitischer Haut?

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. Nadine Mothes-Luksch

Frau Dr. Mothes-Luksch, die falsche Kleidung kann sich bei Neurodermitis negativ auf den Hautzustand auswirken. Was sollten Neurodermitis-Patienten in Bezug auf Textilien beachten?

Wolle ist prinzipiell ein irritativer Faktor für die Neurodermitishaut, da Juckreiz gefördert wird. Das liegt zum Teil am Material selbst, zum Teil aber auch an der Verarbeitung. Ich würde deshalb von Wollkleidung abraten. Insbesondere bei Kleinkindern sollte man darauf achten, dass Mützen, Schals Pullover und besonders auch Strumpfhosen nicht aus Wolle bestehen.

Es ist übrigens keine Lösung, Wollkleidung mit Pflegespülungen zu behandeln, um sie weicher zu machen. Die negative Rolle von Wasch- und Pflegemitteln bei  Neurodermitis wird vielleicht insgesamt überschätzt, aber aktuell ist es noch nicht klar, inwieweit die Haut auch durch Waschmittel, Weichspüler etc. irritiert wird.

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Gibt es weitere ungünstige Kleidungs-Materialien für neurodermitische Haut?

Auch Kunstfasern sind bei Neurodermitis nicht günstig, weil sie die Schweißproduktion fördern können. Manche Patienten, die auf den Schweiß als Triggerfaktor sensibel reagieren, leiden im Sommer ganz besonders unter der Neurodermitis, obwohl der Sommer für einen Grossteil der Neurodermitiker eigentlich die angenehmere Jahreszeit ist. Insbesondere beim Sport sollte man dies beachten. Zwar ist die Wirkung des Sports grundsätzlich positiv, Schweiß kann aber ein neuerliches Ekzem auslösen..

Grundsätzlich sind alle feingewebten glatten Materialien, insbesondere Baumwolle und/oder Seide, günstig für neurodermitische Haut.

Was gilt es bei der Sportkleidung zu beachten, wenn man Neurodermitis hat?

Bei der funktionellen Sportkleidung gibt es mittlerweile sehr gute Materialien. Diese transportieren aufgrund der genutzten Webtechnik Feuchtigkeit ab und sind atmungsaktiv, oder sie enthalten Silberbestandteile, die die Haut kühlen. Studien konnten belegen, dass diese Kleidung im Vergleich zu topischen Cremes einen im ähnlichen Ausmass den Juckreiz mildernden Einfluss hat. Man sollte auf jeden Fall ein wenig experimentieren, um die am besten geeignete Kleidung zu finden.

Nach dem Sport sollte man sofort duschen, damit der Schweiß und die darin enthaltenen Salze nicht zu lange auf der Haut bleiben und kurz danach sollte das Eincremen folgen.

Worauf sollte man bei der Kleidung noch achten, wenn man Neurodermitis hat?

Es ist wichtig bei Neurodermitis, dass die Kleidung eher luftig ist und nicht zu eng anliegt oder gar scheuert.

Insbesondere bei Kleinkindern sollte man kratzende Nähte und Etiketten, die in die Wäsche eingenäht sind, vermeiden, denn sie sind ein starker irritiativer Faktor. Die Etiketten abzuschneiden, ist oft wenig hilfreich, denn die Naht bleibt dann trotzdem bestehen. Ein einfacher Trick ist es hingegen, das Kleidungsstück „links“ zu tragen. Die störenden Nähte sind dann außen und können nicht reiben und die Haut neuerlich irritieren.

Bei kleinen Kindern mit Neurodermitis sollte man außerdem dunkle Kleidung, insbesondere dunkle Unterwäsche, meiden, denn auch diese könnten durch die verwendeten Farbstoffe Hautirritationen auslösen. Hellere Farben oder Weiß sind gut geeignet, insbesondere bei der Unterwäsche.

Ebenfalls empfehlenswert: Neue Kleidungsstücke zunächst gut waschen, bevor sie das erste Mal getragen werden, insbesondere farbige Kleidungsstücke. Viele Textilien werden chemisch vorbehandelt und könnten hier zu zusätzlichen Hautreizungen führen.

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Was ist in Bezug auf den Wechsel der Jahreszeiten zu beachten?

Ein wesentlicher Faktor bei Neurodermitis ist die Luftfeuchtigkeit. Die Luftfeuchtigkeit ist im Winter in unseren überheizten Innenräumen um einiges geringer als im Sommer -  meist messen wir 19 bis 20 Prozent. Im Sommer kommt man drinnen oder im Freien auf 55 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Man sollte darauf achten, dass die Räume nicht überheizt sind. Die Luftfeuchtigkeit lässt sich relativ einfach dadurch erhöhen, dass man einen Wäscheständer mit nassen Handtüchern in dem Zimmer aufstellt, in dem man sich aufhält. Auch spezielle Luftbefeuchter für Allergiker sind eine sinnvolle Sache.

Zu viel Wärme und Trockenheit sind besonders bei Kindern und in der Nacht zu vermeiden, weil beides den Juckreiz fördert. Das gilt auch für die Wahl der Bettwäsche. Leichte dünne Bettdecken, die atmungsaktiv sind und keinen Hitzestau verursachen, sind deshalb bei Neurodermitis die bessere Wahl.  

Sind die Kinder unter einem Jahr alt, sollte man zusätzlich darauf achten, dass die Creme für die Nachtpflege nicht zu fetthaltig ist. Kleine Kinder können noch nicht richtig transpirieren und durch die Fettcreme staut sich die Hitze und die Kleinen werden „knallrot“.  

Gerade für die Nacht, wenn der Juckreiz am stärksten ist, ist spezielle Wäsche mit Silber- und Seidenanteil empfehlenswert. Für Kinder gibt es Schlafanzüge, Fäustlinge, Unterwäsche etc. und für Erwachsene Unterwäsche, die antiseptisch, beruhigend sogar kühlend wirken. Diese Spezialwäsche, kombiniert mit weiteren Maßnahmen, kann die Beschwerden deutlich lindern.

Welche Rolle spielt die richtige Bekleidung beim Schwimmen gehen?

Menschen mit Neurodermitis reagieren sehr unterschiedlich auf das Schwimmen bzw. das Wasser.  Manche reagieren auf Chlorwasser positiv, andere vertragen Chlorwasser nicht. Die Studienlage ist nicht eindeutig, aber aus meiner Sicht ist es gerade für Kinder besser, man lässt sie Baden und nimmt ihnen nicht die Lebenslust.

Nach dem Baden ist es wichtig, die nasse Badekleidung auszuziehen, das Chlorwasser umgehend abzuspülen und sofort wieder eine pflegende Creme aufzutragen, damit die Haut gut feucht gehalten wird. Eine verträgliche Sonnencreme eignet sich genauso gut wie die normale Pflegelotion. Gerade in den letzten Jahren hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die konsequente Pflege die Therapiesäule Nr. 1 ist und dass durch diese regelmässigen Massnahmen die Schwere und die Häufigkeit der Ekzemschübe herabgesetzt werden können.

Was empfiehlt man heute bei der Neurodermitis-Hautpflege?

Nach der neusten Neurodermitis-Leitlinie ist es nicht mehr so, dass den Patienten empfohlen wird, nur einmal in der Woche zu baden, häufigeres Baden und Duschen sind erlaubt. Wichtig ist nur wie. Das Wasser sollte nicht zu heiß sein und der Dusch- oder Badevorgang nicht zu lange dauern. Danach, möglichst in den ersten Minuten, sollte die Haut mit einer guten rückfettenden Hautpflege versorgt werden.

Starken Neurodermitikern mit vielen Ekzemen und Schuppungen empfehle ich sogar, zunächst in klarem Wasser zu baden, da dadurch Hautschuppen gelöst werden. Wenn man von Anfang an ein Badeöl benutzt, legt es sich wie ein Film über die Haut und die Schuppen können sich nicht lösen. Sind die Schuppen abgelöst, kann man das Badeöl zur Rückfettung der Haut in den letzten fünf Minuten zufügen.

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Muss man auch den aktuellen Hautzustand bei der Wahl der Kleidung berücksichtigen?

Nicht im Detail, aber natürlich sollte man bei einem akuten Ekzem z.B. keinen Sport treiben, wenn man weiß, dass Schweiß eine triggernde Wirkung hat.

Grundsätzlich rät man heute dazu, besser frühzeitig für wenige Tage eine konsequente gut wirksame Therapie durchzuführen, als eine schwach dosierte Kortisoncreme über mehrere Wochen oder gar Monate anzuwenden. Bemerkt man eine rote Stelle und beginnt es zu jucken, bringt es nichts zu versuchen, das Problem allein über die Pflege in den Griff zu bekommen.  

Steigt man hingegen rechtzeitig mit gut wirksamen Präparaten in den Schub ein, verkürzt sich die Therapiedauer und die Entzündungszellen lassen sich viel besser aus dem Hautareal eliminieren. Neben gut wirksamem Kortison in unterschiedlichen Dosierungen stehen topische Calcineurininhibitoren, wie die Wirkstoffe Pimecrolimus und Tacrolimus, zur Verfügung, die sich gut zur Erhaltungstherapie eignen.

Allerdings verursacht das Kortison richtig angewendet auch nicht mehr die Nebenwirkungen, die man vor Jahren kannte. Damals hat man Kortison viel zu lange angewendet, weil man glaubte, die schwach dosierten Kortisone hätten keine Nebenwirkungen. Die durch topisches Kortison hervorgerufenen Probleme beruhen häufig aufgrund von Anwendungsfehlern.

Gibt es auch Zusammenhänge zwischen Hautpflegeprodukten und Kleidung?

Auch hier ist nicht jedem Patienten die gleiche Creme angenehm. Hier können die Empfehlungen des/der betreuenden Arztes/Ärztin helfen, das richtige Pflegeprodukt zu finden. Es empfiehlt sich auch, nach dem Eincremen ein wenig zu warten, bis die Creme eingezogen ist, bevor man sich anzieht. Eine Creme zieht dann besonders schnell ein, wenn man sie unmittelbar nach dem Duschen oder Baden aufträgt. In den ersten Minuten sind die Poren der Haut offen und die Creme zieht sehr schnell ein. Je mehr Zeit zwischen Duschen oder Baden und Eincremen liegt, umso eher bildet sich ein unangenehmer Cremefilm auf der Haut.

Man kann eine Therapie durch die Kleidung intensivieren, insbesondere bei schweren Neurodermitis-formen. Dafür cremt man den Patienten mit der Therapiecreme sehr dick ein und wickelt ihn dann für ca. ein bis zwei Stunden in feuchte Baumwolltücher, damit die Pflege richtig gut einziehen kann.

Wie funktioniert das zu Hause? Nach dem Duschen gleich dick eincremen, einen Baumwollschlafanzug anziehen und den Schlafanzug mit Wasser oder Schwarztee, z.B. mit einer sauberen Blumenspritze besprühen, bis er feucht wird, denn unter feuchten Umschlägen kann die Creme viel besser wirken.

Bei kleinen Kindern, kann man den Schlafbody oder Baumwolltücher tränken. Mikrosilbercremen oder -schaum in Kombination mit feuchter Kleidung wirken beruhigend und reizlindernd.

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Was wäre noch wichtig zu wissen?

Es ist mir sehr wichtig zu betonen, dass die Rolle der Nahrungsmittelallergien bei Neurodermitis allgemein überschätzt wird. Ich erlebe immer wieder, dass Patienten unsinnige Diäten machen, insbesondere bei Kindern, obwohl ihre Neurodermitis nach näherem Nachfragen oder dem Führen von Beschwerdetagebüchern nichts mit der Ernährung zu tun hat.

Deshalb ist es wichtig, jeweils mit einem/er Spezialisten/in zu sprechen und abzuklären ob hier echte Nahrungsmittelallergien vorliegen und ob das eine oder andere Nahrungsmittel wirklich im zeitlichen Zusammenhang einen Ekzemschub auslöst. Gerade Kindern sollten wichtige Nährstoffe nicht vorenthalten werden.

Frau Dr.  Mothes-Luksch, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.