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Asthma beim Baby und Kleinkind: Wie erkennt man erste Warnzeichen und wann muss man handeln?

Asthma bronchiale beim Baby und Kleinkind kann verschiedene Ursachen haben. Eine Allergie ist im Kindesalter ein häufiger Grund für diese Lungenkrankheit; man spricht dann von allergischem Asthma. Das bedeutet, dass das Immunsystem viel zu stark, also eben allergisch, auf bestimmte Reize reagiert: Die Schleimhaut in den Bronchien − den Verästelungen der Atemwege in der Lunge − verdickt sich, es bildet sich vermehrt Schleim und die kleinen Muskeln in den Bronchialwänden verkrampfen, das heißt die Atemwege werden eng. Im Folgenden geht es vor allem um das allergisch bedingte Asthma.

Asthma Baby Kleinkind
Asthma beim Baby und Kleinkind: Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie! Bildquelle: canva Science Photo Library, Pixelshot

 

Autor: Dr. med. Susanne Meinrenken, Dr. med. Anna Eger

Astma bei m Baby: Die wichtigsten Fakten!

Etwa 6 Prozent aller Kinder entwickeln im Laufe ihres Lebens Asthma, wobei Jungen häufiger betroffen sind als Mädchen.

Pfeifende Atemgeräusche, Husten und Atemnot sind typische Asthma-Symptome beim Baby und Kleinkind, es gibt aber auch unspezifische Symptome.

Asthma beim Kind entsteht meist durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren wie Allergien oder Infektionen.

Die Diagnose von Asthma bei Kindern basiert auf typischen Symptomen, dem Anfallsverlauf, einer Lungenfunktionsprüfung und dem Ausschluss anderer Ursachen.

Die Therapie des Asthmas erfolgt im Wesentlichen leitliniengerecht mit Bedarfsmedikation und inhalativen Kortikoiden, angepasst an die Häufigkeit und Schwere der Beschwerden.

Es gibt vielversprechende neue und moderne Therapieansätze, die eine gezieltere Asthmakontrolle und weniger Nebenwirkungen ermöglichen.

 

Asthma beim Baby und Kleinkind: Wie kann man das erkennen?

Die Veränderungen in der Lunge beim allergischen Asthma machen das Atmen schwer: Die betroffenen Säuglinge oder Kinder müssen husten, spucken oft Schleim aus, bekommen schlecht Luft, atmen schwer und man hört häufig auch ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen (Giemen). Dies entsteht, wenn die Luft aus den verengten Bronchien ausströmt. Bei Säuglingen ist das typische Giemen häufig das deutlichste Symptom eines allergisch bedingten Asthmas. Husten ist ebenfalls typisch. Zusätzliche Atemnot tritt oft erst im Kleinkindalter auf; etwas ältere Kinder klagen manchmal zusätzlich auch über ein Engegefühl im Brustraum. Lässt sich der Husten nicht stoppen, kann es zu einem Asthma-Anfall mit Benommenheit bis zur Ohnmacht kommen.

Asthma-Symptome beim Baby

Die Asthma-Beschwerden beim Baby oder Kleinkind können ganz unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich auch von Mal zu Mal unterscheiden. Ein Asthmaanfall mit starker Luftnot kann lebensbedrohlich sein und ist dann ein Notfall.

Grundsätzlich allerdings ist die durch die Allergie bedingte Verengung der Bronchien reversibel, die Bronchien werden also nach dem Hustenanfall wieder weit - dies erfordert jedoch oft die Gabe von Medikamenten, Bedarfsmedikamenten beziehungsweise Notfallmedikamenten. Zwischen den Asthmaanfällen haben die Kinder daher in der Regel keine Probleme und atmen ganz unauffällig.

Nicht jedes hörbare Atemgeräusch beim Säugling oder Kleinkind ist zudem durch Asthma bedingt: Gerade in diesem Alter sind die Bronchien oft noch sehr eng; also kann ein einfacher Virusinfekt schon dafür sorgen, dass das Baby schlecht Luft bekommt und die Atmung ungewöhnlich laut hörbar wird. Dies sollte beim Arzt untersucht werden, um festzustellen, ob ein Asthma dahinterstecken könnte oder nicht.

Asthma beim Baby und Kleinkind: Weitere Zeichen und ungewöhnliche Symptome

Allergisches Asthma führt vor allem dazu, dass die Luft schwer durch die Atemwege strömen kann. Daher sind alle Zeichen, die auf eine Luftnot deuten, ein Hinweis auf Asthma: Einziehen der Nasenflügel beim Einatmen, Einziehen der Muskeln zwischen den Rippen deuten auf starke Luftnot hin. Aber auch wenn ein Baby oder Kleinkind wiederholt den Eindruck erweckt oder sogar beschreibt, es bekomme schlecht Luft, sollte man schon hellhörig werden. Hustenanfälle, die vor allem nachts oder jeweils nach einem bestimmten Reiz auftreten, beispielsweise Kontakt mit dem Haustier oder körperliche Belastung, sind ebenfalls ein Hinweis auf ein allergisches Asthma. Manche Kinder mit Asthma leiden eher an Bauchschmerzen, Hals- oder Kopfschmerzen oder sind oft sehr erschöpft; das ist jedoch selten.

Asthma beim Baby und Kleinkind und weitere Allergien

Da allergisches Asthma gerade bei Babys und Kleinkindern oft auch zusammen mit einer Allergie der Haut oder Heuschnupfen auftritt, sind Anzeichen dafür auch ein Hinweis darauf, dass es sich um ein allergisches Asthma handeln könnte, wenn ein kleines Kind oft hustet. Eine häufige Allergie der Haut ist die Neurodermitis, auch Atopisches Ekzem genannt: Die betroffenen Säuglinge und Kinder leiden an geröteter, rauer und juckender Haut, vor allem im Gesicht, an Armen und Beinen, im Windelbereich oder sogar am ganzen Körper. Heuschnupfen macht sich durch Niesanfälle ohne Infekt, gerötete, tränende und juckende Augen bemerkbar.

Die durch die Allergie bedingte Verengung der Bronchien ist jedoch beim Asthma grundsätzlich reversibel, die Bronchien werden also nach dem Hustenanfall – oft aber erst nach Gabe von Medikamenten − wieder weit. Zwischen den Asthmaanfällen haben die Kinder daher in der Regel keine Probleme und atmen ganz unauffällig. 

Asthma im Kindesalter: Wie häufig ist das?

Rund 6 Prozent der Jungen und Mädchen in Deutschland sind in ihrem Leben an Asthma bronchiale erkrankt oder leiden weiterhin daran. Gerade bei den Säuglingen und Kleinkindern sind Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen: Bis zum Alter von 2 Jahren wird einer Erhebung von 2014 zufolge die Diagnose Asthma bei 1,4 Prozent der Mädchen, aber 3 Prozent der Jungen gestellt (Lebenszeitprävalenz, KIGGS, Welle 1). Kindergartenkinder sind zu etwa 6,5 Prozent an Asthma erkrankt, bei Grundschulkindern sind es 2,8 Prozent der Mädchen und 7,7 Prozent der Jungen. Diese Zahlen haben sich in einer neueren Untersuchung von 2018 in etwa bestätigt, allerdings sind ältere Jungen nun etwas häufiger betroffen als früher (KIGGS Welle 2).

Insgesamt ist Asthma bei Kindern in den letzten etwa 60 Jahren deutlich häufiger geworden; dieser Trend hat sich erst in den letzten 10 Jahren abgeschwächt.

Asthma im Kindesalter: Wächst sich das aus?

Etwa 5 Prozent der Kinder mit Asthma bronchiale leiden an einem schweren Asthma. Dies bedeutet, dass sie häufiger als 3-mal im Jahr so starke Asthmaanfälle haben, dass sie sofort Akutmedikamente bzw. Notfallmedikamente benötigen und/oder in einer Klinik behandelt werden müssen. Auch wenn die üblichen Medikamente, zum Beispiel Kortison zum Inhalieren, keine effektive Wirkung haben und die Symptome nicht deutlich reduzieren können, sprechen Ärzte von schwerem Asthma. Bei schwerem Asthma ist die Chance geringer, dass das Asthma bis zum Schulalter vergeht.

Leidet ein Baby bzw. Kleinkind an einer Neurodermitis oder an einer Nahrungsmittelallergie, spricht auch dies eher dafür, dass im Schulalter noch zusätzlich ein Asthma bronchiale hinzukommen und noch viele Jahre bestehenbleiben wird. Hier spielen auch genetische Merkmale, also vererbte Veränderungen eine Rolle.

Bei etwa der Hälfte derjenigen allerdings, die als Säugling oder Kleinkind häufiger husten und an Atemnot beziehungsweise an Asthma bronchiale leiden, gehen diese Beschwerden bis zum Schulalter oder bis zur Pubertät ganz zurück. 

Asthma beim Baby und Kleinkind: Was weiß man über die Ursachen?

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts erkranken vor allem in den Industrieländern immer mehr Kinder an Allergien, und damit auch an allergischem Asthma bronchiale. Bei der Suche nach den Ursachen für diese Entwicklung sind Forscher schon vor vielen Jahren auf Erklärungen gestoßen, die sich auch in neueren Studien immer wieder bestätigen, die sogenannte Hygiene-Hypothese oder der Bauernhof-Effekt. Denn wie sich in mehreren Studien aus verschiedenen Ländern zeigte, erkranken die Kinder gehäuft an allergischem Asthma, die eher in städtischen Gebieten wohnen. Hier ist zum einen die Luftverschmutzung höher als auf dem Land; entscheidender ist zum anderen aber offenbar der Kontakt zu Kühen auf Bauernhöfen. Leben Familien sehr eng mit ihren Kühen zusammen, sind Mütter und Kleinkinder also auch häufig im Stall, dann wird das Immunsystem offenbar so geprägt, dass es eben nicht so leicht allergisch reagiert. Inzwischen wurden dafür auch bestimmte Substanzen als Schutzfaktoren ausgemacht, die sich vermehrt in Stallstaub finden.

In der Stadt hingegen spielt Hygiene eine größere Rolle; Wohnungen werden häufig geputzt, Stallstaub ist weit entfernt. Offensichtlich muss das Immunsystem am besten schon von Geburt an sozusagen „trainiert“ werden, nicht immer mal wieder überzureagieren, sondern trotz externer Reize wie Pollen, Tierhaaren oder Pilzsporen ganz „gelassen“, also tolerant zu bleiben. Auch Kinder mit mehreren Geschwistern, die demnach häufiger Erkältungsviren mit nach Hause bringen, erkranken seltener als Einzelkinder an einer Allergie. Hier wirkt auch ein regelmäßiger Besuch des Kindergartens eher schützend. Denn auch der häufige Kontakt mit solchen Krankheitserregern „trainiert“ das Immunsystem.

Neben solchen externen Faktoren spielt aber natürlich auch die Vererbung eine Rolle: Kinder, deren Eltern oder Geschwister an einer Allergie, etwa Neurodermitis oder Asthma leiden, erkranken häufiger ebenfalls an einer allergischen Krankheit. Und wenn ein Kind bereits eine Allergie hat, etwa Neurodermitis oder eine Nahrungsmittelallergie, dann ist das Risiko höher, als Schulkind oder später noch zusätzlich ein allergisches Asthma bronchiale zu entwickeln.

Wichtig zu wissen: Reizstoffe in der Luft können zu Husten oder auch zu Asthmaanfällen führen, dazu gehört vor allem auch Tabakrauch in der Wohnung oder im Auto.

Asthma-Symptome beim Baby und Kleinkind: Was kann noch hinter Husten stecken?

Säuglinge und Kleinkinder leiden in der Regel recht häufig an Husten, der auch sehr anhaltend und belastend sein kann. Am häufigsten ist hierfür eine „normale“ Erkältung der Grund, eine Virusinfektion der Bronchien. Bei Kindern gibt es eine Reihe von Viren, die für solchen akuten Husten infrage kommen, häufig sind es Rhinoviren. Dieser Husten bessert sich meist innerhalb von einer Woche deutlich, auch ohne Medikamente oder „nur“ mit pflanzlichen Mitteln.

Husten beim Baby und Kleinkind: Warnzeichen

Kommt zu einem Husten allerdings Fieber hinzu, das länger als 3 Tage anhält, oder bleibt der Husten deutlich länger als eine Woche bestehen, sind genauere Untersuchungen beim Arzt nötig. Möglicherweise ist es zu einer Lungenentzündung gekommen. Ein „bellender Husten“ sollte auch Grund für einen Arztbesuch sein, denn es kann sich um Pseudokrupp handeln.

Aber Achtung: Wenn ein Kind ganz plötzlich sehr stark hustet, nicht aufhören kann oder sogar Luftnot bekommt, kann es auch einen Fremdkörper eingeatmet haben – hier ist sofort ärztliche Hilfe nötig. Ganz allgemein sind auch sehr schnelle Atemfrequenz und Luftnot oder zusätzlich gar Benommenheit grundsätzlich ein Grund, schnell einen Arzt aufzusuchen oder den Notarzt zu rufen.

Ein allergisch bedingter Husten kann auch akut auftreten, etwa bei Kontakt mit einer Katze bei einer Katzenhaarallergie. Oft ist dann beim Ausatmen − in der Hustenpause − ein pfeifendes Geräusch zu hören, das Giemen. Tritt dies erstmals auf, dann ist ein Arztbesuch wichtig. Ist den Eltern bereits bekannt, dass ihr Kind an einer Allergie leidet, sollten entsprechend der Symptome gegebenenfalls die verordneten Notfall-Medikamente zum Einsatz kommen. Ausgeprägte Kurzatmigkeit, Einziehen der Muskeln und Haut zwischen den Rippen oder gar Benommenheit deuten dabei auf starke Luftnot hin, also einen Notfall.

Falls eine Allergie bereits bekannt ist, sich die üblichen Symptome jedoch verändern, das Kind also beispielsweise viel anhaltender als sonst hustet, ist dies ebenfalls ein Warnsignal und das Kind sollte vom KInderarzt untersucht werden. 

Asthma-Diagnose beim Baby: Gibt es spezielle Tests?

Asthma wird insbesondere bei Kindern vor allem anhand der typischen Symptome erkannt. Wenn das Kind nicht gerade in der Arztpraxis hustet oder Luftnot hat, wird der Kinderarzt die Eltern genau fragen, in welchen Situationen sie welche Symptome an ihrem Kind beobachtet haben. Natürlich wird der Arzt die Lungen abhören – aber wenn gerade kein Asthmaanfall besteht, finden sich dort keine Auffälligkeiten. Ebensowenig stehen Labortests zur Verfügung, anhand derer allein man ein Asthma eindeutig feststellen könnte.

Bei Säuglingen wird der Kinderarzt anhand der berichteten Beschwerden sowie den sonstigen Hinweisen auf eine Allergie (Neurodermitis des Babys, Allergien in der Familie) und einer körperlichen Untersuchung entscheiden, ob möglicherweise ein allergisches Asthma vorliegt. Speziellere Tests zur Überprüfung der Lungenfunktion sind in diesem Alter noch nicht möglich bzw. haben kaum Aussagekraft. Gibt es konkrete Hinweise auf einen bestimmten Auslöser, sind gegebenenfalls zusätzlich Bluttests hilfreich, um die Diagnose allergisches Asthma bestätigen zu können.

Da selten auch zahlreiche andere akute oder chronische Krankheiten der Lunge oder auch anderer Organe zu Husten oder Atemproblemen bei Babys und Kleinkindern führen können, wird der Arzt bei entsprechenden Hinweisen darauf verschiedene andere Untersuchungen vornehmen bzw. anordnen.

Asthma-Diagnose beim Kleinkind: Lungenfunktionstests

Auch beim Kleinkind wird der Kinderarzt sich zunächst vor allem die Symptome beschreiben lassen, die die Eltern beobachtet haben, und nach weiteren Hinweisen fragen.

Mit zunehmendem Alter jedoch wird es möglich, mit speziellen Tests die Lungenfunktion zu untersuchen. Hier lässt sich überprüfen, ob das Kind mühelos atmet oder wegen zu enger Bronchien schlecht ausatmen kann. Da wie beschrieben, viele Kinder in der Zeit zwischen den Hustenanfällen ganz normal atmen können, sind solche Tests in Ruhe oft ganz unauffällig. Daher wird ein solcher Test, wenn möglich, noch einmal durchgeführt, wenn sich das Kind in der Arztpraxis kurz körperlich belastet hat oder es eine unschädliche, die Lunge kurz reizende Substanz inhaliert hat. Kurz nach diesem Reiz lassen sich dann im Lungenfunktionstest typische Veränderungen erkennen, falls das Kleinkind an Asthma leidet: Diese Zeichen ergeben sich aus der erschwerten Ausatmung, der sogenannten Obstruktion. Ein deutlicher Hinweis für die Diagnose Asthma ist dann, dass der Test nach der Gabe eines bronchienerweiternden Mittels wieder ganz normal ausfällt. Diese Untersuchungen können in Praxen, die hierauf spezialisiert sind, schon bei Dreijährigen durchgeführt werden. Einige Kinder jedoch möchten oder können diese Atemtests erst im Schulkindalter mitmachen.

Allergisches Asthma beim Baby und Kleinkind: Wie werden Allergietests gemacht?

Grundsätzlich wird der Arzt aus der Kombination aus den berichteten Symptomen, den bekannten Risikofaktoren (etwa eine Allergie der Eltern) und möglichst einem Ergebnis aus einem Lungenfunktionstest die Diagnose allergisches Asthma stellen können.

Vermutet man eine Allergie auf einen bestimmten Auslöser, dann wird der Arzt möglicherweise und je nach Alter des Kindes zusätzlich einen bestimmten Hauttest durchführen, den sogenannten Pricktest. Hier werden die „verdächtigen“ Auslöser auf die Haut aufgebracht und geschaut, ob sich eine juckende Schwellung zeigt. Dies bestätigt eine Allergie. In solchen Fällen lassen sich oft auch per Bluttest bestimmte sogenannte Antikörper feststellen, die eine Allergie gegenüber einem bestimmten Auslöser beweisen. Bei kleinen Kindern sind die häufigsten Auslöser für eine Allergie (Allergene) Hausstaubmilben, Gräser- oder Baumpollen oder Tierhaare bzw. -epithelien; in etwas höherem Alter auch Nahrungsmittel. 

Asthma-Therapie beim Baby oder Kleinkind: Wie sieht das aus?

Ist ein Auslöser für das allergische Asthma bekannt, so sollte man alles unternehmen, diesen zu meiden. Das bezieht sich gerade bei Babys und Kleinkindern oft auf Hausstaubmilben als Allergen. Hier gibt es viele genaue Ratschläge dafür, wie sich die winzigen Milben, die gern im Bett oder in Polstern leben, reduzieren lassen. Häufiges Waschen des Bettzeugs, häufig Lüften, glatte Böden statt Teppichen sind nur einige Beispiele hierfür. Manche Allergene, wie etwa Pollen, lassen sich jedoch kaum meiden.

Grundsätzlich sollte jeder Patient mit Asthma eine individuell angepasste Therapie erhalten; das gilt für Babys und Kleinkinder ebenso wie für Erwachsene. Um die geeignete Behandlung zu planen, können Ärzte auf Experten-Empfehlungen zurückgreifen, die regelmäßig aktualisiert werden. Zunächst geht es dabei darum, genau zu beurteilen, wie schwer das Asthma des Babys oder Kleinkindes ausgeprägt ist: Hustet es nur gelegentlich, also etwa bei Belastung oder bei Kontakt mit auslösenden Allergen oder hat es häufiger und schwerere Symptome bis hin zu häufigen Asthmaanfällen? Nach neuesten Leitlinienempfehlungen wurden spezifische Stufenschemata für drei verschiedene Altersgruppen definiert: 0 bis 4 Jahre, 5 bis 11 Jahre und ab 12 Jahren.

Oft wird eine zunächst niedrigdosierte Therapie begonnen, um zu klären, wie schnell sich die Symptome darunter bessern. Entsprechend wird das Asthma als leicht, mittelgradig oder schwer eingeordnet, und es erfolgt die weitere, genau angepasste Therapie in 5 Stufen.

In Stufe 1 wird dem Baby oder Kleinkind ein Medikament zum Inhalieren verordnet, das im Falle eines Hustenanfalls (bei Bedarf) schnell die Bronchien weitet und zur Linderung führt, ein sogenanntes Betamimetikum. Möglicherweise wird zusätzlich empfohlen, regelmäßig Kortison in niedriger Dosierung zu inhalieren, als entzündungshemmendes Fundament. Diese Empfehlung gilt regelhaft ab Stufe 2; dann in entsprechend ansteigender Dosis. Diese sehr effektiven Wirkstoffe dämpfen die Entzündung im Lungengewebe, und wirken so auch direkt den schädlichen Veränderungen in den Atemwegen entgegen. 

In allen Stufen wird ein Betamimetikum bei Bedarf verordnet. Ist gesichert, dass es sich um ein allergisches Asthma gegen einen bestimmten Auslöser handelt, so gibt es zusätzlich die Möglichkeit, eine sogenannte Allergen-Immuntherapie durchführen zu lassen.

Als Kombination mit dem Kortison in der angepassten Dosierung wird der Kinderarzt je nach Schweregrad zusätzlich bronchienerweiternde oder andere Medikamente verordnen; beim schwersten Asthma gibt es auch die Möglichkeit, ein neueres, sehr zielgerichtet wirkendes Präparat zu nutzen (aus der Gruppe der sogenannten Biologika). Dieses ist aber in der Regel erst für 6-Jährige bei schwerem Asthma zugelassen.

Für Kinder ab 4 Jahren kommt ein neues Konzept, die sogenannte SMART-Therapie, hinzu. SMART bedeutet Single Maintenance and Reliever Therapy. Wenn die Asthmasymptome bei Kindern mit täglicher niedrig- oder mitteldosierten inhalativen Kortisontherapie nicht ausreichend kontrolliert sind, dann erhalten sie ein einziges Kombinations-Inhalat, bestehend aus einem inhalativen Kortison mit einem schnell wirksamen Betamimetikum. Dieses Inhalat wird dann sowohl als Dauertherapie, als auch im Notfall angewendet und reduziert die Gefahr von neuen Attacken sowie die Gesamt-Kortisondosis und damit dessen Nebenwirkungen, insbesondere Wachstumsverzögerung.

Leitlinienempfehlung für die Stufentherapie von Kindern mit Asthma
Altersgruppe  Stufe 1  Stufe 2  Stufe 3  Stufe 4-5

0 bis 4 Jahre (Babys/ Kleinkinder)  SABA bei Bedarf, bei Infekten kurz ICS für 7-10 Tage  ICS niedrig dosiert, Dauertherapie  ICS höhere Dosis oder ICS und Montelukast (sehr zurückhaltend) Keine Kombinationstherapien zugelassen, Biologika nicht empfohlen 
5 bis 11 Jahre (Kinder)  SABA bei Bedarf  ICS niedrig dosiert als Dauertherapie  ICS höhere Dosis oder ICS und LABA  Höhere ICS-Dosis/ ICS + LABA;
Omalizumab ab 5 Jahren möglich

Kinder ab 12 Jahren
(Jugendliche Erwachsene) 

Bedarfsmedikation mit ICS/ Formoterol (SMART) oder SABA + ICS  ICS niedrig dosiert oder ICS/ Formoterol  ICS höhere Dosis oder ICS und LABA  LAMA, Biologika (Dupilumab, Mepolizumab, Omalizumab, Benralizumab)
* SABA: short acting beta-agonists (kurz wirksame Betamimetika); ICS: inhalative Kortikosteroide; LABA: long acting beta-agonists (lang wirksame Betamimetika); LAMA: long acting muscarinic-antagonists (langwirksame Anticholinergika)
Quelle: Dr. med. Anna Eger, www.mein-allergie-portal.com

Asthma-Therapie beim Baby und Kleinkind: Was ist noch zu beachten?

Die meisten Medikamente für die Asthmatherapie sollen nur dort ankommen, wo sie wirken sollen – also direkt in der Lunge. Daher stehen die Wirkstoffe zum Inhalieren zur Verfügung und es wurden verschiedene Inhalier-Systeme entwickelt, mit denen Kinder verschiedener Altersgruppen, gegebenenfalls mit Unterstützung, wirksam inhalieren können. Altersgerechte Spacer mit Maske sind essenziell. Denn nur dann ist die Therapie auch effektiv. Es ist also wichtig, sich beim Kinderarzt genau darüber zu informieren, welches Gerät zum Inhalieren für das eigene Kind am sinnvollsten ist und mit dem Baby oder vor allem mit dem Kleinkind sorgfältig zu üben, wie es am besten inhalieren kann, denn oft ist dies täglich nötig. Und auch wenn das nicht immer gelingt, gilt: Das Inhalieren sollte nicht zum Stresstest für Eltern und Kleinkinder werden, sondern am besten spielerisch erfolgen. Es ist wichtig, die Therapie wie vom Kinderarzt empfohlen durchzuführen.

Der Kinderarzt wird zudem regelmäßig das Wachstum des Kindes, eventuelle Nebenwirkungen der Therapie und die ausreichende Symptomkontrolle kontrollieren. Da sich die Asthma-Beschwerden mit der Zeit ändern können, sind regelmäßige Untersuchungen beim Kinderarzt wichtig. Manchmal sind weitere Medikamente oder höhere Dosierungen nötig, manchmal lässt sich auf die Medikamente verzichten, weil sich das Asthma mit der Zeit „auswächst“. Leidet das Kind trotz Therapie weiterhin unter Beschwerden, wird der Kinderarzt gegebenenfalls einen Facharzt für Lungenkrankheiten bei Kindern hinzuziehen. Ziel der Therapie ist es immer, dass das Baby oder Kleinkind keine Beschwerden mehr hat und im Alltag nicht beeinträchtigt ist. Jedes Kind sollte zudem körperlich belastbar sein, ohne husten zu müssen, denn regelmäßige körperliche Bewegung wirkt sich positiv auch auf die Gesundheit der Lunge aus. Für viele Kinder und ihre Eltern ist es sehr hilfreich, an einem Schulungsprogramm teilzunehmen. Hier vermitteln Experten viele Informationen über die Krankheit allergisches Asthma, geben praktische Ratschläge und erklären, wie die Behandlung am besten funktionieren kann.

Moderne Asthmatherapien für Babys

Gerade bei Säuglingen ist die Behandlung des Asthmas eine besondere Herausforderung, da die Atemwege noch sehr empfindlich sind und nicht alle Medikamente zugelassen sind. Wie auch für andere Altersgruppen werden auch für Babys mit schwerem oder therapieresistentem Asthma zunehmend Biologika erforscht. Diese modernen Antikörper blockieren gezielt bestimmte Entzündungsbotenstoffe. Für ältere Altersgruppen sind beispielsweise bereits Dupilumab und Tezepelumab zugelassen. Studien prüfen den Einsatz von Dupilumab auch im Babyalter, zu Tezepelumab gibt es derzeit keine laufenden klinischen Studien, die den Einsatz im Alter von weniger als 2 Jahren anstreben. Die Forschung entwickelt sich rasant, um die Asthmatherapie auch bei Babys zukünftig gezielter und schonender zu gestalten.

Moderne Asthmatherapien für Kleinkinder

Das Ziel der weiteren Forschungen der Asthmatherapie für Kleinkinder ist ein besserer Schutz vor akuten Verschlechterungen des Asthmas und die Verminderung der Kortisonbelastung. Dafür gibt es ebenso mehrere spannende Entwicklungen in der Pipeline: Neue Biologika mit altersgerechter Zulassung, optimierte Inhalationssysteme und die Ausweitung der SMART-Therapie auf jüngere Altersgruppen unter 4 Jahren. Außerdem zeigen Studien zu einer fixen Dreifachkombination, bestehend aus ICS, LABA und LAMA, vielversprechende Ergebnisse. Des Weiteren widmet man sich der Weiterentwicklung von kindgerechten Spacer-Systemen mit Masken und digitalen Inhalatoren, um die Inhalation zu erleichtern und die richtige Anwendung sicher zu stellen. Zahlreiche weitere neue Wirkstoffklassen, unter anderem neue Leukotrien-Modulatoren mit besserem Sicherheitsprofil und zielgerichtete Antikörper gegen spezifische Entzündungsmediatoren sind in der präklinischen Erforschung.

Quellen:

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Medway. Asthma-Leitlinien 2026: Überblick über die wichtigsten Änderungen. Medway Clinical Updates. 2026.

Afya Portal. Asthma-Management bei Kindern: Neue Tools und Strategien 2026. Afya Medical Education. 2026.

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Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.

03. Juni 2026
Autor: Dr. med. Susanne Meinrenken/Dr. med. Anna Eger

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