Asthma Kind

Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Chefarzt am Kinderzentrum im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld zur Frage, woran man Asthma beim Kind erkennt und welche Erkrankungen ähnlich sind!

Woran erkennt man Asthma beim Kind? Ähnliche Erkrankungen?

Hat mein Kind Asthma? Diese Frage stellen sich besorgte Eltern schnell, wenn das Kind schwer atmet, über Atemnot klagt oder hustet. Für diese und andere „typische Asthmasymptome“ kann es jedoch auch andere Ursachen geben – es muss nicht gleich ein Asthma vorliegen. Die Gründe für asthmaähnliche Symptome können zahlreich sein und es bedarf einer sorgsamen Diagnose. MeinAllergiePortal sprach mit Prof. Dr. med. Eckard Hamelmann, Chefarzt am Kinderzentrum im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld und 1. Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) e.V. darüber, woran man Asthma beim Kind erkennt und welche Erkrankungen ähnlich sind.

Herr Prof. Hamelmann, wie kann sich Asthma bei Kindern bemerkbar machen?

Asthma kann sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise und zu verschiedenen Lebensaltern bemerkbar machen. Asthma ist zunächst einmal eine obstruktive Atemwegserkrankung, deshalb ist das sogenannte Giemen, also ein verlängertes und/oder pfeifendes Ausatemgeräusch ein führendes Symptom. Eine hörbare, pfeifende Ausatmung ist also immer ein klassisches Warnsignal für ein eventuell bestehendes Asthma. Auch eine wiederholte subjektive Atemnot, wenn also das Kind glaubt, keine Luft mehr zu bekommen, schneller und schwerer atmet oder beim Atmen sogar Einziehungen an den Rippen oder den Nasenflügeln zeigt, kann ein wichtiger Hinweis auf Asthma sein. Auch ein unspezifischer, trockener Husten, insbesondere nachts, nach Belastung oder nach Allergenexposition, kann auf Asthma hindeuten. Sehr viel seltener können Bauch- und Kopfschmerzen, Halskratzen, Erschöpfung oder Seitenstechen unspezifische Symptome eines Asthmas sein.

Welche anderen Erkrankungen haben ähnliche Symptome und wie sehen diese Symptome aus?

Es gibt zahlreiche andere obstruktive Erkrankungen und Differenzialdiagnosen zum Asthma.

Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist es schwer, zwischen einem frühkindlichen Asthma und ganz „normalen“ akuten obstruktiven Virusinfektion zu unterscheiden. Wenn ein Einjähriges seinen ersten Winter durchlebt oder ein Geschwister in die Kita geht, wird es beim Kleinkind früher oder später zu einer Virusinfektion kommen. Besteht dann eine angeborene bronchiale Überempfindlichkeit, kann eine akute virusinduzierte obstruktive Bronchitis entstehen. Auch für den Spezialisten ist dies „von außen“ nicht vom Asthma zu unterscheiden. Die typischen Symptome, wie Obstruktion, Atemstörungen, vermehrter Husten, eine erschwerte Ausatmung und vielleicht ein pfeifendes Atemgeräusch, können also die Anzeichen einer ersten Asthmaepisode sein oder – viel häufiger - eines harmlosen Virusinfekts. Auch wenn es zu wiederholten obstruktiven Virusinfekten kommt, muss sich daraus kein Asthma entwickeln.

Asthmaähnliche Symptome bei Kindern können also auch ganz „normale“ Begleiterscheinungen eines Virusinfektes sein?

Kinder, die als Kleinkinder gehäuft obstruktive Episoden erleben, diese überwiegend in der Winterzeit und überwiegend Virus-getriggert auftreten, haben ursächlich oft eine bronchiale Hyperreaktivität, also eine Überempfindlichkeit der Bronchien. Hat ein Kind also ausschließlich eine bronchiale Überempfindlichkeit und treten im Winter obstruktive Episoden im Zuge von Infekten auf, spricht man von rezidivierenden obstruktiven Bronchitiden (ROB), die nicht mit Asthma gleichzusetzen sind.

An Asthma sollte man dann denken, wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, sehr häufig sind, auch unabhängig von Infekten auftreten und wenn weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Asthma hinzukommen.

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