Fließschnupfen

Ab wann spricht man von einem Fließschnupfen? Bildquelle: M.- B. Hilka

Nase läuft ständig, wann ist es Fließschnupfen?

Wenn die Nase ständig läuft, tippt man vielleicht nicht gleich auf einen Fließschnupfen. Eher wird eine Erkältung oder eine Allergie vermutet. Es gibt aber deutliche Unterschiede zwischen diesen Erkrankungen und wann es ein Fließschnupfen ist, darüber sprach MeinAllergiePortal mit Dr. med. Maud-Bettina Hilka, HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden.

 

Autor: Sabine Jossé M.A.

Interviewpartner: Dr. med. Maud-Bettina Hilka

 

Fließschnupfen: Die wichtigsten Fakten!

Fließschnupfen ist eine häufige Erkrankung, deren Ursache man nicht kennt

Es gibt deutliche Unterschiede bei den Symptomen von Fließschnupfen, Erkältung und Allergie

Man kennt zahlreiche Trigger, die die Symptome beim Fließschnupfen verstärken können

Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose

Ein Anticholinergikum kann eine wirksame Therapie sein

 

Frau Dr. Hilka, was genau ist ein Fließschnupfen, gibt es eine Definition?

Unter einem Fließschnupfen versteht man eine nicht ansteckende Erkrankung, bei der die Nase unkontrolliert läuft und eine klare Flüssigkeit absondert. Dabei ist ein Fließschnupfen weder tageszeitlich noch jahreszeitlich begrenzt – die Nase läuft einfach immer. Ein wichtiges Anzeichen für einen Fließschnupfen ist, dass die Sekretion klar ist und nicht gefärbt, denn das ist ein Hinweis darauf dass keine Infektion besteht.

Was bedeutet es, wenn die Nase wie Wasser läuft?

Der medizinische Begriff für den Fließschnupfen lautet “vasomotorische Rhinitis”. “Rhinitis” bedeutet immer, dass eine Entzündung der Nasenschleimhaut vorliegt und “vasomotorisch” bedeutet, dass diese Entzündung im Zusammenhang mit der Durchblutung der Nasenschleimhaut stehen könnte. Der Laie spricht bei einem Fließschnupfen auch häufig von einer “Triefnase”.

Wie häufig ist ein Fließschnupfen?

In unserer Praxis haben 10 bis 15 Prozent der Patienten, die mit einer laufenden Nase in die Praxis kommen, einen Fließschnupfen.

In welchem Alter kommt es zu Fließschnupfen?

Bei Menschen, die das 50. Lebensjahr überschritten haben, ist der klassische Fließschnupfen ein häufiges Phänomen. Auch hormonelle Veränderungen könnten beim Fließschnupfen eine Rolle spielen, denn auch während einer Schwangerschaft oder in der Pubertät kann es zu Fließschnupfen kommen. Bei Kindern habe ich in unserer Praxis einen Fließschnupfen noch nicht gesehen. Bei einer laufenden Nase bei Kindern ist deutlich öfter eine infektiöse Rhinitis oder eine allergische Rhinitis die Ursache. Läuft die Nase bei einem kleinen Kind nur aus einem Nasenloch, sollte man prüfen, ob ein Fremdkörper in der Nase steckt. Ein Hinweis auf einen Fremdkörper bei einseitiger Sekretion aus der Nase ist auch ein unangenehmer Geruch, der auftreten kann, wenn der Fremdkörper schon eine ganze Weile in der Nase steckt.

Kommt der Fließschnupfen häufiger bei Männern oder bei Frauen vor?

Früher dachte man, dass Männer häufiger als Frauen an einem Fließschnupfen erkranken, und bezeichnete die Erkrankung deshalb auch als “old men’s drop nose”. Diese Vermutung hat sich allerdings nicht bestätigt, und man weiß heute, dass Männer und Frauen gleichermaßen vom Fließschnupfen betroffen sind.

Ist ein Fließschupfen denn eine Allergie?

Nein, ein Fließschnupfen ist keine Allergie. Der Unterschied zwischen einem Fließschnupfen und einer allergischen Rhinitis wird schon anhand des Auftretens der Symptomatik deutlich. Eine Allergie der Atemwege auf Pollen, zum Beispiel, ist jahreszeitlich begrenzt. Bei einer Milbenallergie sieht das schon anders aus, aber hier liegt ein symptomatischer Schwerpunkt auf der Heizperiode. Einen Fließschnupfen hat man aber immer, und das ist für die Patienten sehr unangenehm, weil immer ein Tropfen an der Nase hängt.

 

Was ist der Unterschied zwischen Fließschnupfen, Erkältung und Allergie?
Erkrankung Nasensekret Auftreten
Fließschnupfen klare, wässrige Sekretion kontinuierlich
Infekt zähflüssige, gefärbte Sekretion während des Infektes
Allergie klar, mit Nießanfällen jahreszeitlich begrenzt, bzw. bei Allergenkontakt
Quelle: Dr. med Maud-Bettina Hilka, www.mein-allergie-portal.com

 

Was ist die Ursache von Fließschnupfen, ist er erblich?

Die genaue Ursache für Fließschnupfen ist nicht bekannt, aber es werden viele Theorien diskutiert. Erblich ist ein Fließschnupfen sicher nicht. Wie gesagt, vermutet man, dass eine Durchblutungsstörung der Nasenschleimhaut die Ursache für die ständig laufende Nase sein könnte. Diskutiert wird auch ein hormoneller Einfluss, denn die Hormone verändern generell die Schleimhäute, auch die der Nase. Dies kann durchaus der Auslöser einer verstärkten Nasensekretion sein. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass die Ursachen eines Fließschnupfens individuell sehr verschieden sein können, so wie sich auch die Schleimhaut individuell unterscheidet. Bekannt ist, dass viele Faktoren die Symptome eines Fließschnupfens verschlimmern können.

Welche Symptome hat man bei Fließschnupfen?

Eine das ganze Jahr über ständig laufende Nase ist das Leitsymptom beim Fließschnupfen. Interessanterweise läuft die Nase beim Fließschnupfen zwar tagsüber unaufhörlich, nachts jedoch nicht.

In seltenen Fällen kann das Nasensekret beim Fließschnupfen Blutbeimengungen enthalten. Das kommt vor wenn die Nasenschleimhäute sehr stark gereizt sind, etwa durch chemische Substanzen.

Manchmal haben die Patienten auch den Eindruck, die Nase läuft einseitig, nur aus einem Nasenloch. Das liegt daran, dass manchmal ein Nasenloch stärker betroffen ist als das andere, weil die Nasenmuschel dort etwas stärker durchblutet ist. Meist sind vom Fließschnupfen aber beide Seiten der Nase betroffen, in unterschiedlicher Intensität.

Nießanfälle oder einen Hustenreiz gibt es beim Fließschnupfen nicht, denn das sind eher klassische Allergiesymptome.

Es gibt auch eine Patientengruppe mit Fließschnupfen, bei denen es immer wieder auch mal zu einer verstopften Nase kommt. Oft ist die verstopfte Nase morgens am stärksten ausgeprägt.

Warum ist beim Fließschnupfen die Nase morgens am häufigsten verstopft?

Dass die verstopfte Nase morgens am stärksten ausgeprägt ist, liegt daran, dass das Blutvolumen in der Nasenschleimhaut nachts stärker ansteigt. Dadurch vergrößern sich auch die Nasenmuscheln, und dies schränkt das Atemvolumen, das die Nase passieren kann, ein. Ein Fließschnupfen kann aber auch ohne eine Schwellung der Nasenschleimhaut auftreten.

Was kann die Symptome eines Fließschnupfens verschlimmern?

Es gibt eine Reihe von Umweltfaktoren, die sich beim Fließschnupfen negativ auf die Symptomatik auswirken können.

Der Fließschnupfen kann schlimmer werden durch:

  • Bestimmte Gerüche, zum Beispiel Zigarettenrauch, Farbe, Lack, Autoabgase oder Druckerschwärze
  • Alkohol
  • Stark gewürzte oder scharfe Speisen
  • Heiße Speisen, zum Fließschnupfen kommt es dann insbesondere nach dem Essen
  • Temperaturschwankungen, wie der Wechsel von Wärme zu Kälte und umgekehrt
  • Bei Lichtempfindlichkeit, durch starke Sonnenstrahlung oder grelle Beleuchtung, wobei dann auch die Augen anfangen können zu tränen
  • Medikamente, wie Acetylsalicylsäure (ASS), bestimmte Antidepressiva, Betablocker, das heißt Medikamente gegen einen hohen Blutdruck
  • Psychischen Stress

Ist Fließschnupfen eine chronische Erkrankung?

Fließschnupfen erstreckt sich über einen langen Zeitraum und damit ist die Chronizität im Prinzip gegeben. Meist hört ein Fließschnupfen auch nicht von selbst wieder auf.

Kann Fließschnupfen auch gefährlich werden?

Der Fließschnupfen selbst kann nicht gefährlich werden. In seltenen Fällen kann es aber sein, dass man eine weitaus gefährlichere Situation nicht erkennt, weil man sie mit einem Fließschnupfen verwechselt. Bei einer Flüssigkeit, die aus der Nase kommt, kann es sich auch um Hirnwasser handeln. Hirnwasser kann über die Nase austreten, wenn beim Patienten in der Vergangenheit eine Nasennebenhöhlen-Operation vorgenommen wurde oder wenn es zu einer sogenannten Schädel-Basis-Verletzung gekommen ist. Auch wenn diese Ereignisse schon länger zurück liegen, kann es aufgrund dessen plötzlich zum Austreten von Hirnwasser aus der Nase kommen. Hirnwasser ist jedoch nicht klar, sondern gelblich gefärbt.

Wie wird bei Fließschnupfen die Diagnose gestellt?

Man spricht vom Fließschnupfen, wenn eine permanent laufende Nase bei klarer, wäßriger Flüssigkeit, das Leitsymptom ist und alle anderen in Betracht kommenden Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Da Fließschnupfen eine Ausschlußdiagnose ist, wird bei Patienten, die mit einer ständig laufenden Nase in die Praxis kommen, die gesamte Allergiediagnostik durchgeführt. Das bedeutet, ein Prick-Test an der Haut und eine nasale Provokation. Die nasale Provokation ist deshalb nötig, weil es in seltenen Fällen auch eine “Lokale allergische Rhinitis (LAR)" gibt. Die lokale allergische Rhinitis läßt sich aber nicht an der Haut und auch nicht im Blut, sondern nur im Nasensekret nachweisen, mit Hilfe einer Provokation an der Nase.

Liegt keine Allergie vor und besteht auch keine Infektion oder chronische Entzündung, die in seltenen Fällen zu einem Fließschnupfen führen kann, stellt der Arzt eine sogenannte Ausschluß Diagnose. Die Diagnose lautet dann “Rhinitis vasomotorica” beziehungsweise vasomotorische Rhinitis oder Fließschnupfen.

Therapie: Was kann man gegen eine ständig laufende Nase tun?

Bislang war man bei der Therapie der vasomotorischen Rhinitis auf nasale Steroide, also Entzündungshemmer, angewiesen. Seit einem Jahr ist in Deutschland zur Behandlung des der vasomotorischen Rhinitis ein nasal wirksames Anticholinergikum mit dem Wirkstoff Ipratropiumbromid zugelassen. Zugelassen ist es für die Behandlung der Triefnase für Patienten ab 6 Jahren. Es wird dreimal täglich als Nasenspray angewendet, was sich bei guter Wirksamkeit eventuell auch reduzieren läßt. Zur Behandlung von Asthma wird Ipratropiumbromid schon lange eingesetzt, aber vor einiger Zeit hat man herausgefunden, dass es auch gut zur Behandlung des Fließschnupfens geeignet ist.

Gibt es auch Hausmittel gegen Fließschnupfen?

Wenn die Patienten ihren Fließschnupfen mit Xylometazolin-haltigen Nasensprays behandeln, geraten sie oft in einen Teufelskreis. Sie benötigen dann immer öfter und immer mehr Nasenspray. In diesen Fällen kann eine zusätzliche Nasenspülung die Beschwerden durchaus lindern. Das genannte Anticholinergikum hat aber eine höhere Wirksamkeit.

Nach Globuli wird in diesem Zusammenhang auch oft gefragt, aber Globuli, die beim Fließschnupfen helfen, sind mir nicht bekannt. Auch Probiotika zeigen beim Fließschnupfen keine Wirkung.

Frau Dr. Hilka, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.