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Quincke-Ödem Behandlung

Für die Patienten ist ein oft urplötzlich auftretendes Quincke-Ödem ausgesprochen unangenehm und teilweise sogar gefährlich.

Quincke-Ödem: Welche Behandlung hilft?

Plötzlich auftretende Schwellungen können viele Ursachen haben. Eine Möglichkeit ist, dass es sich um ein Quincke-Ödem handelt, benannt nach dem Arzt Heinrich Irenaeus Quincke. Diese Schwellungen werden aber auch als Angioödem bezeichnet. Der Begriff leitet sich ab von Gefäß "Angio" und Schwellung "Ödem". Für die Patienten sind die oft urplötzlich auftretenden Schwellungen ausgesprochen unangenehm und teilweise sogar gefährlich. Die Frage lautet also: Welche Behandlung hilft?

Autor: Dr. med. Anna Eger

Was ist ein Quincke-Ödem?

Als Quincke-Ödem bezeichnet man eine plötzlich auftretende stunden- bis tagelange Schwellung von Dermis, Subkutis und/oder Submukosa. Dabei ist dies eigentlich eine veraltete Bezeichnung. Inzwischen spricht man von einem „Angioödem“ oder von einem „angioneurotischem Ödem".

Ist das Quincke-Ödem eine Autoimmunerkrankung?

Autoimmunerkrankungen sind Krankheiten, bei denen der Körper Antikörper gegen körpereigene Zellen bildet. Quincke-Ödeme sind keine Autoimmunerkrankung im eigentlichen Sinne. Beim Quincke-Ödem unterscheidet man zwischen Histaminvermittelten Angioödemen und Bradykinin-vermittelteten Angioödemen oder auch hereditären Angioödemen (HAE). Bradykininvermittelte Angioödeme können unter anderem im Rahmen autoimmuner Erkrankungen auftreten. Dabei bildet der Erkrankte Autoantikörper gegen das Enzym C1-Esterase-Inhibitor. In diesem Fall ist liegt also eine autoimmune Genese, das heißt Entstehung, vor.

Wie entsteht ein Quincke-Ödem?

Histamin und Bradykinin sind sogenannte vasoaktive Botenstoffe. Das heißt sie verändern die Weite und Durchlässigkeit der Blutgefäße. Durch bestimmte Reize werden sogenannte Mastzellen aktiviert, welche wiederum zur Freisetzung verschiedener Mediatoren, vor allem Histamin, führen. Dadurch erhöht sich die Gefäßpermeabilität, also die Durchlässigkeit, wodurch Flüssigkeit ins Gewebe übertreten kann und dort zu attackenartigen Schwellungen führt. Histaminvermittelte Quincke-Ödeme jucken und sind von Nesselsucht begleitet.

Beim bradykininvermittelten Weg steigt durch eine vermehrte Bildung oder einen verminderten Abbau dieses Hormons der Spiegel im Blutplasma an und bewirkt wiederum auch eine gesteigerte Gefäßpermeabilität. Hierbei finden sich keine Urtikaria bzw. Juckreiz. Ein zentrales Enzym auf diesem Weg ist der C1-Esterase-Inhibitor (C1-INH). Dieses Enzym vermindert die Bradykinin-Synthese. Bei einem Enzymmangel entsteht zu viel Bradykinin.

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Was ist die Ursache für ein Quincke Ödem?

Die Ursache des Quincke-Ödems muss man nach verschiedenen Kategorien einteilen. Hierfür eignet sich besonders gut die Differenzierung in Histamin- und Bradykininvermittelte Angioödeme.

Zu den Histamin-vermittelten Angioödemen zählen erstens das allergische Angioödem, welches im Rahmen einer sogenannten Typ-I-Allergie über IgE-Antikörper verursacht wird, zweitens die sogenannte pseudoallergische Reaktion - durch Nahrungsmittel oder Medikamente - und drittens das urtikaria-assoziierte Angioödem - chronisch oder spontan durch bestimmte thermische oder physikalische Reize.

Die Bradykinin-vermittelten Angioödeme hingegen können genetische Ursachen haben - man nennt es dann Hereditäres Angioödem (HAE). Sie können jedoch auch erworben sein, zum Beispiel im Rahmen einer malignen Grunderkrankung oder einer Autoimmunerkrankung. Auch durch Medikamente können sie hervorgerufen werden, man spricht dann vom medikamenten-induzierten Angioödem. Bradykininvermittelte Angioödeme treten meistens spontan und ohne erkennbaren Auslöser auf.

Welche Auslöser kennt man beim Quincke-Ödem?

Östrogene, hormonelle Verhütungsmittel als Auslöser von Quincke-Ödemen

Hormonelle Therapien, wie zum Beispiel Verhütungsmittel, können genauso wie natürliche Hormonschwankungen, zum Beispiel im Rahmen des weiblichen Zyklus, bei der hereditären Form des Angioödems zu Attacken führen.

ACE-Hemmer als Auslöser von Quincke-Ödemen

ACE-Hemmer sind Blutdruckmedikamente, die in den Renin-Angiotensin-Aldostern-Kreislauf eingreifen um den Blutdruck zu senken. Dabei hemmen sie das Enzym ACE, wodurch es zu einem Anstieg von Bradykinin im Blutplasma kommen kann. Eine ebenfalls in diesen Kreislauf eingreifende Wirkstoffgruppe sind die sogenannten AT-1-Blocker, welche jedoch deutlich seltener zu Angioödemen führen. Generell gilt, dass die Erstmanifestation eines Angioödems auch erst nach jahrelanger Einnahme möglich sein kann.

NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) als Auslöser von Quincke-Ödemen

Die Arzneimittelgruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika, zu denen beispielsweise Ibuprofen, Aspirin oder Naproxen gehören, greifen ebenfalls in den enzymatischen Abbau von Bradykinin ein und können deshalb zu einem Quincke-Ödem führen.

Stress als Auslöser von Quincke-Ödemen

Insbesondere beim hereditären Angioödem kann psychischer Stress ein Auslöser sein. Aber auch „mechanischer Stress“ wie Stöße, Druck, Verletzungen, Operationen oder „immunologischer Stress“ wie bei Infektionen bzw. Infekten können eine Attacke auslösen.

Ist das Quincke-Ödem psychosomatisch?

Prinzipiell ist das Quincke-Ödem nicht als psychosomatisches Krankheitsbild einzustufen. Allerdings können bei der hereditären Form auch psychische Faktoren bei der Auslösung von Attacken eine Rolle spielen.

Können auch Kinder ein Quincke-Ödem bekommen?

Ja, auch Kinder können Quincke-Ödeme bekommen. Das hereditäre Angioödem ist ja eine angeborene genetische Erkrankung und kann sich in jedem Lebensalter manifestieren. Es gibt bei Kindern mit einem hereditären Angioödem in den Symptomen, der Diagnostik und Therapie gewisse Besonderheiten zu beachten.

Ist das Quincke-Ödem vererbbar?

Wenn bereits andere Familienangehörige betroffen sind, dann ist die Diagnosestellung naheliegend. Bei diesen Kindern sollte zeitnah eine Laboruntersuchung auf das Vorliegen einer verminderten C1-INH-Aktivität erfolgen bzw. gegebenenfalls eine genetische Analyse durchgeführt werden. 25 Prozent aller neu diagnostizierten Patienten sind jedoch der erste Erkrankungsfall in einer Familie.

Quincke-Ödem beim Kind: Mögliche Anzeichen

Häufig wird hierbei beim ersten Auftreten von Symptomen nicht an ein HAE gedacht, da das HAE zu den seltenen Erkrankungen gehört und die Symptome leicht fehlgedeutet werden können. Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall sind häufige Symptome im Kinderalter und könnten einfach einen Magen-Darm-Infekt vermuten lassen. Schwellungen an Händen oder im Gesicht könnten als Insektenstiche interpretiert werden. Hier ist es wichtig, eine genaue Anamnese zu führen und an die HAE zu denken. Manchen Patienten erkranken bereits im Säuglingsalter, andere haben ihre ersten Symptome erst im Jugendalter.

Inzwischen gibt es auch für Kinder gute Therapieansätze, die Prinzipien und Wirkstoffe sind ähnlich denen der Erwachsenen. Nicht alle Medikamente sind jedoch für alle Altersgruppen zugelassen. Eine medikamentöse Prophylaxe ist erst ab 6 Jahren zugelassen.

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Quincke-Ödem – Angioödem - hereditäres Angioödem: Was ist der Unterschied?

Quincke-Ödem ist einfach eine veraltete Bezeichnung für Angioödem, beide Begriffe können also synonym verwendet werden.

Das hereditäre Angioödem ist eine Untergruppe der Angioödeme, welche bradykininvermittelt wird und durch eine erblich bedingte verminderte Konzentration bzw. Aktivität des Enzyms C1-INH entsteht, beispielsweise durch eine Mutation des Gens, welches C1-INH codiert.

Wie sehen die Symptome beim Quincke-Ödem aus?

Allen Quincke-Ödemen ist gemeinsam, dass Dermis, Subkutis und Submukosa an verschiedenen Lokalisationen akut anschwellen. Dadurch kommt es zu einem Spannungsgefühl und manchmal auch zu einem geringen Druckschmerz. Wenn Rachen oder Kehlkopf betroffen sind, können Schluckbeschwerden, Globusgefühl, Heiserkeit oder auch Luftnot auftreten. Die verschiedenen Formen des Angioödems ähneln sich stark, es gibt aber gewisse Unterschiede zwischen den histamin-vermittelten und den bradykinin-vermittelten Angioödemen:

Histamin-vermittelte Angiödeme zeigen sich besonders im Kopf-Hals-Bereich und gehen häufig mit Urtikaria bzw. Nesselsucht und/ oder Juckreiz einher. Sie treten oft einmalig im Rahmen von allergischen oder pseudoallergischen Reaktionen auf. Die Schleimhäute im Rachen, Kehlkopf oder Magen-Darm-Trakt sind seltener betroffen.

Bradykinin-vermittelte Angioödeme zeichnen sich hingegen durch rezidivierende, das heißt wiederkehrende, Schwellungen aus, die am gesamten Körper möglich sind. Insbesondere sind Extremitäten betroffen, seltener die Genitalregion oder der Kopf-Hals-Bereich. Hingegen ist häufig die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts betroffen, welches sich in krampfhaften Bauchschmerzen oder unspezifischer abdomineller Symptomatik äußert. In der Regel gibt es hier keine Urtikaria oder Juckreiz. Die Ödeme können bis zu 7 Tage dauern und werden eventuell durch bestimmte Prodromi - Vorzeichen - angekündigt, wie Müdigkeit, Durstgefühl, Aggressivität. Die Häufigkeit variiert zwischen mehrmals im Monat bis aller ein paar Jahre.

Das ACE-Hemmer-induzierte Angioödem manifestiert sich in aller Regel ausschließlich im Kopf-Hals-Bereich und führt in ca. 10 Prozent zu einer Obstruktion der oberen Atemwege. Auch hier finden sich keine Urtikaria oder Juckreiz.

Wo können Quincke-Ödeme auftreten?

Quincke-Ödeme können prinzipiell an fast allen Körperteilen auftreten:

Die Extremitäten können von den Schwellungen befallen werden, hier sind insbesondere die Hände und Unterarme betroffen.

Besonders häufig findet man das Quincke-Ödem im Gesicht, d.h. an den Augen, Ohren, dem Hals, den Lippen, aber auch in der Mundschleimhaut mit Anschwellen von Zunge, Lippe, Rachen und Kehlkopf.

Desweiteren kann die Genitalregion von einem Angioödem betroffen sein.

Und schließlich kann sogar die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes als Manifestationsort des Quincke-Ödems auftreten.

Diagnose beim Quincke Ödem

Bei der Diagnose sind viele Faktoren zu berücksichtigen. Der Arzt geht dabei strukturiert vor.

Anamnese beim Quincke Ödem

Wie bei allen Erkrankungen ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt eine gute Anamnese führt, um zur Diagnose zu gelangen. Bei auftretenden Schwellungen ist es notwendig, dass der Zeitpunkt, die Dauer und die Häufigkeit des Auftretens der Schwellung erfragt werden. Auch die Lokalisation und Veränderungen des Ödems sind wichtige Hinweise. Angioödeme treten meistens sehr plötzlich und ohne erkennbare Ursache auf, verschwinden aber in den meisten Fällen nach wenigen Stunden.

Die Patienten, bei denen die Diagnose bereits bekannt ist, haben in der Regel einen Notfall-Pass. Es lohnt sich also, wenn der Arzt danach fragt.

Desweiteren sollte der Arzt sich nach Begleitsymptomen wie Juckreiz und Urtikaria bzw. Nesselsucht erkundigen. Auch, ob es in der Familie Personen mit ähnlichen Symptomen gibt, sollte man erfragen.

Aus medizinischer Sicht sollte man außerdem nach einem zeitlichen Zusammenhang mit Medikamenteneinnahme, Nahrungsaufnahme, Insektenstichen, Latex-Kontakt oder bestimmten Tätigkeiten fahnden.

Das Alter beim ersten Auftreten eines Quincke-Ödems ist ebenfalls aufschlussreich. Beim HAE ist das Erstmanifestationsalter meist um das 10. Lebensjahr herum.

Für die Diagnostik entscheidend ist außerdem, ob das Angioödem auf Antihistaminika und Glukokortikoide anspricht oder angesprochen hat, um zu differenzieren, ob es sich um ein histamin- oder bradykininvermitteltes Angioödem handelt.

Die folgende Tabelle liefert eine kurze Übersicht, wie zwischen histamin- und bradykininvermittelten Quincke-Ödemen unterschieden werden kann:

 

Quincke-Ödeme: Histaminvermittelt oder bradykininvermittelt?  
  Histamin-vvermittelt  Bradykininvermittelt/ HAE
Eigenanamnese Tritt oft einmalig auf, keine Magen-Darm-Beschwerden  Rezidivierende Attacken, meist Beginn in Kindheit/ Jugend, bei der Hälfte Prodromi vorhanden, ggf. Autoimmunerkrankunge
Familienanamnese unauffällig  Positiv auf HAE 
Auslöser Manchmal Allergen eruierbar, oft unbekannt  Häufig unbekannt, ggf. Traumata, Stress, Anstrengung
Symptome Ödeme häufig im Gesicht, häufig mit Urtikaria und Juckreiz  Ödeme eher an Extremitäten und im Magen-Darm-Trakt, in der Regel ohne Urtikaria und Juckreiz  
Diagnostik Keine spezifische Labor-diagnostik  Spezifische Labordiagnostik (C1-INH und C4-Konzentration)  
Therapie Antihistaminika und Gluco-corticoide helfen  KEIN Ansprechen auf Antihistaminike/ Gluco-corticoide  
 Quelle: https://next.amboss.com/de/article/2k0TMT?q=quincke-%C3%B6dem#Z99ad94b9dc9d16253fbdb9909997c06e adaptiert von Dr. med. Anna Eger  

 

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Körperliche Untersuchung zur Diagnose des Quincke-Ödems

Einer ausführlichen Anamnese folgt eine gute körperliche Untersuchung. Die Schwellungen sind meist lokalisiert, asymmetrisch und unscharf begrenzt, hautfarben oder leicht gerötet und treten an den oben genannten typischen Prädilektionsstellen auf. Sie sind nicht eindrückbar. Bei einem allergischen Angioödem sollte man zudem nach allergischen Begleitsymptomen suchen.

Weitere Untersuchungen zur Diagnose des Quincke-Ödems

Nach Abklingen der akuten Symptome sollte ein Allergietest durchgeführt werden. Gegebenenfalls sind auch mikrobiologische Untersuchungen von Stuhl, Urin und Serum sinnvoll. Desweiteren können zur Diagnosestellung des Angioödems verschiedene Laboruntersuchungen weiterhelfen. Bei einem Verdacht auf ein HAE bestimmt man den Komplementfaktor C4 und die Aktivität bzw. Konzentration von C1-Esterase-Inhibitor C1-INH. Damit ist es möglich zwischen den einzelnen Typen des hereditären Angioödems zu differenzieren. In unklaren Fällen kann eine humangenetische Untersuchung durchgeführt werden um Mutationen zu detektieren. Beim Verdacht auf ein erworbenes Angioödem können teilweise Antikörper gegen C1-INH nachgewiesen werden.

CAVE: Die Diagnosestellung muss immer in Zusammenschau von Klinik und (Familien)anamnese erfolgen, nie nur anhand der Laborwerte!

Was tun beim Quincke-Ödem - wie sieht die Behandlung aus?

Zur Therapie eines Angioödems gibt es unterschiedliche Ansätze. Diese werden individuell zwischen Arzt und Patient abgestimmt.

Allgemeine Notfalltherapie beim Quincke-Ödem

Zunächst sollte die die Dringlichkeit eingeschätzt werden. Bei massiver Luftnot besteht eine akut lebensbedrohliche Situation, welche eine sofortige Atemwegssicherung durch einen erfahrenen Mediziner erfordert, zum Beispiel eine Intubation oder notfalls eine Koniotomie. Eine potenziell lebensbedrohliche Situation liegt vor, wenn Rachen-, Kehlkopf- oder Zungenschwellungen vorliegen. Ausschließliche Gesichts- oder Lippenschwellungen, Ödeme an den Extremitäten oder schmerzhafte Abdominalattacken, das heißt, Bauchschmerzen, sind nicht lebensbedrohlich.

Wann sind Angioödeme gefährlich?

Ödeme im Kopf-Hals-Bereich sollten immer ernst genommen und die Patienten stationär überwacht werden. Das Angioödem sollte zügig von anderen Differentialdiagnosen abgegrenzt werden. Jedoch ist es im Akutfall sinnvoll, probatorisch, also versuchsweise, Antihistaminika und Glucocorticoide zu verabreichen und deren Wirksamkeit überprüfen. Geht die Schwellung nach der Gabe dieser antiallergischen Medikamente zurück, liegt wahrscheinlich ein histmininduziertes Angioödem vor. Etwa 80 Prozent der Fälle sind histamininduziert, das heißt, die Ursache ist histaminbedingt.

Als weitere allgemeine Maßnahmen sollten Schmerzen und, falls vorhanden, Übelkeit oder Erbrechen, medikamentös behandelt, eine Infusionstherapie erwogen und die entsprechenden Körperteile bedarfsweise gekühlt werden.

Medikamentöse Akut-Therapie beim Quincke-Ödem

Die medikamentöse Therapie der Angioödeme unterscheidet sich ganz grundsätzlich nach dem ursächlichen Typ:

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Therapie beim akuten histaminvermittelten Quincke-Ödem

Histaminvermittelte Angioödeme werden mit intravenöser Glucocorticoidgabe (z.B. Prednisolon) und oraler oder ebenfalls intravenöser Antihistaminikagabe (z.B. Fenistil) behandelt. Bei schweren Verläufen mit Atemwegsbeteiligung oder Kreislaufreaktion kann die Gabe von inhalativen ß2-Sympathomimetika (z.B. Salbutamol) oder die intramuskuläre oder intravenöse Applikation von Adrenalin notwendig werden. Wenn sich hierunter keine Besserung einstellt, muss unbedingt an ein bradykinin-vermitteltes Angioödem gedacht werden!

Therapie beim akuten Bradikinin-vermittelten Quincke-Ödem

Die medikamentöse Therapie des bradykinin-vermittelten Angioödems unterscheidet sich grundlegend. Beim HAE ist die medikamentöse Therapie der Wahl die frühzeitige intravenöse Gabe von C1-INH-Konzentrat oder Bradykinin-B2-Rezeptor-Antagonisten (Icatibant) subkutan. Letzteres hemmt durch seinen strukturelle Ähnlichkeit zu Bradykinin die Bindung des körpereigenen Bradykinins an seinen Rezeptor.

Bei medikamentös-induzierten Angioödemen gibt es keine kausal zugelassene Therapie! Allgemein gilt natürlich, das zugrundeliegende Medikament für immer abzusetzen. Als off-label-Therapieoptionen werden zunächst Antihistaminika und Glucocorticoide verwendet, bei fehlender Wirksamkeit kann die Anwendung von C1-INH-Konzentrat intravenös oder Icatibant subcutan erwogen werden. Man muss wissen, dass es bis zu einem Jahr nach Absetzen des Medikamentes noch zu erneuten Quincke-Ödemen kommen kann!

Bei erworbenen Angioödemen muss die zugrundeliegende onkologische oder autoimmune Erkrankung behandelt werden, ansonsten kann auch hier in der Akuttherpapie off-label Icatibant subcutan zum Einsatz kommen.

Langzeittherapie beim Quincke-Ödem

Bei histamin-vermittelten Angioödemen sollten die entsprechenden allergenen Auslöser gemieden werden.

Das Therapieziel des hereditären Angioödems ist es, Symptome zu lindern und den Erstickungstod zu verhindern. Dazu ist es notwendig, Patienten und Angehörige gut über die Erkrankung, deren Prodromi, mögliche Triggerfaktoren und das Vorgehen bei Ödemattacken zu informieren. Insbesondere sollten sie über frühe Zeichen eines möglichen Larynx (Kehlkopf)- Ödems aufgeklärt werden. Alle Medikamente, die potentiell die Attacken triggern können, sollten selbstverständlich abgesetzt werden (ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Östrogene, hormonelle Verhütungsmittel, NSAR). Zudem sollten die Patienten einen Notfallpass erhalten und an ein HAE-Behandlungszentrum angebunden werden. Vor medizinischen Eingriffen sollte eine medikamentöse Prophylaxe von C1-INH verabreicht werden. Eine medikamentöse Dauerprophylaxe mit C1-INH-Konzentrat ist nur besonders schweren Fällen vorbehalten.

 

 

Helfen Hausmittel beim Quincke-Ödem?

Hausmittel alleine sind bei dieser Erkrankung nicht ausreichend wirksam. Allerdings kann die hautberuhigende Wirkung von Salbei, Arnika oder Aloe Vera unterstützend auf die ärztliche Behandlung wirken. Zudem haben sich kalte Quarkwickel als wärme- und flüssigkeitsentziehendes Hausmittel bei Schwellungen bewährt.

Hilft Homöopathie beim Quincke-Ödem?

Aus schulmedizinischer Sicht ist bei einem akuten Quincke-Ödem ganz klar von einer alleinigen homöopathischen Behandlung abzuraten. Sie ersetzt auch in gar keinem Fall eine ärztliche Vorstellung, Diagnostik und Therapie. Heilpraktiker empfehlen aber zum Beispiel die Anwendung von Apis mellifica C1000. Desweiteren sollen China officinalis, Chininum arsenicosum und Chininum sulfuricum in unterschiedlichen Potenzen zum Einsatz kommen. In den medizinischen Leitlinien hat die Homöopathie beim Quincke-Ödem keinen Stellenwert.

Hilft Kühlen beim Quincke-Ödem?

Da es durch die Mediatoren Histamin und Bradykinin zu einer Weitstellung und erhöhten Durchlässigkeit der Blutgefäße kommt, ist Kühlen als vasokonstriktorische Maßnahme eine sinnvolle Unterstützung bei der Therapie.

Welcher Arzt behandelt Quincke-Ödeme?

Die Akut-Behandlung erfolgt im Rahmen der präklinischen oder klinischen Notfallmedizin durch Notfallmediziner. Die Langzeitbetreuung sollte beim hereditären Angioödem in Zusammenarbeit zwischen dem Hausarzt und einem HAE-Zentrum erfolgen. Allergologen können in der Betreuung ebenfalls involviert sein. Dies sind meist HNO-Ärzte, Pulmologen oder Dermatologen.

Braucht man beim Quincke-Ödem ein Notfallset?

Nach anaphylaktischen Reaktionen im Rahmen eines histaminvermittelten Angioödems ist die Verordnung eines Notfallsets sinnvoll und notwendig. Dazu gehört ein Antihistaminikum und ein Glucocorticoid in Form einer trinkbaren Lösung und gegebenenfalls. auch ein Adrenalin-Pen, zu dessen Anwendung jedoch eine genaue Anweisung erfolgen muss und welcher nicht die nachfolgende ärztliche Behandlung ersetzt. Dieses Notfallset ist beim bradykininvermittelten Angioödem leider unwirksam. Todesfälle sind heutzutage selten, jedoch fast immer Folge eines Larynxödems bei HAE-Patienten, deren Erkrankung bis dahin nicht bekannt war.

Kann man sich trotz Quincke-Ödem gegen Corona impfen lassen?

Aus allergologischer Sicht ist ein Angioödem, ebenso wie andere allergische Krankheitsbilder wie Rhinokunjunktivitis allergica, Asthma bronchiale, atopisches Ekzem, Arzneimittelexanthem oder Urtikaria, nicht als Kontraindikation für eine Covid-19-Impfung anzusehen. Lediglich Anaphylaxien nach einer früheren Covid-19-Impfung, Anaphylaxien bei Mastozytose oder eine unklare Anaphylaxie werden als absolute bzw. relative Kontraindikation angegeben.

Welche Erfahrungen machen andere mit dem Quincke-Ödem?

Patienten müssen oft die Erfahrung machen, dass der Weg zur Diagnosestellung ein sehr langer ist. Da zumindest beim bradykininvermittelten Angioödem die Allergiediagnostik und -therapie ohne Ergebnisse bleiben, haben sie oft monate- und jahrelange Beschwerden, die unerklärt bleiben. Sie suchen teilweise Hilfe bei alternativen Diagnostik- und Heilmethoden. Sie versuchen ihre Ernährung umzustellen, probieren verschiedene Nahrungsergänzungsmittel. Besonders bei Kindern ist die Gefahr der Fehldeutung von Symptomen groß. Die Patienten fühlen sich unverstanden und hilflos, werden teilweise in die psychosomatische Ecke gedrängt. Hat sich jemand gefunden, der die richtige Diagnose gestellt hat, ist inzwischen dank der fortschreitenden Studienlage auch im Hinblick auf eine gut durchführbare Prophylaxe ein weitgehend normales Leben möglich. Es gibt Behandlungszentren für HAE, wo die Patienten gut betreut werden. Auch Selbsthilfegruppen mit entsprechendem Austausch sind für viele Patienten ein wichtiger Baustein.

 

 

Quellen:

https://next.amboss.com/de/article/2k0TMT?q=quincke-%C3%B6dem#Z99ad94b9dc9d16253fbdb9909997c06e

http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie-Urtikaria_Teil1_AJ_052011_20_249_58.pdf

http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie-Urtikaria_Teil2_AJ_052011_20_259_76.pdf

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-029l_S1_Hereditaeres-Angiooedem-durch-C1-Inhibitor-Mangel_2019-01.pdf

https://www.hae-notfall.de/

https://www.seltenekrankheiten.de/krankheitsbilder/hae/hereditaeres-angiooedem-schon-kinder-koennen-betroffen-sein/

https://www.naturundheilen.de/service/beratungsservice/artikel/quincke-oedem/

https://www.heilpraktikerkurse.de/homoeopathie/steckbriefe-charakteristika-homoeopathischer-arzneimittel/apis-mellifica-apis.html

https://homoeopathie-liste.de/anwendungs-gebiete/quincke-oedem.htm

https://aeda.de/uploads/media/AeDA_Impfreaktionen_Web.pdf

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.