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Asthma Kind Asthmaspray

Dr. med. Verena Mandelbaum über Asthma beim Kind: Was ist das richtige Asthmaspray?

Asthma beim Kind: Was ist das richtige Asthmaspray?

Wenn Kinder an Asthma erkranken, stellen sich für die Eltern viele verschiedene Fragen. Welche Therapie braucht mein Kind? Was ist das richtige Asthmaspray? Wie kann ich den Alltag meines Kindes erleichtern und welche Hilfestellungen gibt es? Einen Überblick über Wirkstoffe, Therapie und die verschiedenen Sprays gibt der folgende Artikel.

Autor: Sabine Jossé M. A.

Interviewpartner: Dr. med. Verena Mandelbaum

Wie häufig ist Asthma bei Kindern?

Die Häufigkeit von Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten Jahrzenten zugenommen. Ungefähr 10 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland leben mit der Diagnose Asthma. Wichtig bei der Diagnose ist, die typischen Symptomen einer Asthmaerkrankung zu kennen.

Wie erkennt man Asthma beim Kind?

Asthma kann sich bei Kindern anhand vieler Symptome zeigen. Die betroffenen Kinder müssen husten, würgen an zähmen Schleim, bekommen schlecht Luft, atmen schwer und man hört häufig auch ein pfeifendes Geräusch beim Ausatmen, das als „Giemen“ bezeichnet wird. Diese Symptome sind typischerweise auch ohne Erkältung vorhanden und treten mitten in der Nacht in den frühen Morgenstunden auf.

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Warum husten Kinder mit Asthma nachts?

Vor allem nachts tritt ein vermehrtes Husten auf, das stört den Schlaf und sorgt für Übermüdung tagsüber. „Das nächtliche Husten ist auf eine Verengung der Bronchien zurück- zuführen, da die Weite der Bronchien dem Tag-Nacht-Rhythmus unterliegt und so nachts eine Verengung der Atemwege stattfindet“, erklärt Dr. med. Verena Mandelbaum, Kinderärztin, Allergologin und Pädiatrische Pneumologin in der Privatpraxis für Asthma & Allergien in der ATOS Klinik in Heidelberg.

Kann eine Asthmatherapie Kinder heilen?

Asthma bronchiale im Kindesalter ist zu 80 Prozent allergisch bedingt. Da über die Hälfte der Kinder ihre Allergie nach der Pubertät verlieren, besteht eine Chance, das Asthma im Alter von 20 Jahren ausgewachsen zu haben. Wird jedoch zwischenzeitlich die Entzündungsreaktion in den Atemwegen nicht durch eine antientzündliche Therapie gehemmt, kommt es zu einer irreversiblen Veränderung an der Schleimhaut. Deshalb ist die frühe und konsequente entzündungshemmende Asthma-Therapie wichtig, da sie lebenslange Veränderungen verhindern kann. Eine Asthma-Therapie sollte dem Kind einen normalen Alltag ermöglichen. “Das Ziel der Therapie sollte folgende Aspekte beinhalten: ruhigen Nachtschlaf, aktive Teilnahme in der Schule und die Möglichkeit der sportlichen Betätigung“. berichtet Dr. Mandelbaum.

Wie wird Asthma bei Kindern behandelt und welches Asthmaspray hilft beim akuten Asthmaanfall?

Bei der Therapie von Kindern mit Asthma geht man entsprechend der Leitlinie „Asthma bronchiale im Kindes—und Jugendalter“ stufenweise vor, dafür gibt es die Stufen 1 bis 5. Die unterschiedlichen Therapiestufen orientieren sich nach der Schwere der Erkrankung und basieren auf der ärztlichen Diagnose. Abhängig davon, welche Therapie das Kind benötigt, unterscheidet man zwischen Dauer- und Akut-Medikation bei Bedarf. Dr. Mandelbaum erklärt ihre Vorgehensweise: „Grundsätzlich verordnet man als Akutmedikament einen schnellwirksamen Beta 2 Agonisten, zum Beispiel Salbutamol. Diese Medikamentengruppe wirkt direkt an den Bronchien und führt zur Entspannung der glatten Muskulatur in der Bronchialwand, sie wirkt also der Verengung entgegen. Dies tut sie schnell innerhalb von 5 Minuten. Deshalb ist Salbutamol das klassische Notfall-Medikament. Der Effekt lässt aber nach spätestens 5 Stunden wieder nach, so dass der Schlaf nicht für eine ganze Nacht geschützt werden kann. Die Darreichungsformen sind je nach Alter und Einweisungsstand des Patienten Inhalatoren als Spray oder Pulver, Zusätze für die Nassinhalation und auch Tropfen in den Mund, die jedoch deutlich mehr Unruhe auslösen und deshalb nicht so gerne eingesetzt werden.

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Welche Dauertherapie mit Asthmaspray hilft Kindern mit Asthma?

Wenn die Kinder eine sogenannte „Controller“ Therapie benötigen, also Medikamente die dauerhaft eingesetzt werden, um die Beschwerden zu kontrollieren, greift man meist zu niedrig dosierten inhalativen Steroiden (ICS). Eine weitere Therapieform ist die Kombination aus langwirksamen Beta 2 Agonisten (LABA) und niedrig dosierten inhalativen Steroiden.

„Wichtig zu wissen ist jedoch, dass diese Therapie nur in Form eines Kombinationspräparates sinnvoll ist“, betont Dr. Mandelbaum, „langwirksame Beta 2 Agonisten sind eigentlich zur Therapie von COPD gedacht, haben als Monotherapie keine antientzündliche Wirkung und sind somit als Monopräparat unbrauchbar in der Asthmatherapie, sie verschleiern lediglich die Symptome, ohne die Entzündung zu stoppen“.

Langwirksame Anticholinergika (LAMA) für Kinder mit Asthma

Seit 2018 sind für Kinder ab 6 Jahren auch die sogenannten LAMAs zugelassen. Bei diesen Arzneimitteln handelt es sich um langwirksame Anticholinergika, die nur zusätzlich zu einer „Controller“ Therapie gegeben werden sollten.

Beim Asthma ist, zusätzlich zur Schleimhaut-Schwellung und dem dadurch produzierten zähen Sekret, vor allem die Verengung der glatten Atemmuskulatur das Problem. Diese Verengung der Atemwege kann zu einem Asthma-Anfall führen. Wie mit den kurzwirksamen Betamimetika kann dieser auch mit Hilfe der LAMAs verhindert werden. Die Wirkung tritt jedoch erst nach 20 Minuten ein, hält dafür aber 6 bis 8 Stunden, was schon eher eine ruhige Nacht ermöglicht.

Die Mechanismen, die dabei im Köper ablaufen, erklärt Dr. Mandelbaum so: „Die langwirksamen Anticholinergika wirken auch an der glatten Muskulatur der Bronchien. Sie besetzen die MuscarinM3-Rezeptoren, so dass diese nicht aktiviert werden können. Dadurch, dass diese Präparate an einem anderen Rezeptor wirken als die schnellwirksamen Beta 2 Agonisten, hält man den Rezeptor im Prinzip frei und kann in Akutsituationen zusätzlich das schnellwirksame Salbutamol einsetzen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt beim Einsatz dieser Medikamente. Das Prinzip kennen wir schon lange durch das kürzer wirksame Ipratropium, das seit über 30 Jahren zusammen mit Salbutamol bei der Nassinhalation der obstruktiven Bronchitis eingesetzt wird“.

Langwirksame Anticholinergika haben jedoch noch weitere Vorteile. „Wie der Name schon verrät, sind die Medikamente langwirksam – die Kinder müssen sie nur einmal täglich am Morgen einnehmen und sie wirken 24 Stunden lang“, betont Dr. Mandelbaum, „außerdem kann man sie gut mit anderen Präparaten kombinieren, die Nebenwirkungen sind gering und sie sind auch dann noch einsetzbar, wenn das Kind an einer zusätzlichen Infektion der Atemwege leidet, die zur Asthmaexazerbation führen kann.“

Welche Asthmasprays zur Bedarfstherapie (Reliever) gibt es für Kinder?

Für Kinder gibt es verschiedene Asthmasprays, die unterschiedliche Wirkstoffe enthalten. Zunächst sollte der Arzt die Stufe des Schweregrades der Erkrankung bestimmen, um zu entscheiden, ob eine „Controller“ oder eine „Reliever“ Therapie für das Kind benötigt wird.

Zu den Bedarfsmedikamenten bei Asthma, also den „Reliever“ Präparaten zählen beispielsweise:

  • Salbutamol (schnell und kurzwirksam)
  • Formoterol (schnell und langwirksam)

Frau Dr. Mandelbaum berichtet: „Wenn mein Patient gut eingestellt ist, braucht man diese Medikation eigentlich gar nicht, sie gelten aber als eine Art „Sicherheitsanker“ für die Kinder. Sie wissen dann, dass sie im Notfall auf dieses Präparat zurückgreifen können. Man sollte allerdings immer darauf achten, dass diese Medikamente nicht zu häufig eingesetzt und damit die Rezeptoren zu sehr beansprucht werden. Ansonsten könnte es passieren, dass sie im Notfall nicht mehr so gut reagieren“!

Welche Asthmasprays zur Dauertherapie (Controller) gibt es für Kinder?

Die Asthma-Dauermedikation wird auch „Controller-Therapie“ genannt, da sie zu einer dauerhaften Kontrolle der Symptome führen soll. Auch diese Therapieform ist in Form von Asthmasprays möglich. Hierzu zählen zum Beispiel diese Wirkstoffe:

 

  • Budesonid
  • Fluticason
  • Beclometason

Bei den „Controllern“ handelt es sich in erster Linie um inhalative Steroide, die immer auch eine antientzündliche Wirkung haben und dadurch helfen können, Asthma-Symptome und Anfälle dauerhaft zu reduzieren.

Oftmals werden sie auch als Kombipräparate gegeben, so kann die Dosis der Steroide möglichst gering gehalten werden und es treten insgesamt weniger Nebenwirkungen auf. Häufige Kombinationen sind: inhalative Steroide mit langwirksamen Beta-2 Agonisten (kurz LABA) und langwirksamen Anticholinergika (kurz LAMA). Vor allem bei den Cortison Sprays machen sich viele Eltern Sorgen um die Nebenwirkungen, zum Beispiel Pilzinfektionen im Mund. Hierbei gilt aber, dass die Kinder durch sofortiges Ausspülen des Mundes, Trinken oder Essen meist das Auftreten von Nebenwirkungen verhindern können.

Um zu prüfen, ob der Patient gut eingestellt ist und damit der Einsatz eines „Reliever“ gar nicht erst nötig wird, gibt es inzwischen sehr nützliche digitale Helfer. Ein Beispiel ist der Elektronische Peak-Flow-Meter. „Den Kindern macht es auch wirklich Spaß hinein zu pusten und zusätzlich sind alle Messungen im Handy gespeichert“, berichtet Dr. Mandelbaum, „die Messungen können dann ganz einfach wöchentlich, oder eben auch mal akut, direkt an den Arzt geschickt werden. Das erleichtert die Betreuung der Patienten erheblich“.

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Welches Asthmaspray hilft, wenn das Kind Belastungsasthma hat?

Belastungsasthma ist eine Form des Asthmas, die auftritt, wenn sich Kinder körperlich betätigt haben. Nach dem Sport oder durch ausgiebiges Spielen kann es, vor allem auch in Kombination mit kalter Luft, leicht zu akuten Asthmaanfällen kommen. Hier ist zur Dauertherapie zunächst ein Therapieversuch ohne Kortison mit Leukotrien-Rezeptor- Antagonisten die erste Wahl. Beim belastungsabhängigen Asthma funktioniert das häufig sehr gut. Der Erfolg sollte durch eine Rennbelastung unter standardisierten Bedingungen, möglichst mit Lungenfunktion überprüft werden, um eine angstfreie körperliche Belastung des Kindes wieder zu gewähren. Zusätzlich ist es schwierig während des Sports auf die Atmung zu achten, vor allem wenn keine schweren Symptome mehr bestehen. Es ist trotzdem ratsam, ein „Reliever“-Medikament, wie beispielsweise Salbutamol, griffbereit zu haben.

Anwendung des Asthmasprays - welches Inhaliergerät ist das Beste für Kinder mit Asthma?

Bei der Inhalation des Asthmasprays ist es besonders wichtig, dass richtig inhaliert wird! Einige Asthmasprays haben einen integrierten Inhaliermechanismus, der eine optimale Dosisagabe ermöglicht. Das gilt sowohl für Sprays als auch für Pulverinhalatoren. Da unterschiedliche Atemzugsstärken notwendig sind, um den jeweiligen Mechanismus auszulösen, muss die Anwendung in der Praxis erklärt, vorgemacht und überprüft werden. Bei jedem Kontrollbesuch sollte eine erneute Überprüfung der Inhalationstechnik erfolgen! Sollte die eingebaute Inhalierhilfe nicht möglich sein, sollte eine Vorschaltkammer – Spacer genannt- unbedingt verwendet werden. Die so sehr wichtige Inhalationsbehandlung von Asthma bronchiale kann nur mittels einer optimalen Inhalation sichergestellt werden. Dies kann gar nicht oft genug betont werden!

Um herauszufinden welches Inhaliergerät das Beste für das eigene Kind ist, sollte man das Alter, den Entwicklungsstand des Kindes und auch die gewünschte Dosierung des Medikaments berücksichtigen. Ziel der Inhalation ist es ja, den jeweiligen Wirkstoff möglichst gleichmäßig in die Atemwege zu bringen, damit sie dort lokal wirken können.

Folgende Möglichkeiten für Inhaliergeräte gibt es bei Asthma:

  • Dosieraerosole (auch für Säuglinge und Kleinkinder geeignet)
  • Vernebler (für die Akuttherapie Zuhause)
  • Formen der Pulverinhalation: Einzelkapselsysteme (z.B. Spinhaler, Aerolizer), Multirevolverkapseln, Systeme für multiple Einzeldosen (z.B. Diskus) oder Gesamtreservoire (z.B. Turbohaler, Novolizer)

Bei all diesen Inhalationssystemen sollte man mit dem Arzt das passende Gerät finden und vor allem die passenden Atemmanöver besprechen und üben.

Welches Asthmaspray hat die wenigsten Nebenwirkungen?

Schnell- wirksame ß-Mimetika wie Salbutamol oder langwirksam Formoterol können zu Unruhe und erhöhtem Puls führen. Manche Kinder sind hierauf besonders empfindlich. Schwerwiegenden Schaden nehmen die Kinder dadurch nicht. Ihr Konzentrationsvermögen , zum Beispiel in der Schule, kann aber dadurch beeinträchtigt werden. Deshalb sollte durch eine optimale Dauertherapie der Einsatz vom Notfallmedikament so selten wie möglich notwendig sein. Bei einem Bedarf von häufiger als 2 Mal in der Woche sollte unbedingt die Dauertherapie verändert werden.

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Welcher Arzt hilft Kindern mit Asthma?

Viele Eltern fragen sich, welcher Arzt ihr Kind am besten betreuen kann, wenn es Asthma hat. Grundsätzlich kann der Kinderarzt die Diagnose Asthma stellen, allerdings sollte man gerade bei schwereren Verläufen und spätestens ab dem Schweregrad Stufe 4 einen Spezialisten, den pädiatrischen Pneumologen, hinzuziehen. “Bei Kindern mit wirklich sehr schwerem Asthma sollte auch der Einsatz von Antikörpern erfolgen. Damit sind teilweise unglaublich tolle Ergebnisse zu erzielen”, so Dr. Mandelbaum, “sie müssen unter die Haut gespritzt werden, zunächst in der Praxis und später auch von der Familie zu Hause im 2 wöchigen Abstand. Diese Entscheidungen sollten aber wirklich nur von sehr erfahrenen Spezialisten erwogen werden.”

Empfohlen werden auch regelmäßige Schulungen für Kinder und Eltern, um das Wissen um die Erkrankung, den Umgang mit Notfällen, der Medikation, aber auch über die Bewältigung  des Alltags zu vertiefen. Das hilft auf jeden Fall im Umgang mit der Erkrankung ersetzt aber, wegen der möglichen Langzeitschäden, nicht eine konsequente individuell angepasste antientzündliche Therapie.

Neue Therapie für schweres Asthma bei Kleinkind 1 bis 5 Jahre

Leidet Ihr Kleinkind an häufiger Atemnot sowie Pfeifen der Lunge? Für eine Studie suchen wir Kinder (beiderlei Geschlechts, zwischen 1 und 5 Jahren), die an einem unkontrollierten Asthma leiden und an der Teilnahme an einer klinischen Forschungsstudie interessiert sind. Weitere Informationen zur TIPP-Studie finden Sie hier!

 

Quellen:

Leitlinien der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e.V.

https://www.mein-allergie-portal.com/asthma/3523-asthma-beim-schulkind-und-jugendlichen.html

Wichtiger Hinweis

Unsere Beiträge beinhalten lediglich allgemeine Informationen und Hinweise. Sie dienen nicht der Selbstdiagnose, Selbstbehandlung oder Selbstmedikation und ersetzen nicht den Arztbesuch. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.