Globus Angebot Allergiker

Dr. Horst Lang, Leiter der Qualitätssicherung der Globus SB-Warenhaus Holding in St. Wendel

Glutenfrei und laktosefrei einkaufen bei Globus

Die Globus-Märkte bieten Menschen mit Laktoseintoleranz oder Zöliakie eine breite Produktpalette, die auffällig gekennzeichnet und somit leicht auffindbar ist. Auch in den Metzgereien der Märkte und in manchen Fällen auch in den Backstuben der Märkte wird auf laktosefreie und glutenfreie Ware Wert gelegt. MeinAllergiePortal sprach mit Dr. Horst Lang, Leiter der Qualitätssicherung der Globus SB-Warenhaus Holding in St. Wendel, über die Aktivitäten des Unternehmen im Hinblick auf Menschen mit Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Herr Dr. Lang, wann haben Sie bei Globus begonnen, Ihr Sortiment auf Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten auszurichten?

Wir haben schon im Jahr 2002 die Hinweise für Allergiker auf unseren Eigenmarken eingeführt, denn wir haben bereits vor der Einführung der Allergenkennzeichnung damit begonnen. Dadurch dass  wir zusätzlich zu den Zutatenverzeichnissen noch Hinweise für Allergiker in unsere Kennzeichnung mit aufgenommen haben, konnten wir uns von unseren Mitbewerbern absetzen. Unser Ziel war es, Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten die Informationsfindung zu erleichtern. Damit waren wir sehr, sehr früh.

Gab es weitere Aktivitäten in Bezug auf Allergienund Unverträglichkeiten bei Globus?

Es gab eine ganze Reihe weitere Maßnahmen bei uns. Gemeinsam mit dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) haben wir vor einigen Jahren eine Sortimentsüberarbeitung durchgeführt. Ganz entscheidend ist, dass wir für unsere Mitarbeiter vor Ort zahlreiche Schulungsmaßnahmen und Seminare etabliert haben. Wenn ein Kunde vor Ort eine Frage hat, müssen wir ihm die Hilfestellung geben können, welches Produkt er kaufen kann und wo er es findet. Auch spezielle Informationsveranstaltungen für Kunden zu unterschiedlichsten Themen haben wir durchgeführt.

Welche Rolle spielt die Qualitätssicherung in Bezug auf das Globus-Sortiment für Allergiker und Menschen mit Unverträglichkeiten?

Über den Bereich Qualitätssicherung werden alle Globus-Produkte aus Eigenproduktion bzw. die Eigenmarken betreut. Viele Aktivitäten zu dieser Thematik  werden durch die Qualitätssicherung gesteuert.

Dabei muss man die Vorgehensweise für unsere Eigenproduktionen vom Fremdsortiment unterscheiden. Bei Eigenproduktionen setzen wir uns mit den Fachabteilungen zusammen und planen gemeinsame Projekte, wie zum Beispiel die  Produktion von  glutenfreiem Brot - in einigen unserer Bäckereien bieten wir ja ein glutenfreies Sortiment an. Der Produktionsprozess wird dabei im Detail durchgeplant. Das beginnt bei der Herstellung und geht über den Warenfluss, die Produktion, das Personalmanagement bis hin zur Deklaration auf dem Produkt. Uns ist es wichtig, dass von Anfang an alle an einem Tisch sitzen, d.h. Qualitätssicherung, Sortiments- und Produktmanagement entwickeln die Produktideen zusammen und die einzelnen Bereiche geben ihren Input. Je nach Komplexität des Produktes kann dieser Prozess drei Monate oder zwei Jahre dauern.

Bei Industrieprodukten, d.h. bei Produkten, die wir nicht selbst herstellen, müssen unsere Lieferanten im Rahmen der Listung entsprechende Angaben zu den einzelnen Artikeln machen, z.B. GMO (Genetically Modified Organism), Allergenpotenzial etc. Für uns ist es wichtig, auskunftsfähig zu sein, wenn unsere Kunden mit Fragen zu den Produkten zu uns kommen. Sehr häufig kommen Fragen zu Gluten und Laktose. 


Die Produkte in Ihren Metzgereien sind größtenteils glutenfrei und laktosefrei….

Das ist richtig, wir bieten z.B. marinierte Fleischwaren glutenfrei und laktosefrei an. Allerdings muss man sagen, dass wir eine Kreuz-Kontamination in den Metzgereien nicht ausschließen können. In der Produktion werden auch Produkte mit glutenhaltigen bzw. laktosehaltigen Zutaten hergestellt und deshalb können wir hier keine Garantie übernehmen – schon durch das Panieren kann es beispielsweise zu einer Glutenverunreinigung kommen. Hier bietet aber die verpackte Ware gute Alternativen.

Bei unseren glutenfreien Backshops ist das anders. Hier ist die gesamte Produktion glutenfrei ausgerichtet und die Produkte sind dann auch speziell verpackt, so dass es nicht zu Verunreinigungen kommen kann..

Wie gehen Sie bei der Auswahl Ihres glutenfreien Angebotes vor?

Uns geht es darum, gute Produkte zu finden, denn nicht jede glutenfreie Ware ist eine gute Ware. Manche Produkte sind eher eine Zumutung. Menschen mit Zöliakie haben es ja mit der Ernährung nicht so leicht. Deshalb wollen wir ausschließlich Produkte anbieten, die auch schmackhaft und interessant sind.  

Wir merken das bei unseren glutenfreien Backwaren. Teilweise kommen unsere Kunden auch aus 70 bis 80 km Entfernung zu uns und freuen sich, dass sie endlich ein schmackhaftes frisches Produkt zu einem vernünftigen Preis bekommen.

Die Leute sind auch deshalb glücklich, weil durch unser Mischsortiment der Einkauf leichter fällt und man nicht zusätzlich zum "normalen" Familieneinkauf noch extra z.B. in ein Reformhaus gehen muss. Meist ist ja nicht die gesamte Familie von der Allergie oder Unverträglichkeit betroffen und da ist es hilfreich, wenn man den Einkauf für alle Familienmitglieder zentral erledigen kann.

Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Angebot gemacht? Wie wird es von Ihren Kunden angenommen?

Unser Angebot für Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten ist eine Nische. Allerdings stellen wir fest, dass diese Nische immer größer wird. Zum Teil liegt das auch daran, dass in der Ärzteschaft das Bewusstsein in Bezug auf Allergien und Unverträglichkeiten zugenommen hat und diese Diagnosen häufiger gestellt werden. Die Betroffenen wissen dadurch, dass sie von der Umstellung ihrer Ernährung profitieren können und entsprechend steigt die Nachfrage. Deshalb erweitern wir unser Sortiment auch regelmäßig entsprechend der Kundenwünsche – wir nutzen dafür auch unsere Kundenbefragungen.

Das Angebot in Ihren Häusern ist nicht überall gleich. Nach welchen Kriterien wird das Sortiment definiert?

Das definiert jedes Haus für sich selbst, denn nur vor Ort kennt man den Bedarf im lokalen Bereich. Natürlich gibt es ein "Muss-Sortiment", das in all unseren Häusern angeboten wird. Aber darüber hinaus wählt jeder Markt genau das Sortiment, das den lokalen Bedürfnissen der Kunden entspricht. Es ist eine unserer Stärken, dass wir durch diese Vorgehensweise den Kundenwünschen sehr nahe kommen.  


Sie haben bei Globus den Schwerpunkt Ihres Angebotes auf Gluten und Laktose gesetzt. Wie sieht es bei anderen Allergenen bzw. unverträglichen Stoffen aus?

Da gibt es eine große Zahl von Unverträglichkeiten wie z.B. Jodunverträglichkeit, Phosphatunverträglichkeit oder die Unverträglichkeit von Glutamat. Allerdings sind hier jeweils nur kleine Gruppen betroffen und es ist deshalb sehr schwierig, dies bei großen Produktionseinheiten zu berücksichtigen.

Als wir vor über 10 Jahren begonnen haben, uns mit dem Thema zu beschäftigen, ging es ausschließlich um Gluten und Laktose. Von Fruktose war im Zusammenhang mit Unverträglichkeitsreaktionen damals überhaupt nicht die Rede, im Gegenteil, man hat Fruktose als Ersatz für Glukose noch empfohlen.  

Ähnlich war es beim Jod. Von staatlicher Seite wurden die Lebensmittelhersteller dazu aufgefordert, Lebensmittel mit Jod anzureichern, z.B. das Jodsalz. Darüber hinaus gab es hierzu Ernährungsempfehlungen. Grund dafür war unter anderem die Strahlungsbelastung, aber auch die Kropfgefahr. Der Verbraucher geht dann natürlich davon aus, dass er auf die Jodversorgung ein besonderes Augenmerk richten muss und die Industrie registriert eine wachsende Nachfrage, der sie auch nachkommt. Heute findet auf Grund der mit Jod angereicherten Lebensmittel eine Überversorgung statt, es kommt zu Sensibilisierungen und es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Menschen, die auf Jod unverträglich reagieren. Wir reagieren darauf, indem wir bei unseren Eigenprodukten auf jodiertes Salz verzichten.

An sechs Standorten bietet Globus eigene glutenfreie Backstuben. Haben Sie Ausbaupläne?

Hier liegt das Problem in den Räumlichkeiten. Wenn wir Bäckereien bauen, müssen wir uns die Frage stellen, ob wir uns eine glutenfreie Backproduktion platztechnisch leisten können. Wir benötigen dafür einen separaten Raum mit separaten Produktionslinien, die nicht in Verbindung mit der üblichen Backproduktion stehen darf. Auch die Mitarbeiter müssen zuerst im „glutenfreien“ Bereich arbeiten können und dürfen erst dann in den anderen Backbereich wechseln, damit es nicht zu Kontaminationen kommt.

Hinzu kommt, dass das Absatzgebiet groß genug sein muss, damit auch eine ausreichend große Personenzahl mit Bedarf an glutenfreien Produkten erreicht werden kann. Dafür ist es auch wichtig, dass die Märkte eine sehr gute, zentrale und leicht erreichbare Lage haben. Diese Entscheidung muss je nach Standort individuell getroffen werden.

Wie sehen Ihre zukünftigen Pläne für Globus aus?

Wir glauben, dass wir für die von Allergien und Unverträglichkeiten Betroffenen ein wichtiger Ansprechpartner sind und werden diese Themen auch in Zukunft immer berücksichtigen. Allergenfreie Produkte sind ein wichtiger Bestandteil unserer Sortimentspflege und wir haben immer ein offenes Ohr für Produzenten, gerne auch aus dem Ausland, die uns aktuelle, gute und moderne Produkte anbieten. Außerdem werden wir auch weiterhin Schulungen zu diesen Themen durchführen und unter der Rubrik „Bewusst leben“ auf unserer Website interessante Themen für Menschen mit Allergien und Unverträglichkeiten anbieten. Auch im Globus Kundenmagazin mio gehen wir immer wieder auf das Thema Allergene ein, bzw. arbeiten an saisonale Sortimente, z.B. zu Weihnachten.

Herr Dr. Lang, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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