Omalizumab für Urtikaria, Angioödem und Mastozytose

Prof. Dr. med. Markus Magerl, Leiter klinischer Studien am Allergie-Centrum-Charité in Berlin.

Omalizumab zur Therapie von Urtikaria, Angioödem und Mastozytose

Der Wirkstoff Omalizumab ist ein rekombinanter monoklonaler Antikörper gegen Immunglobulin E (Anti-IgE) und seit Jahren zur Behandlung von schwerem Allergischem Asthma zugelassen. In mehreren Untersuchungen konnte zudem nachgewiesen werden, dass Omalizumab auch für die Behandlung von Urtikaria und Mastozytose eine gute Wirksamkeit hat, obwohl der Wirkstoff zur Behandlung dieser Krankheitsbilder nicht zugelassen ist – man nennt dies off-label-use. Über die Wirkmechanismen von Omalizumab sprach MeinAllergiePortal mit Prof. Dr. med. Markus Magerl, Leiter klinischer Studien am Allergie-Centrum-Charité in Berlin.

Herr Prof. Magerl, wie genau wirkt Omalizumab bei Urtikaria und Mastozytose? Was spielt sich im Körper ab? Wie lange wird der Wirkstoff für das Krankheitsbild Asthma schon genutzt? Heilt Omalizumab oder behandelt der Wirkstoff die Symptome?

Omalizumab wurde, wie Sie schon sagten, ursprünglich für Asthma zugelassen und zeigt hier eine gute Wirkung, aber mit einer Verzögerung von einigen Wochen. Interessant ist, dass Omalizumab bei der Urtikaria nicht nur ausgezeichnet wirkt, sondern in vielen Fällen auch fast sofort. Wir gehen deshalb davon aus, dass Omalizumab bei der Urtikaria einen etwas anderen Wirkmechanismus hat als beim Asthma.

Warum die Wirkung bei Omalizumab so erstaunlich schnell eintritt kann man noch nicht sagen, denn hierzu laufen noch Studien. Man geht davon aus, dass Urtikaria, genau wie die Mastozytose, keine rein IgE-vermittelte Erkrankung ist. Vielmehr wird die Mastzelle bei diesen Erkrankungen durch andere Mechanismen aktiviert. Deshalb ist die überaus effektvolle Wirkung dieses Anti-IgE bei der Bekämpfung von Urtikaria und Mastozytose schon sehr erstaunlich.

Eine Theorie zur Wirkung von Omalizumab ist z.B., dass das "Wegfangen" des IgE  eine allgemeine Reduktion der Aktivierbarkeit der Mastzellen hervorruft - eine abschließende Erklärung gibt es noch nicht.

Bedeutet dies, dass Omalizumab stärker mastzellenorientiert als IgE-orientiert wirkt?

Das lässt sich so nicht sagen. Omalizumab ist hochspezifisch gegen freies IgE wirksam und nicht direkt gegen die Mastzelle gerichtet. In der Folge scheint das Zusammenwirken von IgE und Mastzelle derart verändert zu sein, dass sich die Mastzellen "stabiler" verhalten, und es deswegen zur Besserung kommt.

Wie hat man denn bemerkt, dass Omalizumab nicht nur bei Asthma, sondern auch bei Urtikaria wirksam ist?

Die erste Veröffentlichung stammt aus dem Jahr 2006 aus den USA. Ein Arzt hatte ein 12-jähriges Mädchen, das gleichzeitig an schwerem Asthma und eine schwere Kälteurtikaria litt, mit Omalizumab behandelt. Eigentlich war die Therapie mit Omalizumab für das Asthma vorgesehen und erfreulicherweise stellte sich dann heraus, dass die schwere, nicht therapierbare Kälteurtikaria durch die Behandlung vollständig zurückging. Nach diesem ersten Fall folgten viele andere Fälle und es wurden auch entsprechende Studien durchgeführt.

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Wirkt Omailzumab ausschließlich auf die Symptome der Urtikaria und Mastozytose oder setzt es auch an den Ursachen an?

Nach dem heutigen Erkenntnisstand ist Omalizumab ein rein symptomatisches Medikament. In allen klinischen Studien und auch nach unseren klinischen Erfahrung sehen wir, dass die Beschwerden der Patienten nach Absetzen der Medikation wiederkehren. Offenbar wird der Verlauf der Erkrankung durch Omalizumab nicht beeinflusst, weder positiv noch negativ, aber Omalizumab unterdrückt die Beschwerden sehr effektiv.

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