AppleCare Birkenpollenallergiker Äpfel

Dr. Thomas Letschka, Leiter des Fachbereichs angewandte Genomik und Molekularbiologie am Versuchszentrum Laimburg zu AppleCare!

AppleCare: Birkenpollenallergiker mit Äpfeln desensibilisieren?

Ein spannendes Thema steht im Mittelpunkt des Projektes AppleCare. Es geht um die Frage, ob es möglich ist, Menschen mit Birkenpollenallergie durch den regelmäßigen Verzehr von Äpfeln zu desensibilisieren. AppleCare ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem das Versuchszentrum Laimburg, die Abteilung Dermatologie des Krankenhauses Bozen, die Universität Innsbruck und die Medizinische Universität Innsbruck beteiligt sind. MeinAllergiePortal sprach mit Projektleiter Dr. Thomas Letschka, Leiter des Fachbereichs angewandte Genomik und Molekularbiologie am Versuchszentrum Laimburg über die Studie zu Äpfeln als eine mögliche Therapie für Birkenpollenallergiker.

Herr Dr. Letschka, mit dem Projekt AppleCare soll untersucht werden, ob man Birkenpollenallergiker durch den Verzehr von Äpfeln desensibilisieren kann, welche Überlegungen liegen dieser Idee zugrunde?

Über 70 Prozent aller Birkenpollenallergiker erleben unangenehme Nebenwirkungen beim Genuss von bestimmten Obstsorten, insbesondere Äpfeln. Dabei kommt es innerhalb von Sekunden zu einem Juckreiz in Mundhöhle, Rachenraum, auf Lippen, Zunge, bis hin zu den Ohrkanälen. Dieser verklingt im Normalfall nach einigen Minuten wieder. So manches Immunsystem „verwechselt“ hier den Apfel mit einem Birkenpollen und löst durch seine Überreaktion das klassische Symptombild des oralen, allergischen Syndroms (OAS) aus. Für betroffene Patienten ist diese Kreuzreaktion zwar unangenehm, bietet andererseits aber die Möglichkeit einer alternativen Allergen-Immuntherapie.


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Bei der Allergen Immuntherapie (AIT) mit der Spritze oder Tablette wird üblicherweise das Hauptallergen therapiert…

Für eine langfristige Therapie der Birkenpollenallergie wird das entsprechende Birkenpollenextrakt regelmäßig über einen Zeitraum von mehreren Jahren subkutan verabreicht. Dies geschieht in steigenden Konzentrationen und Abständen, um das Immunsystem schrittweise an das Allergen zu gewöhnen. Auch wenn diese Therapie eine hohe Erfolgsrate verspricht, wird sie von Patienten als unangenehm empfunden. Im Vergleich dazu wäre der Verzehr eines Stück Apfels nicht nur erträglicher, sondern mit einer gleichzeitigen Aufnahme von Vitaminen und anderen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen verbunden.

 

Wie könnte bei AppleCare das Kreuzallergen des Apfels quasi „umgekehrt“ eine Immuntoleranz gegenüber dem Allergen der Birke erzeugen?

applecare probennahme im feldProjekt AppleCare: Probennahme im Feld, Quelle: Dr. Thomas LetschkaDer Ansatz, den Apfel als Therapeutikum einsetzen zu können, gründet auf der nahen Verwandtschaft des Apfelallergens mit jenem der Birke. In beiden Fällen handelt es sich um Substanzen derselben Proteinklasse, die in Aufbau und 3D-Struktur sehr homogen sind. Aus diesem Grund konnte in Schweizer Studien dem Birkenpollenextrakt bereits eine therapeutische Wirkung bei der Apfelallergie nachgewiesen werden.

Im Rahmen des Projektes „AppleCare“ möchten wir den umgekehrten Weg gehen und erforschen, inwiefern die wiederholte Aufnahme des Apfelallergens einen positiven Effekt auf die Therapie der Birkenpollenallergie zeigt. Dieses Projekt wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Programms Interreg V-A Italien-Österreich 2014-2020 gefördert.

Der Allergengehalt scheint bei Äpfeln nicht nur von der Sorte, sondern auch von anderen Faktoren, wie z.B. dem Anbaugebiet, den Umweltbedingungen und niedermolekularen Substanzen abhängig zu sein. Kann man dies bei der AppleCare-Studie berücksichtigen bzw. was bedeutet das für eine mögliche Therapie?

applecare schockgefrieren der apfelschaleAppleCare: Schockgefrieren der Apfelschale, Quelle: Dr. Thomas LetschkaDas untersuchte Apfelallergen ist Teil einer Proteinklasse, deren Aufgabe es ist, auf externe Stressfaktoren zu reagieren, egal ob es sich um Krankheitserreger oder widrige Umweltbedingungen handelt. Schon aus diesem Grund sind Schwankungen im Allergengehalt vorprogrammiert. Da auch die Lagerbedingungen, unter welchen Äpfel monatelang konserviert werden, einen Stressfaktor darstellen, konnten wir bereits während der ersten Lagerwochen einen Anstieg der Allergensynthese messen. Diese Untersuchungen werden weiter vertieft.

Zudem gibt es leider kein einzelnes Apfelallergen. Die Allergene des Apfels können in vier verschiedene Familien unterteilt werden, deren wichtigste Familie über 30 Mitglieder hat. Dabei kommen nicht alle Allergenformen in gleichen Mengen vor, und nicht alle sind für den Ausbruch der Symptome in gleichem Maße verantwortlich. Hinzu kommt eine ungleichmäßige Verteilung im Apfel – die Schale ist besonders allergen – und starke Schwankungen unter den verschiedenen Apfelsorten. Detaillierte Messungen der Allergensynthese sollen zusammen mit klinischen Studien feststellen, welches Einzelallergen wo vorkommt und wie stark es zu einem OAS beiträgt.

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