Angioödem ACE-Hemmer

Dr. Jens Greve, Oberarzt an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Ulm

Arzneimittelreaktion: Angioödeme durch ACE-Hemmer? Was kann helfen?

ACE-Hemmer sind weltweit sehr häufig verschriebene Arzneistoffe. Eingesetzt werden sie z.B. zur Therapie von Bluthochdruck und Herzschwäche. Eine seltene Nebenwirkung der ACE-Hemmer sind Angioödeme, akute Schwellungen im Kopf-Hals-Bereich, die lebensbedrohlich sein können. Angesichts der hohen Zahl von Menschen, die regelmäßig ACE-Hemmer einnehmen – in Deutschland sind dies schätzungsweise 7 Millionen – ist das Problem ausgesprochen relevant. Geht man von 0,5 Prozent Betroffenen aus, muss man jährlich mit etwa 35.000 durch ACE-Hemmer ausgelöste Angioödem-Fälle rechnen. Das Problem: Bei durch ACE-Hemmer ausgelösten Angioödemen helfen die üblicherweise eingesetzten Medikamente nicht. Eine Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Ulm hat deshalb eine Möglichkeit entwickelt, ACE-bedingte Angioödeme besser zu behandeln. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Jens Greve, Oberarzt an der HNO-Klinik des Universitätsklinikums Ulm, über die Ergebnisse seiner Forschungen.

Herr Dr. Greve, es gibt eine Vielzahl von ACE-Hemmern. Besteht das Risiko, ein Angioödem zu entwickeln, bei allen Präparaten gleichermaßen?

Das Risiko für Angioödeme ist bei allen ACE-Hemmern vorhanden. In der Literatur gibt es jedoch unterschiedliche Angaben zur Häufigkeit des Auftretens. Diese liegt in allen Studien zwischen  0,1 und 0,7 Prozent - es gibt also erhebliche Schwankungen. Dies könnte daran liegen, dass die Angioödeme, die unter der Therapie mit einem ACE-Hemmer mit einer deutlichen zeitlichen Latenz zum Beginn der ACE-Hemmer-Therapie auftreten, deshalb nicht mit diesen in Zusammenhang gebracht werden und es somit eine hohe Dunkelziffer unerkannter ACE-Hemmer induzierter Angioödeme gibt. Eine andere Ursache können ethnische Unterschiede in den einzelnen Studienpopulationen sein. Es gibt kein bestimmtes Präparat unter den ACE-Hemmern, bei denen Angioödeme ganz besonders häufig auftreten.

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Gibt es Risikofaktoren beim Patienten?

Es ist bekannt das dunkelhäutige Menschen ein bei zu 3- fach erhöhtes Risiko für das Auftreten eines ACE-Hemmer induzierten Angioödems gegenüber weißen Kaukasiern haben. Werden neben dem ACE  noch weitere Enzyme gehemmt, die den Bradykininabbau katalysieren, dann ist von einer noch höheren Plasma-Bradykininkonzentration auszugehen. Dieser Effekt zeigte sich beim Omapatrilat, das neben ACE noch die neutrale Endopeptidase hemmt. Während der klinischen Prüfphase zeigte der Vergleich zum ACE-Hemmer Enalapril ein mehr als 3-fach häufigeres Auftreten von Angioödemen (2,17 Prozent versus 0,68 Prozent), weshalb es zu keiner Weiterentwicklung und Zulassung dieses Präparates kam.

Beim hereditären Angioödem, das ebenfalls bradykininvermittelt ist, kennt man Risikofaktoren wie Stress, Entzündungen oder Traumata als Auslöser des Angioödems. Bei den von ACE-Hemmern verursachten Angioödemen sehen wir diese Zusammenhänge bisher nicht, wobei auch hier erhöhte so genannte „Akute-Phase-Proteine“ im Rahmen einer akuten Angioödemattacken detektiert wurden.

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Kann  das Angioödem bei Patienten, die ACE-Hemmer nehmen, wiederholt auftreten?

Solange der ACE-Hemmer eingenommen wird, kann es zum Auftreten von Angioödemen kommen. Daher sollte der ACE-Hemmer nach dem Auftreten eines solchen Angioödems unbedingt abgesetzt werden.

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