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Tubenkatarrh

Tubenkatarrh – wenn Allergien „auf die Ohren schlagen“!

Tubenkatarrh – wenn Allergien „auf die Ohren schlagen“!

Mit allergischem Schnupfen verbindet man in erster Linie laufende Nasen, tränende Augen und Abgeschlagenheit. Von einer Rhinitis können aber auch die Ohren betroffen sein, wenn ein Tubenkatarrh entsteht. Die Symptome wie Ohrenschmerzen oder Druck auf den Ohren können sehr unangenehm werden. Wir erklären, wie es zu den Beschwerden kommt und was man dagegen tun kann, wenn Allergien auf die Ohren schlagen.

Autor: Irene Brandenburg

Was hat allergischer Schnupfen mit den Ohren zu tun?

Immer wenn die Nase läuft, können auch die Ohren betroffen sein. Das ist bei jeder Form des Schnupfens der Fall - egal ob es sich um eine akute Erkältung, eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung oder um eine allergische Rhinitis handelt. In allen Fällen bezeichnet man dies als Tubenkatarrh oder auch als Tubenbelüftungsstörung.
Grund dafür ist der Schnupfen selbst, der zu geschwollenen Schleimhäuten und zur Bildung von wässrigem Nasensekret führt.

Welche Allergien können sich auf die Ohren auswirken?

Alle Allergien, die mit Schnupfen einhergehen, können auch die Ohren betreffen. In erster Linie sind das Allergien, die durch das Einatmen von sogenannten Inhalationsallergenen entstehen, also von Allergenen, die über die Atemwege aufgenommen werden. Zu den Inhalationsallergien zählen die Pollenallergie, die Hausstaubmilben-Allergie und die Allergie auf Tierhaare und Schimmelpilze. Bei den berufsbedingten Allergien sind Mehl und Holzstaub mögliche Auslöser allergischer Reaktionen. Die typischen Symptome wie verstopfte Nase, Nasenlaufen, etc. werden durch eine allergische Sofortreaktion (Typ-1-Allergie) ausgelöst.

Wie kommt es bei der Rhinitis zu den Beschwerden an den Ohren?

Die Ohren hängen mit der Nase zusammen: Zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachen gibt es eine Verbindung, die Tuba auditiva. Sie wird auch Eustachische Röhre oder kurz Tube genannt und ist für den Druckausgleich zuständig. Ist sie mit Sekret gefüllt, kommt es zu den typischen Ohrenbeschwerden. Die Funktion der Tuba auditiva kann man durch zwei kleine Versuche sehr gut deutlich machen:

  • Toynbee-Versuch: Wenn man die Nase zuhält, Speichel sammelt, oder im Flugzeug etwas trinkt, und dann bei zugehaltener Nase schluckt, geht die Tube zu. Man sagt auch „die Ohren gehen zu“, Das passiert zum Beispiel auch wenn man mit dem Auto einen Berg hochfährt oder beim Starten und Landen im Flugzeug sitzt.
  • Valsalva-Versuch: Wenn man dann wieder die Nase zuhält, die Wangen aufbläst wie einen Luftballon, die Lippen zusammenpresst und die Luft nicht hinauslässt gehen die Tuben wieder auf. Das hilft auch bei der Bergfahrt mit dem Auto und im Flugzeug.

Sowohl der der "Toynbee" als auch der "Valsalva" sind sehr gute Therapien.

Was sind die typischen Symptome eines Tubenkatarrhs?

Bemerkbar machen sich die Ohrenbeschwerden bei allergischer Rhinitis oder auch bei einem einfachen Schnupfen durch schlechtes Hören, ständigen Druck auf den Ohren und Ohrenschmerzen. So kann also eine Allergie zu Ohrenschmerzen und einem Druckgefühl auf den Ohren führen. Es kann nur ein Ohr, es können aber auch beide Ohren betroffen sein. Auch Schwindelgefühl kann dazukommen.

Die Patienten empfinden es als sehr unangenehm, wenn die Tube zugeht, wenn also ein Unterdruck entsteht und sie schlecht hören. Viele Menschen gehen dann zum Arzt, wenn es ihnen nicht mehr gelingt, die Tuben selbst wieder frei zu bekommen.

Ist ein Tubenkatarrh gefährlich?

Akut gefährlich ist ein Tubenkatarrh nicht. Bleibt die Tube allerdings über längere Zeit verschlossen, so kann sich im Mittelohr Flüssigkeit ansammeln. Es entsteht ein sogenannter Paukenerguss. Haben Kinder einen chronischen Paukenerguss so kann es durch das eingeschränkte Hörvermögen zu einer Sprachentwicklungsverzögerung kommen. Selten entstehen durch einen unbehandelten Paukenerguss auch bleibende Schäden am Ohr.

Kann durch eine Allergie eine Mittelohrentzündung entstehen?

Darüber wird viel diskutiert. Die genauen Zusammenhänge kennt man bisher nicht. Es ist aber vorstellbar, dass sich auf der durch eine Allergie veränderten Schleimhaut leichter Krankheitserreger vermehren können. Diese können auch ins Mittelohr aufsteigen und dort zu einer Entzündung führen. Auch die schlechte Belüftung des Mittelohrs bei einer verschlossenen Tube begünstigt das Wachstum von Krankheitserregern und damit die Entstehung einer Mittelohrentzündung.

Wie wird ein Tubenkatarrh behandelt?

Bei Patienten mit den typischen Ohrenbeschwerden macht man zunächst die beiden beschriebenen Tests, Toynbee und Valsalva. Dabei überprüft man, ob die Trommelfelle wieder „hervorkommen“, ob also der Druckausgleich gelingt. Werden die Tuben dadurch nicht wieder frei, muss man zunächst für ein Abschwellen der Nasenschleimhäute sorgen. Dazu bringt man abschwellende Nasentropfen mit dem Wirkstoff Xylometazolin in die Nase ein, die 10 bis 20 Minuten einwirken müssen.

Sofern keine bakterielle Entzündung besteht wird danach das Politzer-Verfahren durchgeführt. Dazu verschließt man mit einer sogenannten Olive, die mit einem Ballon verbunden ist, zuerst das rechte Nasenloch, so dass das Nasenloch abgedichtet ist. Dann hält man das andere Nasenloch zu und pustet mit dem Ballon Luft in die Nase.

Der Patient muss dann zum Beispiel "Kuckuck" oder "Weiße Kreide" sagen, denn bei der Aussprache des Konsonanten wird das Gaumenzäpfchen (Uvula) an die Gaumenhinterwand gepresst. Dadurch ist der Naserachenraum abgedichtet und die Luft kann über die Nase in die Tube gelangen und damit ins Mittelohr. Die verklebten Tuben werden wieder "freigepustet" wenn mit dem Gummiballon per Hand, oder auch mit einem Luftdruckgerät, Luft zugeführt wird.

In den meisten Fällen sind die Tuben dann wieder frei. In manchen Fällen muss die Behandlung aber am nächsten Tag wiederholt werden, manchmal über eine Woche hinweg. In ganz schweren und sehr seltenen Fällen können auch Bestrahlungen der Tuben oder auch operative Maßnahmen nötig werden.

Was kann man selbst tun, um die Tuben freizuhalten?

Patienten können auch selbst dazu beitragen die Tuben dauerhaft freizuhalten, indem sie regelmäßig die Valsalva-Methode zuhause durchführen. Zuvor sollten sie im Liegen abschwellende Nasentropfen einführen. Dabei sollte der Kopf am besten nach hinten überstreckt werden. Das geht am besten, indem man den Kopf über das Sofa "hinaushängen" lässt und die Nasentropfen einträufelt. Dadurch kann man mit den Nasentropfen die Tuben im Nasenrachenraum erreichen. Wenn man die Nasentropfen im Sitzen nimmt laufen sie eher hinunter in den Mund und erreichen die Tubenwülste nicht.

Nach einer Einwirkzeit von mindestens 10 bis 20 Minuten führt man dann den Valsalva-Versuch selbst durch. Gelingt es dem Patienten nicht, die Tuben dadurch wieder frei zu bekommen, muss der Arzt erneut "politzern".

Wie kann man verhindern, dass eine allergische Rhinitis "auf die Ohren" schlägt?

Verhindern muss man in diesem Fall die allergische Rhinitis, denn dadurch kann es zu den Ohrenbeschwerden kommen. Die Ursache der Allergie kann man mit der spezifischen Immuntherapie behandeln. Ansonsten können lokal antiallergisch wirksame Medikamente wie kortisonhaltige Nasentropfen und Augentropfen sowie Antihistaminika helfen.

Dabei ist es wichtig, spezielle Allergie-Nasentropfen zu verwenden und keinesfalls die üblichen Medikamente, die bei Erkältungen genutzt werden. Wenn man Wirkstoffe „normaler“ Nasensprays wie z.B. Xylometazolin über längere Zeit nimmt, schädigt dies die Nasenschleimhäute und es kann zu paradoxen Wirkungen kommen. Die Nasentropfen haben dann keine abschwellende Wirkung mehr, sondern führen, im Gegenteil, zu einem Anschwellen der Schleimhäute. Hat man jedoch eine normale Erkältung, ist es durchaus sinnvoll diese Nasentropfen zu nehmen, damit die Nasennebenhöhlen frei bleiben und ein Tubenkartarrh erst gar nicht entsteht.

Quellen:

  • Ciprandi G, Torretta S, Marseglia GL, et al. Allergy and Otitis Media in Clinical Practice. Curr Allergy Asthma Rep. 2020;20(8):33. doi:10.1007/s11882-020-00930-8

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.