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Obstruktive Lungenerkrankungen Herzerkrankungen Asthma COPD

Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover zum aktuellen Erkenntnisstand zu den Zusammenhängen zwischen obstruktiven Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen!

Obstruktive Lungenerkrankungen? Herzerkrankungen? Zusammenhänge?

Obstruktive Lungenerkrankungen wie COPD aber auch Asthma, können mit Herzerkrankungen einhergehen. Dabei ist der Wissenstand zu den Zusammenhängen bei COPD und Asthma durchaus unterschiedlich. Fest steht jedoch, dass bei kardiovaskulären Erkrankungen auch an Lungenerkrankungen gedacht werden sollte und umgekehrt. MeinAllergiePortal sprach mit Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover über den aktuellen Erkenntnisstand zu den Zusammenhängen zwischen obstruktiven Lungenerkrankungen und Herzerkrankungen.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Univ.-Prof. Dr. med. Tobias Welte

Herr Prof. Welte, wie häufig kommt es vor, dass obstruktive Lungenerkrankungen mit einer Herzerkrankung assoziiert sind?

Für Asthma weiß man wenig über die Zusammenhänge mit Herzerkrankungen, aber bei COPD gibt es Daten aus verschiedenen, auch deutschen Registern. Bei COPD kann man davon ausgehen, dass jeder dritte COPD-Patient von kardiovaskulären Erkrankungen betroffen ist. Zu den kardiovaskulären Erkrankungen gehören die koronare Herzerkrankung, die Herzinsuffizienz, aber auch der Schlaganfall.

Wie kommt es, dass für Asthma die Zahlen zu kardiovaskulären Erkrankungen nicht bekannt sind?

Der wichtigste Risikofaktor für Herzerkrankungen ist das Rauchen und bei über 90 Prozent der COPD-Patienten liegt dieser Risikofaktor vor. Bei Asthma ist dies nicht der Fall.

Hinzu kommt, dass Asthmapatienten durchschnittlich deutlich jünger sind als COPD-Patienten. Deshalb sind bei Asthma-Patienten kardiovaskuläre Komorbiditäten, die in der Regel erst im späteren Lebensalter auftreten, noch nicht erfasst.

Ein weiterer Grund ist jedoch auch, dass es für Asthma nicht so gute Register gibt, wie für COPD.

Kann man daraus schließen, dass für die Herzerkrankungen bei COPD das Rauchen eine größere Rolle spielt als die Grunderkrankung?

Nein, diesen Schluss kann man nicht ziehen. Sicherlich ist das Rauchen ein Risikofaktor, aber COPD-Patienten haben unabhängig vom Rauchen eine höhere kardiovaskuläre Komorbidität.

Gibt es bei obstruktiven Lungenerkrankungen, abgesehen vom Rauchen, weitere Risikofaktoren für Herzerkrankungen?

Rauchen ist der wichtigste Risikofaktor. Man vermutet jedoch auch Zusammenhänge zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und Entzündungsvorgängen im Organismus. Das bedeutet, Entzündungen in der Lunge, bzw. systemisch vorhandene Entzündungen, könnten Arteriosklerose-Prozesse, d.h. Gefäßverkalkungen, fördern.

Es gibt jedoch noch einen weiteren Risikofaktor, der kardiovaskuläre Komorbiditäten bei obstruktiven Lungenerkrankungen fördert. Hier kommt scheinbar vor allen Dingen dem Phänomen der „Überblähung“ eine ursächliche Rolle zu: Je stärker die Überblähung der Lunge, umso größer der Einfluss auf die Funktion des Herzens.

Was genau bedeutet „Überblähung“ im Zusammenhang mit obstruktiven Lungenerkrankungen?

Die Überblähung ist eher ein typisches Phänomen der COPD als des Asthmas, obwohl es beim schweren Asthma ebenfalls auftreten kann. Eine „Überblähung“ bedeutet, dass es in der Lunge zu „gefangener Luft“ kommt. Den Patienten ist es dann nicht möglich, die Luft, die sie eingeatmet haben, wieder vollständig auszuatmen.

Allerdings liegen Herz und Lunge anatomisch nah beieinander und sind räumlich, im Thorax, über das Gefäßsystem aneinander gekoppelt. Dementsprechend eng sind die beiden Organe miteinander korreliert und beeinflussen sich wechselseitig. Das bedeutet: Bei einer Überblähung der Lunge verändern sich die Wandspannungsverhältnisse und der Füllungszustand des Herzens, und dies führt dann zu einer Minderleistung des Herzens.

Gibt es Herzerkrankungen, die bei obstruktiven Lungenerkrankungen ganz besonders häufig auftreten?

Man kann die wesentlichen Herzerkrankungen in drei Gruppen aufteilen:

1. Die Herzinsuffizienz, d.h. die Minderfunktion des Herzens

2. Alle Erkrankungen, die mit Arteriosklerose, mit Gefäßverkalkungsprozessen, einhergehen, in erster Linie die koronare Herzerkrankung, der Herzinfarkt und der Schlaganfall

3. Herzrhythmusstörungen

Grob zusammenfassend kann man zu diesen Herzerkrankungen sagen:

1. Bei der Herzinsuffizienz gibt es aufgrund der Lungenmechanik bzw. der Überblähung einen direkten Einfluss auf das Herz.

2. Bei der Arteriosklerose ist dies eher ein indirekter Einfluss über den wichtigsten Risikofaktor, das Rauchen, und über Entzündungsvorgänge.

3. Bei den Herzrhythmusstörungen handelt es sich insofern um einen direkten Einfluss, als viele der bei Asthma und COPD eingesetzten Medikamente eine entscheidende Auswirkung auf den Herzrhythmus haben. Diese Nebenwirkungen treten vor allem bei den inhalativen Beta-Mimetika und Anticholinergika, aber auch bei dem früher so beliebten Theophyllin auf.

Kann man sagen, was beim gemeinsamen Auftreten von obstruktiven Lungenerkrankungen und Herzerkrankung zuerst da war?

Das ist die berühmte „Henne–Ei-Frage“ – beides ist möglich!

Die Pneumologen betrachten die Erkrankungen naturgemäß aus der Perspektive der Lunge und sehen die Einflüsse der Lungenerkrankung auf die Herzerkrankung. Aus kardiologischer Sicht beeinflusst eine Herzerkrankung das Ausmaß der Atemwegsobstruktion.

Wie gesagt: Es gibt sehr enge Zusammenhänge zwischen den Erkrankungen des Herzens und der Lunge. Dabei können beide Erkrankungen gleichzeitig entstehen, die eine kann der anderen Erkrankung aber auch vorausgehen. Auf jeden Fall kommt es jedoch zu Wechselwirkungen – Herz und Lungensystem beeinflussen sich gegenseitig.

Gibt es auch Ähnlichkeiten zwischen den Symptomen von obstruktiven Lungenerkrankungen und koronaren Herzerkrankungen?

Hier gibt es Überschneidungen. Zum Beispiel ist die Luftnot ein typisches Symptom, das sowohl bei obstruktiven Lungenerkrankungen als auch bei koronaren Herzerkrankungen auftreten kann. Alleine aus der Tatsache, dass man „luftnötig“ ist, kann man aber nicht auf die Erkrankung schließen.

Ist man an beiden Organsystemen erkrankt, kann das die Luftnot und damit die Minderung der Belastungsfähigkeit, eindeutig beeinflussen.

Es gibt jedoch auch Symptome, die eher einem Organ zuzuschreiben sind. Beim Asthma ist dies zum Beispiel typischerweise das expiratorische Pfeifen. Beim Herzen ist das typischerweise der Angina Pectoris-Schmerz oder bei den Herzrhythmusstörungen die Unregelmäßigkeit des Herzschlags.

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das sogenannte Vorhofflimmern, eine Beschleunigung des Herzschlags. Es kann jedoch auch zu den gefährlichen sogenannten „malignen Herzrhythmen“ kommen, die zu einem pathologischen Kammerrhythmus führen können. Dem Patienten fällt dann auf, dass der Puls unregelmäßig schlägt, oder dass der Herzschlag zu spüren ist, z.B. in Form von Herzstolpern oder Herzrasen.

Wie erfolgt bei Herzbeschwerden die Diagnose?

Bei Herzbeschwerden wenden sich die Patienten in der Regel an ihren Hausarzt. Dieser würde dann ein EKG durchführen, d.h. ein Elektrokardiogramm und anhand dessen die Diagnose stellen.
Prinzipiell sollte man aber auch aus Sicht des Pneumologen, insbesondere bei älteren COPD-Patienten, immer an das Vorliegen einer kardiaovaskulären Erkrankung denken. Wenn mit einer leitliniengerechten Asthma- oder COPD-Therapie die Beschwerden nicht kontrolliert werden können, muss das kardiovaskuläre Organsystem abgeklärt werden. Die Therapie richtet sich dann nach der Erkrankung.

Herr Prof. Welte, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.