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Prof. Dr. med. Susanne Lau zum Thema: Neurodermitis beim Kind: Mehr als juckende Haut!

Neurodermitis beim Kind: Mehr als juckende Haut!

Neurodermitis – oder auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem – ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern.1 Dabei denken die meisten in erster Linie an Hautekzeme und Juckreiz. Aber Neurodermitis ist auch eine immunologische Erkrankung, der eine sogenannte Typ-2-Entzündung zu Grunde liegt.2-6 Diese hat negative Auswirkungen auf den ganzen Körper und erhöht die Krankheitslast. Was weiß man über die Ursachen von Neurodermitis und was sollten Eltern über den richtigen Umgang mit der Erkrankung wissen? Darüber sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Susanne Lau, Oberärztin an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie an der Charité Universitätsmedizin in Berlin.

Frau Prof. Lau, ist Neurodermitis erblich oder sind Umwelteinflüsse für die Erkrankung verantwortlich?

Bei Neurodermitis spielen sowohl die Genetik als auch Umwelteinflüsse eine wichtige Rolle. Zum einen wissen wir, dass die Neurodermitis familiär gehäuft auftritt. Allerdings muss ein Kind nicht unbedingt an Neurodermitis erkranken, wenn die Mutter oder der Vater Neurodermitis oder andere atopische Manifestationen wie z.B. Heuschnupfen hat. Hier kommen die Einflüsse der Umwelt ins Spiel. Aktuell wissen wir jedoch noch nicht genau, welcher Umweltfaktor der Wichtigste ist. Wir sehen aber schon, dass der typische „westliche Lebensstil“ eine Fehlregulation des Immunsystems begünstigen kann. Ausschlaggebend scheint zu sein, mit welchen Bakterien wir in Kontakt kommen und welche Bakterien folglich im Mikrobiom des Darms und auf unseren anderen Schleimhäuten vorhanden sind. Durch eine bestimmte Bakterien-Zusammensetzung dieses Mikrobioms kann die Entstehung von Neurodermitis begünstigt werden.

Wie sehen die ersten Anzeichen einer Neurodermitis beim Kind üblicherweise aus?

Eine sichere Neurodermitis-Diagnose gibt es in den ersten vier bis sechs Lebenswochen des Kindes nicht. Viele neugeborene Babys haben in dieser Phase Hauterscheinungen, sodass man eine beginnende Neurodermitis nicht gut davon unterscheiden kann. Von einer Neurodermitis sprechen wir deshalb erst dann, wenn sich ein gewisser chronischer Verlauf zeigt und die typischen Anzeichen einer Neurodermitis an den dafür typischen Körperstellen länger als sechs Wochen bestehen bleiben.

Typische Körperstellen einer Neurodermitis beim Baby sind:7,8

  • Gesicht
  • Streckseiten der Arme und Beine
  • Windelbereich ist meist ausgespart

Bei älteren Kindern, ab ca. zwei Jahren, zeigt sich die Neurodermitis typischerweise an:7,8

  • Arm- und Beinbeugen
  • Gesicht (oft auch Augenlider)
  • Hals
  • Rumpf
  • Hände und Füße, insbesondere an den Gelenken

Typische Hautveränderungen einer Neurodermitis beim Kind im Allgemeinen sind:

  • Hauttrockenheit
  • Papeln (Knötchen unter der Hautoberfläche)
  • Rötung
  • Nässende Ekzeme
  • Schuppung der Haut
  • Juckreiz, der bei jungen Säuglingen oft ein bisschen später kommt

Was sollten Eltern tun, die bei ihrem Kind Hautveränderungen bemerken und befürchten, dass es Neurodermitis sein könnte?

neurodermitis an koerperstellen auftretenAbbildung 1: Abhängig vom Alter können Ekzeme an unterschiedlichen Körperstellen auftreten. Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind Neurodermitis hat, sollten sie die Kinderärztin oder den Kinderarzt ihres Vertrauens aufsuchen, zum Beispiel im Rahmen der üblichen Vorsorgeuntersuchungen oder Impftermine. Diese können sehr gut differenzieren, ob es sich um Neurodermitis oder um eine andere Erkrankung handelt.

Wichtig ist nicht nur die Erkrankung selbst, sondern das ganze Kind zu betrachten, zum Beispiel im Hinblick auf Komorbiditäten wie z.B. Nahrungsmittelallergien. In diesen Fällen achten Kinderärztinnen und Kinderärzte sehr darauf, dass ein Kind gedeiht und dass es durch diagnostische oder auch therapeutische Diäten nicht zu einer Fehlernährung kommt.

Wenn beim Kind tatsächlich eine Neurodermitis vorliegt, wie sieht die Therapie aus?

Nach dem Stufenschema zur Therapie der Neurodermitis ist die wichtigste Maßnahme für alle Schweregrade immer die wirkstofffreie Lokaltherapie, auch Basispflege genannt. Das ist wichtig, weil die Neurodermitis nicht nur eine Entzündung ist, sondern auch eine Barrierestörung der Haut mit sich bringt. Durch diese Barrierestörung wird die entzündliche Haut durchlässiger und trockener, sodass Keime oder Allergene eindringen können. Die Basistherapie kann diese Barrierestörung verbessern, den Juckreiz verringern und die Notwendigkeit für andere antientzündliche Medikamente reduzieren. Deshalb ist die Basistherapie das A und O bei der Neurodermitis-Therapie!

Dabei gilt es die aktuelle Jahreszeit zu berücksichtigen. Bei warmen Außentemperaturen sollte eine Wasser-angereicherte Creme, also Öl in Wasser, bevorzugt werden, damit das Kind keinen Wärmestau bekommt. In der kalten Jahreszeit hingegen sollte eine fettere Präparation auf Basis von Wasser in Öl oder eine Salbe gewählt werden. Es kann aber auch sinnvoll sein, zweigleisig zu fahren, indem man in der kühleren Jahreszeit eine fetthaltigere Creme für den Aufenthalt im Freien wählt und eine feuchtigkeitsspendende für den Aufenthalt in Innenräumen.

Wenn eine gut durchgeführte Basistherapie sowie die äußerliche Behandlung mit antientzündlichen Wirkstoffen nicht zu einer zufriedenstellenden Symptomkontrolle führt, weil die Entzündungsneigung zu stark ist, dann sollten auch rechtzeitig Systemtherapeutika, sofern es das Alter erlaubt, in Betracht gezogen werden.

Zu den Symptomen der Neurodermitis gehört ja auch der Juckreiz – was können Eltern dagegen tun?

Bei Säuglingen kann man das Kratzen durch Handschuhe verhindern. Wenn die Fingernägel kurz gehalten werden, können sie sich keine tiefen Wunden zufügen. Mit Kratzalternativen kann man die Kinder ablenken, indem man auf die juckende Stelle pustet oder etwas anderes zum Kratzen anbietet, zum Beispiel Kratzklötzchen. Manchmal hilft es auch, die Haut zu kühlen, zum Beispiel mit Kühlpacks.

Was sollten Eltern berücksichtigen, wenn das Kind Neurodermitis hat, wie lautet Ihr Ratschlag?

Mein abschließender Rat lautet: Suchen Sie eine allergologisch geschulte Kinderärztin bzw. einen allergologisch geschulten Kinderarzt auf oder holen Sie den Ratschlag einer Kinderdermatologin bzw. eines Kinderdermatologen ein. Hier kann gemeinsam eine dem Schweregrad entsprechende Therapie gefunden werden. Diese ist besonders vor dem Hintergrund der potenziellen Gedeihstörungen von großer Bedeutung.

Außerdem kann es hilfreich sein Triggerfaktoren, die Ekzemschübe begünstigen und die man meiden sollte, zu identifizieren. Wichtig ist auch, dass die Therapie zum Kind und zu der Familie passt. Es macht keinen Sinn zu empfehlen, dass das Kind sechsmal täglich eingecremt werden soll, wenn das nicht mit dem Alltag der Familie harmoniert.

Herzlichen Dank, Prof. Dr. Lau, für dieses Interview!

MAT-DE-2103995-1.0-08/2021

COI: Susanne Lau hat Honorare von Sanofi Genzyme erhalten.

Referenzen:

1 Werfel T et al. S2k AWMF Leitlinie Neurodermitis. 2015:013-027 mit Amendment zur Systemtherapie 2020 :013-027.

2 Leung DYM et al. J Clin Invest. 2004; 113: 651-657

3 Suárez-Fariñas M et al. J Allergy Clin Immunol. 2011; 127: 954-964

4 Gittler JK et al. J Allergy Clin Immunol. 2012; 130: 1344-1354

5 Biedermann T et al. Front Immunol. 2015; 6: 353

6 Gandhi NA et al. Nat Rev Drug Discov. 2016; 15: 35-50

7 Weidinger S, Novak N. Lancet. 2016; 387(10023): 1109-1122

8 Werfel T et al. Deutsches Ärzteblatt. 2014; 111(29-30): 509-520

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