mitohnekochen Kulinarische Lösungen schwierige Fälle

Renée Hanslik über mitohnekochen: Kulinarische Lösungen für schwierige Fälle!

mitohnekochen: Kulinarische Lösungen für schwierige Fälle!

Eine Nahrungsmittelallergie oder auch eine nicht allergisch bedingte Nahrungsmittelunverträglichkeit kann den Betroffenen das Leben schon schwer machen, sind es mehrere oder gibt es in der Familie gar unterschiedliche Intoleranzen, wird das Familinessen komplex. „Zum Haare raufen“ befand Renée Hanslik als Mutter „intoleranter“ Kinder und schritt zur Tat. „mitohnekochen“ lautete ihre Lösung des Problems, mit der sie schon über ein Jahrzehnt Menschen mit Unverträglichkeiten bei der „frei von“-Küche unterstützt. Mit MeinAllergiePortal sprach sie über kulinarische Lösungen für schwierige Fälle.  

Frau Hanslik, wie kamen Sie auf die Idee, mitohnekochen zu entwickeln und seit wann gibt es die Plattform?

Ich betreibe die Seite mitohnekochen seit nunmehr fast 12 Jahren: Als Mutter von 4 Kindern (mittlerweile im Alter von 21, 19, 17 und 14 Jahren – 2 Buben und 2 Mädels ) war ich mit vielen Unverträglichkeiten der Kinder konfrontiert – folglich hätte ich für jedes Kind extra kochen müssen: ein Kind vertrug kein Hühnereiweiß, das andere kein Hühnerdotter, ein weiteres kein Gluten, eines keinen Weizen, Dinkel, Hefe… , lactosefreie Küche war ohnehin Standard… es war zum Haare raufen! Ich habe die unterschiedlich gebackenen Geburtstagskuchen der Kinder damals mit entsprechenden Fähnchen versehen, damit jeder genau weiß, welcher Kuchen für wen verträglich ist. Ich begann nach geeigneten Rezepten zu suchen – stöberte stundenlang in Kochbüchern, um alle Anforderungen unter einen Hut zu bekommen.

Schließlich aßen wir alle zusammen und ich wollte nicht für jedes Kind extra kochen. Vor 13 Jahren gab es kaum Informationen über verträgliche Rezepte oder geeignete Lebensmittel in Supermärkten und im Internet – es war tatsächlich noch recht schwierig zu erfahren, welche Zutaten bei welchen Intoleranzen gegessen werden dürfen.

Noch immer werden Patienten mit einem Befund nach Hause geschickt der beschreibt welche Lebensmittel sie künftig meiden sollen ohne gleichzeitig verträgliche Alternativen aufzuzeigen. Eine individuelle Anleitung fehlt den Betroffenen. Daher ist die Verzweiflung oft groß, aber eben nicht notwendig: Wenn man weiß, welche Lebensmittel und in welchen Mengen diese zum Kochen verwendet werden dürfen, kann man sich meistens einen abwechslungsreichen Speiseplan zusammenstellen.

Herkömmliche Rezepte wurden also von mir angepasst und einzelne Zutaten so durch andere ersetzt, dass das Gericht für alle Familienmitglieder verträglich wurde. Diese Erfahrungen wollte ich mit anderen Betroffenen teilen und gründete mitohnekochen.com.

Ich wollte eine Lösung für Betroffene, die auf mehrere Unverträglichkeiten und Lebensmittelallergien Rücksicht nehmen müssen. „Im digitalen Zeitalter sollte das Erstellen einer intelligenten Diät-Applikation kein Problem sein!“, dachte ich mir damals und kontaktierte einen kompetenten Programmierer, der mir bei der, fast zweijährigen Umsetzungsphase zur Seite stand.

Nach wie vor betreibe ich die Plattform alleine, experimentiere, koche und fotografiere alles selbst.

Wie haben die Leser auf Ihr Angebot reagiert?

Meine Leser schreiben mir immer wieder, wie froh sie sind, mitohnekochen gefunden zu haben. Sie haben endlich eine Möglichkeit gefunden, ganz einfach auf mehrere Unverträglichkeiten innerhalb einer Familie Rücksicht zu nehmen und nicht alle Rezepte selber adaptieren zu müssen. Laufend neue Rezepte und Empfehlungen für regionales und saisonales Kochen werden gerne angenommen.

Wie „funktioniert“  mitohnekochen?

Jeder Nutzer kann auf mitohnekochen sein persönliches Ernährungsprofil aus 250 Lebensmitteln und 15 Kostformen anlegen. Im Anschluss erhält der Betroffene die für ihn verträglichen Kochrezepte aus der Datenbank. Insgesamt stehen derzeit rund 1000 Kochrezepte zur Verfügung. Die Suche ist sowohl für eine, als auch für mehrere Personen mit einer oder mehreren Unverträglichkeiten möglich.

Zum Beispiel: Eine vierköpfige Familie kann pro Person ein Profil anlegen und je nach Bedarf jene Personen auswählen, für die gekocht werden soll. Es wird der „gemeinsame Nenner“ an Zutaten und Rezepten für die ausgewählten Personen gefunden: Also, es werden Rezepte vorgeschlagen, die für alle ausgewählten Personen verträglich sein müssten.

Welche Unverträglichkeiten werden von mitohnekochen abgedeckt?

Es besteht die Möglichkeit, nach folgenden 15 Kostformen zu filtern:

  • Fructosefrei: (Gehalt an Fructose pro Portion unter 1g)
  • Fructosearm: (Gehalt an Fructose pro Portion unter 5g)
  • Sorbitfrei
  • Glutenfrei
  • Histaminfrei (es werden nur alle jene Lebensmittel in den Rezepten freigegeben, die bei der SIGHI (schweizerische Interessensgemeinschaft für Histaminintoleranz) als „gut verträglich bei Histaminintoleranz“ ausgewiesen sind
  • Histaminarm (es werden alle jene Lebensmittel in den Rezepten freigegeben, die bei der SIGHI (schweizerische Interessensgemeinschaft für Histaminintoleranz) als „mässig verträglich“ ausgewiesen sind.
  • Leicht histaminarm (es werden alle jene Lebensmittel ausgefiltert, die bei der SIGHI (schweizerische Interessensgemeinschaft für Histaminintoleranz) als „unverträglich – sehr schlecht verträglich“ ausgewiesen sind – also alle Histaminbomben…
  • Laktosefrei
  • Laktosearm
  • Ohne „laktosefreie“ Produkte (für all Jene, die bei Laktoseintoleranz nicht auf enzymbehandelte Produkte zurückgreifen möchten.)
  • Vegan
  • Vegetarisch
  • Paleo (u. a. keine Milchprodukte, kein Zuckerzusatz, keine Hülsenfrüchte, kein Getreide)
  • Ohne Ei (kein Hühnerei, Entenei, Gänseei, Wachtelei – sowohl Dotter, als auch Eiweiß)
  • Kuhmicheiweißfrei (keinerlei Kuhmilchprodukte werden in den Rezepten freigegeben)

Zusätzlich ist es möglich, über 250 einzelne Lebensmittel vom Speiseplan zu streichen und bei der Filterung zu berücksichtigen.

Die Rezeptdatenbank mit derzeit über 1000 Rezepten kann jederzeit um weitere Intoleranzen/Kostformen/Diäten zur Filterung erweitert werden.


Welche Unverträglichkeit stellt die Betroffenen aus Ihrer Sicht vor die größten Herausforderungen?

Nach Analyse der Userkommentare, sowie Zuschriften sind Fructoseintoleranz/Fructosemalabsorption und die Histaminintoleranz die größten Sorgenkinder. Dabei ist vor allem die individuelle Toleranzgrenze entscheidend, ob bestimmte Zutaten und damit die Rezepte vertragen werden, oder nicht. Diese persönliche Toleranzgrenze ist von den Betroffenen zumeist sehr schwer auszumachen und setzt ein langwieriges Ausprobieren und Testen voraus. Manch sogenannte „verträgliche" Zutat bei Fructoseintoleranz/Histaminintoleranz ist für den einen problemlos genießbar, für den anderen reicht eine kleine Menge davon aus, um unangenehme Symptome zu provozieren.

Für die Verträglichkeit entscheidend ist aber auch, wie das Lebensmittel gelagert wurde und in welchem Reifegrad es sich befindet. So kann ein Produkt oder ein zubereitetes Gericht ganz frisch sehr gut, am nächsten Tag allerdings bereits eher schlecht vertragen werden. Ähnlich ist es bei Obst und Gemüse: Unreife Früchte werden unter Umständen besser vertragen, als überreife Früchte.

Bei der Histaminintoleranz gibt es auch einen Rezeptfilter, was hat es damit auf sich?

Wie bereits erwähnt, ist die Histaminintoleranz an sich sehr problematisch, da die individuelle Toleranzgrenze für die Verträglichkeit ausschlaggebend ist. „Histamin“ kann man nicht isolieren, oder weglassen – es entsteht ganz einfach in fast jedem Lebensmittel im Laufe der Zeit, mal mehr, mal weniger. Histamin kann man weder sehen, schmecken noch riechen. Das macht es so schwierig.

Um Betroffenen die Möglichkeit zu geben, die unterschiedlichen Grade der Verträglichkeit so gut, wie möglich, zu berücksichtigen, habe ich bei Histaminintoleranz drei Stufen (histaminfrei, histaminarm und leicht histaminarm) implementiert. In einem eigenen Abschnitt erkläre ich den Usern nach welchen Kriterien auf www.mitohnekochen.com bei Histaminintoleranz gefiltert wird:

  1. leicht histaminarme Kostform: nur die absoluten “Histaminbomben”, wie Parmesan, Salami, etc. werden ausgefiltert (für eine leichte Histaminintoleranz).
  2. histaminarme Kostform: es werden zusätzlich jene Zutaten ausgefiltert, die für Menschen mit einer mittelschweren Histaminintoleranz nicht verträglich sind.
  3. histaminfreie Kostform: es werden jene Zutaten ausgefiltert, die Histamin enthalten oder freisetzen (für eine stärker ausgeprägte Histaminintoleranz).

Zu welcher Gruppe sich die Nutzer zählen, müssen diese anhand deren Ernährungserfahrungen und persönlichen Toleranzgrenzen selbst entscheiden.

In den letzten, ich würde sagen, 5 Jahren, hat sich bei den „frei von“ Produkten viel getan. Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Grundsätzlich erkennen immer mehr Firmen den Bedarf an Lebensmitteln für Personen mit Intoleranzen denn die Anzahl jener, die besondere Ernährungsbedürfnisse haben, steigt stetig. Aber „verträgliche“ Ernährung bedeutet nicht automatisch gesunde Ernährung. Mittlerweile findet sich für viele Intoleranzen ein breites Angebot an Nahrungsmitteln: Unzählige glutenfreie Produkte sowie laktosefreie Produkte füllen die Regale der Supermärkte. Bei Fructoseintoleranz und Histaminintoleranz sieht das anders aus. Hier sind kaum passende Lebensmittel im Einzelhandel zu finden. Viele Konsumenten weichen daher ins Internet aus, um sich mit geeigneten Produkten zu versorgen. Interessant empfinde ich, dass besonders viele Fertigprodukte (z.B. glutenfreie Kekse, Pizza, Kuchen, laktosefreie & fructosefreie Mayonnaise, Puddingpulver, Kartoffelpüree,…) angeboten werden, obwohl man gerade diese recht einfach selbst zubereiten kann.

Viele Menschen können oder wollen nicht mehr kochen. Gleichzeitig steigt das Bewusstsein für gesunde Ernährung. Man nimmt sich jedoch kaum mehr Zeit, qualitativ hochwertige Speisen selbst zuzubereiten und in aller Ruhe zu genießen. Dabei können mit wenigen und einfachen Zutaten, schmackhafte und verträgliche Gerichte gezaubert werden. Dies ist nicht nur gesund sondern bereitet auch viel Spaß.

Wie geht es weiter mit mitohnekochen?

Mitohnekochen ist nun bereits 12 Jahre online und bietet als erste Plattform die individuelle Filterung von Kochrezepten. Aber die Entwicklung von mitohnekochen ist damit noch nicht abgeschlossen. Ich arbeite gerade an der dritten Neugestaltung der Seite. Viele neue Funktionen und eine einfachere und übersichtlichere Bedienung der Seite werden das Ergebnis der langjährigen Vorbereitungen sein. Ich freue mich, wenn mitohnekochen bald im neuen Layout und mit vielen zusätzlichen Funktionen neu durchstarten kann.

Frau Hanslik, herzlichen Dank für dieses Interview!

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