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Asthma Rauchen

Prof. Dr. Heinrich Worth, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga zum Einfluß des Rauchens auf Asthma!

Asthma? Welchen Effekt hat das Rauchen auf die Erkrankung?

Etwa 6 Prozent der Deutschen sind von der Lungenerkrankung Asthma betroffen. Die Krankheit verursacht unangenehme und teilweise auch beängstigende Symptome und schränkt die Lebensqualität der Betroffenen spürbar ein. Eigentlich steht außer Frage, dass Menschen, die Asthma bronchiale haben, nicht rauchen sollten, aber so einfach ist es nicht. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. Heinrich Worth, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga über Asthma und welchen Effekt das Rauchen auf die Erkrankung hat.

Autor: Sabine Jossé

Interviewpartner: Prof. Dr. Heinrich Worth

Herr Prof. Worth, wie viele Patienten mit Asthma rauchen?

Bei den Asthmatikern rechnet man mit einem Raucheranteil von ca. 30 Prozent, d.h. 30 Prozent der Menschen mit Asthma rauchen oder haben geraucht.

Darf man denn trotz der Diagnose Asthma rauchen?

Viele Patienten hören vermutlich nicht auf zu rauchen, da nicht genau bekannt ist, ob das Rauchen von Zigaretten die Ursache für das Asthma ist. Sicher ist jedoch, dass es beim Asthma durch das Rauchen zu akuten Verschlechterungen kommen kann. 

Gibt es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Rauchen und Asthma? Also kann man vom Rauchen Asthma bekommen?

Der kausale Zusammenhang ist bisher nicht hinreichend gesichert. Zigarettenrauchen verschlechtert die Asthma-Kontrolle, führt zu häufigeren Exazerbationen bei Asthma. Außerdem wird die Effizienz der Behandlung mit inhalativen wie auch systemischen Corticosteroiden eingeschränkt, d.h. Corticosteroide sind bei Rauchern weniger wirksam.

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Welche Auswirkungen hat es auf Patienten mit Asthma, wenn sie weiterhin rauchen?

Das Rauchen wirkt sich bei den Patienten mit Asthma insbesondere auf die Lungenfunktion aus. Bei Kindern und Jugendlichen entwickelt sich die Lungenfunktion, und im Alter von ca. 25 Jahren erreicht ein gesunder Mensch seine besten Lungenfunktionswerte. Im Laufe der folgenden Jahre und Jahrzehnte verschlechtern sich diese Werte dann ganz langsam wieder. Bei Rauchern beschleunigt sich dieser Prozess allerdings. Raucher haben mit 50, 60, 70 Jahren oft bereits eine so schlechte Lungenfunktion, dass bereits bei geringster körperlicher Anstrengung oder gar in Ruhe Atemnot auftritt. Das heißt, das Rauchen beschleunigt den jährlichen Abfall der Lungenfunktion.

Aber: Wenn ein Mensch einige Jahre raucht und dann aufhört, verschlechtert sich die Lungenfunktion langsamer, als wenn er weiterrauchen würde.

Es ist also für Raucher mit Asthma nie zu spät, um mit dem Rauchen aufzuhören?

Es ist zwar nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören, insbesondere bei Asthma, aber man kann die normale Lungenfunktion nicht mehr zurückgewinnen. Das ist nur dann möglich, wenn man vor dem 30igsten Lebensjahr komplett mit dem Rauchen aufhört.

Kann es auch zu einer kurzfristigen Verschlechterung des Asthmas kommen, sobald man aufhört zu rauchen?

Da Zigarettenrauch die Empfindlichkeit der Hustenrezeptoren herabsetzt, kann es in den ersten Tagen nach Aufgabe des Zigarettenrauchens zu einer Zunahme des Hustens kommen. Nach 4 bis 8 Wochen erfolgreicher Abstinenz bessern sich Güte der Asthmakontrolle und Hustensymptomatik.

Gibt es weitere Auswirkungen des Rauchens für Asthma-Patienten?

Die Beschwerden, die durch Asthma hervorgerufen werden, wie z.B. Husten und Auswurf, treten bei Rauchern häufiger auf als bei Nichtrauchern. Außerdem werden vorhandene Komorbiditäten bei Patienten mit Asthma durch das Rauchen ungünstig beeinflusst. Auch ist das Rauchen bei Asthma-Patienten oft der Grund für akute Verschlechterungen und der Verlauf der Erkrankung wird ungünstig beeinflusst. Es gibt jedoch Asthmatiker, die unter einer so starken Überempfindlichkeit der Atemwege leiden, dass sie Rauchen gar nicht ertragen können, Diese Patientengruppe raucht dann auch nicht weiter.

Ein weiterer wichtiger Punkt beim Thema „Asthma und Rauchen“ betrifft jedoch die Medikation.

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Welche Auswirkungen hat es auf die Medikation, wenn Menschen mit Asthma rauchen?

Das Basismedikament bei der Asthmatherapie ist das inhalierbare Kortison. Im Vergleich zum Kortison, das dem Körper in Form von Tabletten oder Spritzen zugeführt wird, hat inhalierbares Kortison den Vorteil, dass man wesentlich niedrigere Dosen benötigt, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Bei Rauchern mit Asthma benötigt man allerdings etwa die fünffache Menge an inhalativem Kortison, um eine Wirkung zu entfalten. Der Grund dafür ist, dass die Entzündung in den Atemwegen, die dem Asthma zugrunde liegt, durch das Rauchen stark stimuliert und aktiviert wird. Deshalb benötigt man wesentlich größere Kortisonmengen um gegenzusteuern.

Führt die fünffach höhere Kortisondosis, die rauchende Asthmatiker benötigen, auch zu mehr Nebenwirkungen?

In der Regel kommt es durch die höheren Kortisondosen, die bei rauchenden Asthmatikern nötig sind, auch zu mehr Nebenwirkungen. Bei hochdosiert eingesetztem inhalativem Kortison gelangt ein Teil des Kortisons in den Köper. Je mehr Kortison eingesetzt werden muss, umso mehr Kortison gelangt in den Körper und umso mehr treten auch am gesamten Körper Nebenwirkungen auf.

Welche Nebenwirkungen treten durch die höhere Kortisondosis bei Rauchern mit Asthma bronchiale auf?

Insgesamt kommt es bei Rauchern zu akuten und chronischen Effekten. Ein akuter Effekt ist der Anstieg von Entzündungsmarkern. Auch Infekte werden bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern weniger gut bewältigt. Durch Viren oder Bakterien verursachte Lungenentzündungen treten bei Rauchern z.B. leichter auf und dauern länger. Das liegt daran, dass Raucher eine gestörte Immunabwehr haben. Außerdem hat man festgestellt, dass Frauen mit Asthma, die rauchen, in Bezug auf die Nebenwirkungen des Rauchens besonders anfällig sind. Die Effekte des Rauchens auf die Lunge kommen bei Raucherinnen also in stärkerem Maße zum Tragen.

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Ist man als Raucher mit Asthma aufgrund der gestörten Immunabwehr eher gefährdet an Corona zu erkranken?

Dies ist zu befürchten.

Beeinflusst das Rauchen auch die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Asthma-Medikamenten? Welches Asthmaspray darf man nehmen, wenn man raucht?

Insbesondere für das wichtigste entzündungshemmende Medikament in der Asthmatherapie, das inhalierbare Kortison wurde bei Rauchern eine deutliche Abnahme der Wirksamkeit gezeigt. Um dieselbe Wirkung wie bei einem nicht rauchenden Asthmatiker zu erzielen, muss daher das Medikament viel höher dosiert werden mit der Gefahr von unerwünschten Effekten unter Kortison.

Kann man sagen, dass das Rauchen die Lebensqualität von Menschen mit Asthma vermindert?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Rauchen ist eine Sucht und wenn ein Raucher mit dem Rauchen aufhört, kommt er in eine Entzugsphase, die der Raucher sicher nicht als „hohe Lebensqualität“ empfinden wird. Aber, wenn ein Raucher trotz Asthma das Rauchen als Teil seiner positiven Lebensqualität empfindet, zahlt er dafür einen sehr hohen Preis. Er nimmt dann in Kauf, dass sowohl die krankheitsbedingten Asthma-Symptome als auch das Risiko für Komorbiditäten und medikationsbedingten Nebenwirkungen deutlich steigen, im Vergleich zum nichtrauchenden Erkrankten.

Es gibt ja nicht nur Zigaretten. Wie schlimm ist es mit Asthma Zigarren oder Pfeife zu rauchen?

Die überwiegende Anzahl der Raucher raucht Zigaretten, aber grundsätzlich müssen auch Zigarren- und Pfeifenraucher mit den genannten Auswirkungen rechnen.

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Sind auch Shishas, Elektrozigaretten bzw. das Dampfen schädlich für Asthmatiker?

Shishas, Dampfen und Elektrozigaretten sind ebenfalls nicht unbedenklich. Auch wenn der Nikotinanteil geringer ist, enthalten Shishas und Elektrozigaretten Stoffe, die die Atemwege reizen können. Gerade beim Asthma bronchiale, das mit einer Überempfindlichkeit der Atemwege einhergeht, kann dies zu Problemen führen.

Tierexperimentelle Untersuchungen zeigen, dass bei Patienten mit Asthma auch durch E-Zigaretten Probleme entstehen können, im Sinne einer schlechteren Bewältigung von Infektionen. Man ist sich auch noch nicht darüber im Klaren, ob der niedrigere Nikotinanteil nicht doch dazu führt, dass die E-Zigarette eine Art Vehikel auf dem Weg zur „richtigen“ Zigarette ist, sozusagen eine Vorstufe des Rauchens.

Welche Rolle spielt Passivrauchen bei Asthma?

Auch Passivrauchen ist ungünstig. Man geht davon aus, dass ca. 25 bis 30 Prozent der nichtrauchenden Bevölkerung Passivrauch ausgesetzt sind. Ganz besonders gefährdet sind hier das Personal in der Gastronomie oder die nichtrauchenden Partner von Rauchern.

Mit dem Rauchen aufzuhören, fällt vielen Rauchern schwer, was kann Rauchern helfen, dauerhaft auf die Zigaretten zu verzichten?

Meine Empfehlung ist zunächst, eine sehr gute Tabakanamnese durchzuführen. Das bedeutet, man befragt den Patienten ausführlich wie lange er was raucht und wie intensiv. Dann sollte man mit dem Patienten einen festen Termin vereinbaren, an dem er nicht mehr raucht, diese Methode hat sich bewährt. Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, einem Patienten, der z.B. 20 Zigaretten am Tag raucht zu empfehlen, er solle Monat für Monat täglich jeweils eine Zigarette weniger rauchen. So wird der Raucher nicht erfolgreich entwöhnt. Wichtig ist auch, dass der Arzt bei jedem Gespräch mit dem rauchenden Patienten darauf hinweist, dass es absolut notwendig ist, auf die Zigarette zu verzichten. Bei Rauchern eine Abstinenz zu erreichen ist nicht einfach, aber es gibt unterstützende Maßnahmen. Meist braucht man eine Kombination aus unterschiedlichen Methoden, um Raucher vom Rauchen abzubringen, zum Beispiel Tabakentwöhnungsprogramme und bestimmte Medikamente.

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Wie funktionieren Tabakentwöhnungsprogramme?

Zum einen gibt es Tabakentwöhnungsprogramme, die mitunter auch von Krankenkassen angeboten werden, aber auch von niedergelassenen Ärzten, auch von Lungenärzten. In diesen strukturierten Programmen ist auch eine psychologische Betreuung enthalten.

Weiter gibt es die Möglichkeit den „Nikotinhunger“ durch eine Nikotinersatztherapie zu kontrollieren. Im Rahmen der Therapie wird dem Patienten Nikotin in Form von Nikotinkaugummis, Nikotinnasensprays oder Nikotinpflastern zur Verfügung gestellt. Was aber, wenn Raucher mit diesen Tabakentwöhnungsprogrammen nicht das gewünschte Ziel erreichen? Für diese Fälle kann man auch auf Medikamente zurückgreifen.

Welche Medikamente helfen bei der Tabakentwöhnung?

Zur Erleichterung der Entwöhnung gibt es Medikamente, die suchthemmend wirken und die über durchschnittlich 12 Wochen eingenommen werden müssen. Aus meiner Erfahrung ist der Wirkstoff Vareniclin erfolgreich bei der Raucherentwöhnung. Die Entwöhnungsraten liegen hier höher als z.B. beim Wirkstoff Bupropion. Leider werden diese Medikamente, die recht teuer sind, nicht regelhaft von den Krankenkassen übernommen. Vareniclin musste in Deutschland zumindest zeitweise vom Markt genommen werden wegen eines erhöhten Nitrosamingehaltes. Grundsätzlich kann man diese Medikamente mit einer Nikotinersatztherapie kombinieren.

Dann gibt es noch alternative Methoden wie Hypnose und Akupunktur, aber die Erfolgsquoten sind hier deutlich schlechter. Die wichtigste Maßnahme aber ist und bleibt die Vorbeugung.

Wie lässt sich vorbeugen, bzw. verhindern, dass es überhaupt zum Rauchen kommt?

Bereits in der Schule, ab der 4. Grundschulklasse, sollte man beginnen, dem Einstieg ins Rauchen gegenzusteuern, insbesondere bei Kindern rauchender Eltern. In einigen Modellprogrammen in Deutschland wird dies umgesetzt, aber nicht flächendeckend. Außerdem gilt es nicht nur beim Zigarettenrauchen gegenzusteuern, sondern auch bei den Shishas und bei den E-Zigaretten.

Tatsächlich ist die Zahl der rauchenden Teenager in den letzten Jahren zurückgegangen, aber dafür ist die Zahl der Jugendlichen, die Shisha rauchen, gestiegen. Das Problem ist, dass im Falle der Shishas eine Harmlosigkeit suggeriert wird, die so nicht gegeben ist, auch hier muss dringend gegengesteuert werden.

Herr Prof. Worth, herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.