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Salicylat-Unverträglichkeit

Karina Woschek zum Thema: Salicylat-Unverträglichkeit - wo verstecken sich Salicylate?

Salicylat-Unverträglichkeit: Wo verstecken sich Salicylate?

Nach der Diagnose „Salicylat-Unverträglichkeit“ stellt sich die Frage, ob man zukünftig Nahrungsmittel, die Salicylsäure enthalten, aus dem Speiseplan streichen sollte. Im Gegensatz zu anderen, manchmal unverträglichen Stoffen wie Gluten, Laktose oder Fruktose findet sich in den Zutatenlisten aber keine Angabe zum Salicylat-Gehalt. Ist das problematisch, oder kommt es darauf gar nicht an? MeinAllergiePortal sprach mit Karina Woschek, M.Sc., Diätassistentin, Master of Science Health Education, Ernährungsfachkraft Allergologie (DAAB), Ernährungspsychologie (Zertifikat HS Fulda) in der HNO-Gemeinschaftspraxis Wiesbaden.

Frau Woschek, in welchen Nahrungsmitteln können Salicylate enthalten sein?

Die Salicylsäure befindet sich vor allem in Gewürzen, z. B. in Curry, Paprika, Thymian etc. und in verschiedenen Gemüsesorten, z. B. Salz-Dill-Gurken, Paprika, Zucchini. Auch in Obst, z. B. Ananas, Orangen, Himbeeren, Johannisbeeren und Nüssen, z. B. Mandeln und Erdnüssen, ist Salicylsäure enthalten. Bei den Getränken findet man Salicylate in Pfefferminztee und schwarzem Tee sowie in alkoholischen Getränken wie Wein und Portwein. 1)

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Gibt es Faktoren, die den Salicylsäuregehalt dieser Nahrungsmittel beeinflussen?

Der Salicylsäuregehalt in verschiedenen Lebensmitteln variiert stark, weil er von vielen Faktoren beeinflusst wird, z. B. von dem Anbaugebiet, aber auch die Lagerung und Zubereitung spielen hier eine Rolle. So haben frische Tomaten eher einen geringeren Gehalt an Salicylsäure, beim Tomatenketchup dagegen steigt der Gehalt um das 15-Fache.

Die Analysewerte eines Nahrungsmittels bezüglich des Salicylsäuregehalts zeigen zudem starke Abweichungen voneinander, auch dann, wenn das gleiche Bestimmungsverfahren angewandt wurde. Ein Beispiel: Beim Apfelsaft liegen die Werte zwischen 0,73 und 3,81 mg/kg. 2)

Das erschwert es, die Angaben zum Salicylsäuregehalt in Lebensmitteln als zuverlässige Quelle zu bewerten.

Worauf sollten Patienten achten, die die Diagnose „Salicylat-Unverträglichkeit“ erhalten haben?

Bei den aktuellen Empfehlungen 3) wird u. a. aus den genannten Gründen von der Meidung der salicylathaltigen Nahrungsmittel abgeraten. Das hat den folgenden Grund: Mit dieser Ernährungsform wird gleichzeitig der Konsum von Obst und Gemüse stark eingeschränkt, was im Sinne einer ausgewogenen Kostform nicht gesundheitsfördernd ist.

Wenn man aufgrund der Salicylate auf Obst und Gemüse verzichten würde, wäre das also schädlich?

Salicylate gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen mit einer nachgewiesenen antikanzerogenen und antientzündlichen Wirkung. Betrachtet man die pathophysiologischen Vorgänge bei der ASS-Intoleranz, ist eine Meidung eines antientzündlichen Stoffes klinisch nicht effizient oder sogar kontraproduktiv. Das liegt daran, dass durch die Störungen im Arachidonsäurestoffwechsel Gewebshormone entstehen, die Entzündungsreaktionen im Körper noch verstärken können.

Beim Krankheitsbild „Salicylat-Intoleranz-Syndrom“ sind auch schwere Krankheitsverläufe möglich. Deshalb könnte man vermuten, dass es eine hohe Salicylat-Aufnahme ist, die diese Symptomatik ausgelöst hat, vor allem nach einer Mahlzeit mit vielen potenziell hohen Salicylatquellen, wo eventuell eine kumulierte Wirkung zu erwarten wäre.

Ein Beispiel für eine potenziell Salicylat-reiche Mahlzeit wäre dies:

  • Ratatouille-Gemüse mit Paprika, Zucchini, gewürzt mit Thymian
  • Dazu ein 1-2 Gläser Wein
  • Anschließend eine Süßspeise, die Ananas, Orangen und Nüsse enthält

Man würde dazu tendieren, diese geballte Salicylataufnahme verhindern zu wollen, um die schwere Symptomatik nicht zu provozieren. Allerdings sind, wie schon vorher erwähnt, die Ergebnisse der Analysen recht breit gestreut, so dass es gar nicht sicher ist, welche Lebensmittel tatsächlich einen hohen Salicylatgehalt aufweisen und welche nicht. Deshalb wird den Patienten nicht empfohlen, sich an Tabellen zu orientieren, um Nahrungsmittel mit einem hohen Salicylsäuregehalt zu vermeiden. Es dürfen und sollen eine große Vielfalt an Obst und vor allem an Gemüse verzehrt werden.

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Wie sollten sich Patienten mit einer Salicylat-Unverträglichkeit dann ernähren?

Den Patienten mit Salicylat-Unverträglichkeit wird, basierend auf den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, eine antientzündliche Kostform mit einem höheren Anteil an Obst, Gemüse sowie an Omega-3-Fettsäuren empfohlen, die schon bei den rheumatischen Erkrankungen Anwendung findet. 3)4)5)

Bei dieser Ernährungsform wird der Anteil an Arachidonsäure, die zu den Omega-6-Fettsäuren gehört, gesenkt, denn die Wirkung der Arachidonsäure wird als entzündungsfördernd beschrieben. Arachidonsäure befindet sich vor allem in fettreichen, tierischen Lebensmitteln, wie z. B. in fettreichen Wurstwaren aus Schweinefleisch.

Auch Medikamente enthalten Salicylate, was ist hierbei zu beachten?

Es gibt unterschiedliche Wirkungsweisen von NSAIR (nichtsteroidalen Antirheumatika), die je nach Form der Analgetika-Intoleranz oder je nach Therapieform (kausal oder symptomorientiert) eingesetzt oder gemieden werden müssen. 6)

Daher werden die betroffenen Patienten bezüglich der Medikamenteneinnahme, deren Wirkungsweise und möglicher Kreuzreaktionen ausführlich von ärztlicher Seite beraten.

Frau Woschek, herzlichen Dank für dieses Interview!

 

Quellen:

(1) Elmedfa I, Aign W, Muskat E, Fritsche D. Salicylsäuregehalt ausgewählter Lebensmittel, Gewürze und Gewürzkräuter. Die große GU Nährwert-Kalorien-Tabelle 2016/17, 97

(2) Wood A D, et al. A systematic review of salicylates in foods: Estimated daily intake of a Scottish population. Molecular Nutrition & Food Research 55 Suppl 1(S1), 05.201: S7-S14, DOI: 10.1002/mnfr.201000408

(3) Plank-Habibi S, Dölle S, Schäfer C. Diätetische Implikationen: Salicylsäure und ASS-Unverträglichkeit. Allergologie 41, Nr. 6/2018, 261-272

(4) Laidlaw T. Clinical updates in aspirin-exacerbated respiratory disease. Allergy Asthma Proc. 2019 Jan; 40(1): 4–6.

(5) Schneider T, et al. Dietery Fatty Acid Modification for the Treatment of Aspirin-Exacerbated Respiratory Disease: A prospective Pilot Trial. The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice. Vol. 6, Issue 3, 05-06 2018; 825-831

(6) Klimek L. ASS-Intoleranz-Syndrom: Aktuelle Optionen der Therapie. Dtsch Arztebl 2017; 114(50): [28]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2017.12.15.08

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