Keine Allergie-News verpassen!

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

Sie wollen stets zu Allergien und Intoleranzen informiert werden? Abonnieren Sie kostenlos unseren MeinAllergiePortal-Newsletter!

 

x

Anstrengungsasthma Kinder

Priv.-Doz. Dr. Angela Zacharasiewicz, Leitende Oberärztin am Wilhelminenspital in Wien

Anstrengungsasthma bei Kindern: Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie

Die Zahl der Asthmatiker steigt und zunehmend sind auch Kinderbetroffen. Da liegt es nahe, dass Eltern sich Sorgen machen, wenn ihre Kinder schnell "außer Atem" kommen. Nicht immer, wenn Kindern "die Luft wegbleibt", steckt ein Anstrengungsasthma dahinter. Es gibt aber Anzeichen, die einen Verdacht begründen und denen man nachgehen sollte. MeinAllergiePortal sprach mit Priv.-Doz. Dr. Angela Zacharasiewicz, Leitende Oberärztin am Wilhelminenspital in Wien über Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapie von Anstrengungsasthma bei Kindern.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartnerin: Priv.-Doz. Dr. Angela Zacharasiewicz

Frau Privatdozentin Zacharasiewicz, wann spricht man bei Kindern von einem Anstrengungsasthma und wie sehen die Symptome aus?

Man spricht dann von einem Anstrengungsasthma, wenn Kinder unter körperlicher Belastung, d.h. beim Radfahren, beim Laufen oder beim Turnen in der Schule, plötzlich schlecht Luft bekommen. Oft fangen die Kinder dann auch an zu husten und können nicht weitermachen, weil sie Atemnot empfinden. Diese Symptome können auf ein sogenanntes "Excercise Induced Asthma", d.h. ein Anstrengungsasthma hinweisen. Ob diese Erkrankung tatsächlich besteht, kann man jedoch nicht allein anhand der Symptome diagnostizieren, sondern man muss eine Lungenfunktionsüberprüfung durchführen. Neue nicht invasive Möglichkeiten, wie die Messung von exhaliertem NO - Stickstoff Monoxid - in der Ausatmungsluft sind ebenfalls in der Diagnostik hilfreich.

Manchmal sind die Symptome bei Kindern auch nicht so eindeutig. In unserer Sprechstunde fragen wir deshalb immer ganz ausführlich nach, ob die Kinder z.B. beim Herumtoben immer früher aufhören als ihre Spielkameraden, um gar nicht erst Atemnot zu bekommen – dies kann auch ein Zeichen für ein Anstrengungsasthma sein.

Manchmal meiden die Kinder aber auch von sich aus jede Anstrengung und lesen z.B. lieber oder spielen am Computer. Diese Kinder schonen sich intuitiv, so dass es gar nicht zu Symptomen kommt. Oft glauben die Kinder, dass Bewegung ihnen keinen Spaß macht, weil sie dabei nicht erfolgreich sind und tatsächlich ist dann das Anstrengungsasthma der Grund für die "Bewegungsunlust". Nach Beginn einer Therapie berichten die Eltern dann häufig, dass die Kinder plötzlich viel aktiver geworden sind.

Anzeige

Wie führt man eine solche Lungenfunktionsüberprüfung zur Diagnose von Anstrengungsasthma durch?

Eine Lungenfunktionsüberprüfung wird in einem Lungenfunktionslabor durchgeführt. Dafür misst man zunächst die Lungenfunktion des Kindes im Ruhezustand. Danach wird das Kind belastet, indem man es auf einem Ergometer oder auf einem Laufband trainieren lässt. Danach erfolgt erneut eine Lungenfunktionsmessung und wenn ein Anstrengungsasthma besteht, kann man eine Verschlechterung der Lungenfunktion feststellen. Konkret sieht man dies an einem abnehmenden FEV 1-Wert. Der FEV1-Wert misst das Luftvolumen, das man nach einem tiefen Atemzug in der ersten Sekunde ausatmen kann.

Wie häufig kommt es vor, dass ein Kind mit diesen Symptomen wirklich ein Anstrengungsasthma hat?

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen dafür, weshalb ein Kind unter Belastung außer Atem kommen kann – es muss sich nicht unbedingt um ein Anstrengungsasthma handeln. Generell liegt der Anteil der Kinder, die Asthma haben, für Österreich und Deutschland bei ca. 10 Prozent. Von diesen Kindern haben ca. 35 Prozent Beschwerden, die man als "Excercise-induced" bezeichnen kann. Das bedeutet, dass diese asthmatischen Kinder auf körperliche Anstrengung oder auch Hyperventilation beim Sport mit den typischen Asthmasymptomen reagieren. 

Advertorial

Was spielt sich beim Anstrengungsasthma im Körper ab?

Beim Anstrengungsasthma spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen kommt es zu einer Verengung der Atemwege. Das bedeutet, dass man vielleicht noch gut einatmen kann, aber das Ausatmen fällt sehr schwer. Dann kommt es in den Atemwegen zu einer Entzündungsreaktion, die von einem Anschwellen der Atemwege begleitet wird. Oft kommt es auch zu vermehrter Schleimbildung, was zu einer weiteren Verengung der Atemwege beiträgt.

Zur Ursache dieser Beschwerden gibt es mehrere Theorien. Eine Theorie besagt, dass das starke Hyperventilieren, z.B. beim Sport, insbesondere in kalter Luft, zu einer Abkühlung der Atemwege führt. Man vermutet, dass sich durch die Kühlung die Blutgefäße, die in den Atemwegen in großer Zahl vorhanden sind, zunächst zusammenziehen und verengen. Danach erfolgt eine reaktive Hyperämie, d. h die Blutgefäße öffnen sich und es kommt zu einem überschießenden Anschwellen des Gewebes, also zu einer typischen Schwellung mit Verengung der Atemwege.  

Eine andere Theorie besagt, dass es durch eine Veränderung der Osmolarität in den Atemwegen, d.h. der Durchlässigkeit, zu dieser Ausschüttung von Entzündungsmediatoren bzw. zu Entzündungen kommt. Die Entzündungsmediatoren schädigen dann zusätzlich das Epithel, d.h. die Oberfläche der Atemwege. Wenn die Kinder dann noch zusätzlich kontaminierter Luft ausgesetzt sind, z.B. durch Passivrauchen oder durch Einatmen von Verkehrsabgasen, kann es zu erheblichen Problemen kommen. Die Gifte gelangen durch die geschädigte Schleimhaut noch tiefer in die Lunge hinein.

Welche Rolle spielen allergische Reaktionen in diesem Zusammenhang?

Viele Kinder leiden an einem Allergischen Asthma. Durch die zugrunde liegende Allergie wird die Atemwegsinflammation, d.h. die Entzündung, immer wieder aufrechterhalten bzw. angeheizt. Die Kinder sind dadurch auch anfälliger dafür, bei körperlicher Anstrengung mit einer Atemwegsverengung zu reagieren – man sagt auch "obstruktiv zu werden".

Was sollten Eltern tun wenn sie befürchten, dass ihr Kind ein Anstrengungsasthma entwickelt hat?

Wenn die Eltern bemerken, dass ihr Kind sich ungern bewegt und den Verdacht haben, dass es ein Anstrengungsasthma haben könnte, sollten sie zunächst zu einem Kinderarzt gehen, vorzugsweise zu einem Kinderarzt mit einer pulmologisch allergologischen Zusatzausbildung, der auch eine Lungenfunktion messen kann. Es gibt aber auch Spezialambulanzen für Lungenerkrankungen bei Kindern.

Anzeige

Wie geht der Kinderarzt bei der Diagnose von Anstrengungsasthma vor?

Neben der Lungenfunktionsüberprüfung wird der Kinderarzt auch einen Allergietest durchführen und ebenso Ausschluss- und Differentialdiagnosen überprüfen. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, weshalb ein Kind Symptome der Atemnot unter körperlicher Anstrengung zeigt. Es könnte auch eine Herzerkrankung zugrunde liegen, eine hämatologische Erkrankung, d.h. eine Erkrankung des Blutes oder ein Immundefekt, d.h. eine Abwehrschwäche. Es kann auch sein, dass ein Kind durch vermehrte Infekte geschwächt ist und sich deshalb nicht gern bewegt oder es können auch andere schwere Erkrankungen z.B. eine zystische Fibrose (Mukoviszidose), die Ursache sein. Aber auch starkes Übergewicht, also Adipositas oder schlichtweg ein schlechter Trainingszustand kann zu Bewegungsunlust führen. Die Ursachen sollten auf jeden Fall abgeklärt werden.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Anstrengungsasthma?

Zur Therapie können Betamimetika, inhalative Kortikosteroide und Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten je nach Bedarf so eingesetzt werden, so dass eine Beschwerdefreiheit erreicht wird.

Ganz wichtig ist bei Kindern, das sie immer einen Notfallplan dabei haben und auch immer wissen, was zu tun ist, wenn sie akut keine Luft bekommen. Auch das Notfallspray sollten Kinder immer mit sich führen.

Und ganz wichtig: Passivrauchen ist gefährlich für alle Kinder und ganz besonders für Kinder mit Asthma. Der Rauch schädigt Kinder immer, auch wenn es nur ab und zu die Freunde sind, die in Anwesenheit der Kinder rauchen – dies wird von den Eltern manchmal falsch eingeschätzt!

Advertorial

Gerade bei Asthmatikern wirkt Sport sich sehr positiv auf das Wohlbefinden aus. Gilt das auch für Anstrengungsasthma?

Prinzipiell ist Sport ein wichtiger Eckpfeiler der Therapie von Anstrengungsasthma. Wenn die Kinder Sport treiben, können die Beschwerden besser werden. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass sich bei Menschen mit Anstrengungsasthma durch Sport die Lungenfunktionswerte verbessern. Es kommt dann nicht mehr so häufig zu Beschwerden.

Wichtig bei Kindern ist, dass der Sport ihnen Spaß macht, denn sonst machen sie langfristig nicht mit. Weiter muss die Therapie so gut eingestellt sein, dass die Kinder beim Sport beschwerdefrei bleiben und den Sport gerne und gut betreiben können. Das kann man z.B. erreichen, indem man vor dem Sport ein Betamimetikum einsetzt, das die Lunge weitet. Sollte dies nicht ausreichen, kann eine niedrigdosierte inhalative Kortikosteroidtherapie, die auch die zugrundeliegende Entzündung behandelt,  hilfreich sein. Auch Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten haben sich hier bewährt.

Frau Privatdozentin Zacharasiewicz, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

 

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.